Ausgabe 
15.5.1911
 
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tzerzeloldk.

Mo man von Georg Freiherrn von O m t e 8K, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

"Während dieses Wartens sprachen wir toterer von Herze- To'i6e, von ihrer Güte, ihrer Einfachheit. Sprachen so bange, Lis ihre Antwort eintraf. Sie war mitihren Kindern" in Meran. Der Arzt wollte ein etwas härteres Klima für die Mädchen, damit sie, jetzt ganz gekräftigt, allmählich den Uebergang nach Deutschland fänden, um vielleicht schon den nächsten Winter in der. Heimat zu verleben. Aber Herzeloide dankte, kommen könnte sie nicht, sie dürfe sich Nicht von den Kindern so lange entfernen. Rührend klangen diese Zeiten in ihrer Anhänglichkeit und Preue, doppelt rührend für mich,' den sie'immer nur mit gewisser scheuer Zurückhaltung in den Schlußgrüßen erwähnte. Und dennoch

schon am nächsten Morgen sprachen wir von Herzeloide nicht mehr, denn der Dag forderte sein Recht. Noch einmal sagte Maria:

1 Getanzt hatte sie ja doch nicht!

Dann dachten wir nur noch an den Ball, der hier züm größten, wohl zum einzigen Ereignis des Winters ward. .Und Maria nahm daran teil mit kindlicher Freude. Sie weinte lachend:

1 Einmal wollen wir uns Unterhalten, Fritz, dann wird das Alleinsein um so schöner!

Maria war stolz, o sehr stolz, denn sie mußte mit emp­fangen. Der Major war nicht verheiratet, so war sie nach der Frau des Obersten die rangälteste Dame. Während sie sich sonst, ihren achtundzwanzig Jahren nach, zu den jungen Frauen hielt, machte ihr die Würde, mit der sie an dem Abend auftreten sollte, unendlichen Spaß. Wir hatten den Zettel mit den Namen der Eiugeladenen schon zum so- Unid sovielten Male durchgegangen, und immer noch fragte sie, ob man diese oder jene Dame besonders ehren müsse. Wir hielten im Wohnzimmer Probe ab. Ich ging hinaus, dann trat ich ein und sagte zum Beispiel:

i Ich bin Fran von Berwigk mit zwei jungen Damen.

Ich machte ein möglichst würdiges Gesicht als Frau von Berwigk, während ich eiligst zwei Stühle heranzog, die nun als die jungen Damen neben mir Maria ihre Lehnen ßntgegenstreckten.

Maria reichte mir die 5zand, ich küßte die rosigen kleinen Finger, ; aber Maria rief statt ihrer Anrede Empört:

Das darfst du doch Nicht! Fräu von Berwigk küßt Wir doch nicht die Hand, .abgesehen davon, daß sie Ex- geltens ist- !

Nun lachte ich:

i Siehst du, Maria, das wollte ich ja nur wissest. Mer wer sind denn die beiden jungen Damen?

Ich tippte auf die Stuhllehnen rechts und links.

Da antwortete sie ganz von oben herab, denn sie ließ sich nicht^faMm^. das' sind ihre Töchter? O nein,

fällt ihnen gar nicht ein. Sie hat gar keine Kinder. W sind ihre Nichten.

i Berwigk? fragte ich.

Beinahe verachtungsvoll gab sie zurück:

l- Gräfinnen Randohr. Der Bater war der bekannte Zentrumsabgeordnete. Auch die Mutter lebt nicht mehr.

_ Bravo, bravo! Aber nun ist das Examen zu Ende! rief ich, nahm Maria beim Kopf und schloß ihren MrnL mit meinen Lippen.

Sie machte auch an dem Ballabend ihre Sache tadellos. Nur ich machte sie schlecht. Ich benahm mich wie ent Rüpel, denn um keine Menschenseele habe ich mich ge­kümmert. Ich betrachtete nur immer meine Frau, tote sie stand, tote sie ging, tote sie sprach und tote fte tanzte. Sie tanzte, daß ich mich nicht sattsehen konnte daran. Was sage ich: tanzen! Sie glitt über das Parkett, he drehte sich und ließ sich nicht drehen. Sie wregte sich tn Hüften und Schultern hin und her, immer mit leise ae- neigtem Kopf, daß vom schwarzen Sym, bis zum Kletdtz der Nacken eine seine, sanft gebogene Linie zeigte. Und wieder bewunderte ich den dünnen, schlanken Hals, auf dem das Haupt nur lose zu ruhen schien. Nie war mir das strahlende Weiß ihrer Haut so schön erschienen, das so seltsam abstach vom Dunkel der schweren Flechten.

Wenn mich jemand anredete, gab ich eine zerstreute. Antwort, nur mit Maria beschäftigt.

W und zu ging ich zu ihr und flüsterte ihr zu:

! Macht es dir Spaß? 1 1

Dann strahlten ihre dunkeln Auge:: mich an:

Ja, Fritz, heute macht's mir Spaß. So mal rst's hübsch, aber wenn ich oft auf solchen Ball gehen sollte H nein! Ich mochte es als Mädchen auch nicht. Mal tanzen, ja, das habe ich gern, aber berufsmäßig von einem, Ball zum andern laufen, bis der Winter hin ist das ist etn furchtbarer Gedanke. .

Dann tadelte sie mich, daß ich nicht tanze. Ich solle ihr doch die Freude machen, es zu tun, und ich versprach thr, mjt der Kommandeuse, ntit sämtlichen Regimentsdamen, imi.t den Gästen, kurz mit jeder wenigstens einmal zu tanzen. Den Anfang aber machte ich mit Maria. Als ich mit meinet Frau über hie spiegelnde Fläche flog, war mir altem Ehe§ mann zu Sinn, wie in jungen ersten Leutnantstagen, ha! ich durch die Ballsäle in einem so rasendem Tempo stürmte, daß den Damen ganz ängstlich zumute ward. Ich MW Maria an mich. Ich fühlte sie an meiner Brust, ^ch sah diesen schneeweißen Nacken unter mir und! so S aus dem Haar den Duft ein. Ich Umspannte ihre enge Taille mit