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Die von A. Kutscher herausgegebene Schillerausgabe weist die- ferben Vorzüge auf. , m.
bk. Der F ü n i u b r t e e der Königin W l l h e l in i n e. Ein lustiger Zwischenfall wird von dem jüngsten Aufenthalt der holländischen Königin in Brüssel erzäblt. Tie Ltadt Brüssel beugt in ihren: reichen Schatze ein wundervolles Ta'elseroice ans masllveiu, getriebenem Silber, das ans oer Werkstatt des Bildhauers van der Stoppen hervorgegangen ist, dazu eine > errlicke Decke ans allein Gewebe im Werke von 40 (M) 'Biart; diese Knnstgegenstände riefen die laute Bewunderung Wilhelminens hervor. Was aber die Ltadt Brüssel nicht besitzt, ist ein Teegeschirr, da der Tee in der belgilchen Hauptstadt sehr wenig geschätzt wird. Nun umfaßte aber das Pro- grauiin der Festlichkeilen, die ,u Ehren der Königin vo>r Holland veranstaltet werden sollten, auch einen „Fünfuhrtee", der in den Empfangsräuinen des Brüsseler Rathauses eingenoinmen werden sollte. Mehrere Tage lang suchte man nach emem Teegeschirr, das würdig wäre, eine königliche Taiel zu schmücken; aber vergebens. Und die Aufregung der Brüsseler Stadtväter war angesichts der nahen Ankunft der Herrscherin ains Höchste gestiegen, als der Stadtrat Grimard erklärte, er habe ein sehr hübsches Teegeschirr, das nicht weniger als 12 000 'Bif. gekouet habe, er stelle dieses zur Verfügung. So kam es, das; König Albert und die Königin Wit- helmine den Tee aus Tassen tranken, die einem der radikalsten Sozialisten unter den Mitgliedern des Brüsseler Magistrats gehören.
* er neueste Tanz. Ter „Doppelboston", das ist der lneueste Tanz, der bestimmt ist, im Balisaal den bereits beliebten Boston" abzulösen. Tast er alle Aussicht hat, der Lieblingstanz der kommenden Saison zu iverden, war die einstimmige Ansicht der Tagung der englischen Tanzlehrer, die soeben im Hotel Cecil in London zusammengetreten sind, um ihre entscheideirden Entschlüsse für das, was im Tanzsaal guter und schlechter Stil ist, zu fassen. Und dieser Tanz der Zukunft verdankt seine „Entdeckung" lediglich einem Zufall; wie sie gemacht wurde, hat der Präsident der Tanzlehrer, Charles d'Albert, einigen englischen Pressevertretern verraten. Der „Boston" oder „Pas de Balse", sagte et, „kann, wie jedermann weist, vorwärts, rückwärts, seit- tvärts lind im Drehen getanzt werden. Aber bis vor kurzen: war niemand auf die Idee gekommen, ihn durch Kreuzen der Füße bei' der Seitwärtsbewegung zu verbessern. Tie Entdeckung dieser Neuen Wendung, die dem Boston einen besonderen Reiz verleihen lvird, ivurde ganz zufällig in einem Tanzsaal im Engadin gemacht. Ein Paar hatte da ganz unbewußt beit neuen Schritt Angenommen, und eine meiner Schülerinnen, die das beobachtet hatte, erzählte mir nach ihrer Rückkehr davon. Ich nannte das sofort Doppel-Boston, und es wird nicht lange dauern, daß man den Tanz überall sehen wird."
* Nervöse Träume. Die Ergebnisse der zahlreichen Unter" suchungen, welche die noch junge Wissenschaft der exverirnentellen Psychologie in den letzten Jahren über die Natur der krankhaften Träume angestellt hat, werden von Professor Horace Sniders in der „Nature" in folgendem zusammengefastt. Wenn man den ziemlich umfangreichen Komplex der Träume der Herzkranken aus- scheidet, bei denen als Urfache der furchtbaren Angstzustände das unregelmäßige Funktionieren des Herzens und feiner Klappen klar zutage liegt, kann man je nach den Grundursachen, der Hysterie, der Epilepsie und der Neurasthenie drei große Gruppen von nervösen Träumen unterscheiden, zwischen die sich selbstverständlich bei gleichzeitigem Vorhandensein mehrerer Ursachen sehr zahlreiche und verschiedene Zivischenformen eilischieben. Der namentlich bei Frauen häufige h y st e r t j ch e Traum kennzeichiiet sich deutlich durch das auffallende Symptom, daß die Träumenden am nächsten Tage nicht mehr unterscheideii können, ob der sie erregende Vot- ?ang ein wirkliches Erlebnis oder nur ein Traumbild war. So egt z. B. eine hysterische Tarne, die nachts von furchtbarem Zahn- reißeii geträumt hak, am nächsten Tage ein heftig schmerzendes Zahnpflaster hinter das Ohr, obwohl sie sich kerngesund fühlt und, in die Enge getrieben, die Möglichkeit zugibt, daß alles nur ein Traum gewesen sein könne. Ten Alkoholdeliricn chronischer Säufer ähnelt der hysterische Traum insofern, als in ihm häufig widerwärtige Tiere, Scharen von Ratten und Mäusen, Kröten, Schlangen und anderen Ungeheuern, die mit aufgesperrtem Rachen den Träumenden zu verschlingen drohen, eine große Rolle svielen, worauf das Erwachen plötzlich und jäh erfolgt und die Nachwirkung des Trarnnes auch am Tage in Gestalt erhöhter, nervöser Erregbarkeit andauert. Der Traum des Epileptikers hat fast immer einen schreckhaften Inhalt und ist oft der Vorbote eines nahen Anfalls, wobei bemerkensiverterweise meistens die Erinnerung an den Anfall gänzlich verschwunden sein kann. Am weitesteii verbreitet ist der krankhafte Traum der Neurastheniker, der bei vielen Nervenschwachen fast Nacht für Nacht mit denselben, natürlich stets unangenehmen Bildern auftritt. Bei dem angstvollen Traumerlebnis, in dem Ränder, Mörder und Einbrecher, auf den Träumenden losfahrende Lokomotiven, Stürze aus dem Luftballon oder von steilen Bergwänden und hohen Gebäuden eine große Rolle spielen, ist der Geängstigte immer der unterliegende Teil. Die reizbare Schiväche des Neurasthenikers, der schon geringen Schmerzeindrücken gegenüber empfindlich ist, bringt es dabei oft mit sich, daß ein int Anrücken begriffenes liebel, das im Wachen noch nicht ge
fühlt wird mit allen llebertreibungen des Traumlebens als ein schrecklich» s Ereignis erlebt wird und daß z. B. ein in der ersten Entwickelung befindlicher, unbedeutender Abszeß am Arm im Traum als eine schwere Armamputation gedeutet wird. Vollständig sinnlos endlich sind die Träume der sclnver Geisteskraiiken, bet denen das der Kontrolle des erkennenden Beritandes völlig entrückte Gehirn zum Tummelplatz wahlloser Vorstellungen wird.
* (Ein Idyll aus einem Frauengefängnis. DaS Frauengefängnis von S H e r b o r n erscheint in einer Schilderung der „American Review of Reviews" als ein wahres Paradies. Eingebettet in eine wundervolle grüne Landschaft liegt das Hans von allen Seiten frei da, Luft und Licht kommen reichlich durch die Fenster, aus denen man nicht „den Fetzen Himmelsblau, den die Gefangenen Himmel nennen", sondern das ganze weite Firmament sieht. Die Vorsteherin dieses Gefängnisses ist Jesse B. H o d d e r, eine kluge und tätige Frau, die das Elend der untersten Schichten des Lebens kennt und in der alle Strafgefangenen eine wahre Helferin finden, zu der sie unbedingtes Vertrauen haben und die sie ivie eine Mutter verehren. Sie hören auf ihre Ratschläge und Ermahnungen mit größter Aufmerksamkeit und folgen ihr aufs Wort. Die Gefangenen, die die verschiedenartigsten Arbeiten verrichten, sind fast alle „rosig und strahlend vor Gesundheit". fBlan wundert sich auch garnicht darüber, denn die Hausordnung gewährt ihnen ein völlig regelmäßiges Leden, sie genießen eine gesunde Kost und sie treiben in rechtem Blaße gymnastische Hebungen. Im Winter rote im Sommer gehen sie jeden Tag eine Stunde an die frische Luft. Um 6 Uhr stehen sie auf, um halb sieden frühstücken sie, tutb um sieden sitzen alle an der Arbeit. Zum Frühstück erhalten sie Brok, Früchte und Kaffee, znm Mittag Suppe und Fletsch, Gemüse, Früchte und Tee oder Kaffee, und zum Abend wird ihnen vorgesetzt, was vom Mittag übrig geblieben ist, und dazu Tee oder Kaffee. Die Gefängniszellen sind luftige Kammern mit einem eisernen Bett. Unter den Gefangenen iverden drei Klassen unterschieden, der erste, zweite und dritte Grad, den sie je nach ihrer Führung erhalten. Ost genug kommt es freilich vor, daß keine Frau den dritten Grad hat, da nur selten Ausschreitungen stattfinoen, die eine solche Dregradierung zur Folge haben. Mit den Frauen, die zu Ausschreittingen neigen, hat man große Geduld; aber ihre wirklichen Vergehen werden nachdrücklich bestraft. Die Gefangenen genießen auch darin eine gewisse Freiheit, daß sie Immer mit dem Aufseher sich besprechen dürfen uitd baS Recht haben, einen versiegelten Brief an den Gefängniskommtssar zu schreiben. Sogar einen Erholungsraum gibt es in diesem idealen Gefängnis, einen heiteren Saal, der schön mit bequemen Sitzen, blühenden Pflanzen und einer Anzahl Gesellschaftsspielen, Büchern und Zeitschriftcit auSgcftattet ist. Hier können die Gefängnisinsassinnen in bestimmten Stunden sich nach ihrem Wohlgefallen unterhalten und belustigen. Ebenso birgt das Gefängnis eine geräumige und anziehende Kapelle, bereit Wände mit Bildern bedeckt sind; aber zum Gottesdienst braucht nur zu kommen, wer es selbst wünscht. Wichtig sind die Schulemrichtungeit des Gefäng- niffes, an denen gegenwärtig über 100 Gefangene teilnehmen und die ganz ausgezeichnet sind. Viele Ausländerinnen benutzen so die unfreiwillige Muße int Gefängnis, um gut englisch zu lernen. Eine Frau erklärte, als sie aus der Strafanstalt entlassen wurde, daß sie schon deshalb sehr zufrieden wäre, nach Sherborn gekommen zu sein, weil sie hier Lesen und Schreiben gelernt hätte. In jede Zelle hat man in Sherborn auch ein Bild gehängt, bas dort eine Woche lang bleibt, dann in eine andere Zelle gebracht und durch ein neues Bild ersetzt wird. Große Freltde bereitet den Gefangenen auch die Pflege der Blumen, die man sehr begünstigt, da man sich davon einen heilsamen Einfluß auf die geistige Verfassung der Frauen verspricht. So kann man es begreifen, daß viele Gefangene, die aus Sherborn entlassen sind, der Mrs. Hodder und all oen anderen Gefängnisaufsehern eine dankbare Erinnerung bewahren und mit Rührung von bet Zeit sprechen, in der sie biese Gesängnis- ibylle mitleben dursten.
Silbenrätsel.
a, ab, ar, ch, ch, chr, en, ist, land, man, mo, na, os, rat, ri, tal, ur, zee, zi.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:
1. Niederländische Provinz.
2. Türkischen Sultan.
3. Figur aus einer Wagner'schen Oper.
4. Britische Kolonie.
5. Biblischen Namen.
6. Ein Gebirge.
7. Stabt in England.
(Auflösung in der nächsten Nummer.)' '
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer i Weiß. Schwarz.
1. S e 5 - d 7 Beliebig.
2. gibt (durch entsprechenden Abzug) i und Matt.
Redaktion: K. Neurath. — NotationSdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitLtS-Buch- und Steinbruckerei, R. Bange, Vietze»


