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den Weg von der Sartshe bt§' mt die untere Seilte zu machen, ßn der Armee wurde die 22. Division die Kilometer-Division genannt, den Namen hat sie ehrlich verdient.

fHa der Prinz Maintenon verlassen hatte, war meine Auf­gabe hinfällig. Ich mußte mein Regiment wieder aufsuchen und mich bei meinem Obersten zurückmelden. Am sichersten geschah das über Versailles. Ich beschloß, dem Prinzen am anüeren Tage dahin zu folgen. Mein Kommando machte sich marschfertig- Ich ging noch einmal in den schönen Park und suchte all Sie schönen Partien desselben auf. Es wurde mir schwer, Wschiev zu nehmen. Nach all dem Kriegslärm der vergangenen Monate hatte ich hier durch den Monat Januar ein, Asyl gefunden, das mir lieb geworden war. Die prächtigen Bäume, der klare, kristallhelle Fluß, in dem siel) Edelfische tummelten, das schöne Schloß und seine Umgebung hatten es mir angetan. Ich trennte mich schwer, trotzdem ich nun zur Armee zurückkehren und die schönen Tage des Waffenstillstandes unter den Mauern von Paris mit­erleben sollte. Mit vieler Mühe erlangte ich von einer hohen, auf einem großen Rasenplatze stehenden fremdländischen Kiefer einen Zapfen. Wohl ein dntzendmal habe ich mit meinem Säbel danach geworfen, bis er endlich herunterkam. Der Zapfen ist nicht ausgereift, seine Schuppen bilden, obgleich sie sich erkennen lassen, eine kompakte Masse. Ich besitze den Zapfen neben vielen anderen, mir wertvollen Andenken an den Feldzug, heute noch.

Am anderen Morgen, dem 7. Februar, stand mein Kom­mando znm Abmarsch bereit auf dem Schloßplatz. Ein letztes deutsches Kommando im Städtchen Maintenon, dann zogen wir durch die Straßen zum Tore hinaus, begleitet von zahlreichen Menschen, von vielen Kindern, die uns, das Geleite bis zum Ausgang des Städtchens gaben. Aus den Fenstern winkte man uns mit Tüchern zu, ein Beweis, daß man sich durch das Kommando nicht sonderlich beschwert gefühlt hatte. Von meinem Maire und seinen Rat­gebern hatte ich schon sTags vorher freundlichen Abschied ge­nommen.

Und nun, nach beinahe fünfwöchentlicher Ruhe, kilometerteNl wir wieder. Ich hatte keine so große Eile, nach Versailles zu kommen, wir versäumten ja nichts. In kleinen Märschen und nach angenehmen Quartieren erreichten wir, ohne daß der Tor­nister zu sehr drückte, am 8. Februar Versailles über Ram­bouillet. Das ist das bekannte alte Jagdschloß, in das sich auch heute die Präsidenten der französischen Republik gern zeitweise zurückziehen, um in dessen waldreicher Umgebung sich von den Staatsgeschäften zu ertjoien.

Immer mehr erkannten wir in dem Bilde, das die Land­schaft bot, die Nähe der Weltstadt. Wir rückten in Versailles ein: der Weg führte uns ohne unser Zutun auf den großen Platz, der Place d'Arrnes, vor dem majestätischen Schlosse von Ver­sailles. Ich ließ mein Kommando aufmarschieren, die Gewehre znsammensctzen und ging selbst auf das Generalkommando mernes, des 11. Armeekorps, das vertretungsweise vom General v. Schacht- meyer, dem Führer der 21. Division vor Paris, geführt wurde.

Zufällig wurde ich von dem General selbst empfangen. Er befahl mir, mein Kommando in Versailles einzuquartieren, in drei Tagen werde auch die 22. Division die Seine herauf nach Versailles kommen und ich könne mich dann bei meinem Regiments­kommandeur zurückmelden.

Also alles stimmte wundervoll. Ich bestimmte den Platz, auf dem das Kommando hielt, als unseren Alarmplatz, ordnete an. das; das Kommando jeden Morgen zum Appell feldmarschmäßig um 11 Uhr sich hier einzufinden habe und entließ das Kom­mando in die Quartiere.

Auch ich suchte mein Quartier auf, Rue Duxlesir 32. Es war ein sehr gutes Daus, meine Quartierwirte waren ein recht altes Ehepaar, die gütig für mich sorgten. Eine vortreffliche Köchin tat das übrige. Ich komme später noch einmal auf das Quartier zurück.

Jetzt mußte ich wieder hinaus in das militärische Straßen­treiben, im Februar 1871. Die wenigen Zivilisten verschwanden unter der großen Zahl von Militärpersonen. Aber alle gingen geschäftig durch die Straßen, man erkannte, jeder hatte zu tun, jeher hatte Dienst. Die verhältnismäßig geringe Anzahl von Schlachtenbummlern war wohl noch beim Nachmittagskaffee oder schlemmte in den ersten Nachmittagsstunden sonstwo. Deute be­sah ich alles'nur von außen: das Schloß, die gewaltige Terrasse, deren ungezählte Stufen in den berühmten Park hinunter führten, die Avenue de St. Cloud, de Paris und de Sceaux, die wohl die 50 fache Breite haben werden wie der Seltersweg an seiner schmälsten Stelle. Diese drei Avenuen treffen auf der Place d'Arrnes zusammen, dieser wird vom Schloßhofe getrennt durch ein sehr hohes, eisernes Gitter. Hinter diesem im Schloß- Hofe fällt zunächst auf das große, eherne Reiterstandbild Lud­wigs des XIV., um dasselbe herum zwei Reihen überlebensgroßer Statuen von 16 der bedeutendsten Staatsmänner Frankreichs, wie Richelieu, Colbert, Turenne, Condt und andere. Das Schloß selbst enthält das historische Museum, eine Reihe von Sälen sind gefüllt mit den berühmten Schlachtgemälden von Storace Verriet; die Galerie des Glaces, in welcher am 18. Ja­nuar 1871 die Kaiserproklamation stattfand, das ziemlich un­veränderte Sterbezimmer Ludwigs des XIV. und die Schloß- kapecke Ungezählte andere Räume biienen anderen Zwecken, viele der

hohen, lustigen, sonnigen Räume wären auch mit Schwerv-erwun- deten belegt. Als ich eines Tages einen solchen Raum betrat, int Glauben, das auch hier Gemälde zu sehen seien, fand ich neben diesen auch drei schwer Verwundete darin. Ich ging, ohne die Gemälde zu betrachten, von Bett zu Bett, um ein paar Worte mit den ganz frisch um sich Blickenden zu wechseln. Der eine' hob einen kurzen Beinstummel in die Höhe, dessen Wundfläche mit Eiter bedeckt war und sagte gelassen:Ja, das Bein ist fori!" In dem schönen hohen Raum mit seinen sehr hohen Fenstern, in die die Februarsonne schon so milde und freundlich schien, herrschte ein entsetzlicher Eitergeruch. Ich war froh, daß ich anstandshalber den Raum wieder verlassen konnte. In dem weiten Flur draußen stand jetzt ein Bett mit einem weiten Linnen­tuch überdeckt in der Zugluft. Ich fragte die in der Nähr' be­schäftigte Schwester, warum das Bett gerade da stehe, sie antwortete mir gelassen:Ach, der geht heim!" Das geht einem durch Mark und Bein. Der arme Junge, nach dem sich die a'te Mutter Tag i n) Nacht sehnt, stirbt hier einsam und verlassen, statt in der heimatlichen Hütte, ohne tröstlichen Beistand in einem Königsschlosse.

Ich bin müde geworden und bummle wieder meinem Quar­tiere zu. Da fällt mir ein, daß ja die 21. Division mit ihrem kurhessischen Regimentern ganz in der Nähe liegt, auch das 11. Jägerbataillon von Marburg, bei dem ich vor zwei Jahren als Einjähriger stand. Und im nächsten Augenblick laufen mir zwei gute Freunde, Marburger Studenten, der eine Reserve­offizier, der andere Einjährige in die Armee. Das war eine Freude. Sie liegen draußen vor Paris, im Torfe d'Jssy, dicht vor dem gleichnamigen Fort, das seit dem 27. Januar schon von uns besetzt ist. Die Freunde haben einen gut bespannte!» Wagen bei sich, sie haben in Versailles Lebensrnittel eingekauft und laden mich ein, mit hinauszufahren in der Nacht. Ich besinne mich keinen Augenblick, benachrichtige meinen Burschen und nun gehts in die stürmische, regnerische Nacht hinaus. Zwei­dreimal wird der Wagen angehalten durch unsere Posten. Losung und Feldgeschrei werden gefordert und gegeben. Der Wagen klettert eine Höhe hinauf, wir erreichen das Quartier meinet Freunde und vor uns liegt in der dunklen Nacht das Lichtermeer von Paris.

Wir schlafen auf einer Matratze auf dem Zimmerboden. Darin fand man damals gar nichts. Wenns einem nur nicht ins Ge­sicht regnete, dagegen blieben wir empfindlich. Ain anderen Morgen in aller Frühe verlasse ich unter Führung meines Freundes daS Quartier. Jede Mauer, jeder Rest von einem Hans, jeder Graben, hat hier seine Geschichte. Mein Freund, der hier während der ganzen Belagerung von Paris bei Tag und bei Nacht Patrouillen geführt, kennt jeden Stein. Die Granaten, deutsche und fran­zösische, haben auf diesem Plateau alles rasiert, Bäume und Häuser sind weggefegt. Der Boden ist aufgewühlt, ein Erdtrichter ausgeworfeu neben dem anderen, durch eingeschlagene und kre­pierte Granaten. Die Erdwerke unserer Belagerungsbatteriech haben ausgehalten, da schadhafte Stellen immer alsbald wieder- hergestellt wurden. Auf 1500 Schritte vor uns liegt das furcht­bar zerschossene Fort d'Jssy. Unsere Batterie hat das unmoderne Mauerwerk in Trümmer geschossen, die Mauer ist mit dem halben Wall in den Graben gestürzt, es ist Bresche geschossen. Die Bresche war noch nicht gangbar. Um sie für unsere Sturmkolonnen über­schreitbar zu machen, haben die Jäger ganze Berge von Faschinen aus Reiferholz gefertigt. Beim Sturm sollte jeder Mann in der Kolonne eine solche Faschine auf dem Kopf tragen und den Festungsgraben an der Bresche damit volleuvs ausfüllen, um hinüber in das Fort laufen zu können. Dabei gibt es natürlich allerlei Zwischenfälle, vor denen die notgeörungene Kapitulation von Paris unsere Truppen glücklicherweise bewahrt hat. Wir betraten das Fort d'Jssy. Die Baulichkeiten des Forts waren Trümmerhaufen, man konnte nicht verstehen, wie sich innerhalb des Forts noch Lebende hatten halten können. Aus den Wällen standen noch die schweren zum Teil demontierten Geschütze. Eine unserer Granaten war auf die Mündung eines mächtigen Bronze­geschützes geschlagen und hatte dem Geschütz, ..als wäre es aus Wachs geformt, den Mund zugedrückt, so daß es gar nicht mehr mitreben konnte. Ich hob mir zürn Andenken ein paar Granat­splitter auf, die natürlich nur von deutschen Granaten.herrühren konnten.

Aber welch ein Blick von den Wällen dieses hochgelegene» Forts! Das Terrain siel vor uns nach Paris hin steil ab. Da unten flutete die Seine, ihre Wasser umspielten jenseits die Mauern der Stadt, lieber dem Flusse erkannte man de» Wall von Paris, die Enceinte mit ihren frenelietecn Mauern. Aber darüber hinaus welcher Blick über das Flußtal und das Häusermeer von Paris mit feinen monumentalen Gebäuden. Wir sahen an dem klaren Morgen, ohne unsere Augen anzustrengen, die Kirchen Val de Grace, Pantheon, St. Sulpice, Notre Dame, bann das Hotel des Invalides mit seiner in der Sonne strahlenden goldenen Kuppel und alle anderen bemerkenswerten Gebäude. Ich mußte an den Rückweg denken, mein Kommando stand um 11 Uhr auf der place d'armes und ich durfte doch nicht warte» lassen. Ich kletterte nach Seyres hinunter. Von dort führte mich in her Talrinne die Straße über Chaville nach Versailles zurück.

Am 12. Februar traf meine Division von Elboeus an der unteren Seine vor Versailles ein. Ich war ihr eiitgegengegangan#