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* Englisch und Realanstalten. Der Direktor der Oberrsalschule zu Hanau machte auf denr diesjährigen deutschen Erziehungstage in Weimar interessante Mitteilungen, denen, wir das Folgende entnehmen. Der Genannte war in den Jahren 1876 bis 1877 selbst anderthalb Jahre in England. Er hat seitdem inmrer Englisch unterrichtet irrtb sich immer mit Englisch beschäftigt, so daß er etwa im landläufigen Sinne sagen dürfe: „Ich kann Englisch." Und dieser Herr erklärt öffentlich, er könne keinen englischen Aufsatz machen! Um wie viel weniger könne das ein Schüler mit seiner mangelhaften Vorbildung. Ja: man solle doch einmal die Lehrer die von ihren Schülern englische Aufsätze machen lassen — und dasselbe gilt von den französischen —, unter Klausur einsperren, ihnen eine derartige Aufgabe stellen und das Ergebnis dann von einem Engländer oder Franzosen korrigieren und zensieren lassen. Dann würde es wohl mit einem Male mit diesen sogenannten Aufsätzen in englischer und franzö-- sischer Sprache zu Ende sein. Englische Aufsätze sollen die englischen Jungens schreiben, französische die französischen, deutsche aber die deutschen.
kf. Künstliche Korallenzucht. Ein Zoologe der amerikanischen Regierung, T. Wayland Vaughan, macht gegenwärtig Untersuchungen an Korallen und behauptet, es sei möglich, diese geschätzten Schmucklieferanten ähnlich zu züchten, wie man es mit Austern macht. Es ist, wie der „Neuyork American" nach seinen Arbeiten berichtet, durchaus möglich, Stücke aus wachsenden Korallenbänken herauszuschneiden und zu verpflanzen, ebenso wie es möglich ist, die jungen Korallenlarven, die unter gewöhnlichen Umständen etwa eine Woche lang frei im Meerwasser herum-- schwimmen zur Festsetzung an geeigneten kalkhaltigen Platten in geschlossenen Gefäßen mit Meerwasser zu bringen.
Die englische Hausfrau. !
Tie Engländerin als Hausfrau und Wirtschafterin ist fett I Menschengedenken der Gegenstand desMitleW der gesamten zE- I fierten Welt außerhalb des britischen Jrrsel«iches. Auf dem Kontinent und auch anderswo herrscht I
die englischen Frauen ganz erbärmliche Äaushalteriilneu feiern I Interessant ist nun, die Meinung eines Englands über die es I Thema zu hören. Nachstehend geben wir dieses Gebiet behandelnde I Ausführungen aus der Feder eines englischen Publizisten ut erner I englischen Tageszeitung wieder. I
Wir, die englischen Ehemänner, so heißt es rn dem Arnm, I die wir die primitiven Kochkünste unterer Frauen ^er uns ergehen lassen müssen, nehmen an dem Mitleid teil, das das Aus- I land für die Wirtschaftskunst der Engländerin übrig hat. Sind wir doch in erster Linie die Betroffenen und berechtigt, unseren I Gefühlen über die Versuche unserer Frauen, uns zu füttern, Ausdruck zu geben. Ehemann Nr. 1 mag ut der beschaulichen Stille des Rauchzimmers bemerken: „Meine arme Frau tut ihr Bestes, aber trotzdem hat sie meine Berdmrung rumie^. „Meme Frau," seufzt ein anderer, „hat kernen Begriff von Sparsamkeit. Ihr Haushaltungsbuch ist einfach ungeheuewch Ich wurde verhungern, wenn ich nicht em reichliches Frühstück in bet Eülj hätte." „Die Mche ist für meine Frau ein Mysterium, schließt sich Ehegemahl Nr. 3 dem Gespräch an; „mysteriöser allerdings für mich sind die Erzeugnisse ihres Backofens.' — Mr. Hermann Senn, eine Autorität auf dem Gebiete der Kochkunst, der auf eine 25 jährige diesbezügliche Erfahrung zurückblickt, ist Kvar der I Ansicht, daß die englische Hausfrau sich in den letzten Jahren stetig verbessert hat. Ihrer eigenen Ansicht nach ist sie eine ganz vortreffliche Hausfrau. Zweifelsohne hat sie aber ihre Fehler, und sogar empfindliche, besonders vom französischen Standpunkt aus, aber in keiner Weise verdient sie das mit Verachtung vermischte Mitleid der Französinnen und Deutschen. Denn sie ist verbesserungsfähig. Woran es der englischen Hansfrair gebricht, das läßt sich in fünf Punkten niederlegen. Erstens fehlt ihr die Sparsamkeit, 2. Geschmack, 3. die Abwechselung, 4 die Umsicht und 5. die Fähigkeit, Getränke Mr den Haushalt zuzu- bereittm ^üu))tgrun^ toarunt che Engländerin keine vollkommene Hausfrau ist, liegt in dem Umstande, daß sie das Kochen nicht als eine Kunst betrachtet, die es verdient, daß man ihr fan Leben widmet. Die Engländerin sieht ihre Lebensaufgabe nicht darin, sich ausschließlich ihrem Gatten zu widmen Sie erledig ihre Kochpflichten viel zu rasch, als daß die Ergebnisse befriedigend sein könnten. In der geringen Abwechselungsfahigkeit der englischen Mche spiegelt sich die konservative Gesinnung des englischen Volkes wieder. Immerhin scheint die, Ansicht berechtigt, daß eine Französin eine Suppe aus Nichts bereiten kann, wahrend für die Engländerin Nichts vorhanden ist, woraus sie eine Suppe Herstellen könnte. Die englische Hausfrau muß dazu angehalten werden, Nebenprodukte des Kochens und der Wirtschaft zu verwenden, während sie bisher stets die Gepflogenheit hatte, sw wegzuwerfen. Noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Schließen wir uns daher der Ansicht Mr. Hermann Senns, des großen Kochs, an, daß die englische Hausfrau stetig Fortschritte macht.
Erntebild.
(Das hohe Lied vom Bauernstand.)
Die Sonne brennt so glühend heiß, Kein Hauch bewegt die Stifte, Ein einzig Blau am Himmelskreis Steht über Flur und Triste!
Es ruht die Schwalb im Mauernest,
Die Lerche, Drossel im Geäst, Das Wild im Waldesgrund, Natur hat Ruhestundl
Es stockt des Städters eilend Hast, Träg schleppt er hin sein Leben, Die Schwüle zwingt zu Ruh und Rast Ter Besten emsig Streben.
Und alle spür'n des Schlafes Drang,
Der einst so tief Dornröschen zwang —
Tie Augen fallen zu, Man träumt in süßer Ruh l
Doch auf den Aeckern, auf dem Feld
Die Bauern fleißig tragen
Das gelbe Korn, das Brot der Welt Gebündelt auf den Wagen!
Die Kühe steh'» geschirrt davor, Zu ziehen nach der Scheune Tor Tie gold'ne Gottesgab' Zum nahen Dorf hinab!
Und all' die Schnitter, Bursch und Maid
Sind fleißig in den Halmen
Obwohl befreit vom Oberkleid
In Schweiß und Dampf sie qualmen l
Zur Seit: die Mutterpflicht erfüllt, Ein prächtig Weib sem Kindlein stillt.
Wie trinket es mit Lust
An voller Mutterbrust l
Bald hier, bald dort, auf jedem Feld Wo Korn, wo Frucht gebauet. Ein ähnlich Bild dem Äug' sich stellt Das Trift und Flur erschauet!
Drum steht so hoch der Bauernstand —
Der schafft das Brot für’S ganze Landl Wie rinnt des Bauern Schweiß Von seiner Stirn so heiß;
Solch Bild vom B a u er» bringt zur Schau, Wie er zur E r n t' sich recket I
Die A ehr en gold — der Himmel blau, Die Kühe bunt geschecket l
Den schönen Burschen, frisch und frank —
Die blonde Maid, so jung und schlank l
So braun vom Sonnenbrand —
Die Besten mit im Land! E.Z.
Schachaufgabe.
Von N. Sardotsch.
Schwarz.
Weiß.
Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt.
Auflösung in nächster Nummer.
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M I1
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Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: N u st e r, M u st e r.
Redaktton: St Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schm UniversttätS-Buch-- und Steindrnckerei, R, Lange, «ietze»


