Donnerstag den \L August
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Das nette Mädel.
Roman von Fedor von Zobeltitzj (Nachdruck verboten.)
4 (Fortsetzung.) „
Es war um diese Jahreszeit noch ziemlich still an der See. In den beiden größeren Hotels hatten sich erst wetugr Gäste einquartiert; die Logierhäuser standen fast leer. Tie Saison begann kaum vor Mitte Juni. Aber Gras Honigs- Wald, der Kurdirektor, war nichtsdestoweniger stramm ans dem Posten. Traute begegnete dem dicken Leinen Mann mit dem hochgebürsteten weißen Schnurrbart auf Weg und Steg: immer in hellem Flanellanzuge und mit der Mutze des Jachtklubs, in anfgekrempteri Hosen und gelben Schuhen. Und obwohl er sie nicht kannte, zog er doch jedesmal höflich seine Mütze und neigte den blanken, förmlich polierten Schädel. Und dann mußte er sich nach ihr erkundigt haben. Eines Tages traf sie auf der Strandpromenade «auch die Gräfin: sie kutschierte einen kleinen Ponywagen, und ihr siebenjähriges Töchterchen saß hübsch aufgepntzt neben ihr. Ms sie Traute sah, parierte sie und hielt.
„Fräulein Köhler, nicht wahr?" fragte sie mit ihrem Gallerinenlächeln und streckte Traute die Hand entgegen.
Ich freue mich. Sie einmal kennen zu lernen. Gehört habe ich öfters von Ihnen - bei Delbrücks und Everstedts und bei Fräulein von Simkowitz — überall. Sind Sie zur Erholung hier?"
„Nur auf kurze Zeit, Frau Gräfin; es soll lediglich eine kleine Nervenaussrischung sein."
„Charmant. Unsere Luft wird Ihnen gut tun. Es ist auch sehr verständig, daß Sie nicht mitten in den 2fcu6el der Saison hineingekommen sind. . Fetzt ist /s noch hübsch ruhig. Wissen Sie, daß man diesjährig da» Maifest gänzlich ausfallen läßt?"
Trante antwortete, daß ihr dies neu Jet.
„Es hat einen großen Skandal gegeben, erzählte die geschwätzige Gräfin.' „Kruse wollte die Sache in die Hand nehmen' — der Märchenmaler aus Worreshoop - und dann hat man ihn wohl ein wenig vor den Kopf gestoßen, und es hat sich ein neues Vergnügungskomitee gebildet, und da haben alle jungen Herren einstünmig erklärt, sie,machten nicht mit. Paul Everstedt Vorau — der ist immer der Anführer. Also Sie wissen nichts von der ganzen Geschichte?"
„Ich habe einige Zeit krank gelegen und bm mit kemem zusammengekommen."
Die Gräfin nickte ihr freundlich zu. „Da erholen Sie sich nur recht, Fräulein — ah ja. Sie heißen Traute ich finde den Namen so hübsch! Und besuchen Sie uns einmal."
Die Ponys zogen an. „Ja, Frauleut graute? ue die Gräfin im Davonfahren. „Besuchen Sie uns doch ein
mal!" . . . Und dann neigte sie ihre Peitsche zum letzten Gruße, und die Hufe der kleinen Schotten klangen lustig auf dem Pflaster. ,
Traute wollte nicht ungezogen sein und folgte der Aufforderung schon in den nächsten Tagen. Aber stewmite nur ihre Karte in der Villa Hömgswald abgeben: die Herr- schäften waren in der Stadt.
Die Billa lag in der ersten Dünenreihe und war von einem Gärtchen umgeben, das unter sorglichste^ Pflege nur einen sehr kurzen Sommerzauber kannte. Ev versandete immer wieder von neuem. Hinter dem Hause, über dessen unschönem Turmbau vom dlprtl bis zum Oktober, bei Cturm und Sonnenschein, die Flagge der Freistadt flatterte, senk.e ich die gepflasterte Auffahrt zu dem gut gehackenen Wege,, )er auer durch das Dorf nach dem Bahnhofe führte.
Traute aber ging nicht gern auf bequemen Liegen. Sie wollte durch die Dünen zurück und war eben un Begriff, ihren Rock zu schürzen, um über den niedrigen Holzzaun zu klettern, der die Parzelle abgrenzte, als ste vermeinte, ihren Namen zu hören. Sie sah eine Dame m hellem Kostüm mit fliegenden Röcken den Weg htnabetljt und dabei einen weißen Sonnenschirm auf und abschwenken. Fm ersten Augenblick erkannte sie den Ankömmling nicht. Dann aber jubelte sie unwillkürlich auf und stürzte der Dame entgegen. Auch Traute war hell gekleidet. Wie zwei Schmetterlinge flogen sie zueinander.,
„Tinichen - Schatz - wie nett von dir!"
Trautemaus, ich mußte mich doch einmal nach dir umtun I Wie siehst du denn aus? Brillant, Kleinchen -i uni> dick bist du geworden.".
,Witte, sage mir etwas Hübscheres. Helene habe ich neulich einen "Katzenkopf versetzt, als sie mich nut einer gemästeten Wachtel verglich." . swnht»
J hnrU froh. Die „Linie" kommt aus der Mode. Die Rundung 'wird wieder geschätzt. Traute, ich habe etwas Interessantes für dich."
„Was, denn?"
Me^Lustigkeit der Freundin war ansteckend'. Ms trüben Gedanken verwehten int Winde: Traute lachte
TS du dich verlobt?"
''Eine^ interessante ^Nachricht -? .Geht sie mich an?" Tra?t?sann°uach'" Und plötzlich.wurde sie ernst und Auge dunkler. Sie schaute Tmi forschend an.
Hast du Everstedt in der letzten Zeit gesprochen.
"Seit sechs Wochen nicht mehr. Wenn ich ^hin be- nofttt? nriit’t er sehr gnädig. So etwas von oben herab,
Fn^iirtiiaittJ aber mit einer gewissen Leutseligkeit, als er- ich >«L d>mm° eW». 'ch
Brief für dich,"


