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Wenn in ein Pfeifchen dampft' Ustd' glüht, jllnb bet Rtestch öbn Blättern Sanft mir ,nnt die Nase zieht, v, bann Misch' sch nicht mit Göttern,
Ms vlor '400 Jähren der erste Tabak aus Amerika nach Europa gelangte/ War er ein Gesell/ der niemand zum Feinde hätte/ ran Oktober 1492 war Columbus -mit seinen Mannen auf Guana- Ntestij in der Bahamagrstppe gelandet, wo fite zu ihrem Erstaunen iahen, .wie sich die Eingeborenen, aus den großen Blättern einen Pflanze zylinderförmige Rollen drehten, mit einem Maisblatt S wickelten und rauchten. Als die Entdecker tont Ende besten Monats an die Nordluste von Kuba kanten und die ersten großen Ortschaften entdecktest, fanden sie bei den dortigen Indianern dieselbe Gewohnheit vor. Las Casas, der spätere Bischof von Chiapas in Mexiko, der über den Brauch des Tabakrauchens Bauere Aufzeichnungen gemacht als die im Tagebuch des Colum- enthteltenen, berichtet, daß zwei voM Admiral ins. Innere der Insel teUsgesandte Kundschafter bei ihrer Rückkehr zu b'en, Schiffen saM 6. November 1492 berichteten, wie sie vielen Männern Uitb Frästen begegnet seien, die eine glühende Kohle in der Hand hatten nnb damit den Rauch von zusammengewickelten trockenen Blättern einsogen. Den Spaniern, die diese ersten „echten Eubas W Gesicht bekamen, erschien ihie Gestalt so abenteuerlich ttnb lang, dich sie sie mit den Kandergewehren (mtiscetas) verglichen, die sich die Kleinen in Spanien zur Pfingstzeit anfertigen. Sie -erfuhren von den Eingeborenen, daß diese durch bfe Rauchen gleichsam' eingeschläfert und berauscht würden Und dabei die Müdigkeit verlören, Und begannen cs schließlich selber mit diesen tabacos AK versuchen, worüber Las Casas bedauernd bemerkt: „Ich habe Spanier gekannt, die diese Sitte angenommen hatten, und wenn ich ihnen das Laster verbot, antworteten sie, sie könnten es' nicht mehr lassen. Ich weiß nicht, was das. für ein Genuß oder Vergnügen ist," ,
Die Folgezeit hat dem wackeren Bischof, der von der kommenden Weltherrschaft des Dabalkra'utes keine Ahnung .haben konnte, gründlich -Unrecht gegeben. Es Lachte in der nächsten 'Zeit zwar noch niemand außer den Scharen der spanischen Eon- Mistadoren daran, Tabak zu rauchen, und es klingt deshalb Mehr Ms drollig, wenn in einem! seltsamen, um die Mitte des 17. Jahrhunderts erschienenen Buch „Tabaccologia" mit ernsten Worten berichtet wird, sdlaß Gott Vnleanus schon iM Olymp bei allen länderen Göttern und nicht zuletzt bei seiner holden Gattin, Fran Venus, blasses Entsetzen erregt habe, als er zum ersten Male die Gardinen der himmlischen Wohnung durch unerhörten Tabak- gulalM eingeräuchert habe. Die LlufMerksamkeit der Europäer toiar laber dauernd teuf die Tabakpflanze gelenkt, und nachdem Frja RoMano Pane, den Columbus auf Haiti zurückgelafsest; 1496 den ersten ausftihrl.ichen Bericht darüber an Petrus. Martyr von Anglerin, Iben gelehrten Direktor einer Hofschule für die jungen spanischen Granden abgef-ertigt hatte, gelangte endlich int Jahre 1511, wahrscheinlich im Mai, der erste Tabaksamen nach Europa. Petrus, damals Prior des Domkapitels zu Granada, kultivierte ihn in seinem botanischen Garten am Fuße der Alhambra.
Merkwürdigerweise hat bet Tabak feinen Siegeszug ton' die Welt nicht als Zigarre, sondern in Gestalt des Pfeifentabaks ün- -getreten. IM Orient, wo man auch heut noch behauptet, daß die Leute in Europa überhaupt nicht wüßten, wie man mit Genuß rauchen soll, war die Sitte des Rauchens eines sehr leichten Tabaks asts Pfeifen zwar schon seit Jahrtausenden bekannt, hatte sich aber nicht nach Europa verbreitet. Erst der berühmte Seefahrer Jacques Cartier aus Saint-Malo, dem Frankreich hie Erwerbung von Kanada verdankte, brachte sm Juli 1536 biß erste Tabakpfeife von seiner zweiten großen Reise nach Nova Francia in die Heimat mit. Er schreibt von den Eingeborenen: „Sie besitzen -ein gewisses Kraut, von dem sie große Vorräte teufhäusen. Eine bestimmte Menge tragen sie in einem am Halse hängenden Säckchen mit sich herum, sie nehmen ein Stück aus- gehöhlten Holzes, das einer Pfeife gleicht, und legen das trockene Und zu Pulver zerriebene Kraut in . die -an einem Ende dieser! Pfeife befindliche Höhlung, worauf sie das andere Ende in den Mund stecken. Auf das Kraut aber legen sie eine brennende Kohle, ziehen den Rauch ein und geben ihn durch die Gurgel wieder von sich. Ihre Nase hat auf diese Weise dieselbe Bedeutung wie der Schornstein der Häuser. Wir machen es ebenso wie sie, über der Rauch brennt uns wie Pfeffer, wenn er in unseren Mund kommt."
Mittlerweile hatte mte'n den Tabak vielerörtert in Europa als Zierpflanze zu bauen begonnen und, weil die von geozentrischen Gesichtspunkten beherrschte Medizin und Pharmakologie jener Zeit glaubte, daß jedes Kräutlein auf Erden nur des Menschen wegen vom Schöpfer gemacht sei, die physiologischen Wirkungen des Tabaks zu studieren augefangen. Die Heilkuust der Gegenwart will zwar von den segenbringeuden Eigenschaften des Tabaks! stichts mehr wissen, und ist der Ansicht, daß Tabakabkochungen zwar recht geeignet sind, UM Tiere und Pflanzen von einer gewissen, lästigen Bewohnerschaft zu- befreiest, daß aber Mn.che
MM Rästchest entstehende gasförmige Verbrennungsprodukte wsq Cyanwasserstoff; Wittersäure und «niste Pyridinbasen (an letzter! Stelle erst das übertrieben gefürchtete Nikotin) doch keineswegs unverdächtige Substanzen sind, weil ihnen der Neuling im Rauchest seinen ersten Rauchkaler und der Kettenraucher unter Umständen eine nachhaltige Vergiftung verdankt. Damals aber galt der: Tahakals Wunderpflanze, über die der spanische Arzt und Botaniker? Nicolas Menardes nicht genug tzes Preiswürdigen, zu berichtest weiß; in dasselbe Horn stößt auch der französische! Gesandte am Wrtugiesischen Hofe Jean Nieot, der 1560 den ersten Tabak- ftemen zur Kultivierung der Pflanze nach Paris schickte und dem zu Ehren Limiö dem Tabak den botanischen Namen Nicotiastaj Tabacum gegeben hat, während man ihM zu Ehren -von Katharina! von Medici, der Mutter von König Franz II.; in Frankreich den hochtrabenden Namen ;,Herbe de la reine mere" ober herbst inebicea das Medizeerkraut verlieh.
Während nach Deutschlaich die ersten Tabakpflanzen im Jahre 1565 durch Occo in Augsburg kommen, der sich ihrer als St-adt- physiksts der alten Reichsstadt zu Medizinischen Zwecken bediente,, begann man anderwärts auf den Geschmack des Rauchens stich Schnupfens zu komMen. Englische Matrosen, dite mit Walters Ralcigh in Virginien gewesen w-areu, scheinen die ersten gewesen zu seist, die sich mit Eifer der Raucherleidenschaft Hingaben; während die Sitte des Schnupfens in ihren Anfängen astf Frank!-, reich und Spanien hinweist, wo in Sevilla eine Schnupstabak-i fabrik entstand, die um 'schweres Geld Heu echten „Spaniol" lieferte. Spanische Geistliche Waren es auch, die das Schnupfen! in Rom, sehr zum Aerger des. Papstes Urban VIII.,- einführtest,' der dagegen eiste zornerfüllte Bulle erließ, die erst 1724 aufgehoben wurde. Die glänzendsten Geschäfte aber machte die Republik Venedig, die eine staatliche Fabrik errichtete und' an ihrem nach allen Ländern vertriebenen Schnupftabak in fünf Jahren 40000 Dukaten verdiente. Durch englische Studenten, die in Leidest studierten, war das Tabakrauchen schon um 1590 in den Niederlanden eistgefühtt würden, und -durch englische und holländische Truppen wurde es 1-622 auch am Rhein und Main bekannt, vost wo es'sich während des Dreißigjährigen Krieges über ganz Deutsch
land verbreitete.
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts rauchte man bereits überall Und nicht zum wenigsten -auch in Damenkieisen, In dest Londoner Theatern wurden den Frauen während der Zwisiyen--.. alte statt Bonbons und anderen Erfrischungen Tabakpfeifen ge-, reicht, und am Hofe Ludwigs XIV., der für seine Person deM Tabak abhold wär, rauchten dessen Töchter und die Hofdamen tst geheimen Konventikeln asts mächtigen Pfeifen, die fie von beit Offizieren der Schweizergarbe entliehen. Selbstverständlich schützte ntan gern vor, daß das Rauchen nur der Gesundheit wegen geschehe, in Wahrheit aber war der Tabak in allen seinen Amvcst- bungsforinen längst ein unentbehrliches Genußmittel geworden,, gegen das Kirche und Staatsbehörden in allen Tönen eiferten; bis die Weisheit der Herren Finastzminister dahinter kam-, daß hier für fie eine Goldgrube liege, die sich vorzüglich zur indirektes Besteuerung und Monopolisierung eigne. In der Türkei, w-ohist der Tabak 1605 durch die Venetianer kam, verordnete der Groß- sultau, daß den Rauchern die Pfeifest durch die Nase gestoßen Werden sollten, jm Jahre 1660 erließ der Rat der Stadt Bcrst drakonische Verordnungen, itub in Rußland stand bis 1634 auf Tabakrauchen sogar die Strafe des Naseabschneidens'. Neben vielen hundert Kanzelrednern donnerte Caspar Hoffmann vergeblich mit! den Worten „wenn ich Mäuler sehe, die Tabak rauchen, so ist mir, als sehe ich lauter Kaniiue der Hölle", Auch Hnfeland; der den Rauchgenstß als unbegreiflich, -als etwtes Schmutziges; Widerliches und Uebelriechendes geißelte, blamierte sich nicht wenig; als er in seinen späteren Lebenstagen es an sich erleben muffe daß er selbst ein leidenschaftlicher Raucher wurde. Nicht wenig erstaunt aber war der große Tabäkhasser Goethe, der nicht glaubest wollte, daß ein so feiner Geist wie Lessing geraucht habe, alsl man ihm rnittcilte, daß Lessings darüber interpellierte Aufwärterist in Wolsenbüttel die Auskunft erteilt habe: „Ja, schmauchen und schreiben konnte der Herr Lessing, aber sonst war er zu nichts ält ^n°ber Frage nach der .Nützlichkeit oder Schädlichkeit' des Tabaksgcuuises marschiert die Moderne Medizin auf der bekanntest goldneu Mittelstraße, indem fie uns im allgemeinen mit der ast delphisckc Orakelweisheit gemahnenden Antwort aufwartet, daß eines sich nicht für alle schicke. Daß übertriebener Tabaksgenuß' zu Vergiftiingserscheinungen führt, die den Raucher namentlich dann furchtbar erschrecken, wenn nach Mißbrauch mit schwersten Zigarren eine Vergiftung der Sehzentren tut' Gehirn «ntrfe die sich in oft monatelang dauernder Verdunklnng des Gesichtsfeldes äußert, läßt sich nicht ableugnen. Noch deutlicher aber wird die Giftwirkung, wenn man beim Laboratorinmsversuch ein Versuchstier unter klonischen Zuckungen plötzlich sterben sieht. Dst zubereitete Tabakblätter im allgemeinen aber nur einen geringen Nikotingchalt aufweisen, der sich obendrein beim Rauchen noch zum größten Teil verflüchtigt, kommt das Nikotin beim Rauchest als schädliches Moment nut wenig in Betracht, während der lästige Rachcnkatarrh der Gewohnheitsraucher mehr in den Vordergrund tritt Noch harmloser ist zweifelsohne das Schnupfest, das wohl nur aus ästhetischen Gründen außer Mode gekommen ist, wahrend sich noch unsere Großelterst und Urgroßeltern HM' mH Leiden-


