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mich tief erschüttert hak, eines innige Freundschaft mib Makart, Lenbach und der Fürstin Bülow, der Gattin des, Rerchskanzlers., So ost Wilbrandt in Berlin war, weilte er tut Bulow scheu Kreise, Md der Fürst 'und die Fürstin waren ihm, sehr zugetan. .
Ich lernte Wilbrandt im Jahre 1872 in Wien tennen, als sein Lustspiel „Die Maler" einen starken Erfolg am Burgtheater errungen hatte. Damals oerliebte er sich in die Hvfburgschauspielerm Auguste Bandins, die dann auch später seine p-rmt wurde Was haben wir nicht alles seit 1872 miteinander durchgemacht und durchlebt! Ueber unsere „Nokturnen" ließe sich ent ganzes Buch schreiben Nur ein Beispiel aus vielen: Bon meiner Wohnung mit Rande des Tiergartens pilgerten wir nächtlicher Weile nach der Marienkirche, nm deren romantische Reize beim Nconden- schein zu bewundern. Argwöhnisch beobachtete ttns an der Krrche der dort patroullierende Nachtwächter. Und dann plötzlich, als wir -ins zum Wehen wandten, kam uns einer singend und fohlend entgegen, der ersichtlich nicht nur Kaffee getrunken hatte. Das war Emil Götze im Freudenraufche. Er war nämlich am selbigen Abend zum königlichen Kammersänger ernannt worden. Und weiter: Mit Freuden und Ergötzen erinnere ich mich an eine andere Szene in Berlin. Ich kritisierte für das „Tageblatt' ein von Wilbrandt soeben aufgestihrtes Stück, und er lag tn demselben Zimmer auf einer Ehaiselongue und las und lacW/ lachte und konnte sich gar nicht beruhigen, gerade als ich mitten in der knifflichen Analyse seines Schauspiels war. Wilbraudb 'hatte ttämlich meinen „Sommerlichen Brief" über Friederike Kemp- ner vor, und über die Verse:
Laß mich in die Wüste laufen^ Wo die vierzig Palmen sind, Wo die Dromedare saufen , war tr in so unbändige Heiterkeit verfallen.
Ferner gedenie ich einer sehr lustigen Episode in Wien. Wilbrandt besuchte mich in einem Hotel, liitb ich sehe mit Er- ftaimen, daß sein Silberhäar smaragdgrün geworden war wie lern wohlgepflegter englischer Rasen. Diese fatale Wirkung hatte ein Haarfärbemittel hervorgebracht, mit dem sich der Dichter wieder jung machen nwllte. In Main in gen führte ich im Winter 1895 sein Schauspiel „Viola" aus, das ich auch später als Direktor des Berliner Theaters im Herbst 1900 aus die Bühne brachte. Die herrlichsten Zeiten verlebte ich mit Wilbrandt in Rostock und dem nahen Warnemünde. In seinem prächtigen! alten Patrizierhäus in der Schnickmannstraßg 25 zu Rostock, wurde er auf das liebevollste und innigfte von seinen beiden Nichitjchv betreut. Wilbrandt lebte hier ganz für sich u>rd nur seiner! Arbeit. Sein einziger Umgang war eigentlich nur der Musikdirektor Schulz, der die schönste und klassischste Musik machte, die der Verstorbene so sehr liebte. Hierbei muß ich noch erwähnen, daß Wilbrandt geradezu fabelhafte statistische Kenntnisse besaß. Fragte mau ihn zum Beispiel nach der Einwohnerschaft von Eydtkuhnen, so wußte er auch die genau anzugeben. Nicht minder groß war seine Vertrautheit mit taktisch-strategischen Dingen.
Wilbrandt besaß eine Lebenszuversicht, die erstauulich !var. Er wollte niemals zu den Akten gezählt werden. Er pflegte manchmal zu sagen: „Wenn Leute nur siebzig Jahre alt werden, dann haben sie gewiß einen Fehler gemacht. Vielleicht mache ich den Fehlen nicht. Warum soll ich nicht hundert Jahre und älter werden?" Er war aber auch ein großer Lebensgenießer, und das Wörtchen edel spielte bei ihm eine große Rolle. Ich habe ihn sogar mal von edlen Pellkartoffeln und von einem edlen Hering sprechen hören. Wilbrandt war eigentlich,niemals krank und wollte auch nie etwas von einem Arzte wissen. Am 3. Juni erkrankte er. Sein Leiden verschlimmerte sich, und sein einziger Sohn, Professor Robert Wilbrandt, eilte mit seiner Frau aus Tübingen nach Rostock an das Krankenlager des Vaters, das so bald sein Sterbelager toerben sollte.
Ein tragisches Schicksal will es, daß feine Frau ihn nicht wehr lebend mtgetroffen hat. Auf die Benachrichtigung ihres Sohnes reifte sie Freitag abend von Wien ab. Auf der Durchreise iin Berlin schrieb sie au mich aus dem Wartesaal ein paar Zeilen doll Angst und Quäl. Von Berlin konnte sie erst am Sonnabend, nachmittags weiterfahren mit einem Zuge, der nicht früher als Km Ml Uhr abends in Rostock eintrifft.
Wilbrandt war ein prächtiger Mensch, ein lieber, guter Ehä- xalter, dem niemand gram sein konnte."
Die Erdbeeren.
Die schöne, duftende Wald- und Gartenfrucht prangt nun bald wieder aus unserem Tische. Besonders die Walderdbeeren zeichnen sich durch ein feines Aroma aus, dagegen erreichen die Gartenerdbeeren oft eine recht ansehnliche Größe. Gibt es doch Erdbeeren bis zum Umfange einer geballten Faust. Man sagt von den Erdbeeren, sie seien zu schade, um in Milch zerdrückt oder für Einmachgläser eingekocht zu werden. Am liebsten ißt man sie daher, mit etwas Zucker bestreut, vom Stiele. Erdbeeren sind gesund. Ihre blut
reinigenden Eigenschaften sind längst bekannt. Daher reicht man sie gern Kranken und Rekonvaleszenten. Doch ist die Tatsache eigentümlich, daß allzu reichlicher Genuß von Erdbeeren einen Hautausschlag herbeiführt — jedenfalls aber bei solchen, deren Körper Krankheitsstoffe aufweist. Die Säuren der köstlichen Beerenfrucht treiben höchstwahrscheinlich die schlechten Stoffe des Körpers in der Form eines Ans- schlags heraus. Oder sollte den Ausschlag der minimale Giftstoff bewirken, der der Erdbeere eigentümlich ist? Vorzüglich sollen Erdbeeren gegenüber Gallen- und Nierenleiden wirken. Der berühmte Naturforscher Linnö gab sich, um fein Gichileiden los zu werden, einer richtigen Erdbeerkur hin und, wie er erzählte, mit Erfolg. Die Erdbeere wird seit dem 16. Jahrhundert als Gartenfrucht gezogen. In verschiedenen Gegenden Deutschlands gibt es bereits größere Kulturen. So in der Lößnitz bei Dresden, am Ufer der Elbe, wo beispielsweise vom 1. bis 24. Juni 1908 80 000 Kilogramm Erdbeeren versandt worden sind! Großen Bedarf haben natürlich die Großstädte. Werhen doch in New- Uork zur Saison täglich etiva eine Million Liter Erdbeeren verkauft. In Südkalifornien gibt es so massenhaft viel (wilde wie gezüchtete) Erdbeeren,) daß bereits um Weihnachten ein Pfund mit nur 10 Cents bezahlt wird, im Mai und Juni gar mir mit 5—6 Cents.
Vermischtes.
"Ein altägyptischerOssizier mit h o h e n O r d e n. Der ägyptischen Abteilung der Berliner Museen ist eine Statue aus festem Kalkstein von 76 cm Höhe von Herrn James Simon zum Geschenk gemacht worden, die besonders durch ihren eigenartigen Schmuck auffällt. Targestellt ist ein Mann namens Maje, der fürstlichen Rang hatte, als Verwalter deS zehnten oberägypti- fchen Gaues und Vorsteher der Priester in feiner Hauptstadt, ein Zeitgenosse Thntmosis III. (18. Dynastie,>. Während das Werk in feiner künstlerischen Durchführung nicht zu den guten Leistungen der ägyptischen Kunst zu rechnen ist, erhält es, wie Pros. Schäfer in den Amtlichen Berichten ans den Kgl. Kunstsammlungen ans- führt, durch die Art des Schmuckes eine besondere Bedeutung. Um den Hals legen sich als ein dicker doppelter Wulst, fast wie ein Halsumschlag, zwei schwere Ketten aus auigereihten Scheibenperlen. An den Oberarmeir sitzen je zwei glatte breite Armringe, und noch breitere sieht man an den Unterarmen, links einen aus rechteckigen Feldern, rechts einen ganz eigentümlichen, der sich etwa als touneickörmig mit ausgebogenen Rändern beschreiben ließe. Die Armringe oben und die Halswülste sind aus Gold, zu denken, während die Unterarmringe in Wirklichkeit jedenfalls aus Gold und Lapislazuli, Jaspis ober ähnlichem Gestein bestanden. Solche Halsketten schenkten die ägyptischen Könige öfter ihren Günstlingen und Armringe dieser Form sind fast stets unter den Kleinodien, die die ägyptischen Offiziere als Belohnung der Tapferkeit vor dem Feinde in den Kriegen der 18. Dynastie erhalten. Die Inschrift der Statue erzählt davon: „Maje, der Erbherr und Fürst, den der König uoir Oberägypten groß und der König von Unterägypten angesehen gemacht hat, dessen Stelle der Herr der beiden Länder vorgerückt hat, der dem König besonders gefällt und der erhöht war über die Menschen, den der König groß gemacht hat unter seinen Amtsgenossen, belohnt mit dem Golde, das der König gibt, angesichts des ganzen Landes. Mich hat mein Herr geehrt, weil ich so tapfer gewesen bin, und weil er wußte, daß ich seinem Herrn wohlgefällig bin." Maje war also einer der Tapferen, die unter dem tzeldenkönig Thntmosis III. in den schweren Kämpfen in Syrien und in Nubien die Grobmachtstellung Aegyptens vom vierten Katarakt bis an den Euphrat ausrichten und sichern geholfen haben. Tapferkeitsorden ist jedes der Schmuckstücke, mit denen seine Statue nicht gerade zu ihrem Vorteile überladen ist.
* Verfehlte Drohung. Herr: „Was, du rauchst auch schon Zigaretten? Wart', das werde ich deinem Lehrer sagen."- — Zunge: „Ich geh' ja noch jar nich in die Schule!"
Logsgriph.
Bald bin in Büchern ich, häng an den Wänden bald; Mit einem andern Kopse leb ich in dem Wald.
Auflösung in nächstes. Nummer.
Auslösung des Diamanträtsels in voriger Nummer t
Sulla Ger i
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerej. R. Lange, Gieße»


