Ausgabe 
14.12.1911
 
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Das ist meine Leibspeise!" rief Renker;fie gibt Bem starken Menschen Kraft!" r

Freut mich Vetter, greif zu," ermutigte »etbel.

Mle Gäste hieben tapfer ein. Das Ochsenfleisch ans dem Vogelsberg ist wegen seines Wohlgeschmacks und ferner Zartheit weit und breit berühmt.

Wie schmeckts, Vetter Renker?" fragte Vetter Schli-enbecker.

Na, es geht! Schade, daß man sich mit dem Essen den

Mppetit verdirbt." ,. , . .

Jetzt erhob sich der Vikar und hielt eine schöne Rede ans Bas Brautpaar. Viele Frauen vergossen Tränen. Auch Bas« Renker wischte die Augen.

Er hat zwei schöne Reden getan, tn der Kirche und hier," sprach Base Renker zu ihrem Nachbar.

Ich hab sie nicht verstanden, aber gefallen haben fte mir hoch, der Pfarrer hat eine gar schöne Stimme."

Das Redenhalten bei Hochzeiten sollte abgeschafst werden. Man wird immer beim Essen gestört," brummte Renker.

Freut mich!" rief Heikel. .

Mich nicht!" murrte Renker.Die Hauptfach bet einer!

Hochzeit ist das Essen, nicht das Schwätzen. Ich hab noch Platz

Hast du bereits einen guten Grund gelegt?" fragte Schliew- becker.

Na ja, das erste Stockwerk ist ziemlich kapitelfest geworden, jetzt muß das zweite Stockwerk und das Dach darauf."

Nun erschien Sauerkraut mit Hirsebrei und frischem Schweine­fleisch; daneben Kalbsbraten mit Gemüse, dürren Zwetschen und dickem Reis.

Freut mich!" rief Heikel.Vetter Renker, mmml letzt Bein bißchen Verstand zusammen und kau tüchtig."

Wenn nur jetzt keine Reden getan werden," erwiderte er Kind hieb ein.

Sein Wunsch ging in Erfüllung. Ms alle gesättigt waren, kaute Vetter Renker noch. Er hatte für dreigesunde Männer gegessen.

Die Gäste erhoben sich: das junge Volk eilte zum Tanz, der in der großen Scheuertenne abgehalten tourbev weil kein anderer Raum die Menschenmenge fassen konnte.

(Fortsetzung folgt.)

Saunen des Blitzes.

Die ungewöhnliche Hitze und die in der Tat eigenartigen atmosphärischen Verhältnisse dieses Sommers haben in Mitteleuropa vielfach zu heutigen Gewittern geführt, bei denen wunderliche Blitze beobachtet werden konnten, für die wissenschaftliche Erklärungen einstweilen nicht zu geben sind.

Camille Flammarion berichtet imNewyork Herald von diesen oft erstaunlichen Vorgängen und von den bizarren Launen des Blitzes im Sommer 1911. In dem Glockenraum der kleinen Kirche von Villeguieres im Departement Cher schlug der Blitz in eine im Jahre 1812 gegossene Bronzeglocke. Tie Wirkungen des Blitzstrahls sind merkwürdig gewesen. Die Glocke wurde ^veder gesprengt, noch zum Schmelzen gebracht: der elektrische Dtrahl durchschlug am oberen Ende die Glocke etwa wie das Geschoß eines Geschützes, und hinterließ keine anderen Spuren als ein großes rundes, armdickes Loch. Tas bei dem Blitzschläge aus­gerissene Metall ist spurlos verschwimden. Noch eigentümlicher ist ein Fall, der aus Wiesen ach in Deutschland berichtet wird: Ein Bauer mußte mit ansehen, wie ein Sturm seine ganze junge Saat vernichtete; ohnmächtige Wut übermannte den Landmann und in feinem blinden Zorne feuerte er sein Gewehr gegen den Himmel ab. In demselben Augenblick zuckte ein Blitzstrahl aus den Wolken und schmetterte den Schützen tot zu Boden- Dieser rächende Strahl ist ein neuer Beweis dafür, wie gefährlich es ist, während eines Gewitters künstlich Lufierschütteruugen hervorzurufen, und liefert interessantes Material zu dem Dieinungsstreit über die Verwendung von Explosivstoffen und Kanonen gegen Hagelgefahr.

Daß der Blitz von Metall angezogen wird, ist allgemein be" fannt; auch in diesem Jahr müssen wir eine ganze Reihe von Fallen verzeichnen, wo während des Gewitters die Metallzwinge des aufgespannten Regenschirmes den Blitz anzog und dem Träger des Schirmes verderblich wurde. Durch die Metallteile ihrer Uniform und durch ihre Waffen sind Truppen stets den Gefahren des Blitzes besonders ausgesetzt. So wurden auch in diesem August auf dem Truppenübungsplatz von Valboime während der Schieß­übungen fünf Soldaten vom Blitze getroffen. Am gleichen Tage schlug in dem Dorfe Chalautre-la-P eilte bei Provins der Blitz in eine Kavallerieschwadron; wahrscheinlich wirkten die Lanzenspitzen als Blitzmagneten, ein Reiter mit feinem Pferde wurde getötet und zwei Nebenleute schwer verletzt. Aber trotzdem wäre es ein Irrtum, zu glauben, daß bestimmte Vorsichtsmaß­regeln uns gegen die Zerstörungskraft der Elektrizität schützen können. Wir wissen, daß Metall, daß emzelstehende hohe Bäume während eines Gewitters gefährlich sind und wir nahmen bisher auch an, daß der Blitz hauptsächlich durch einzelne Gegenstände im Freien angezogen wird, durch alleinstehende Bäume, Häuser oder

Wanderer. Ein Blick auf die Statistik der Blitzschläge muß diese Annahme erschüttern. Der vergangene Sommer brachte eine ganze Reibe von Füllen, in denen Aleuschen in ihrem Heim vom Blitz getroffen wurden. In der H a u t e ® a r o n n e wurde ein Bürger in seinem Bette vom Blitz erschlagen, der gleiche Unglücks­fall ereignete sich in Saint-AndrS-le-Dssert, wo wie durch ein Wunder die neben dem Gatten schlafende Frau mit heiler Haut davon kam, während der Mann auf der Stelle tot blieb Diese Liste läßt sich leider sehr lang fortsetzen, aber sie bietet uns int Grunde keine wirklichen Anhaltspunkte für die Launen des Blitzes, sie zeigt uns nur die Unerschöpflichkeit der Möglich­keiten, ohne uns das Rätsel der Elektrizität zu lösen ober Gesetze zu verraten. Hier tötet, zerstört und vernichtet der Blitz, dort geht er durch Bäume und Häuser, ohne Schaden anzurichten.

Im letzten Sommer durchschlug der Blitz eine 26 m hohe Tanne, fpallete den ganzen Baum und verschonte dabei voll­kommen einen großen Ameisenhaufen, der am Fuße des Baumes sich auftürmte. In Hsricy-sur-Seine bei Fontainebleau schlug der Blitz in ein kleines Bassin, das 3 cbm Wasser enthielt. Er leerte das Bassin vollkommen, ohne weiter Schaden anzu- richten.Angesichts solcher wechselnden Launen dieser rätselhaften Naturgewalt können wir nur unsere Beobachtungen fortsetzen uni) unsere Schlüffe auf spätere Zeiten vertagen, denn heute ist es noch unmöglich, in dieser Vielfältigkeit der Erscheinungen bestimmte Gesetze klarzulegen."

Vermischtes.

* Edisons Jdeathe im der Zukunft. Aus Newyork wird berichtet: Nachdem Edison in seinen Zementgußhäusern die Kosten eines kleinen Familienhauses auf ein Fünftel der ursprüng­lichen Bausumme herabgesetzt hat, tritt er jetzt mit einer anderen neuen Erfindung hervor, die eine wesentliche Ergänzung des billigen Hausbaues bildet: durch ein besonderes Verfahren will er im- stande sein, massive Diöbel und Eiiirichtungsgegenstände zur Hallte des bisher üblichen Preises herzustellen, und zwar aus einem Material, das zmn mindesten ebenso dauerhaft ist wie Holz, Nach den Aeußerimgen des Erstnders wird in wenigen Monaten der kleine Bürger sich ein eigenes Haus mit vollkommener Jnnen- einrichtung für insgesamt 5000 Mk. schaffen können, ivährend er bisher dafür mindestens 22 000 Mk. aufwenden mußte.Ich null es einem einfachen Arbeiter ermöglichen, sein Heim mit künstlerisch schönen und zugleich dauerhaften Möbeln zu schmücken. Ich kann eine komplette Schlafzimmereinrichtung für 20 Mk. liefern. Gegen­wärtig sind meine Diöbel noch schwerer als die gewöhnlichen Holz» möbel, aber ich hoffe, das Gewicht auf em Viertel ermäßigen zu können. Diese neuen Möbel können poliert ober bemalt werben und so auch äußerlich die Gestalt der besten Holzgegenstände an­nehmen. . , ,,

tf. Die Reispv rt ton «als Gottesgericht. W ein eigentümliches Gerichtsverfahren bei einem kleinen indischen Stamme erzählt ein Reisender, der erst kürzlich von einer Fahrt zurückgekehrt ist. Wird irgendeiner der Stammesangehörigen eines. Verbrechens beschuldigt, so zwingt man ihn, eine Handvoll rohen Reis in den Mund zu stecken und zu tauen. Gelingt es ihm, fdiese Masse im Verlause von 10 Minuten restlos zu einem flüssigen Brei zu Der arbeiten, so gilt er als freigesprochen. Der Unglückliche aber, der in seiner Herzensangst von seinen Kauwertzeugen nicht den besten und schnellsten Gebrauch M Machen weiß, ist dem Strafgesetz verfallen.

-* Im Speisewagen. Passagier; »Was könnte man noch essen, Kellner? die nächste Station ist nur noch zehrt Kilometer entfernt, und da steige ich aus!" Kellner:Nehmen Sie ein Paar Wtrstchen, die sind ungefähr zehn Kilometer lang!'z

Silbenrätsel.

a, bro, co, con, e, et, es, go, har, jec, li, Io, mo, niu, na, nah tn, ni, o, ob, pa, pic, rel, sa, schi, ti, tiv, to, toc, um, »ent, re.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen zehn Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs» und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen, den Begründer eines modernen Verkehrsmittels und seine bedeutungsvollste Er» stnbung bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Einen Propheten.

2. Deutsche Kolonie.

3. Dolchartige Waffe.

4. Dienstbaren Geist in Gastwirtschaften.

5. Em Musikinstrument.

6. Fluß in Spanien.

7. Französische Volksvertretung zur Revolutionszeit.

8. Einen Astronomen.

9. Teil eines Fernrohres.

10. Sagenhaftes Wesen,

Auflösung in nächster Nummer:

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer.- Arbeit ist des Blutes Balsam.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieße».