Ausgabe 
14.12.1911
 
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Donnerstag den iq. Dezember

Ml - Nr. 196

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Die weiße Frau.

Roman von W. Collins., (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Genau eine Stunde, nachdem er sich Mm Schlafen niedergelegt, öffnete er die Augen und erhob sich vom Sofa.

Ich fühle mich unbeschreiblich erquickt, bemerkte er. Eleanor, mein gutes Weib, bist du oben ganz fertig? Das ist recht. Mein bißchen Packen hier kann in zehn Minuten fertig und ich in noch zehn Minuten zur Reise gerüstet sein. -

Der Graf sah' auf seine Uhr. Ungeachtet seiner festen Entschlossenheit, seine Fassung zu behalten, schien er doch mit Unruhe der Ankunft des Agenten entgegen zu sehen. Die Lichter waren längst ausgelöfcht worden, und das Sonnenlicht des neuen Morgens ergoß sich ins Zimmer. Es wa!v bereits fünf Minuten nach sieben Uhr, als man am Gartenpförtchen schellen hörte und der Agent anlangte. Er war ein Ausländer mit einem dunklen Barte.

Mr. Hartright . Monsieur Rubelle, sagte der Graf, Uns einander vorstellend. Er nahm den Agenten (dem man in jedem Zuge des Gesichtes den Spion ansah) in einen Winkel des Zimmers, flüsterte ihm einige Verhal­tungsbefehle zu und verließ uns dann. Monsieur Rubelle bat mich, sobald wir allein waren, mit ausgesuchtester Höflichkeit, ihm seine Instruktionen zu geben. Ich schrieb zwei Zeilen an Pesca, welche ihn autorisierten,dem Ueber- bringer" den versiegelten Brief auszuhändigen; dann adressierte ich das Billett und gab es Monsieur Rubelle.

Der Agent blieb bei mir, bis sein Vorgesetzter in Reisekleidern wieder zu uns hereinkam. Der Graf be­trachtete die Adresse des Brieses, ehe er den Agenten ent­ließ. Ich dachte es mir! sagte er, sich mit einem finsteren Blick gegen mich wendend, und veränderte sein Benehmen gegen mich sofort wieder.

Er machte sein Gepäck fertig und setzte sich dann, um ein.Kursbuch zu studieren, wobei er Anmerkungen in sem Notizbuch schrieb und von Zeit zu Zeit ungeduldig nach seiner Uhr sah. Er sprach kein Wort wieder 51t nur. Der Uahe Augenblick seiner Abreise und der -Beweis, den er von der Verbindung zwischen Pesca und mir gesehen hatte, hatten offenbar seine Aufmerksamkeit wieder ganz auf die Maßregeln gelenkt, welche zu seiner Flucht notwendrg waren.

Kurz vor acht Uhr kehrte Monsieur Rubelle mit meinem uneröffneten Briefe zurück. Der Graf betrachtete auf­merksam Siegel und Adresse zündete ein Licht an und verbrannte den Brief. Ich erfülle mein Versprechen, Mr. Hartright, sagte xr, aber die Sache ist hiermit nicht zu Ende.

Der Agent hatte den Fiaker, in welchem er zurückgekehrt war, vor dem Hause warten lassen. Er und die Magd be­schäftigten sich jetzt, das Gepäck aufzuladen. Die Gräfin kam dicht verschleiert und mit dem Käfige, der die weißen Mäuse enthielt, von oben herunter. Sie sprach weder zu mir, noch sah sie mich an.1 Ihr Gemahl führte sie an den Fiaker. Folgen Sie mir bis in den Gang, flüsterte er mir ins Ohr, ich mag Ihnen im letzten Augenblicke noch etwas zu sagen haben. ,,

Ich ging bis an die Haustür, und der. Agent stand vor mir im Vordergarten. Der Graf kam allein zurück und zog mich ein paar Schritte in den Gang hinein.

Denken Sie an meine dritte Bedingung! flüsterte er. Sie sollen von mir hören, Mr. Hartright ich mag viel­leicht früher, als Sie es denken, die Genugtuung eine® Gentleman von Ihnen fordern. Er ergriff, ehe ich der­gleichen noch ahnen konnte, meine Hand und drückte fie fest.

Tann zwängte er seinen ungeheuren Körper in den Fiaker und fuhr davon.

Während Rubelle und ich ihm nachblickteu, kam em zweiter Fiaker um eine Ecke etwas weiter den Weg hinab­gefahren. Er folgte dem Fiaker des Grafen; und als er an dem offenen Gartenpförtchen vorbeikam, schaute der Tarinsitzenoe zu uns heraus. Es war wieder der Fremde von der Oper der Ausländer mit der Narbe auf der linken Wange!

Sie werden noch eine halbe Stunde länger mit mir hier warten, Sir! sagte Monsieur Rubelle.

Ja, antwortete ich.

Wir kehrten ins Wohnzimmer zurück. Ich war nicht in der Stimmung, mit dem Agenten zu sprechen oder ihn mit mir sprechen zu lassen. Ich nahm die Papiere heraus, welche der Graf mir übergeben hatte, und las noch einmal die Geschichte des Anschlages, tote der Mann, welcher ihn er­dacht und aus geführt, sie ausgeschrieben und mir bereits vorgelesen hatte. *

Zeugnis des Grafen Isidor Ottavio. Waldassare Foseo (folgen seine Titel und Orden).

Jin Sommer des Jahres 1850 langte ich mit einer delikaten Mission vom Auslande beauftragt in England an. Es standen Vertrauenspersonen, deren Bemühungen ich zu leiten autorisiert war, halb-offiziell mit mir in Ver­bindung ; zu diesen gehörten Monsieur und Madame Ru­belle. Es h lieb en mir einige Wochen zur Verfügung, ehe ich meine Stellung antrat und mich in einer der Vor­städte Londons häuslich einrichtete. Die Neugierde wird mich hier vielleicht um eine Erklärung dieser Verrichtungen bitten. Ich sympathisiere vollkomnien mit der Bitte und bedaure ebensosehr, daß diplomatische Rücksichten mich ver­hindern, ihr zu willfahren. 1 .

Ich nahm eine Einladung an, diese kurze Ruhezeit aus dem prachtvollen Landsitze meines verstorbenen Freundes«