Ausgabe 
15.4.1911
 
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weiblichen Figur dargestellt, die einen Monddiskus iit der Hand hält. Das Mondfest der Chinesen ist ein ergeiies Volksfest, das auch in den Familien gefeiert wird. An ihm beteiligen sich nur Sauen und Kinder, weil die Frauen tm Gegensatz zu den

ünnern unter der Herrschaft des dunkeln, empfangende Prinzips stehen. Außerdem aber ist die Bevorzugung des Mond­kultus von feiten der Frauen wohl auf den Glauben an denAlten im Monde" zurückzuführen. Dieser Alte rm Mond verbindet näm­lich nach einem allgemein verbreiteten Glauben die Fuße von Kindern, die er zu einstigen Ehegatten ausersehen hat, durch rote Fäden miteinander und wird aus diesem Grunde als göttlicher Ehevermittler verehrt. Das Mondopfer findet stets unter freiem Himmel angesichts des Vollmondes statt und erhält dadurch oft Linen gewissen poetischen Reiz, der den übrigen religiösen Bräuchen der Chinesen meist abzugehen pflegt. Auf dem Altar fehlt bei dieser Gelegenheit nie ein Bild, das einen Hasen darstellt, der auf den Hinterpfoten steht, während er in den Vorderpfoten eine Mörser­keule hält, mit der er in einem vor ihm stehenden Mörser ein Pulver der Unsterblichkeit" bereitet. Der Glaube an den Mond­hasen ist schon im alten Indien verbreitet; aber er ist keinesfalls erst etwa mit dem Buddhismus von dort nach China eingeführt worden. Ein chinesischer Philosoph des ersten Jahrhunderts, Wang-Chung mit Namen, polemisiert bereits gegen den Glattben an den Mondhasen als einen kindischen Aberglauben, der demnach also zu seiner Zeit schon recht verbreitet gewesen sein muß. Daß der Hase mit dem Mörser dargestellt wird, in dem er ein Pulver zur Herstellung des Elixiers der Unsterblichkeit stampft, ist eine spätere Zutat taoistischen Ursprungs. In ganz China werden zum Mondfeste kleine Hasensiguren aus Ton feilgeboten, die man den Kindern zu schenken pflegt, so daß in China der Mondhase eine einigermaßen ähnliche Rolle spielt, wie bei uns der O sterhase. Sämtliche Opfergaben, die dem Monde dargebracht werden, müssen von runder Gestalt fein, einmal, um der Mondscheibe zu ent­sprechen, dann aber auch, weil das Wort fürrund", tuan-huan, zugleich soviel wievereint, vollzählig" bedeutet. Daher drücken die Melonen, die beim Mondopfer nicht fehlen dürfen, den Wunsch aus, daß die ganze Familie vollzählig und vereint bleiben möge. Obenan unter den Opfergaben steht der sogenannte Mondkuchen, der die Gestalt der Mondscheibe hat und entweder mit einer Dar­stellung des Alten im Monde oder des Mondhasen ge- schrnückt ist, O. K,

Alte deutsche Haussprüche.

Vor geschnitzten Balken an den alten Häusern sind wir schon in der Jugend häufig genug stehen geblieben, die Inschriften an den Türoiosten gaben uns als vorgeschrittenen A-B-C-Schülern ot harte Nüsse zum Knacken, und an Oienkacheln haben wir manches Zeugnis vom Denken und Dichten der Alten gelesen. Tie ver- schiedenartigsten Sprüche ernster und heiterer Natur finden wir an den schlichtesten alten deutschen Hausgeräten. Eine hübsche kleine Sammlung derartiger Jnschriiten aus den verschiedensten Gebieten Deutschlands hat Kaplan A. Becker in der Zeitschrift Hannoverland" zusammengebracht.

An emer Standuhr in Süddeutfchland standen folgende Worte: Heiliger Sankt Beit, Weck mich an der Zeit,

Weck nicht zu früh und nicht zu spät, Weck mich, wenn es fünfe schlägt.

Die zahlreichsten, meist freilich launigen, sogar recht derbe» Inschriften finden sich naturgemäß an Gläsern, Pokalen und Krügen, von denen einige zur Charakteristik angeführt seien:

Die Kehl tost veel l

* r j

Wirb, das Glück ist mürb.

*

Rat nach Tat Kommt zii spat.

Erst rat, dann tat, Kommt nie zu spat.

*

Unverdrossen und allgemach Bereichtet man die schwerste Sach

* i

Schenk voll ein,

Trink aus rein, Daß man das Glas von oben Kann auf den Nagel proben. Das ist zu loben.

*

Willst du sein mit Ruh und Gemach, Verantwort nicht eine jede Sach.

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Soll sein dein Zung' ein Waffen wert, So sei sie em Schild unt> nicht ein Schwert.

*

Viel Feindschaft, auch viel Ehre» ftht Verborgen in einem Ohmen Wein. Laß an dich kommen, trink moderat, Daß dir die Goltesgab nicht schad.

i *

Im Takte fest, im Tone rein, Soll unser Tun und Singen sei».

fl *

Verlaß dich auf die Leute nicht, Sie sind von einer Wiege, Wer heute Hosiannah spricht, Ruft morgen Kruzistge.

An einem kleinen Kruge stand folgende sinnige Inschrift t Groß sein tut'S nicht allein, Sonst holte die Kuh den Hasen ein.

Dis Ueberschrift eines Spiegels riet:

Allen gefallen bedarf Kunst.

Ein Osterei sprach die Wahrheit:

Lieben und nicht haben

Ist härter als Steine graben.

Auf Tellern und Schüsseln standen die Spruche r Genügen ist Ein reicher Tisch. Genügen paßt Für jeden Gast. *

Es steht geschrieben, Daß sechs oder sieben Nicht sollen harren Auf einen Narren, Sondern essen *

Und des Narren vergessen.

Ein Salzfaß trug folgende süß-saure Worte:

Ich bin nicht süß, ich bin nicht sauer,

Es kann mich entbehren nicht Bürger, nicht Bauer.

Sparbüchsen (auch solche aus Steingut) mahnen:

Vor dummen Zehren und böslichem Sparen Blog uns in Liebe der Herrgott bewahren.

Eine einfache Schüffel, die den Charakter hohen Alters an sich trägt, besagt:

Dit und bot,

Trocken un nat, Gesegn' uns Goatt.

Mannigfaltig, ost in ihrer Schlichtheit und Naivität von er­greifender Kraft, sind die Inschriften au Hausuhren; wohl die schönsten lauteten:

Die Leut verderben mit der Zett, Die Zeit verdirbt die Leut.

Sieh an die Uhr, und sag mir an, Zu welcher Stund man nicht sterben kann.

Lchachaufgade.

Von R. Beuthner. Schwarz.

Weiß.

Weiß setzt mit dem vierten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummert Muster Angel Wabe Ibria Alfter Sanb -- Trunt Uhr Aras Rock - Tabei; Maria Stuar t.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Skeindruckerei, R. Lang«, Gieße»