WodeiM, Bett 26, Vendomiaire des Jahres V. 9 Uhr abends.
(17. Oktober 1796.)
Vorgestern bin ich den ganzen Tag im Felde gewesen. Gestern Miete ich das Bett. Fieber und heftige Kopfschmerzen haben mich verhindert, an meine anbetungswürdige Freundin zu schreiben. Uber ich habe ihre Briese erhalten, habe sie an mein Herz und meine Lippen 'gedrückt, und der Kummer über Deine Abwesenheit und die weite Entfernung war verschwunden. In diesem Augenblick sah ich Dich neben mir; nicht launenhaft und gereizt, sondern; sanft, zärtlich, mit jener weihevollen Güte, die nur meiner Josefinck eigen ist. Es war ein Traum; daß. er mich vom Fieber geheili hat, kannst Du Dir wohl denken. Deine Briefe sind so kalt wie fünfzig Jahre, sie gleichen denen, die man sich nach fünfzehnjähriger Ehe schreibt. Man liest daraus die Freundschaft und die Gefühle jenes Winters des Lebens. Pfui! Josesine! . . j Das ist sehr schlecht, sehr garstig, sehr heimtückisch von Ihnen! Was bleibt Ihnen noch, um nrich vollends beklagenswert zu machen? Mich nicht mehr lieben? O! das ist längst geschehen. Mich hassen? Gut! ich wünsche es; alles erniedrigt, nur der Haß nidjt; aber Gleichgültigkeit mit einem Herzen von Marmor, das Auge starr, der Gang schlaff! . . .
Tausend, tausend Küsse, so zärtlich wie mein Herz.
Mir geht es etwas besser, ich reise morgen. Die Engländer kaum en das Mittelmeer. Korsika ist unser. Gute Nachricht für Frankreich und die Armee. Bonaparte,
*
Verona, den 3. Frimaire des Jahres V. (13. November 1796.) Ich liebe Dich gar nicht mehr; im Gegenteil, ich verabscheue Dich. Du bist häßlich, ungeschickt, dumm, unansehnlich. Du Mweibst mir nie, liebst Deinen Mann nicht; Du weißt genau, welches Vergnügen Deine Briefe ihm bereiten und schreibst ihm Nicht einmal ein paar hingeworfene Zeilen!
Was tun Sie denn den ganzen Tag, Madame? Welches wichtige Geschäft raubt Ihnen die Zeit, an Ihren Herzallerliebsten zu schreiben? Welche Neigung erstickt und schiebt die Liebe beiseite, jene zärtliche, beständige Liebe, die Sie mir versprachen? Wer kann der ausgezeichnete Geliebte sein, der Ihre ganze Zeit in Anspruch nimmt, der über Ihre Tage verfügt und Sie verhindert, sich mit Ihrem Manne zu beschästigen? Josesine, nehmen. Sie sich in acht; in einer schönen Nacht werden die Türen .eingedrückt werden, und ich stehe vor Ihnen.
Ich hin wirklich besorgt, meine liebe Freundin, so lauge Nichts von Dir zu hören; schreibe mir schnell vier Seiten voll der liebenswürdigen Dinge, die mein Herz mit Freude und Glück erftillen.
In kurzem hoffe ich Dich in meine Arme zu schließen und! Dick) mit einer Million Küssen, so heiß wie unter dem Aequator, zu bedecken. * Bonaparte.
Mailand, den 8. Frimaire des Jahres V. 8 Uhr abends.
(28. November 1796.)
Ich erhalte soeben den Kurier, den Berthier von Genua hat vbgehen lassen. Du hast natürlich nicht Zeit gehabt, mir zu schreib eit; ich begreife. Umgeben von Vergnügungen und Zerstreuungen, tätest Tu unrecht, mir auch nur das geringste Opfer zu bringen.
Berthier war so liebenswürdig und zeigte mir den Brief, den Du ihm geschrieben. Es ist nicht meine Absicht, Dich in Deinen Berechnungen, noch in den Vergnügungen, die man Dir bietet, zu stören; meinetwegen ist das nicht der Mühe wert, und das Glück »der Unglück eines Mannes, den Du nicht liebst, braucht Dich mW zu interessieren. .
Mein Verhängnis und Lebensziel hingegen ist, Dich zu lieben, Dich glücklich zu machen, nichts »n tun, was Dich kränken könnte.
Sei glücklich, wirf mir nichts vor, nimm keinen Anteil an der Glückseligkeit eines Mannes, der nur für Dich lebt, nur in Dir lebt, der nur froh ist, wenn Dil froh, nur glücklich, wenn; Du glücklich bist. Wenn ich von Dir eine Liebe wie die meinige verlange, so ist das falsch; warum lvünschen, daß die zarte Spitz« ebenso schwer wiege, als das Gold? Wenn ich Dir alle meine Wünsche, alle meine Gedanken, alle Augenblicke meines Lebens zum Opfer Bringe, so gehorche ich dem Einfluß, den Deine Reize, Dein Wesen und Deine ganze Person über mein unglückliches Herz zu gewinnen gewußt haben. Es ist mein Fehler, wenn die Natur mir keine Reize verliehen hat, um Dich einzunehmen. Was «ch indes von feiten Josesine verdiene, das ist ein wenig Rücksicht, ein wenig Achtung, denn ich liebe sie bis zum Wahnsinn und Nnzig und allein.
Leb wohl, anbetungswürdige Frau, leb wohl, meine Josesine t UJcag das Schicksal allen Kummer und allen Schmerz in meinem Herzen anhäufen, wenn es nur meiner Josesine schöne und glück- |’l§e Wer verdiente es mehr als sie? Wenn es
festgestellt M, daß sie nicht mehr lieben kann, dann will ich tnemen tiefen Schmerz in mein Inneres verschließen und mich Inemen v efen Schmerz in mein Inneres verschließen und mich begnügen, ihr, wo ich kann, nützlich zu fein.
röWxe ken Brief, um Dir einen Kuß zu geben. • s - Mch! Josesine! . . , Josesine) Bonaparte.
36 —
Tolentino, 1. VeUtoss des Jahres V. (19. Februar 1797.) Der Frieden mit Rom ist eßen abgeschlossen worden. Bologna, Ferrara, die Romagna sind der Republik überlassen. In kurzem! gibt uns der Papst 30 Millionen und viele Kuustgegenstände.
Morgen breche ich nach Ancona auf, um mich von da auch nach Rimini, Ravenna und Bologna zu begeben. Wenn es Deins Gesundheit erianßt, komme nach Rimini oder Ravenna, abep schone Dich, ick) bitte Di'ch dringend.
Kein Wort von Deiner Hand! Großer Gott, was habe ich denn getan? Nur an Dich! denken, nur Josesine ließen, nur süv mein Weib leben, nur bann glücklich sein, wenn meine Freund ist glücklich ist — sollte ich »dafür eine so strenge Behandlung von ihr verdient haben?
Meine Freundin, ich beschwöre Dich, denke oft an mich und schreibe mir täglich. Du bist krank oder liebst mich nicht mehr! Glaubst Du denn, mein Herz fei Marmor! Und interessierest Dich meine Schmerzen so wenig? Da würdest Du mich recht schlecht kennen! Ich kanns nicht glauben. Du, der die Natur Geist, Sanftmut Und Schönheit verliehen, Du, die Du allein meist Herz beherrschen konntest. Du, die wahrscheinlich nur zu guti weiß, welch unumschränkte Gewalt Du über mich hast)
Schreibe mir, denke an mich und liebe mich.
Fürs Leben ganz der Deine.
_________ Bonaparte,
Was eine Kiefenoper kostet.
Die Millionäre, von denen die bedeutendste amerikanisch^ Oper bisher freigiebig unterstützt wurde, hoffen nicht mehr, jemals auf ihre Kosten zu kommen. Tie meisten geben übrigens auch nur, weil es Mode ist, einige wenige aber besitzen Ehrgeiz. Sie wollen aus dem Metropolitan-Theater eine der ersten Bühnen der Welt machen. Um dies zu erreichen, haben sie sich in ungeheure Ausgaben gestürzt. So sind seit Conrieds Regime, also während der letzten sieben Jahre, eine Million Dollar für Szenerie und Kostüme verausgabt worden. Mehr als 21 Overn haben eist neues Gewand erhalten. Tie Ausgaben für Neueinstudierungen beliefen sich im vergangenen Jahr allein auf 200 Ouu Dollar.
Um einen Begriff zu bekommen, wieviel die Kosten einer Woche Betragen, muß man zunächst diese Neuausführungen Berücksichtigen. Tie Kostüme und Dekorationen für die verschiedenen deutschen, französischen und italienischen Opern werden meist in den betreffenden Säubern entworfen und angefertigt. Tie Spiel- heil dauert zwanzig Wochen, also ehe nur eine Note gesungen ist, betragen die Vorausgaben schon 10 000 Dollar wöchentlich.
Das Orchester ist neuerdings verdoppelt worden, es besteht aus 160 Musikern, eine genügende Anzahl, um damit in zwei Städten zugleich spielen zu können. Ties geschieht zweimal wöchentlich und zwar außer in Newyork noch in Philadelphia, Baltimore und Brooklyn. Tas durchschnittliche Gehalt eines Orchefter- miigliedes beträgt 7 Dollar für eine Vorstellung, dazu gehören auch die Proben. Falls diese länger als vier Stunden dauern, werden die Leute extra bezahlt. Tie Solisten erhalten natürlich inehrr 6000 Dollar wöchentlich, es mögen auch 7000 fein, sind hier nicht zu hoch gegriffen.
Ter Chor ist ebenfalls vergrößert worden. Zu ihm gehören jetzt 185 Sänger und Sängerinnen, von diesen stellt die Opernschule siebzig. Keiner der Choristen erhält weniger als 20 Dollar die Woche, bei Uebernahme von kleineren Rollen dementsprechend mehr. Tie siebzig Opernschüler werden nur für ihr jedesmaliges Auftreten bezahlt, trotzdem betragen die Kosten für Bett Chor wöchentlich ungefähr 3700 Dollar. Für das Ballett werden 1000 Dollar ausgegeben, von den 65 Mitgliedern erhielt jedes durchschnittlich 15 Dollar wöchentlich. Die Zahl der Theaterarbeiter einschließlich der Mechaniker, Türhüter, Kulissenschieber, Laufjungen usw. beläuft sich auf mindestens zweihundert. Sie kosten der Direktion 4000 Dollar pro Woche. Inserate und sonstige Drucksachen kömien mit 2500 Dollar veranschlagt werden. Heizung und Beleuchtung sind beides wichtige Posten, es ist jedoch unmöglich, sie genau zu berechnen, da sie sich von Woche zu Woche verändern. 600 Dollar hierfür würde jedenfalls noch Ben Mindestbetrag ausmachen. Tie Reisen nach Philadelphia und Baltimore kosten ungefähr 3000 Dollar.
lind nun kommt das wichtigste und kostspieligste, die Gagen für die „Stars". Gewöhnlich werden diese von den Außenstehenden bis ins Ungeheuerlichste gesteigert, wer die Verhältnisse kennt, weiß jedoch, daß die Zeiten der fabelhaft hohen Honorare längst vorüber sind. Allerdings erhält Caruso noch 2000 Dollar für einen Abend luitb da er gewöhnlich dreimal wöchentlich austritt, so belastet er das Wochenbudget mit 6000 Dollar. Sopranistinnen, wie z. B. die Testinn und Madame Fremstad fingen zweimal wöchentlich für je 1000 Dollar, Miß Farrar und Frau Gadski erhalten je 800 Dollar. Diese Größen kosten also wöchentlich etwa 7000 Dollar. Die Altistinnen stehen nicht so hoch int Kurs wie die Sopranistinnen. 2000 Dollar ist ungefähr die Summe, die für sie angesetzt ist. Tie Tenöre sind dagegen! wieder sehr kostbare Notwendigkeiten. Ronca, Burrian, Slczak, Jörn beziehen sämtlich vierzifserige Gagen. Also sind 10 000 Dollar für sie nicht zu hoch gegriffen. Die Baritonisten wiederum nehmen mit der Hälfte dieser Summe vorlieb. Tie übrigem Kräfte werden entweder wöchentlich oder für jede Mitwirkung


