M — Nr. 95
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Koman von Georg Freiherrn von OmptedL.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Während ich ihre kleinen Hände in den meinen hielt, immer einen Kuß auf die Knöchel drückte, ab und zu das Mädchen an mich zog, ihren Kopf an meine Schulter legend, den Duft ihres Haares einsog, ihre Wangen und ihre Stirn mit den Lippen streifte, fragte ich:
i— Bin ich nicht spät gekommen?
Gin mal doch.
1— Wußtest du, daß ich kommen würde?
Sie nickte schelmisch und lachte mich an
-— Seit wann?
;— Seit drei Wochen.
!— Früher nicht?
Sie schüttelte traurig den Kopf.
Mir kam ein Gedanke:
— Aber früher, ganz früher einmal r
Ich erhielt keine Antwort, und es war so dünkel geworden, daß ich ihre Züge nicht mehr erkennen fomifce. Nun fragte ich und zog sie dicht zu mir:
— Hättest du immer Ja gesagt?
!— Immer.
— Seit wann?
— Das sage ich nicht.
Fch aber bat und bat, und da sprach sier
- Seit du mich Herzeloide genannt hast.
Ich küßte sie zum Dank, und wir hielten uns in der tiefen Dunkelheit umschlungen. Ich genoß den Augenblick. <§in spätes, ruhiges, stilles Glück. Nicht eins wie damals, iais stürmisch in den Jugendtagen mein Herz gepocht. Nicht eins, wie ich es mir damals erträumt. Nicht eins, pas die Welt kosten sollte, daß ich hätte jubeln mögen Und rufen tzu allen Leuten: Die habe ich lieb! Nicht so wie in jener ■ Zeit, da ich am blauen Meeresstrand auf der Bank mit Maria gesessen hatte. ,
Und doch schien es Mir, als wäre die Liebe, dre mach mit diesem alternden Mädchen verband, fo echt, so tief, so gut wie jene aus des Lebens Lenz, wie jene aus, den jungen Sommertagen. Es war kein Sturm, der mich überrann, nicht eine Raserei, die mir das Blut durch die Adern trieb. Es war kein brennendes Feuer, keine lodernde Flamme. Es war eine stille, wärmende Glut, wie wir ans Feuer uns fetzen an frischen Herbstestagen, wenn der Wald sich färbt, wenn nach frühem Sonnenuntergang es bunte', wird um uns urib wir an die Heimkehr zu warmen Stuben denken.
Es war die Liebe, die sich Heimisch fühlt, die sich nach trauter Zelle sehnt, die nicht prahlen und verkünden will: Ist die Meine nicht schön? die Schönste von allen, die ich
mir erkoren? — Es war die Liebe, die da spricht: Ich habe die Welt gesehen. Ich habe genossen. Ich habe gearbeitet uüd gestrebt. Jähre sind vergangen, und siehe, es war alles eitel. Nickt Kampf, nicht Jubel, nicht prunken unb prahlen will ich vor den Leuten. Ich suche einen killen AbendsriÄen.
Ich fühlte Herzeloidens weichen, warmen Körper an meiner Seite, und wie ihre Arme um meinen Nacken lagen, wußte ich: Nun hört alles Hasten, alle Unruhe auf, nun habe ich ein Heim und einen Herd, nun bin ich geborgen.
Da hörte ich leise wieder die Worte mir ins Ohr:
— Ich habe so lauge aus dich gewartet.
Ich drückte die schlanke Gestalt an mich und rref laut:
>— Aber ich bin gekommen. Einmal d o ch.
Dann leise fragend:
1— Hast du mich denn lieb?
Sie^ieß mich los, nahm meine beiden Hande, dann trat sie einen Schritt zurück und sprach feierlich, tote em Bekenntnis aus tiefster Seele:
— Ich habe dich lieb.
Ich küßte sie, und zum ersten Mal senkten sich ihre Lippen auf die meinen. rL , ,,
Ein Schauer lief ihr über den Leck, ihre Brust hob sich schneller und schneller, und plötzlich löste sich die Erwartung langer Jahre, ihr jähes Glück in heiße Tränen.
Ich nahm ihr Taschentuch, wischte ihr Gesicht Und! Augen, strich ihr über die Schulter und sprach:
— Nicht weinen, Herzeloide, nicht Wernen! Wrr wollen doch glücklich fein.
Unter Tränen schmiegte sie sich an muh:
— Ja, wir wollen glücklich fein.
Da kamen Jugend und Kraft wieder über mich, ich rief mit Lachen: n ,
— Und wir wollen lange glücklich fein. Lange, lange. Wir haben noch viel Zeit. Denn weißt du, Herzeloide!, ich will alt, steinalt werden, weil ich so spät zu dir gekommen bin. „ , „ ,....
And tote ich es int Ueberschwang der jungen Jahre hatte einst getan, ließ ich mich knieeud nieder auf einen niedrigen Sessel am Fenster neben uns, legte die Arme um ihren Leib und gab ihr zurück, was sie zuerst zu mir gesprochen:
— Ich habe dich lieb — Herzeloide.
*
Was mögen wohl die Leutnants über beit Herrn Oberst gedacht haben, als er ihnen sein Glück mitteilte? Denn jedem einzelnen habe ich es erzählt. Ich war ein reine,? Kind geworden. Als ich zurückkehrte in die Garnison, sagte ich dem Adjutanten: „Ich habe mich nämlich verlobt.' Und dem ersten Rittmeister, den ich traf: „Sie können mir gratulieren, ich habe mich verlobt." Dann einem Leutnant: „Wissen Sie das Neueste? Der Oberst hat sich ^Jch habe es dem Zahlmeister erzählt, dem Oberstabsarzt und dem Oberroßarzt, ein Pagr alten Machtmeistern^


