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zücht zu ferne Hügelumrisse. Davor mochte ein Ufersfreifen Raum zur Landung gewähren. .
„Mer wir erreichten ihn nicht. Ehe wirs uns versahen, tja achten wir in die Brandung und wurden furchtbar hin und hergeschleudert. Wie junge Katzen in einem Sach mußten wir in wenigen Augenblicken ertrinken."
„'Ich dachte nur eins: Mila — 'und sah einen Moment meine holde Fran greifbar deutlich daheim in ihrem warmen, blumeu- durchdusteten Zimmer, roch förmlich die Hyazinthen. Doch zugleich löste ich meine starre um einen Ballonstrick beinah festgewachsene 9 Rechte, suchte mit einem! letzten Blick Lcszinsky ymd , . . sand mich allein im hochgehenden Korb«. . ."
„Run?" fragte Bergen mit halbem Atem, nachdem minutenlanges Schweigen geherrscht hatte.
„Nun. . . ich war gerettet, sonst säße ich nicht hier. Die Gondel verfing sich int Usergestrüpp, «als ich die Reißleine gezogen hatte. Zerschunden und halbersäirst, verlor ich zuerst das Bewußtsein, war jedoch, als ich erwachte, fortbewegungsfähig und erreichte ei» Dorf, wo man mich verpflegte und mir einen Wagen Neben konnte."
„Und — und sie?"
„Als ich heinikehrte, hatte der Telegraph bereits geplaudert, Ich traf meine Frau in Tränen, doch.glücklich über meine Rettung, Aber ihr Ha-ar war ergraut. .
Der Hildesheimer Zilberfund — der Veuteschatz des Armin.
Die herrlichsten antiken Silbergeräte, die uns heute noch den höchsten Glanz der griechischen Schmiedekunst und die klassische Schönheit des alten Tafelgeschirrs im hellsten Lichte erscheinen lassen, sind aus deutschem Boden gefunden worden. Im Jahre 1868 stieß man beim Graben eines Mtlitärschießstandes bei Hildesheim auf einen Silberschah, der sorgfältig verpackt und mit großer Sorgsamkeit in der Erde geborgen war. Eine ganze Anzahl Becher, Näpfe, Teller und andere Tischgeräte von so wundervoller Arbeit, wie man sie noch nie gesehen hatte, war völlig unversehrt. Andere Stücke waren absichtlich zerbrochen und zerhauen. Neben den Werken von edelster griechischer und römischer Arbeit standen ein paar ganz barbarische Gefäße, riesige Humpen mit plumpen Ornamenten und Verzierungen, wie sie nur ein Barbar gefertigt haben konnte, Trinkgeräte, die wie Riesen neben den zierlichen antiken Bechern wirkten und nur von einem trinkfesten Germanen, bis zum Rande mit Bier gestillt und geleert werden konnte. Die Forschung hat sich eingehend mit dem unvergleichlichen Wert dieses Hildesheimer Silberfundes beschäitigt; die Frage, aus westen Besitz diese Stücke flammten und wie sie in deutschen Boden gekommen waren, hatte man bisher nicht ausgeworfen. Der bekannte Geschichtsschreiber der römischen Kaiserzeit, Prof. Otto Seeck, beantwortet sie nun in einer interessanten Hypothese die er in der Deutschen Rundschau veröffentlicht, auf überraschende Weise. Die Gesäße, deren abgebrochene Stücke in jahrelanger Arbeit aneinander» gepaßt und durch geschickte Goldschmiede zusammengefügt wurden und die dann als eins seiner kostbarsten Besitztümer im Berliner Museum Aufstellung fanden, stammelt zum größten Teil aus der 'Zeit des Augustus; einige nnd gerade die schönsten aber gehören einer viel früheren Zeit an; die herrliche Athenaschale ist perga- menische Arbeit nnd stammt demnach etwa aus dem Jahr 200 v. Ehr., andere dieser Werke gehören dem ersten vorchristlichen Jahrhundert an. Diese alten, besonders wertvollen Stücke, die mindestens 150 Jahre früher gearbeitet worden find, als der Schatz in die Erde gesenkt werden konnte, müssen von einem Kunst- sammler, wie es deren damals so manche im römischen Reiche gab, zusammengebracht und seinem Tafelgeschirr einverleibt worden sein.
Der Besitzer folgte dabei einer Sammelmethode, wie sie uns Von einem der größten und skrupellosesten Sammler jener Zeit, dem durch Ciceros Reden berühmt gewordenen Berres berichtet! Wird: er ließ aus den Prunktellern nur die plastisch geformten Mittelreliefs herausbrechen und in neue Schalen einsetzen. So ist es mit den prächtigen Brustbildern der Cybele und des Attis geschehen, die sehr stark abgegriffen sind und Spuren höheren Alters zeigen, während die Teller, deren Mitte sie schmücken, zu der Zeit, da sie vergraben wurden, ganz neu waren. Der Hildesheimer Silberfund entstammt also dem Besitz eines vornehmen Römers, denn nur ein Mann in sehr hoher Stellung konnte so erstklassige und berühmte Kunstwerke sammeln, wie z. B. die köstliche Herakles-Schale, die wahrscheinlich aus der Blütezeit der griechischen Kunst stammt. Wie kämen nun diese prächtigen Geräte, der Stolz eines edlen Römers, mitten in das tiefste Germanien, das den damaligen Kulturvölkern noch fremder war als unserer Zeit das innerste Afrika? Aus Inschriften auf den Geräten, die die Zahl einer zusammengehörigen Garnitur angeben, läßt sich feststellen, oaß in dem Schatz in der Regel genau die Hälfte der zusammengehörigen Stücke erhalten ist. Der usprüngliche Bestand des Silbergerats rst also halbiert worden, und dies kann nicht kBwai unter zivilisierten Römern geschehen sein, die wußten, tote
wertvoll eine ganze Garnitur solch kostbarer Teller oder' Schälen war, sondern nur von zwei germanischen Barbaren, von beneid der eine dem andern eben nur die Hälfte als Beute gönnte. Da der Schatz int ehemaligen Gebiet der Cherusker gefunden worden ist und die jüngsten vorhandenen Stücke der Zeit des Augustus an- gehören, so kann es sich hierbei nur um einen Teil der B eiche handeln, die in der Teutob u r g er S chl a ch t gewonnen wurde.. Der Besitzer kann wohl niemand anders als Barus gewesen sein,, denn nur er mochte so herrliche! Wertstücke mit ins Feld führen; zudem tragen zwei der schönsten Maskenbecher als Jnschrist ihres ursprünglichen Besitzers den Namen eines afrikaiiischen Prinzen.. Da Barus früher Prökonsul von Afrika war, wird er die wundervollen griechischen Gefäße wohl dort, vielleicht ähnlich! wie Berres/ gesammelt haben.
Aber der Hildesheimer Fund gibt nach der geistvolen Anna'hmei Seecks nicht nur Kunde von seinem römischen Besitzer, sondern erzählt uns auch so manches aus der Geschichte jenes Cheruskers, Her den Schatz als Bente erhielt und seine beiden riesigen Bierhumpen als die besten Leistungen einheimischer Schmiede ihnen zugesellte. Einer der Humpen und viele der römischen Gerät« sind in Stücke zerhauen; sie wurden also als sogenanntes Hacksilber zur Bezahlung verwendet. Der Cherusker mußte also in großer Geldnot gewesen sein, denn nur ungern zerschlug er die schönen Silbergefäße, um Teile von ihnen als Geld fortzugeban. Er wußte wohl, was er an ihm besaß, denn die schönsten, besonders die altgriechischen, hat er Unverletzt gelassen und wohl verpackt. Er hatte also eine gewisse Kemterschaft, was bei den Germanen damals überaus selten war, und war von römischer Bildung nicht unberührt. Der einzige, auf den diese Merkmale zutreffen, der einzige, der würdig war, den wertvollsten Teil der Beute aus der Teutoburger Schlacht zu erhalten, war Armin Hermann, der Befreier. Und wie der Schatz von dem größten Moment seines Lebens Kunde gibt, so läßt er auch das tragische Ende seines Geschicks ahnen. Nur in höchster Todesnot vergrub der Germane seinen Besitz. Armin, von dem wir nur wissen, daß er durch diejenigen, die ihm mit nächsten standen, eines gewaltsamen Todes gestorben ist, wird seine herrlichen Gefäße vergraben haben, bevor er zunr letzten Dodeskampf auszog. Vorher schlug er noch einzelne Geräte in Stücke, und gab sie seinen Mitstreitern, um sie zur Tapferkeit anzuspornen. Dann ist er in jener Talmulde bei Hildesheim mit all seinen treuesten Mannen dahingesunk'en. Keiner von den Mitwissern kann ja mit dem Leben davongekommen sein, sonst hätte er ihn ausgegraben, und er wäre für uns wohl verloren gewesen. ____________
vlichertifch.
— Griebens Reiseführer, Band 66: r,Bayrisches Hochland, Salzburg, Salzkammergut". Neu bearbeitete, 27. Auflage. Verlagsbuchhandlung Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Zum 27. Male schickt der bekannte Verlag soeben diesen; umfassenden Band hinaus, der sich durch sorgfältige Bearbeitung Und übersichtliche Gliederung auszeichnet. Das wiederum unt mehr als 30 Seiten erweiterte Buch weist alles Wissenswerte! Und für den Reisenden Interessante auf, was über das bayrische Gebirge, Salzburg und das romantisch^-liebliche Salzkammergut zu sagen ist. Besonders nimmt die 'außerordentliche Fülle von eingehend beschriebenen Spazierllvegen, sowie größeren und kleineren Ausflügen, Bergbesteigungen usw. für diesen Führer ein, der außerdem trotz seiner nunmehr 244 Seiten sein früheres handliches Format und ein geringes Gestvicht behalten hat. Auch das Kartenmaterial verdient volles Lob. Eingeteilt ist der Führer in 29 Routen, nach denen auch dem Unkundigen die Orientierung ein Leichtes sein wird. Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß durchweg die Hotel- und Verkehrsverhältnisse mit besonderer Gründlichkeit behandelt sind. Vom „Bahr. Hochland, Salzburg usw." ist außerdem als Band 63 auszugsweise eine kleine Ausgabe erschienen, di« Reisenden, welche nur kürzere Zeit in; den genannten Ländern verweilen fönnen, genügen dürfte.
Arithmogriph.
13 113 6 Name mehrerer fränkischer Herrscher.
2 7 3 6 7 lyrischer Dichter.
3 4 4 7 Fluß in Frankreich.
4 3 6 3 7 geometrisches Gebilde.
3 6 6 Nebenfluß der Donau.
5 2 3 4 3 5 5 männlicher Vorname.
5 3 4 4 7 6 Arzneimittel.
3 4 3 Land in Jnnetasien.
6 3 4 Strom in Afrika.
7 4 4 7 früheres Maß.
6 3 7 4 französischer Feldherr.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen beit Namen einer Inselgruppe ergeben.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer:
Bild, Wild.
Redaktion: «.Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen Universitats-Buch- und Steindruckereh R. Lange. Gieße«.


