Ausgabe 
15.3.1911
 
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Sattel formen, mit Federn beneiden, Außerdem den abgetrennten Hals imtb Kopf eines Straußes vorrichten, indem sie das Fell über einen mit Stroh umwickelten Stock ziehen und sich die Beine weiß anmalen. Der Jäger soll hierauf bm nut Federn besteckten Sattel auf den Kopf, den Unterteil des Straupenhalses fest in die rechte, den Bogen in die linke Hand nehmen imb der Straußenherde zugehen, den Kopf Ivie ein sich umschauenderStraust drehen," den Sattel mit den Federn schütteln und die Strauße zuweilen so täuschen, daß einzelne von ihnen auf den vermemt- lichen Bogel zugehen und mit ihm Streit anfangen wollen. Europäische Jäger pflegen in Südafrika den Strauß an heißen Tagen um die Mittagszeit nicderzurelten; der gehetzte Bogel er­mattet dann sehr bald und wird auch von «mem, mittelmäßigen Pferde eingeholt. . . , 1QA , ,

Im Kap laude wuide-dte Strmißeniagd tm Jahre 1870 durch ,kiin Gesetz geregelt, das Zuwiderhandelnde mit hohen Strafen be­legt« und nicht allein die Vögel selbst, sondern auch deren Nester Mrd Eier zu schützen suchte, eilte je nach der Gegend verschiedene Schonzeit bestimmte, die Jagd selbst an besondere Bedingungen knüpfte und Eier rnrd junge Strauße als unverletzlich hinstellte. Man hoffte, durch strenge Durchführung dieses Gesetzes das ganze Kapland allmählich wieder ebenso mit Straußen zu bevölkern, wie es dies in früherer Zeit war.

Vermischtes.

* Der Hosen rock vor demParlatne nf. Der Hosen­rock ist nun auch der Gegenstand eifriger Erörterungen im Par­lament geworden: das Deputiertenhaus von Pennsylvanien war der Schauplatz des Ereignisses. Der Abgeordnete Hoe hatte eine Entschließung eingebracht, die den Hosenrock energisch verurteilte, die Tagesordnung wurde verlesen und dann beschlossen die Volks­vertreter von Pennsylvanien, diese wichtige Staatsangelegenheit einer besonderen Kommission zur eingehenden Beratung zu über­weisen. Die merkwürdige Entschließung hat folgenden Wortlaut: In Anbetracht dessen, daß nach einigen Modezeitungen irgend ein Wahnsinniger der Stadt Paris eine neue Damenmode lanciert hat, die Hosenrock genannt wird, in Anbetracht dessen, daß die Frauen dieses Landes vielleicht diese Mode aufnehmen könnten, worauf kein verheirateter Mann seiner Frau mehr verbieten könnte, seine Hosen anzuziehen, in Anbetracht schließlich, daß bei der allgemeinen Teuerung nur wenige Männer sich mehr als einen Anzug leisten können, beschließt die Deputiertenkammer, energisch gegen die Einführung dieses sogenannten Hosenrocks in Amerika zu protestieren, und weist die Frauen Pennsylvaniens darauf hin, daß, im Falle sie es wagen würden, sich so zu kleiden, der Tag, an dem ihnen das Wahlrecht eingeräumt werden ivtrb, ad calendas graecas vertagt wird."

* König Nikitas einziger Gegner. Vor einiger Zeit besuchten zwei französische Abgeordnete als schaulustige Touristen das Land der schwarzen Berge und weilten einige Tage in Cetinje. Wohin sie in Montenegro ihre Schritte auch lenkten, mit wem sie sprachen, aus jedes Bürgers Mund klang ihnen der Ruhm des Fürsten Nikita entgegen, des heutigen Königs; die Ver­ehrung, die Bewunderung, die Anhänglichkeit für den Regenten Montenegros schien im Volke unbegrenzt. Die beiden Fremden waren nicht wenig erstaunt, aber sie nahmen schließlich an, daß der Zufall sie nur mit Leuten zusammengebracht habe, die ein In­teresse daran batten, den Fürsten zu rühme». Am nächsten 'Morgen trafen die beiden Frewden aus der Straße zufällig einen wackeren Gesellen, der in seiner montenegrinischen Gebirgstracht, die Stummelpfeife in der Hand, die Fremden beobachtete. Tie Fran­zose» baten um einige Auskünfte und der Montenegriner antwortete in leidlich gutem Französisch und erbot sich, die Fremden zu führen. Er zeigte ihnen Cetinje, führte sie durch alle Straßen, überall grüßten die Leute höflich und freundlich, so daß die Franzosen nicht umhin konnten, zu bemerken:Man ist hierzulande sehr höflich gegen Ausländer". Woraus der Eleerone erwiderte:Wir sind schlichtes Volk wie unsere Berge". Die Franzosen erkundigten sich nun bei ihrem Führer, ob der Fürst bei seinem Volke auch wirklich beliebt sei, aber der Montenegriner antwortete nur einsilbig:Man sagt so".Verdient er es beim?"Vielleicht", antwortete der Cicerone mit einem Achselzucken. Als aber die Fremden mehr wissen wollten uird den wackeren Montenegriner fragten, ob er selbst den Fürsten auch verehre, erwiderte der Beiragte plötzlich: Ehrlich gesagt, ich kann ihn nicht loben 1" Endlich hatten die Reisenden also einen Montenegriner gefunden, der nicht unbedingt in die Verehrung für den Fürsten Nikita einstimmte, aber als sie mehr erfahren rooltten, schüttelte der Cicerone nur ärgerlich den Kops und es war nichts mehr aus ihm heraus zu bringen. Die Annahme eines Trinkgeldes lehnte er kurzweg ab, er begnügte sich mit einer Zigarre und mit einem Glase Wein, zu dem die Fran­zosen ihn eingeladen hatten. Im Gasthof erzählten die beiden Fremden nun mit Stolz, daß es doch wenigstens einen Monle- negriner gebe, der den Fürsten nicht liebe, aber der Hotelbesitzer schüttelte den Kops und sagte nur:Dann war es kein Monte­negriner, sondern irgend ein Unwürdiger, ein Feind des Vater­landes". Am nächsten Tage erwirkten die beiden Deputierten sich eine Audienz beim Fürsten. Man führte sie in einen kleinen Salon und vor ihnen stand lächelnd ihr Cicerone von gestern. Fürst

Nikita hatte selber den Fremdenführer gemacht. Einer der beiden Deputierten hat einem Mitarbeiter derRivista polilica Parla­mentäre" selbst dieses amüsante Resieerlebnis berichtet.

* S a m m l e r w a h n s i n n. Russische Blätter erzählen eins kuriose Geschickte, ans der ersichtlich ist, bis zu welchem Grade von Verrücktheit die Sammelmanie die von ihr besessenen Menschen­kinder führen kann. Ein bekannter Petersburger Markensammler namens Stemmer besaß acht alte Marken, die nach feiner, leften Ueberzeugung nur einmal in der Welt vorhanden waren: nämlich in seinem Album. Natürlich war er aut den Besitz solcher Schätze sehr stolz und feierte große Triumphe, wenn er beit Kollegen auf dem Gebiete des Markensammelns diese feine Ueberlegenheit recht eindringlich zu Gemüte führen konnte. Einer feiner Freunde, der Fürst Trnbetzkot, verlor schließlich eines Tages die Geduld und setzte in alle größeren Zeitungen Rußlands eine Annonce, in der er dem, der ihm jene acht Marken verschaffen luütbe, einen hohen Kaufpreis in Aussicht stellte. Ein paar Monate später wurden ihm tatsächlich die acht Marken .für 25 600 Alk. zum Kauf an­geboten. Der Fürst zahlte den verlangten Preis unb ging sofort zu Stemmer, um ihm zu zeigen, baß von den Marken, die dieser für einzig in ihrer Art gehalten hatte, Duplikate vorhanden wären. Stemmer war wie vom Schlage getroffen: bie schönste Illusion seines Lebens war stir immer dahin. Wie tonnte er es jetzt noch wagen, sich seinen Freunden zu zeigen? Sie würden ihn hänseln unb verlachen unb sich über seine Unica luftig machen. Von diesen düsteren Gedanken ausgehend, faßte er einen heroischen Entschluß: er bot dem Fürsten für bie acht Marken hoppelt so viel, wie dieser dafür angelegt hatte. Zuerst lehnte der Fürst baS Geschäft rund­weg ab, um Stemmers Qualen und Leiden noch ein bischen zu verlängern; bann gab er aber nach. Stemmer brachte aus eigenen Bütteln und burch eine größere Anleihe 51 200 Mk. zu­sammen, überreichte sie Trudetzkoi, nahm mit gitternber Haub die verdammten ackt Duplikate und warf sie ins Feuer:Jetzt, sagte er triumphierend,wird niemand mehr behaupten können, daß meine Marken nicht einzig in der Welt sind!"

Büchertisch.

Norweg en, das sagenmntoobene Land der alten Wikin-? ger, bildet alljährlich das Ziel vieler tausende von Reisenden- und alle, die eine Nordlandfahrt in einem der schmucken Tou­ristendampfer mitgemacht haben, rühmen sie als eines ihrer köst­lichen Erlebnisse. In jedem von diesen wird die neueste Nummer der Illustrierten Zeitung liebe Erinnerungen an die großartigen Fjords, die brausenden Wasserstürze, gewaltigen Gletscher des Nordlandes und den stillen Zauber der Mitternachtssonne er­wecken. Aber auch denen, die die nordische Landschaft noch nicht mit eigenen Augen gesehen haben, .wird die mit zahlreichen farben­prächtigen Bildern geschmückte Nummer ivillkommen sein, oa sie ihnen eine den unmittelbaren Eindruck ersetzende Anschauung der Naturschönheiten verschafft, die Norwegen den Ruf einer Perle der Touristenwelt eingetragen haben. Die Titelseite führt uns den 160 Meter hohen Wasserfall am Hardaugerfjord in farbiger Wiederagbe nach einem Gemälde von Ed. Krause-Wichmann vor,- ein doppelseitiges Vierfarbeudruckblatt, ein herrliches Gesamt­bild von Molde, ein ganzseitiges Buntbild, die eigenartige Küste Helgolands und ein anderes ganzseitiges Blakt die Mitternachts­sonne in den Lofoten in ihrer ganzen Stimmungsgewalt. Ditz übrigen farbigen Bilder zeigen uns einen Wintertag in Svolvacr, einen Blick von Fjeldsaeter auf -Drontheim, eine Ansicht von Ham­merfest, Baagekallen in den Lofoten, die letzten Birken hoch ich Norden, eilte Saeterhütte, Merok, Kjendal, Straße in Oie, Roms- dalshorn, sowie zwet Landschaftsbilder von der Insel Spitzbergen. Die einfarbigen Bilder sind von seltener Reichhaltigkeit und geben ebenfalls hervorragend schöne Punkte und charakteristische Gegen­den Norwegens in vortrefflicher Darstellung.wieder. Nicht minder reichhaltig und interessant wie der Schmuck ist der textliche Teil der Nummer.

§Iat-Ausgabe.

Vorderhand spielt Coeur-Solo auf folgende Karte:

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Hinterhand hat in ihren Karlen Hand. Vorhand gewinnt das Spiel die Karten und wie wurde gespielt?

18 Augen mehr als Mittel- mit Schneider. Wie waren (Aufl. in nächster Nummer).

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wir halten das Beste zu hoffen künftig, Wär' Menschenwille nur immer vernünftig Und würden verkehrte Leidenschaften Nicht ewig an unserm Herzen haften.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttäls-Buch- und Steindruckereh R. Lange, Gieße»