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von dem Nutzen -es Straußes.')
Dem Menschen werden die Strauße nützlich durch ihr Fleisch, Wr Fett, ihre Eier und namentlich durch ihre Federn; Grund genug, daß sie eifrig gejagt und, namentlich seit etwa 50 Jahren, gezüchtet werden, und zwar stellenweise mit geradezu großartigem Erfolg. , .
Nach Robert Hartmann stinkt das Fleisch, das von einzelnen Mfrikanern gegessen wird, sehr und ebenso das Fett, das,auch als Wolksmittel zum Einreiben bei Rheumatismus, benutzt wird. ,-oon dem Fleisch der jungen Küchelchen sagt Schreiner, es sei, richtig zubereitet, vorzüglich, das der Alten aber zäh und mischimackhaft, es fiele auch keinem der Weißen ein, einen alten Strang des Fleisches wegen zu tüten, das nur von eingeborenen Dienern genossen würde. Ein Anonymus erzählt in „Chambers Journal : Das Zäheste, was ihm je zwischen die Zähne gekommen fet, wäre doch eine Portion Fleisch von einem alten Straußenhahn gewesen. Wenn Farini behauptet, nie etwas Zarteres, weder von Wild, Rind, Geflügel oder was immer gegessen zu haben als Straußenfleisch, dessen Geschmack eine Mischung von Geflügel und Ochsenfleisch, aber besser als beides sei, so spricht er wahrscheinlich von dem Fleische junger Küchelchen, obwohl er es nicht ausdrücklich sagt.
Günstiger lauten alle Berichte über die Straußeneier als Menschliche Nahrungsmittel, die nteift als eine Art „Rührei in der Schale" genossen werden. Man macht an einem der beiden Mole der Schale eines solches Eies, das frisch anl besten ist, ein Loch, tut Salz und Pfeffer in genügender Menge hinein, schüttelt cs tüchtig durch, so daß fick) das Gelbe, Weiße und die Gewürze gehörig mischen, und stellt es dann in die heiße Asche, in der man cs unter fortwährendem Umrühren die nötige Zeit stehen läßt. Lichtenstein sah am Kap die Hottentotten die Straußeneier ganz ähnlich zubereiten, nur nahmen sie keine frischgelegten, sondern stark bebrütete, die sie mit Hammeltalg an,machten. Unser Gewährsmann sand das Gericht sehr schmackhaft. Die weitaus größere Mehrzahl der Weißen würden sich gegen die Zumutung, bebrütete Eier zu essen, heftig sträuben, aber im Grunde genommen beruht das doch nur auf einem Vorurteil: wir finden frische Hühnereier und junge Hähnchen sehr wohlschmeckend, nehmen ab et an der Zwischenstufe eines stark bebrüteten Eies den allergrößten Anstoß, obgleich es doch nichts Verdorbenes ist.
Ein anderes südafrikanisches Nationalgericht ist „Straußbutter", die aus frischem Blut und Fett der Strauße hergestellt wird. Natürlich dürfen die Tiere, um ersteres zu gewinnen, nicht geschossen werden; man muß also lebende, die man schlachtet, oder zu Tode gejagte zur Verfügung haben.
Die Schalen der Straußeneier wurden schon im Altertum, Mehr noch im Mittelalter, mit edeln Metallen beschlagen und verziert als Prunk- urch Schaubecher benutzt. Man hing sie in den Kirchen auf, die, ähnlich wie die Tempel im Altertums, häufig so eine Art von Museen und Raritätenkammer waren; die Kopten, denen die Straußeneier ein Sinnbild der Wachsamkeit sind, tun dies noch heutigestages. Die nomadisierenden Bewohner der Kalahariwüste, Vaalp-ens genannt, füllen die geleerten Schalen mit Wasser, verschließen sie sorgsam und vergraben sie an bestimmten Stellen für die Zeit der Dürre, wenn das Wasser und die Sama, eine Art von Wassermelonen, ausgegangen sind.
Aus abgerundeten, auf Schnüren gereihten Schalenstückchen verfertigen sich die Damaraweiber breite Gürtel oder Leibchen.
Die Haut der Strauße findet gegerbt als Leder Verwendung, über das seit dem Altertum, wie wir schon bemerkten, am meisten geschätzte Produkt dieser Vögel sind ihre Federn.
Pierre Belon sah 1555 eine Menge mit den Federn hergerichtete Häute in den Basaren von Alexandria, 200 Jahre etwa später kostete ein solches Fell 100 spanische Taler. Nach Nachtigall schätzen die Bewohner von Wadüi die schwarzen Straußenfedern sehr, und ihren: König werden drei „Äbü Sekkün" vorgetragen, das sind halb ovale, 1 Meter hohe und 0,5 Meter breite, rot überzogene und am Rand mit schwarzen Straußenfedern besetzte Schirme oder Tafeln, welche die Araber „Risch" nennen. Bei den alten Aegyptern waren die Flügelfedern der Strauße, denen übrigens Vater Hiob die Pfauenfedern vorzog, das Sinnbild der Gerechtigkeit, und zwar deshalb, weil ihre Barten rechts und links vom Schafte von gleicher, bei anderen Vögeln aber von Ungleicher Beschaffenheit sind.
Die Haupthandelsplätze für Straußenfedern sind im Orient Port Said, Aleppo und Alexandria, in Europa Venedig (schon seit dem Mittelalter), Marseille, Paris, Livorno, Amsterdam und London. Die französischen Händler unterscheiden zehn verschiedene Sorten; das feine Sortieren gilt nach Nächtigest schon in Afrika glö eine Kunst.
Der Preis der Federn ist je nach dem Wechsel der Mode erheblichen Schwankungen unterworfen; auch liefern nicht alle Gegenden gleichgeschätzte Ware, weil die Beschaffenheit des Bodens Und der Witterung ihre Reinheit erhöht oder mindert; am vorzüglichsten sollen sie immer bei den auf reinem Sandboden lebenden Straußen sein,. Als hip besten gelten die sogenannten Aleppo-
*) Durch das Entgegenkommen des Bibliographischen Instituts in Leipzig sind wir in der Lage, unsere Leser mit einem Interessanten Abschnitt aus „Brehms Tierleben" bekannt zu machen, das, völlig neubearbeitet, in vierter Auflage zu erscheinen beginnt.
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federn, die von den in der Syrischen Wüste lebenden Straußes stammen; auf sie folgen der Reihe nach die Federn, die in der Sahara, den Steppen am Senegal, den Nilländern, Marokko, Südafrika und Südarabien gewonnen werden. Zahmen Straußen! entnommene, sogenannte „zahme" Federn sind immer weniger werb als von wilden Vögeln herrührende und können bei einiger Sachkenntnis auf den ersten Blick von jenen unterschieden werden; namentlich sollen die zahmen Federn bedeutend starrer und steifer! sein, weil sie stärkere Kiele haben. Im Innern Afrikas kann man; gelegentlich gute Federn ziemlich billig kaufen; 1 Kg. der erlesensten weißen Ftügelfedern gilt schon im Sudan 1000—1200 Mark, wogegen die kleineren weißen Schwingen- und Bürzel- sedern kaum den vierten Teil jener Summe eintragen und 1 Kg., schwarzer Rückenfedern selten über 50 Mark kostet. Nach Nachti- gal wurde in El-Füscher das halbe Kilogramm bester weißer, Aüwsna, „Schwimmer", genannt, mit 50—60 Mariathcresien- talern (etwa 150—180 Mark) bezahlt, schwarze aber nur mit 5, obwohl in Kairo die Nachfrage nach letzteren größer war, da mit Wien der Umsatz viel bedeutender, das Geschäft daher ein besseres war. Die vom Kaplande kommenden Federn bezahlt man minder hoch. Im Jahre 1875 führten aus: der Senegal für 60 000, Mogädor für 400 000, die Berber ei für 2 000 000, Aegypten süt 5000 000 und die Kapkolonie für 4 600 000 Mark (gegen 253 760, Mark im Jahre 1858).
Die Straußenzucht dürste eine schon. recht alte Sache sein, Pierre Beton sagt wenigstens, zu seiner Zeit, also um 1550, hätten die Bewohner Libyens und Numidiens Strauße auf gefüttert, um.' ihre Federn zu verkaufen, und etwa 200 Jahre später erzählte Buffon, die Eingeborenen verschiedener Gegenden des nordöstlichen Afrikas unterhielten ganze Herden gezähmter Strauße zum gleichen Zweck. — In neuerer Zeit wurden in größerem und! rationellerem Maßstabe Strauße zuerst in Algerien gezüchtet« Gegenwärtig blüht die Straußenzucht vor allem in der Kapkolonie, wo sie einen der wichtigsten Erwerbszweige des Landes bildet« Sogar in Amerika, besonders in Südkalifornien, hat man sie eingeführt.
Um Strauße zu züchten, umgibt man zunächst ausgedehntere Flächen leichten, womöglich kalkhaltigen Bodens mit einer aus Steinen zusammengetragenen oder aus Eisendraht hergestellten Umzäunung, sät innerhalb dieses Raumes Luzerne an und überlaßt da, roio der Boden selbst alles Erforderliche enthält, die Straußs möglichst sich selbst, wogegen man an anderen Orten zur künstlichen Fütterung schreiten, auch wohl zertrümmerte Knochen und Kalksteine unter das Futter mengen muß. Verfügt man übet hinreichenden Raum, so läßt man die Vögel selbst brüten; ist dies nicht der Fall, so sondert man wenigstens die brutlustigen Paare oder doch alte Männchen und Weibchen ab und sammelt die von letzteren gelegten Eier, um sie in besonders eingerichteten Brut- maschiuen zu zeitigen. Die auf diese Weise erbrüteten Straußs bedürfen zwar in den ersten Tagen einer sehr sorgsamen Pflege, gewöhnen sich aber besser als die von den eigenen Eltern erbrüteten! und geführten an den Menschen und lassen sich später von eingeborenen dunkelhäutigen Knaben oder, wenn erwachsen, von berittenen Hirten wie Truthühner auf die Weide treiben.
Die erwachsenen Strauße beraubt man binnen je 8 Monaten! einmal ihrer Federn. Bevor man hinreichende Erfahrungen gesammelt hatte, rupfte man die Federn einfach ans, indem man eine Herde der Vögel in einen engen Raum zusammenpferchte, wo sie sich weder rühren noch wehren konnten; doch wirkte das gewaltsam« Ausziehen oft schädlich und führte sogar zu Todesfällen. Deshalb schneidet man gegenwärtig die Federn hart über der Haut ab; etwa 6 Wochen später werden die Spulreste, die in dieser Zelt noch nicht von selber ausfielen, leicht entfernt. Strauße, die zur Brut schreiten sollen, werden selbstverständlich nicht gerupft; alle übrigen aber trifft dieses Schicksal, auch die Weibchen; hat man doch Mittel gefunden, alle Federn zu bleichen und beliebig zu färben. Infolge der massenhaften Erzielung brauckcharer Federn sinkt ihr Preis allerdings von Jahr zu Jahr; dafür ist man aber auch imstande, der mehr und mehr sich steigernden Nachfrage gerecht zu werden, was selbst durch rücksichtslosege Jagd auf wild lebende Vögel allein nicht mehr geschehen könnte.
Tie Straußenjagd wird in ganz Afrika mit Leidenschaft betrieben. Den Beduinen gilt sie als eines der edelsten Vergnügen; denn gerade in der Schwierigkeit, die sie verursacht, liegt für Menschen dieses Schlages ein besonderer «Reiz. Die Araber Nordostafrikas unterscheiden den Strauß nach seinem verschiedenen Ge- schlecht und Alter genau. Der erwachsene männliche Vogel heißt „Edsim" (der Tiefs chwarze), das Weibchen „Ribeda" (die Grane), der junge Vogel „Ernrud" (der Bräunliche). Da Erbeutung der Federn der Hauptzweck der Jagd ist, verfolgt man vorzugsweise, ja fast ausschließlich den „Edlim"; aber gerade dadurch schadet man der Vermehrung besonders empfindlich ,
Andersson erzählt, daß in gewissen Gegenden Südafrikas der Strauß von einigen Jägern zu Fuße gejagt wird, unb daß er am Ngamisee Buschmänner dabei habe beobachten können. Diese umzingelten meistenteils eine ganze Herde, worauf die erschreckten Vögel gewöhnlich unter Geschrei und Lärmen ins Walser getrieben wurden. Außerdem lauern diese Jäger dem Strauß an seinem Neste oder am Wasser auf, sollen auch, wie Moffat angibt, um sich unter die Herden der weidenden Vögel zu begeben, ent flaches Doppelkissen mit Stroh ausstopfen, es ungefähr ime einen


