Ausgabe 
15.4.1911
 
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Ostergrutz.

Kennst du das Land? Nicht fern im Süd gelegen, Zn deinen Füßen treneS Heimatland.

Vom lichten Himmel flirrt ihm Frühlingssegen Und schlingt von Tal zu Tal das grüne Band.

Kalt lag die Welt, starr ohne Halm und Blume, Hart war das Herz und ohne Hoffen gar.

Da leise regt sich'S in der Ackerkrume

Von neuen Lebens Ahnung wunderbar.

Ein Singen zieht, ein Schwingen durch die Lüfte Und ferne Glocken summen tief darein, .

Der Sonnenatem haucht in dunkle Grüfte Und Seelen sprengen ihren Totenschrein.

Ihr Blumenseelchen auf begrünten Hügeln, Ihr Menschenseelen nach des Leides Nacht Ostara braust einher auf mächt'gen Flügeln.

Hört ihren Siegesrufi Erwacht! Erwacht!

Bern. I. V. Widmann.

her;eloMe.

Roman von Georg Freiherrn von Ompteda.

(Nachdruck verboten.)

Ich tvar ein junger Fant, der eben erst die Achselstücke trug. Und tote es so ist mit zwanzig Jahren und entern un-aen Herzen und ein paar Augen, die gewohnt waren ich umzublicken in der Welt sah ich rings um mich alles was herrlich tvar, was schön, was jung wie ich, was lachte und in der Sonne stand. Und Kleingeld tm D"ck,emen edlen Gaul zwischen den Beinen, ritt ich durchs Land, nur dorthin die Blicke gewendet, wo der Mund klein war und

Nach der Seele habe ich wohl nicht gefragt. Mit jungen Jahren trug ich sie selbst in die Dinge hineim legte sie unter, meinte sie offenbar, wo sie nicht lebte, blickte darüber hinweg, tvo sie sich scheu, ein schämig Kind, dem fremden Auge versteckte. , Q , ,,

O, dieses glückselige Kindergemüt, das alles arglos be­staunte, dem jedes törichte Wort klang, als liege tiefer Smn darin verborgen! Dieses Leben von Tag zu Tag, von der Hand in den Mund, von heute zu morgen! Es war das Dasein des Reichen, der da denkt, nie, nie kann das Gold der Juaeiid enden, nie können die großen Bankzettel, mit beiten Kraft und Unverbrauchtheit zahlen, gewechselt werden.

Ich lebte in den Tag hinein, als würde die Herrlichkeit nie aufhören. Ost brannte ich lichterloh, oft, ach so ost. Fede Woche ward ein neues Götterbild in meinem Herzen ^richtet. Einmal war es schwarz tote die Nacht, einmal

'aoldia tote die Morgensonne; war aber nie über des Lebens. Mittag hinaus, und immer war es schon, wnnderschom Mir schien es so. Ich fragte wohl die andern, denn utetnes Glückes sollten die Freunde teilhaftig sein Dann ward ich böse, wenn einer mir zur Antwort gab: Sie hat iajE Zähne!"Sonst nichts?" Und ich hielt ihn für einen ^"^Aber, o weh, tnein Herz war wandelbar. Sah tch etne, die den Blick zur Seite schlug, wenn ich ihr unterden Hut anckte dann stach es nnr lmks, ja es stach, es tat b-ttev. weh, und ich wußte: es sitzt. Ich wußte, solch ,,)$cute« Ding" wie ich sie nannte, hast du noch deiner -^age nicht gesehen. Gingen aber wieder Wochen ins Land, sv loderte eine neue Flamme auf dem Altar meines Herzens.

Manchmal waren es welche, mit denen ich "ie em Wort gewechselt, und ich konnte nicht wissen, waren sre klug otor dumm unter dem reizenden Lärvchen, schlumnierte nt den Tiefen ihrer Seele etwas oder waren sre seelenlos tote jette tot9 ich getoiß in jenen sorglosen Tagein denen, die da nicht Reiz besaßen noch, «chone, .ging ich aus dem Wege tote einem alten Wetb nut dem bösen Blick. Ich 'batte kein .Herz für die Mauerblümchen, ich tanzte nicht mit den eckigen Wesetl, an deren Wiege keine fre-uudltchA Huldin gestanden. War der Vater einer jener, an denen mein Auge nicht haften blieb, eine Respektsperson v, ich hatte solchen Respekt, o, ich war so wohlerzogen so machte ich einen Pflichttanz ab, so wechselte ich jene "blichen Worte, die so artig sind und doch so unhöflich, wenn das Gröbste, unter Menschen ist: Liebenswürdigkeit ohne Teilnahme.

In dem Drang und Jubel meiner jungen Jahre habe ich tue gefragt: tust du diesem Mädchen nicht unrecht, an ihm steif vorüberzugehen, kränkst du nicht das bessere Herz, indem du für die Schöne die Augen aufreißest und der bescheidenen Schwester daneben nur den Wimpernspalt

^^ Mein Gott, böser Wille war es nicht: ich war jungj, und mein Herz war heiß, uüd ich hatte Augen, die Schorf S m sehLii- die Oberfläche, und die Welt war.für Mich noch zu reich und zu voll und zu wert, um nntihrfertig nt werden Der Strom tvar zu brett, um nicht flach zu strömen. Erst Jahre mußten ihm ein tieferes Bett wühlen. Jahre mit Kämpfen, mit Enttäuschungen und Wunden und $ In jener Sonnenzeit trat sie, von der ich erzählen will, »" Ä »w -»«s **

kleines, stilles Ding! Ich ward ihr vorgestellt, nur mit dem Ohr hörte tch den Namen. Mein Auge sah ste Nicht. Vielleicht blinzelte es hinüber zur Nachbarin, vielleicht sah es vhantasiebeschwingt gerade eine andere stehen, für Pte mein Herz eben glühte? Wie soll ich es sagen. Das Trau« richte geschah, das widerfahren kann, wenn zwei einander kennen lernen: sie Unterließ keinen Andruck,, .über H