Ausgabe 
18.1.1911
 
Einzelbild herunterladen

« 40

staben was auf die Tafel schreiben; pastt mal auf l" Und flugs roifchte er mit dem Lappen ein paar mal über die Wanbtafel, wo­bei erHokns-Pokus" ries. Sieb' da! Mit einemmal tauchten auf der schwarzen Fläche weiße Schnörkel auf, bis tm nächsten Augenblick deutlich zu lesen war: Ich, Siegfried Werner, gratuliere mir selbst zi> meinem Geburtstage! Da maßten bte beiden Zn- schauer laut lachen:Ja, ivie geht denn das zu?" rief Otto,du ivirst uns doch nicht iveiß machen wollen, daß bu diese Worte nnt dein Lappen geschrieben hast?"

Geduld," meinte Siegfried,die Erklärung folgt spater! ^eht kommt das zweite Kunststück an die Reihe". Und schon hatte er ein Kartenblatt und eine Nadel geholt. Mst dieser stach er ein Loch in die Spielkarte und sagte:Ich iverde jetzt die Nadelspitze direkt hinter das Loch halten und ihr mögt beide abwechselnd hin­durchsehen. Ich wette, daß ihr die Nadelspitze in der umgekehrten Richtung erblickt, als ich sie halte!"Tas ist einfach unmög­lich", rief Max,man kann einen Gegenstand doch nicht in einer anderen Richtung sehen als die ist, in der er gehalten ivird. Laß mal sehen!" Siegfried lächelte verschmitzt, hielt die Nadelspitze hinter das gestochene Loch und ließ Max von der andern Seite hindurchblicken. Ter Junge fuhr sich mit der Hand über die Allgen, sah hinter das Kartenblatt, dann wieder durch dae Loch und schüttelte den Kopf. Otto desgleichen.Ja, wie geht das zil?" fragte Otto.

Auch dieses Experiinent der Schwarzktmst wird später er­klärt," meinte Siegfried.Jetzt koiunit der dritte Hokus-Pokus daran! In meiner Abwesenheit soll einer von euch einen Schlüssel, den ich vorher aus einen Tiich legte, zil sich stecken. Ich komme dann wieder herein und bringe einen Spiegel mit, auf den ich euch nnt der Spitze eures rechten Mittelfingers tuchen lassen iverde. Die Tupfer werden gut gu sehen sein und ich ivilt ans ihilen er­kennen, iver von eitel) beit Schlüssel zu sich gesteckt hat!" Na, - wenn bir alles gelingt, das aber wird dir nicht gelingen!" lachte Max, und Otto stimmte dem bei.Wösten mal sehen," sagte ruhig Siegfried; und als er seine Schwester Ilse eben in das Zimmer treten sah, bemerkte er beiläufig:Ilse kann gleich mit- machen, da ists für mich freilich um so schwieriger. Hier ist also der Schlüssel! Ich lege ihn auf den Tisch und gehe hinaus. Riift niich, wenn einer uou euch den Schlüssel emgesteckt Hal!" Das alles war das Werk eines Augenblicks. Siegwied ging hinaus; Otto griff sogleich unter Maxens und Ilsens Beisein nach dem Schlüssel und steckte ihn in die Hosentasche. Darauf riefeu alle: Herein l" Siegfried kam zurück, in der Hand einen Spiegel. Er hielt ibn seinen Freunden vor mit der Bitte, auf die Siegel­fläche zu tupfen. Max tat es. Otto tat es. Und Ilse tupfte nun auch darauf. Hierauf machte Siegfried ein sehr pfiffiges Gesicht, hielt beu Siegel so, baß er flach b'arüber sehen konnte, drehte ihn aufmerksam ein parmal hin und her und meinte dann seelenruhig: Otto hat beit Schlüssel eingesteckt!"

Großes Hallo!Wenn bas astes wahr ist und kein bloßer Zufast, so bist bu ein Genie!" rief begeistert Cito.Jetzt aber er­kläre. Wir brennen vor Uitaebulb!"

Nun, hört mal," sagte Siegfried,aste drei Zauberkunststückchen sind so einsach wie mir möglich. Nummer eins: Tie Zauberschrift auf der Tafel batte ich vor eurem Herkommen mit Wachs auf die Tafel gemalt; der Kreidestaub blieb darauf Heben und der Hokus-Pokus mar fertig. Nummer zwei: Tas Experiment mit der Nadel und dein Slartenblatt hat ein Gelehrter entdeckt, namens Grey. Es beruht auf einer Luftspiegelung, die aber nur bann ein­tritt, wenn das Startenblatt gehörig fest und stark (wie bei einer Spielkarte) ist und die (Sntfermingen von Auge, Karte und Nadel die richtigen sind. Tas einfachste war aber das dritte Kimstsiück. Meine Schwester mußte kommen, um nach dein zu tupfen, der den Schlüssel emgesteckt hatte!"

* Der Kampf um die Hähne von Athen. Kleine Ursachen, große Wirkungen; die Hauptstadt Griechenlands ist plötz­lich in zwei feindliche Lager geschieden, und die Bürger der Stadt des Perikies können ihre Erregiing nicht länger meinem. Jeder Fremde, der Athen besucht hat, hat erfahren, daß man dort bei der Morgenröte durch das Kikeriki der Hähne aus dem Schtummer geriffelt wird. Selbst im Mittelpunkt der neuen Stadt ertönt in der Frühe überall der Hahnenschrei; öffnet man das Fenster, so sieht man über sich, auf den flachen Dächern der Häuser, den stolzen Hahn mit seinen Hennen. Aber ein Mann lebt in Alben, so wird imJournal des Tebats" erzählt, der keinen rechten Sinn für dies ländliche Idyll hat: der Konsul von Oesterreich-Ungarn. Er wird allmorgendlich durch ein Kikeriki erweckt, das ihm zu anmaßend erschien, er wollte sich des lärmenden Nachbars ent­ledigen und richtete eine Beschwerde an bte Polizeibehörde. Aber rote böslich und liebenswürdig die Klage des in feiner Morgenrnbe Gestörten auch klang, sie hatte die furchtbarste Wirkung. Ein un­getreuer Beamter verriet die Tatsache der Beschwerde der Athener Presse, und in derHestia" erschien ein empörter Artikel, dessen Verfasser sich mit Leidenschaft für die Hähne von Athen entsetzt und gegen den fremden Barbaren polemisiert. Die Beschwerde gegen einen Hahn von Athen sei eine Beleidigung des Hahnes; der Hahn

ist der Liebling jedes echten Athener Bürgers. Und nun ist ganz Athen, vom Straßenjungen bis hinauf ins Königsschloß, in zwei Lager geschieden: hie die Hähne von Athen, hie Oesterreich! Aber da in der griechischen Hauptstadt so viele auswärtige Diplomaten residieren, darf man auf eine friedliche Beilegung des Konfliktes hoffen, jemand ivird sich schon finden, der vermittelt und den Streit­fall vielleicht vors Haager Schiedsgericht bringt.

* Gin Soldat, der auf großem Fuße lebte. Von einer merkwürdigen Sendung, die vor fast hiindert Jahren bei der französischen Akademie eintraf, erzählt eine Pariser Wochenschrift. Es war ein stattliches Paket, das der Korrespondetit der Akademie, Fernere, im Jahre 1812 nach Paris schickte. Als man es auS- packte, fand man darin einen Schuh, der seitdem historisch ge­worden ist und dabei die amtlich beglaubigten Papiere eines Sol­daten vom 1. Regiment der reitenden Grenadiere. In den Aiilitärvapieren konnte mau lesen, daß Jean-Baptiste Pritch,,ge­boren in Bellencomble (Montblanc), eine Körpergröße von nicht weniger als 6 Fnß 6 Zoll und 2 Linien hatte, einen Brustumfang von 5 Fuß 8 Zoll und ein Gewicht von 269 Pfund. Er starb am 21. Mai 1804 im Atter von 21 Jahren. Als Kuriosität ivurde der Akademie der Schuh dieses Riesen eingeschickt, der so gewaltige Dimensionen zeigte, daß die gelehrten Herren der Akademie an einen Scherz geglaubt hätten, wenn die ambentischen Papiere nicht j edenZweiiel beseitigt batten. Die Konturen der Sohle ergaben eine Länge von ungefähr einen Meter. Aber dem jungen Kriegs- mann war es nicht vergönnt, langeauf fo großem Fuße zu leben", es scheint, daß die Nattir ihre Saune bald wieder bereute und den jungen Riesen im besten Jünglingsalter-aus der Welt abrief.

* Das E n d e der Kleiderbürste. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dann droht der Kleiderbürste nächstens der Untergang. Schon feit längerem bemühen sich die Aerzte, fiel möglichst unbeliebt zu machen. Ein berühmter Hygieniker, der Franzose Dnjardin-Beaumetz, sprach z. B. das harte Wort:Die Kleider dienen mir dazu, die Bürste zn reinigen, und die Bürste dient nur dazu, die Kleider zu beschmutzen." Ganz so trostlos! steht «es nun wohl nm sauber gehaltene _ Bürsten doch nicht, aber zugeben muß man allerdings, das; dieses umstrittene Gerät durchaus nicht als besonders praktisch und hygienisch zn bezeichnen ist. Und fvas dazu angetan ist, ihr die letzten ^Sympathien zn rauben, ist die betrübliche Tatsache, daß sie die Stoffe reibt und abscheuert und ihnen den so malerisch spiegelnden und doch so imenig geschätzten Altersglanz vorzeitig verleihen hilft. Darum haben sich die klugen Kinder Albions schon mehr oder weniges von der tückischen Kleiderbürste losgesagt. In vielen englischen! Familien ersetzt man sie durch den Schwamm. Ein großer Schwamm von guter Qualität wird in Wasser getaucht und dann so lange ausgedrückt, bis er mir noch eine ganz geringe Feuchtig-i feit aufweist. Streicht man nun mit ihm über den Stoff hin in der Richtung des Fadens, so wird von dem Kleidmrgssttick aller Staub aus das schönste entfernt. Der siegreiche Rivale der Kleiderbürste Aber wird nach dem Gebrauch gut durchgespült und dann znm Trocknen an die Luft gehängt. Dieses in England so beliebte Schwammverfahren bürgert sich jetzt auch in Frankreich ein. Sollen wir uns auch entschließen,, die Kleiderbürste mit dem Schwamm tzu vertauschen? Wer weiß, vielleicht lohnt es sich schon gar nicht mehr. Bor irgend einem sinnreichenStaub- fauger" muß sich vielleicht der Schwamm als Kleiderreiniger bald ebenso beschämt verstecken, wie die arme Kleiderbürste.

* Gendarm .(zum Vagabunden bei strenger Kälte, der in der Erwartung, in ein warmes Logis zu kommen,. heiter zu pfeifen anfängt):Sie Männeken, wenn Sie sich nicht ruhig Verhalten, lasse ich Sie gleich wieder laufen!"

* Ein guter Schwiegersohn. Sie:Warum hast du^denn Muttern bei ihrer Ankunft keinen Kuß gegeben?": Er:Ten kriegt se, io ernt se abfährt!"

Bilderrätsel.

(Auflösung in der nächsten Nummer.)

Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Fee Eier Reif Irene Erie Renner; Ferien.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und ©teinbructerei, R. Lange. Gieße»