Montag den 16. Januar

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Das Witwenhaus.

Roman von Helene von Mühlau.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Langmann nahm ihr, nachdem er sein Frühstück inne» hatte, den Brief ans der Hand.Teufelsweib!" murmelte er, lachte aber dabei.

Nu ja, das kennt man! Undank ist der Welt Lohn!" sagte die Kosh gekränkt und räumte ab, aber Langmann war hinter ihr und faßte sie um ihre breite Taille.

Was meinen Sie? Ein Küßchen in Ehren, gnädige Kolenwitwe?"

Sie stieß ihn von sich, gab ihm einen derben Schlag ans die Schulter und hielt ihm dann doch einen feinen, rotbäckigen Apfel entgegen.

der Lengerich müssen Sie man ein bißchen derb klingeln. Herr Postrat! die hört sonst nicht!"

M w. Machen wir machen wir!" sagte Langmann, ging durch das Pförtchen und stolperte zu der zweiten Etage hinauf. Die Kosy hatte zufällig auch oben zu tun Und folgte ihm auf dem Fuß.

Er klinaelre zweimal kurz nacheinander, aber er hatte keinen Erfolg; dann zog er heftiger an der Klingel, aber statt der Frau Lengerich kam die Pastorin Mclzing im roten Unterrock und weißer Nachtjacke aus ihrer Tür und rief entsetzt.Mein Gott, mein Gott ist was passiert?"

Ihre grauen Haare flogen ihr aufgelöst bis über die Hüften um die mädchenhaft schlanke Gestalt, und Lang­mann sah sie belustigt an.

Nichts, nichts, Frau Gräfin! Nur ein Brief für Ihre Flurnachbarin, und hier auch was für Jhro Gnaden!"

O danke, danke!" sagte die Pastorin und besah das Schriftstück, es war ein amtliches Schreiben aus tarn» bürg Sie verschwand damit in ihrer Wohnung.

Nu heiß aber einer Hans!" sagte Langmann und zog zum sechsten Mal an der Klingel. Drin rührte sich nichts.

Frau Lengerich! Frau «Lengerich!" begann jetzt die Kosy zu rufen, und sie pochte an die Tür, und Langmann klingelte wütend.

Die muß sich die Decken gut über die Ohren gezogen haben!" sagte er ärgerlich und räsonierte weiter, bis die Kosy ihm den Finger auf den Mund legte undPst!" sagte.

Drin sprach jemand. Eine Stimme war es, die hohl Und unheimlich klang; man konnte nicht verstehen, was sie sagte, aber so viel hörte man, daß sie zu sich selbst sprach.

Mit der ist's nicht richtig!" sagte die Kosy nachdenk­lich.Ich hab's gleich meiner Frau gesagt, wie sie ihr die Wohnung vermietete. Wer weiß, was sie sich da nun wieder aufgeladen hat!"

Von drinnen näherten sich schleifende Schritte der Tür.

Frau Lengerich, machen Sie doch auf!" rief die Kosw und von Drinnen kam ein banger, unartikulierter Laut un« schließlich die zitternde Frage:Wer ist ba?"

Ein Brief, Frau Lengerich weiter nichts!" sagt« die Kosy beruhigend, und Frau Lengerich öffnete eine« schmalen Spalt ihrer Tür, stteckte ihre Hand heraus und nahm den Brief in Empfang. Zweimal drehte sie den Schlüssel im Schloß herum, lauschte noch einen AugenblUI und grng dann, an allen Gliedern zitternd, in ihr Schlaf­zimmer.

Den ganzen Tag über ging der Kosy dieser Brief fin Kopf herum. Feindselige Blicke warf sie der Specht zu, die, seitdem sie den Kontrakt in Händen hatte, die Gemüse­frau mit eisiger Nichtachtung behandelte. Sie hatte sich auch schon die Minna, Frau Spechts kleines Dienstmädchen ge­stellt, aber die wußte von nichts.

Wenn uns Gott nur einen einzigen Mann ins Haus schicken wollte!" dachte sie verzweiselt.Lauter Weiber das ist ein Unglück das geht nicht gut aus!"

---Oben im zweiten Stock faß Frau Lengerich in ihrem halbdunklen Schlafzimmer auf dem Bettrand und sah mit starren Augen auf den Brief, den sie in der Hand hielt.

Lärm? Ruhestörung?" murmelte sie.Wann denn? Wo denn?"

Fing das Entsetzliche wieder an? Wußte man? Wollte man sie vertreiben? Nicht mit ihr in einem Haufe wohnen?

Barmherziger Gott!" schrie sie auf und las bett Brief wieder und wieder.

Hört der Lärm nicht auf, so muß ich mir auf bent Weg der Klage Ruhe verschaffen!" stand da.

Was für ein Lärm war das denn? Mitten in der Nacht??

Sie faßte an ihren Kopf, und die Gedanken kreisten ihr wild durcheinander.

Auf dem Weg der Klage!" murmelte sie ein paar Mail, und dann schluchzte sie auf, so aus tiefster, tteffter Seela

Ob sie wissen? Ob sie alles wissen?" jammerte fit verzweiselt.Gibt es denn keinen Winkel auf der Welt, der einsam und dunkel genug ist, um sich zu verstecken?"

Ach, du, du!" schrie sie plötzlich, und ihre Hände ballten sich zu Fausten, sie lief im Zimmer auf und nieder, stieß die Stühle beiseite, die ihr im Wege standen, und stieß laute Verwünschungen aus. Dann plötzlich schrak fit zusammen.

Herrgott, Herrgott was tat sie? Das war ja ent­setzlich; sie wußte nichts davon, aber sie hatte jetzt deut­lich gehört, daß man unten im Zimmer mit einem harten Gegenstand an die Decke geklopft hatte, gerade unter ihren Füßen.

Das also war der Lärm, über den sie sich beklagten, und sie wußte nichts davon. Das Entsetzliche kam so vlötz-