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Mächtig auf das nackte Gestein, aber droben belohnt uns ein herrlicher Rundblick. Ein glücklicher Zufall läßt uns noch etwas besonders Interessantes erleben: Ein heidnisches Opfer. Männer Mit Beilen, allerhand Messinggefäßen nnd einer geknebelten Ziege Erscheinen nnd ntachen -sich, ohne sich sonderlich um unsere Anwesenheit zu kümmern, an ihr Werk. Das Opfer gilt dem Herrn des Berges, dein sie zunächst nach offenbar ganz feststehenden Regeln jttn verschiedenen Stellen Süßigkeiten opfern, wobei sie immer die jedesmalige Stelle nnd gleichzeitig die eigene Stirn mit roter, Farbe bemalen. Die Süßigkeiten nehmen sie übrigens nach der Zeremonie wieder weg zum eigenen Gebrauch, der Gott, darf sie nur einmal sehen. Dann hairen sie sich aus dein Gestrüpp Brennholz, und entlebigeit sich ihrer Ueberwürfe für den Haupt- Pkt, das Opfer des Zickleins, welches, fein Schicksal offenbar phnend kläglich meckert. Nur einen kurzen Augenblick, bann itrennt ein gntgezielier Beilschlag den Kopf von dem Rumpf. Kops jund Blut werden über dem flackernden Feirer geopfert, während die Männer nm Erfüllung irgend eines Wunsches beten. Sie wissen wohl, daß wir zu der Mission gehören und ihr Gebaren scheint mir einen gewissen Trotz anszudrückeil. Wir aber haben 'genug, beschleiinigen den Abstieg und freuen uns, als wir nach ikurzer Fahrt wieder in das Anwesen der Mission einbiegen.
Bald schlägt auch schon die Abschiedsstunde, und während die Missionsschulen ihren Ausflug nach dem erwähnten Mangohaine unternehmen, führt Mich der Zug hinlveg aus dem schönen trockenen 'Klima der Hochebene nach dem feucht-heißen Calcutta, wo ich pudern Morgens ziemlich zerschlagen anlange. Aber eine Nachfreude harrt meiner noch im Offize: Die am Sonntag herein- gekomMene Post. Daß sich daruirter auch eine Drucksache mit ^Gießener Anzeigern" befand, ist schuld an diesen Zeilen.
.(?aIcn11a, April 1911. Hermann Schlosse^
Die Dualen der Tropenhitze.
Von den lähmenden Wirkungen, die die Hitze der Tropen aus den Körper und Geist des mis einem gemäßigten Klima Kommenden auSübt, erzählt aus Grund reicher persönlicher Erfahrungen Pros. Dr. O. Loew in der Deutschen Revue.
Das tropische Klima ivirkt in sehr verschiedener Weise, je nachdem die hohe Temperatur mit großer Trockenheit der Lust gepaart ist oder in einer mit Wasserdampf gesättigten Lust sühlbar wird, je nachdem ein kräftiger Wind regelmäßig bläst oder die Lust kaum in Bewegung ist. Trockene Luft und kräftiger Wind ermäßigen, feuchte Luft und Windstille erhöhen die erschlaffende Wirkung der Tropenhitze. Wenn tropische Hitze im Sommer mit kühlen Wintern wechselt, so kämm sich nach den Qualen des Sommers der Mensch im Winter wieder vollständig regenerieren. Hebt aber die Tropenhitze dauernd ihre Wirkung, so muß nach wenigen Jahren der geschwächte Organismus sich neue Kraft aus mäßigem Klima und Stärkung in schneeigen Wintern holen. Ständig in Schweiß gebadet ist der Bewohner der Westindischen Inseln und im Indischen Ozean, wo jeder Wind mit Feuchtigkeit nahezu gesättigt ist. Freilich findet in gewissem Grade eine Gewöhnung an diesen Zustand statt. Prof. Loew fragte in Portorico einmal einen deutschen Plantageubesitzer, ob er denn das ewige Schwitzen nicht unangenehm empfinde, da er sah, daß an seiner Stirn die dicht sich drängenden Schweißtropfen seinen Zustand noch übertrafen; aber der Gefragte meinte: „Wir fühlen das Schivitzen nicht mehr als etwas Lästiges."
Aehnliche Erfahrungen hat der Verfasser öfter gemacht: Im Roten Meer war einmal die Hitze so furchtbar ans unserem Schiff, daß ich mich halb entkleidet ruhig auf das Deck legte und einen Hitzschlag jeden Moment erwartete. Dabei gewahrte ich, daß vier Leute auf Bahren nach der Schiffsspitze getragen wurden, wo ein schwacher Wind das Schiff bestrich; der Hitzschlag hatte sie getroffen, es waren die Heizer des Dampsers. Der Kapitän ließ umwenden und einige Stunden gegen die Windrichtung fahren, um mehr Kühlung zu erzielen, worauf die Leute sich erholten. Bei jener hohen Temperatur spazierte ein noch junger Mann mit Weste, dickem Rock und gestärktem, unverschwitzten Kragen hin und her. Ich fragte dieses Rätsel von Menschen, wie er das fertig brächte. Da meinte er lächelnd, er sei neun Jahre in Ceylon gewesen, er kehre sehnsüchtig von einem Besuch in Hamburg nach feinem lieben Ceylon zurück. Wie mag wohl die Beschaffenheit seiner Körper- säfte und sein Nervensystem sich durch Akklimatisation verändert haben! In Portorico traf ich einmal einen deutschen Arbeiter, der mir erzählte, er sei seit zwanzig Jahren dort und habe einmal versucht, wieder in Deutschland zu leben, habe aber dort so gefroren, daß er gern nach Portorico zurückgekommen fei."
Aber auch in solchen Fällen von Anpassung sind größere geistige Leistungen nicht zu erzielen. Cin Chemiker, der fünf Jahre lang in einer Zuckerfabrik auf Sumatra gearbeitet hatte, klagte Prof. Loew einmal, daß er nicht mehr richtig addieren könnte. Der Engländer Horton vermochte nach seiner Uebersiedelmig nach Westafrlka nur sechs Stunden täglich geistig zu arbeiten, wahrend ihm m England fünfzehn Stunden keine Mühe gemacht hatten, Deubler beobachtete, daß das Tropenklima größere hygienische
J.l!r0 den Europäer bringt, als die Tropenmalaria, schädliche Wirkungen aus das Zentralnervensystem und eine früh
zeitig eintretende Dementia senilis.MAndere haben eine Steigerung des Blutdrucks und Verminderung der roten Blutkörperchen festgestellt. Die Gesichter iverden blaß, in höheren Jahren treten auch Schwellungen der Beine ein. Bekannt ist, daß die längere Zeit in Indien lebenden Engländerinnen keine Nachkommenschaft mehr haben. Auf einer Expedition nach den südwestlichen Staaten der Union hatte Prof. Loew Gelegenheit, im südöstlichen Kalisoriiien eins der heißesten Gebiete der Erde kennen zu lernen. Die mittlere Temperatur des Juli beträgt im Koloradotal bei Port Mohave 34,2 Grad C. Anfangs wirkte die mörderische Hitze äußerst deprimierend, der Appetit ließ nach, der Durst peinigte, kleine Anstrengungen hatten starke Ermüdung zur Folge. Schon nach 12 Tagen änderte sich jedoch die Beurteilung der Wärme, sodaß es angenehm kühl erschien, wenn die Temperatur von 8 Grad über der Blutwärme am Abend auf 3 Grad unter diese gesunken war. Im allgemeinen bedurften die Expeditionsteilnehmer mindestens 2 Liter Wasser des Tages, und dieses verdampfte zum weitaus größten Teile wieder von der Haut, wodurch ein Kühlungseffekt ans die Stunde von etwa 1,4 Grad entstehen konnte. Der heißeste Herd der Mohavewüste liegt am Unterlauf des Kolorado- slusies; von dem dort gelegenen Port Vuma sagt der Volkswitz, daß die Hühner harte Eier legen und daß Leute, die von Port Vuma nach ihrem Tod in die Hölle versetzt iverden, zurückkommen, um ihre wollenen Decken zu holen, weil es ihnen in der Hölle zu kalt ist.
Von einer Bergbesteigung in jener Gegend erzählt Pros. Loew: „Nach Beendigung der topographischen Arbeiten wurde der Rück- weg angetreten. Wie bedrückend wirkte der Mangel jeglichen Grüns um uns; Grabesstille herrschte, sogar das Winseln des Windes in den Felsenklüften war verstummt. Das Thermometer stand auf 42 Grad C., das Wasser in unseren Blechbüchsen war auf die Neige gegangen, die Muskeln waren erschlaff, und mit Mühe erreichten wir ivieder die Stelle, ivo wir die Maultiere gelassen hatten. Kaum konnten wir uns noch in den Sattel schwingen, die Ermattung nahm zu, und die Sonne schien immer fürchterlicher zu brennen, trotzdem es bereits 4 Uhr nachmittags ivar. Schweigsam ritten wir da? Felsental abwärts, bloß einem Gedanken Raum gebend, von einer Idee erfüllt, die uns in jedem glänzenden Stein von weitem Wasser vermuten ließ, den Ertrinkungstod als ein Vergnügen betrachtend, die Sonne verwünschend. Der furchtbare Durst bringt uns dem Delirium nahe. Endlich ist der Fluß erreicht. Einen Moment, und wir waren vom Sattel in den Fluß gesprungen, Hemd, Hofe und Stiefel an, um diese herrlichste der Flüssigkeiten mit vollen Zügen zu schlürfen. Eine halbe Stunde nachher war uns die Kleidung am Leibe wieder völlig getrocknet, und gegen Sonnenuntergang wurde das Laaer erreicht." _______________
A, humoristisches.
* Begleitung. „Musiziert Ihr Gatte äUi'ch?" ;,W eilst N singe, bläst er auf deut Kaffeetrichter!"
* Eigentümlicher Schluß, „Scheint hier eine liebe» lichä Bevölkerung in der Gegend zu wohnen!" — „Weshalb?" — „Mau sieht fast jedes Kind mit einen; sauren Hering Wex bis Straße rennen,"
, ,. Viichertisch.
— D r. K. Floer icke, Vögel fremder Länder (1911 Stuttgart, Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde). In ein Gebiet voll Sangeskunst und Eigenart führt uns der bekannte Vogelkenner in seinem von warmer Liebe zur Vogelwelt durchströmten Büchlein ein. So kann nur jemand plaudern, der die fremde Vogelwelt nach eigener Anschauung kennt, der die Wildnis unter großen Mühen mit offenen Augen durchquert hat. Besonders eingehend ist der Nesterbau, der bei vielen fremden Vögeln ja so eigenartige Wege eingeschlagen hat, besprochen. Die Mitteilungen über die Nester des Kolibri, des Salanganes, des Weber- und des Kragenvogels sind außerordentlich interessant. Jeder Naturfreund, der sich einmal wieder in ein Gebiet schönster Natursreude vertiefen will, wird dieses Bändchen nur mit tiefer Befriedigung aus der Hand legen.
Letterrätsel.
Tie Buchstaben aaaaa ee hiiikl --—---mmnnprsstu sind in die Felder neben» ___ stehender Leiterfigur derart einzutragen, daß die Sprossen derselben, von oben angefangen, --j-——-— folgendes ergeben:
1. Religiöses Lied.
2. Stadt in Belgien.
______3. Lehrt uns, was wir tun sollen.
Die beiden Seitenbalken der Leiter sollet^ --—--yon oben nach unten gelesen, die Namen zweier __ Länder ergeben.
Auflösung in nächster Nummerst
Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummer Schuster, bleib bei deinem Leisten.
Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen vnm°rsitats°Buch. und Steindruckerei. R, Lange, ÄieM


