Ausgabe 
15.4.1911
 
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2S8

Brigitte mir erzählt M daß von Wesien auf Polzow Vereinbai

ein

WÄsien etwas einzuwenden?" , ,

Vater, du weichst mir aus!" flehte bas junge Mädchen.- Er ist gekommen, um mich zu weichen, ohne mich zu kennen es ist eine abgekartete Geschichte, ganz so, wie Tante eS gesagt hat!" . , ,

Na warte, Tante!" knurrte der Geheimrat rn sich Hinern. Laut sagte er, indem er sich erhob:Nun ja, mein Kind, es ist zwischen Jobst von Welsien und mir davon die Rede gewesen^ aber"

So ist es ailso auch wahr, daß er dir Geld schuldet?"

Auch das ist wahr."

Irma brach an dem Stuhl, auf dessen Ähne fre sich gestützt hatte, zusammen, legte den Kopf auf die Arme und schliinHt«

Der Karfreitag des Herzens. . . .

Ein wunderherrlicher Ostermorgen.

Da Irma trotz seelischer und körperlicher Leiden auf denk von ihr angeregten Ausflug beharrte, hatte sich der Geheimrat entschlossen, die Radkavalkade auf seinem Auto yu begleiten. Alle waren bereits am Parktor versammelt bis auf Heinz Welsien und Baron von Löhningen. Auch Tante Brigitte war mit von der Partie. Nach der Unterredung mit ihrem Bruder war st« wie umgewandelt. ..

Um die Zeit des Harrens abzukürzen, waren die Damen eben beschäftigt, die Räder mit Palmkätzchen zu schmücken, als Baron von Löningen von der Landstraße her heraupreschte.

Nanu wo hast du Welsien?" rief der Geheimrat ihm entglpem flnbern dangen mit Fragen auf ihn ein nutz Irma hielt sich abseits; aber die Händchen, welche die Lenkstange ihres Rades umspannten, zitterten, und ihr Blick hing tote ßw bannt an den Lippen des Vetters. ,

Da muß ich etivas weiter ausholen, meine Herrschaften," bemerkte dieser. Da mein Freund Heinz heute radfahren sollte,- so wollte er es gestern und vorgestern lernen. Er gehört näm­lich zu den eigensinnigen Menschen, die niemals enigestehen, daß sie etwas nicht können. So hat er denn Tag und Nacht trainiert, und es ging auch ganz schon. Bei der Freifahrt auf der Chausiea nach Polzow hat er nur zwei junge Kastanienbaume und eine Ente umgebracht. Leider !var er heute früh, als ich ihn holte, wieder eigensinnig. Ich machte ihn auf einen vor uns herfahrenden Kartoffelwagen aufmerksam. Anstatt aber auszu­biegen, machte er den gewaltsamen Versuch, Mit seinem Rad auf den Wagen zu klettern dabei hat er sich leider eine Vev* *VBT-***. -<wn ecta» Wie 8 M auf ihr Rad geworfen und sauste in einem Tempo gen Polzows daß sie den Blicken der andern entschwunden war, ehe sich diese von der kleberraschung erholt litten. . n

Als der Geheimrat in Polzow erntraf lauteten rüst die Glocken! von der Stadt her und aus allen Dörfern der Umgegend.

Irina hielt unter Lachen und Weinen den mit einigen leichten Kartoffelbeulen" behafteten Kopf Heinz von Welsiens m beiden Händen.

Und es' war Ostern.

vom Mondhafen.

Es gibt kaum eine Religion, die einen so reichen GötterkultuS aüfzuweisen hat, wie die chinesische Volksreligion. ^»es Gewerbe in China hat seinen besonderen Ähntzpatron. So gibt es Schutz- götler, der Zimmerleute, Töpfer, Gartner, Aerzte, Wahrsager, Barbiere Schauspieler; selbst Vertteter .weniger ehrsamer Ge- werbe wie zum Beispiel die Diebe und die Prostituierten, haben eimn himmlischen Äitzpatron. Auch die Tiere stehen unter deni Schutze besonderer Gottheiten, >me es einen Gott der Rinder, der Pferde, der Schweine und der Hunde gibt; in in Su-chou sott nch sogar der Gott der Läuse eines besonderen kleinen Tempels erfreuen. Von ganz besonderem Interesse ist aber der Kultus der Naturgottheiten, namentlich der des Mondes. Der Mond ist da» Träger des weiblichen dunkeln Prinzips;, die Mondgottheit wird daher, so berichtet Wilhelm Grube in seinem,lesenswerten-Buch

Religion und Kultus der Chinesen", auch oft in der Gestalt einer

, 2 - daß du mA dem alten Herr«!

.... .... auf" Polzow' vereinbart hast, mich an Heinz Welsien! zu verheiraten, weil der Mte dir Geld schuldet und weil" Stopp, mein Kind immer hübsch eins nach dem andern. Zunächst verstehe ich jetzt erst den ziemlich konfusen Brief, den ich vorhin von dem kleinen Leutnant erhalten habe., Er will,, umMißdeutungen" aus dem Wege zu gehen, zunächst die Schulden 'eines Onkels aus eigenem Vermögen bezahlen. Na, davon spater! Dann, Kindchen, die bündige Versicherung, daß meine Itene Schwester, deine Tante, eine komplette Gans ist. Ich werde ihr das nachher noch selber sagen. Drittens hättest du gegen

ßn, und will mir gerade «Me Mühe geben da ist's schon wieder aus?"

Na, wissen Sie"

Irma Keßler strich die vom Spiel zerzausten Haare aus der Stirn und machte der ein Triumphgeheul anstimmenden Gegenpartei eine lange Nase. Nachdem sie dann noch sämtliche Reservebälle und schließlich auch ihr Rakett nach den Siegel trunkenen jenseits des Netzes geschleudert, wandte sie stch wieder ihrem Partner zu. ...

Sagen Sie mäl, Herr von Welsien Sie können wohl gar nicht Tennis?" . , .

Eigentlich nicht. Mein gnädiges Fräulein.

Das ist aber stark! Ich habe Sie doch gefragt!

Sehr richttg. Aber Ihre Frage lautete: Spielen Sie Tennis? Natürlich spiel ich weshalb soll ich Nicht Tennis spielen? Ich spiele beispielsweise auch Skat, wenn man mich dazu reizt. Und werde es doch im ganzen Leben nicht begreifen.

Sie wollen also sagen, daß Sie zu dieser Partiegeretar wurden?"

Allerdings." ,

Sie senkte die Augen unter seinem Blick. Die Hande auf dem Rücken, sah sie angelegentlich auf die Spitze ihres braunen Halbschuhs, die sich in das kurzgeschorene Gras des Tennis­platzes bohiste.

Allerdings gereizt," wiederholte Leutnant von Welsien. Aber verstehen Sie mich recht, Fräulein Irma. Es handelte sich darum, noch eine Stunde oder zwei dieses herrlich«! Tages an Ihrer Seite verbringen zu dürfen. Das hat mich gereizt. Hätte ich meine geringe Begabung für dieses edle Spiel kund­gegeben, so wäre mir wohl , nichts übrig geblieben, als heiM- zureiten gelt Polzow und mir von meinem Onkel den üblichen Vortrag über die geringe Rentabilität der Zucht von Wollschafen halten zu lassen. Dazu sind mir aber die wenigen Tage meines Osterurlaubs zu schade, dazu ist mir dieser sonnige Frühling zu schade und all die knospenden Hoffnungen, die er mrr »ringt!" .. ....

, Herr von Welsien Sie Sie lieben den Frühling?

Sehr. Auch den Frühling vor allem aber"

Mit einem leisen Schrei, einem unterdrückten Ausiauchzen preßte Irma Keßler die Hände gegen die Ohren und Wangen. Einen Moment zögerte sie dann lies sie davon, lief, bis siej tm Schutze der Gegenpartei war.

Hier hing sie sich an den Arm ihrer Dante, eines jugendlich herausgeputzten älteren Fräuleins, das jene Szene nut den ge­schärften Instinkten ihres Alters beobachtet und begriffen hatte. Brigitte Keßler raunte ihrer Mchte einige herbe, verweisende Wortt zu, die diese aber nicht verstand. Einmal war sie zu sehr nut sich selbst beschäftigt, und dann übertönte auch die geräuschvolle Sieges- freude des Barons von Löningen den Verweis.

Da hätten wir unfern Dennis-Champion einmal gehörig reingelegtrief der Baron, der zwei niedliche Freundinnen Irmas am Arm führte.

Er war ein Verwandter des Hkuses. Irmas verstorbene Mutter war eine Löningeti. Außerdem stand der Baron in der benachbarten kleinen Garnison, deren rote Ziegeldächer von der Parklichtting aus deutlich zu sehen waren. Er kam wöchentlich ein paarmal herüber und war in der Keßlerschen Famtlte tote zu Hause. Da er auch mit Heinz Welsien befreundet war, konnte er sich schon einige Fopperei erlauben. Das besorgte er denn auch in ausgiebigem Maße aber sonderbarerweise reagierten weder der Husar noch das sonst recht strettbare Fräulein Irma aus die Übermütigen Anzapfungen. .

Herrje, Kinder, was ist denn mit euch los?" fragte der Baron, indem er mit großen Augen von einem zum andern sah.

Aus den Gesichtern der beiden lag ein ganz gleichartiger Ab­glanz der Sonne, die jenseits der frischbelaubten Buchen und Ulmen purpurn zur Rüste ging

Nichts, Vetter," erwiderte Irma, ohne das leuchtende Gesicht von der Sonne abzuwenden,nichts weiter, als daß Frühling ilt.

Plötzlich durchrieselte es die schlanke Gestalt tote ein Schauer. Erschrocken kam sie zum Bewußtsein der (Situation und mit etwas forcierter Lebhaftigkeit fügte sie hinzu:

In drei Tagen ist Ostern! Ich schlage vor, wir machen am ersten Festtag einen gemeinsamen Ausflug nach der Aumühle ! per Rad. Sie fahren doch Rad, Herr von Welsien?

Selbstverständlich fahre ich Rad, mein gnädiges Fraulein.

Das klang trocken verbindlich. Aus seinen Augen aber sprach ein Herz, das seinem Ostern entgegenjauchzte.

Das war am Gründonnerstag ....

Am nächsten Tage betrat Irma zu ganz ungewöhnlicher Stunde das Arbeitszimmer ihres Vaters. Der Hof und die. mächtigen Schlote der Zuckerfabrik, auf die man von dem breiten, drei­teiligen Fenster einen Ausblick hatte, waren in feiertäglicher Ruhe. Ein kühler, nebliger Dunst verwischte die Konttireu.

Der Geheimrat studierte kopfschüttelnd in einem Brief.

Na, Irin, was soll's?" fragte er, nachdem er flüchtig auf- gesehen. Ein unterdrücktes Schluchz en traf fein Ohr.Um Himmelswillen, Kind, was hast du denn?"

Nichts, Papa es ist wirklich nichts. Nur em paar Fragen bitte ich dich, mir zu beanttvorten. Ist es wahr, was Tante

herzbrechend.

Nun ist alles zu Ende" ,

Der alte Herr war zuerst verdutzt und erschrocken. Bet der Proklamierung desEndes" aber schloß er unschwer auf den Anfang" und das stimmte ihn äußerst vergnügt. Er cer-. ließ das Zimmer, um seine Schwester aufzusuchen.

Irma lag noch lange regungslos. Von Zeit zu Zett schüttelte trockenes Schluchzen den schlanken Körper.