Ausgabe 
15.7.1911
 
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Das nette Mädel.

Roman von Fedor von Zobeltitz« tNachdruck verboten»), (Fortsetzung.)

-Mer ist das?" fragte Trnute und deutete in die Ferne.

Ein Jäger oder ein Schäfer. Oder der Wächter Unsrer Tugend."

Wir brauchen keinen."

Vielleicht doch. . ." Einen Augenblick schwieg er. Sie lag neben ihm und sah ihn nicht an. Sie lag aus dem Rücken und starrte in das sich immer tiefer schattie­rende dunstige Blau des Hirnmels. Seine Stahlfarbe schien sich in ihren Augen zu spiegeln; auch in ihren Äugest ounkelte es, und das smaragdene Licht trat schichtenweise zurück. Aber über ihre Wangen floß Glanz, der rosige Glanz der Jugend, ein Frühsonnenschein. Eberstedt be­wunderte ihren köstlichen Teint, die Pfirsichblüte der Haut und den reizend geformten Mund, der so wundervoll frisch war in seinem üpvigen Rot. Er war in der Tat voller Bewunderung Und begriff es eigentlich nicht. Viel schönerer Mädchen war er rasch müde geworden. An dieser Kleinen lockte ihn etwas, etwas Unbestimmtes und Ungewisses, das ihn sinnend werden lassen konnte. Mels Kruse wollte sie Msmondänes Irrlicht" malen. Er holte seine Einfälle gern aus der Entlegenheit. Wer Everstedt begriff, daß sie ihn als Modell reizen konnte. Dies glanzflimmernde Irrlicht kam nicht aus dem Sumpfe, aus den Tiefen der Verderbtheit und gerade das, ja gerade das war es, was den Wanderer vom Wege äbführen konnte: der lockende Reiz der Unberührtheit.

Noch einmal hing sich der Blick Eberstedts an die Gestalt des jungen Mädchens, umfaßte sie und hielt sie fest, bannte sie gewissermaßen in den Spiegel seines Auges, als wolle er dies Bild für immer bewahren. Sie rührte sich nicht. Sie lag noch immer auf dem Rücken, nur wenig halbseits der Sonne zugekehrt, so daß der feine Schwung oer Hüfte kräftiger hervortrat. Ihr Matrosenhut saß tief im Nacken, ihr Kopf ruhte darauf, Und über dem aschblonden Gekräusel der rechten Schläfe nickte eine halb'erschlosseng Dotterblume. Unter der weißen Wolle des bis zum Halse reichenden Sweaters markierte der Busen sich kaum. Der Rock war kurz; eine Gamasche umschloß das Bein. Der gelbe Stiefel war derb; aber der Fuß klein. Es lag aus­gesprochene Rasse in dem ganzen Mädelchen.

Nun zeigte Everstedt nach der Hügelreihe, die sich schon mit abendlichem Höhenrauch zu umspinnen begann.

»,Unser Wächter ist fort," sagte er.

Wir brauchen keinen," wiederholte sie,, bhne sich nm- Mvenden,

Da fühlte sie plötzlich, daß seine Hand sie berührte« Seine Hand legte sich auf ihren Arm, erst ganz zari> dann spürte sie alle Finger und durch die Kleidung eine fiebrige Wärme.

Sie find wirklich tapfer," fuhr er fort, mit einem Timbre der Stimme, der an ihre Nerven schlug,sehen Sie nicht, daß es dunkler wird? Die Sonne verkriecht sich hinter Ballen von Dunst; sie bildet nur noch ein toteä1 Loch am Himmel. Die Schwalben streichen dicht über die Erde; irgendwoher kommt ein Sturm. Gutes Wetter für Räuber und Genossen. Wenn ich nun ein Räuber wäre? Und Sie überfiele und und Sie totküssen wollte? Haben Sie gar keine Furcht?"

Jetzt kam ein Luftzug. Es war vorbei mit der Stille in der Natur. Der Wind fuhr durch die Gräser jinb über! den Weg und jagte eine Staubwolke hoch. Ein Schnauben klang durch die Luft.

Frühlingssturm," sagte Traute und richtete sich auf. Ei, ist das prächtig!" Ihr Blick fiel auf Everstedt und auf dessen Gesicht. In seinem Gesicht lag ein Ausdruck, der ihre Augen groß werden ließ. Und zugleich lief ein tieferes Rot über ihre Wangen. Sie sprang im Nu auf die Füße.Nein," rief sie,ich habe teilte Furcht! Ihr Wenn" ist eine Voraussetzung, in die ich mich nicht hinein­finden kann. Und selbst wenn Sie ein Räubersmann wären, würden Sie mir nichts tun, denn immer würde die angeborene Ritterlichkeit siegen."

Sie lächelte, als sie dies sagte und mit wehenden Röcken vor ihm stand.

Es ist hübsch von Ihnen," antwortete er,daß Sie mich auch als Räuberhanptmann für einen Galantuomo gelten lassen wollen. Da kommen wir wieder auf den absurden Gedanken" von vorhin . . ." Er riß die beiden Räder aus dem Grase und stellte sich zwischen sie.....

Aber ich will Ihnen etwas sagen. Es kommen zuweilen Stimmen, die alle Ritterlichkeit totschreien. Wenn die Bestie wach wird, nimmt der Kavalier Reißaus. Da fällt denn auch die letzte Schutzwehr, die eure junge Unschuld, noch am festesten panzert: die nachtwandlerische Sicher­heit des Nichtwissens . . ." Und plötzlich stampfte er mit dem Fuße auf . . .Zum Teufel," rief er,ich will nicht, daß Sie dem "Kruse Modell sitzen! Geben Sie mir die Hand, Fräulein Traute, und versprechen Sie mir, daß Sie das nicht tun! Ehrenwort!"

Er nahm ihre Hand und preßte sie stark.

Aber sie entzog sie ihm rasch. Eine Wallung des Aergers stieg in ihr auf. Sein Ton und seine Art em­pörte sie. °

Ich tu, was ich will," entgegnete sie schroff.Kom­men Sie um sechs hält der Zug am Jägerhäuschen, Wir müssen uns etleit, wenn wir uns nicht verspätet wollen," , - -