Ausgabe 
15.5.1911
 
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Meinen großen, täppischen Händen-, als! tv'otffe ich einen Urashalm Micken.

Maria aber .blickte während des Danzes zu mir auf, lächelte mich an und ries:

i Nicht so schnell, nicht so schnell!

Doch immer rasender jagte ich durch! den Sapl, Lis Maria mit «glühenden Wangen bat:

! Wir wollen uns setzen, ich kann nicht mehr.

Dann blieben !vir in einen: Winkel. Maria hielt sich den Fächer vors Gesicht, bewegte leise ab und zu die Stäbe, daß ihre .schwarzen Stirnlöckchen emporwehten, und! rief außer Atem jn abgerissenen Worten:

« Fritz so so schnell darfst du aber Mit den anderen nicht tanzen. Die nehmen es sonst übel'.

Und sie lachte hinter dem Fächer, wahrend ihre Schul­tern sich «in heftigem Atem hoben. Dann blickte sie sich vorsichtig um, ob es auch keiner sähe, und hinter der schützenden Wand spitzte sie die Lippen, als wollte sie mir einen Kuß senden ....

Der Ball dauerte bis gegen Morgen. Aut Sonntag gab es keinen Dienst, da konnten wir ausschlafen. Maria hatte mich schon ein paarmal gefragt, ob wir nicht gehen wollten, doch sie unterhielt sich offenbar, und sie sollte den Tag auskosten. Es wurde nicht mehr getanzt. Die Musik war längst.fortgeschickt worden. Wir saßen noch bei der Üblichen, nächtlich-morgendlichen .Tasse Kaffee. Das Ge­spräch plätscherte nur noch müde dähin, trotzdem konnte Man sich zücht trennen. Maria aber machte mir ein Zeichen, daß sie «gehen wollte. Wir verabschiedeten uns.

Draußen warteten die Krümperwagen. Ich rief den von Nleiner Schwadron und wollte eben mit Maria einsteigen, Üls sie mich darauf aufmerksam inachte, daß eben jene Ex- S'lenz von Berwigk mit ihren Nichten ratlos dastand und t der Lorgnette etwas zu suchen schien. Maria saß schon in unserem «Landauer, ich aber ging noch einmal die paar Schritte zu Heu Damen zurück und fragte, was fehle, ob ich Wien nützlich sein könne. Sie meinten, sie begriffen nicht, was geschehen sei, es müsse ein Mißverständnis vorliegen, ihr Gastgeber, her Kommandeur, der ein Bruder der Frau von Berwigk war, habe ihnen gesagt, ih!r Waagen warte Hvaußen. Er hatte schon früher fortgemußt, um den Bri- gadekvmmandeur zur Bahn zu geleiten.

* Ich konnte hie Damen nicht stehen lassen. Ich rief die Kutscher t .richtig, der Wagen des Kommandeurs fehlte. So bot ich den Damen an, sie in meinem Krümper mitzu- Nehmen und unterwegs beim Obersten abzusetzeir. Zuerst sträubte sich Hie Exzellenz htribi wollte in Anbetracht der kalten Schneenacht nicht zugeben, daß ich! mich auf den Bock setze. Aber wo sollte ich anders bleiben? Und! mir tat es auch nichts, ich war nicht heiß und trug zudem meinen dicken Pelz. Die Damen aber hatten nur die Ballnnihänge, während! ihre Mäntel in dem Magen lagen, dessen ver­schlafener Kutscher offenbar den Befehl überhört und längst ausgespannt hatte.

Ich half den Damen, die nur so klapperten, in den Landauer und sah Maria wehmütig an, wehmütig war auch der Blick, den sch von ihr empfing. Er schien zu sagen: Und ich hatte mich so auf das Alleinsein gefreut, um dir zu «erzählen! Die Tür schlug zu, und! ich kletterte auf den Bock. Als wir vor dein Hanse des Obersten aukamen, hörte ich schon des Kommandeurs Stimme, der vor uns Neben einem Wagen stand. Er erklärte Frau von Berwigk, das Rhinozeros von Kutscher wäre ruhig hier vor dein Hause halten geblieben. Er habe natürlich geschlafen.

Aber es war schon spät, und die Damen stiegen schnell ans. Dabei gab die eine Gräfin Randohr Maria ihren Mantel zurück, und ich entdeckte, daß meine Frau nur ihren kleinen mit Schwan verbrämten Umhang trug. Ich sah sie erstaunt au, und nachdem wir uns verabschiedet hatten, hüllte ich sie in ihren Mantel. Ich machte ihr «Borwürfe, so könne sie sich erkältet haben. Doch Maria erzählte, die jüngere Gräfin Randohr hätte mehrmals gehustet, und da Frau von Berwigk gesagt, sie bekäme sehr leicht einmal einen Katarrh, habe sie ihren Mantel angeboten mit der Berficherung, sie friere nicht. Das Opfer war angenom­men worden.

Als ich das Kleidungsstück Maria Umgelegt hatte, wär «N nur,, als fröre sie doch. Ich fühlte ihre bloßen Arme tot H sie waren kalt. Und! nun bemerkte ich, wie Maria zusaMttt eusch au er t e. Borsorglich wickelte ich sie in ihren

Mäntel/ zog sie eng an Mich und Umschlang sie, als wollte ich sie wärmen. Ich machte ihr keinen Borwurf, denn sie, hei ihrem guten Herzen, hätte wie immer an andere gedacht. Aber jiber mich selbst ärgerte ich mich, daß ich mich nicht genügend um Maria gekümmert. Sie hatte sich erkältet, mein Kleinod-, mein Wes war krank, weil ich sorglos Ms dem Bock gesessen Und! den lieben Gott einen guten Mann hätte sein lassen!

Sofort brachte ich Maria zu Bett. Sie fror noch immer. Schüttelfrost stellte sich ein. Ich häuft« die Decken, ich zündete den Gaskocher an, ihr Dee zu machen, daß sie etwas .Warmes tränke. Bald schlief sie ein, und auch ich legte mich nieder. Ich war todmüde von den bei unserem stillen Leben «großen Anstrengungen des Balles. Als ich nach einigen Stunden die Augen ansschlug, war Maria schon wach. Sie lag auf dem Rücken mit rotem Gesicht und atmete kurz und mühsam.

Was ist dir beim? fragte ich erschrocken.

Ich sprang auf, befühlte sie sie war heiß. Ich Unter­suchte «mit der Uhr in der Hand ihren Puls, der rasend! schlug. «Mich durchfuhr ein fürchterlicher Schreck: meine Maria hatte «Fieber, wahrscheinlich hohes Fieber sogar. Ich schickte Burschen und Mädchen zu zwei Aerzten, falls einer nicht zu Hause wäre, und blieb am Bett knien, meines! Weibes heiße, kleine Hand- in der meinen. Immer atmete sie kurz Und- heftig, und «als ich! in die geliebten An gen blickte, sah ich einen Ausdruck in ihnen, den ich nie gekannt hatte. Sie glänzten so ängstlich, so sonderbar, so heiß!, so fiebrig. «Ich fragte Maria, wie es ihr ginge. Sie drückte meine Hand, aber nur kurz, nur matt, und« ihre Fingier glühten. Aber als ich« mich losmachen wollte, um ein Tuch einzUtauchen, ihr Umschläge zu machen auf die Stirn, hielten sie mich so fest umspannt, daß ich nicht von der Stelle konnte. «Sie hätte jetzt die Augen geschlossen, und! nur «ab Und zu kam ein Laut über ihre Lippen, keine Klage, nur einmal die Bitte Um Wasser. Aber ich vertröstete sie, bis der Arzt käme, denn ich wagte nicht, ihr etwas zu geben.

So verrannen endlose Sekunden, nicht endende Minuten, und der Arzt erschien noch immer nicht. Ich sagte mir nicht, «er müsse erst geweckt werden, erst aufstehen, sich an-, kleiden, ich verging vor Ungeduld. Leise fragte ich:

Hast du Schmerzen?

«Ich bekam keine Antwort. Ich strich Marias Haar, streichelte ihr die Stirn und die breimenden Wangen und fragte abermals, ob sie leide. Da wendete sie dem Kopf ein wenig zu mir und meinte leise, kaum hörbar:

! Hier jn der Seite!

Als wäre das schon zuviel gewesen, begann fie zu husten. Nur wenig, ganz wenig, aber es erschreckte mich doch. Und mir wurden jählings die Augen naß. Ich be­mühte mich, es abzuwehren, ich räusperte mich. Mit aller Gewalt kämpfte ich die Tränen zu unterdrücken, die sich für einen Mann nicht ziemten, es gelang mir nicht. Nun suchte ich mein Gesicht zu veLbergen, daß Maria es nicht sähe. Da plötzlich wendete sie sich zu mir, mit aller An­strengung bemüht, den Kopf zu heben. Sie blickte mich an mit ihren glänzenden, wie mir schien, vergrößerten Augen, versuchte zu lächeln und sprach:

i Mein Lieb, sei mir nicht bös, ich habe mich nur ein bißchen erkältet!

Und ich bedeckte ihr glühendes Antlitz mit Küssen. Wah^ rend sie leise das Haupt zurücksinken ließ, schmiegte ich meine Mange an die ihre und flüsterte ihr zu:

Es wird besser werden! Morgen stehst du auf, Maria!

(Fortsetzung folgt.)

Das Gift des Herrn Niest.

Zur Einführung des Tabaks nach Europa vor 400 Jahren!., Bon Dr. ,C ii r t Rudolf K r e u s ch n e r (Friedenau).

Als Achim Won Arnim und Klemens Brentano zur Redl- gierung der von ihnen herausgegebenen Sammlung. deutsches Volkslieder schritten, die vor 100 Jahren unter dem TitelDes Knaben Wunderhorn" erschien, hielten sie der Aufnahme in die schnell ziu!r Berühmtheit gelangende Sammlung auch den Vers Ww Tabak, Tabak, echt adliges Kraut!

Tabak, Tabak, du stinkendes Kraut! Wer dich erfand, ist wohl lobenswert, Wer dich erfand, ist wohl prügelnswert.

Män sieht, daß die Urteile über das Verwerfliche oder PreiseNM Werte des TabalgenüsW vvr einem Jahrhundert ebenso « einandergingen wie heute, da Aerzte und Naturheilkundige