Ausgabe 
14.1.1911
 
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gingen to» btii Feldwachen, die südlich in der Front des Detache­ments, sowie auch von Osten auf dem linken Flügel bis zur Strafe nach Montargis lagen, Meldungen ein, daß sich überall Bewegungen feindlicher Truppen und Patrouillen zeigten. Selbst von Gien meldete die 7. Kompagnie eine starke Besetzung des unken Loireusers und eine anhaltende Beschießung der Straße Briare-Orleans.

Tie Feldwachen waren die ganze Nacht in Tätigkeit. Der Patroulllengang wurde besonders sorgfältig angeordnet. Trotz- denl brachten selbst die besten Führer keine bestimmten Meldungen.

.oaü. stockfinster und namentlich gegen Morgen senkte sich

J° Nebel auf die ganze Gegend, daß man nicht nur selbst auf wenige Schritte nichts erkennen konnte, der schwere Nebel dämpfte auch jeden Schall, so daß auch selbst nähere laute Geräusche kaum vernehmbar waren. Meldeten n"n auch die zurückgekehrten Unteroffiziere, daß sie mit vieler Mühe in den vor der Feldwache liegenden Wald eingedrungen seien ohne irgend etwas sehen zu können, und daß sie Geräusche gehört, so war es ihnen doch vollkommen unmöglich, etwas bestimmtes entdecken zu können. Damit mußte man sich zufrieden geben und durfte, froh sem, daß sich die Leute in all der dicken Finsternis wieder zurück nach der Feldwache gesunden hatten. So schimpfte und fluchte Feldwache, Kommandant und Mannschaft auf den bösen Nebel, her sich im Laufe des Tages als unser bester Freund noch zeigen sollte. Es war 8 Uhr geworden, die Stunde, an der die Jnsantcrieposten eingezogen wurden und die Reiter den Vor- postendienst übernahmen. Wie froh war man, die Nacht glück­lich vorüber zu haben und für die armen Musketiere kam ja nun eilte Zeit verhältnismäßiger Ruhe bis zur Ablösung. Die Be- detten trabten, ab, allein kaum war der Posten auf der Straß« nach Montargis so lange im Nebel verschwunden, daß er wohl seinen Standpunkt vor der Postenkette der Infanterie erreicht haben tonnte, als heftiges Geknatter von Schüssen aus dem vorliegenden Walde schallte. Aus dem grangelben Nebel tauchten zwei schwarze Gestalten auf, es war unsere Vedette, die im Galopp zurückkam; Ne meldete, daß sieüberall aus dem Wald Feuer erhalten habe". Was wir bereits nachts gefürchtet hatten, war nun zur Tat­sache geworden, der Feind stand bereits in der linken Flanke des Detachements auf einer der beiden Rückzugslimen. Unverzüg­lich brachten die Reiter die Meldung an den Vorpostenkomman­deur. Tie Feldwache war sofort in Gewehr getreten, besetzte den Schützengraben der Chaussee sowie das kleine Gehöft, ist welchem die Wache lag und machte sich bereit auf einen Angriff. Doch vorerst blieb der Gegner ruhig, im Orte dagegen wurde es ! lebendig, es kommen in eiligem Marsche nacheinander drei Züge an von der 3., 6. und 8. Kompagnie, die von dem ebenfalls als­bald erschienenen Vorpostenkommaudeur rechts und links der Straße ttorgeschickt werden. Mit Durra werfen sie sich gegen den nebelig­dunkeln Wald nnd! sogleich entwickelt der Feind in dem Wald uub ant Rand desselben eine starke Schützenlinie. Trotzdem den drei ich wach en, im Feuer befindlichen Zügen bedeutend überlegens Kräfte wohl ein Bataillon gegenüber stehen, wird der Gegner znrüügedrängt und wagt sich nicht mehr aus dem Wald heraus.

In der Front auf der Straße nach Cosne drängten die Fran­zosen glücklicherweise nicht vor, wohl schießt sich ein am Bahnhof Chatillon stehender Zug der 6. Kompagnie mit dort auftauchenden! Patrouillen herum, allein die zur Unterstützung gesandte Leib- Kompagnie kam gar nicht zur Verwendung.

Schloß und Park Beanvoir, welches die Bahn und Straße nach Gien beherrscht, war durch einen Zug der 5. Kompagnie besetzt. Auf dem Alarmplatz stand der Rest des Regiments als Reserve bereit.

An der Straße nach Montargis war noch eilt Zug der 4. Kom- bagnie und der Zug der 5. Kompagnie auch mit den anderen Zügen vorgerückt; vergebens versuchten die Franzosen, vorzu­stoßen, die wenigen Leute hielten allen Angriffen ruhig Stand. Hierbei wurde Leutnant Wiener durch einen Schuß ins Bein schwer verwundet, doch schleppte er sich selbst noch, auf einen Musketier gestützt, bis zur Feldwache zurück.

Gegen! 9 'Uhr Witten aus dem Wald plötzlich Kaiwnenschüsse und über die Gefechtslinie weg rauschten Granaten. Eine französische Batterie war auf oder in der Nähe der Straße nach Montagis aufgefahren; die Geschosse krepierten am Ausgang von Briare in der Nähe des Bahnhofs. Hier war, wie der Gegner wohl wußte, der Sammelplatz des Detachements. Zwar haben die französischen Granaten weder unter unseren Truppen noch auch in dem Ort irgend welchen, Schaden angerichtet, allein das Erscheinen von Artillerie fast im Rücken unserer Stellung war eine neue Mah­nung, daß die Franzosen die bereits am 31. Dezember versuchte! Einschließung und Gefangennahme oder Vernichtung der Detache­ments heute mit aller Energie zu verwirklichen strebten. Wo die Batterie stand, konnte bei dem Nebel nicht ermittelt werden, daher gingen auch die zwei Geschütze unserer Artillerie, welche einen Versuch machten, das Geschützfeuer zu erwidern, zurück, denn der immer noch alles deckende Nebel verbarg vollkommen jedes Ziel.

Die reitende Batterie, sowie die Bagage, auch die Proviant-, kolonite, welche tags vorher gekommen war, stellten sich zumj Abmarsch bereit auf der Straße nach Gien auf. Bei der Proviant­kolonne befand sich eine kleine Bedeckung, einiger Jäger vorn 2-, Jägerbataillon unter Führung des Unteroffiziers Margots

Bekracht kommen konnten, standen auf der Linie BriarePont aux MoinesOrleans.

Von Orleans war uns die Zusendung von Kanonenbooten H es waren französische Boote, welche in Orleans erbeutet worden waren in Aussicht gestellt worden; allein der starke Eisgang der Loire machte das Heranfsegeln dieserKriegs­schiffe" unmöglich.

Tie Mannschaft des Regiments war, wenn auch keineswegs entmutigt, doch furchtbar abgehetzt und heruntergetammen, durch die schweren dienstlichen Anstrengungen, denn täglich stand der Mann auf Posten oder ging auf Patrouille ober Requisition und war dabei stets vor dem Feind. Dazu war die gefahrvolle Lage, in welcher die Truppe sich befand, auch jedem bekannt; alle wußten, daß uns wenigen Koinpagnien etwa 10 000 Mann gegenüber? standen. Bei dem Feind war man bis aufs kleinste mit allen Ver­hältnissen des Detachements vertraut; wußte man doch bet den Franzosen genau die Stärke unserer Truppen, kannte die Feld­wachen, ja selbst die Namen der Offiziere und ihre Wohnungen. Es war nicht zu vermeiden, daß der Gegner so oft er nur wollte Nachrichten über etwaige Vorgänge in Briare erhielt. Die Be­lästigungen des Regiments durch Franktireurs mehrten sich täglich. In den nahen Wäldern zeigten sich ständig verdächtige Gestalten, in hohlen Bäumen fanden die Patrouillen versteifte Waffen. Vom linken Loireufer knallte es beständig herüber, teils nach Briare, teils auch auf alles was sich auf der Straße nach Gien zeigte; so daß die Proviantkolonne, welche uns von Orleans aus zugeschickt wurde, nur noch bei Dunkelheit in Briare einrückte. Diese Verpflegung war dringend nötig. Denn Briare und die nächste Umgebung waren vollkommen anssouragiert; weiter vor­getriebene Beitreibungen würden auf starke feindliche Kräfte ge­stoßen fein und dadurch kaum ihren Zweck erreicht haben. Die Einwohner von Briare litten bitteren Hungen, selbst vermögende Leute waren in Not und mußten froh fein, daß unsere gutmütigen Musketiere ihre Ration mit ihnen teilten, nur so konnten sie ihr Leben fristen; dazu räumte der Tod in erschreckender Weise unter der Bevölkerung auf. Namentlich die Blattern forderten viele Opfer. Es ist wohl begreiflich, daß man nicht gerade in sehr gehobener Stimmung sich wieder in Briare entrichtete. Selbst der. Führer des Detachements, General v. Rantzau, hatte sich dahin geäußert: Ich komme ungern wieder nach Briare, denn es ist für mein Korps eine wahre Mausefalle;" auch hatte General v. Rantzau in Orleans angefragt, ob er nicht mit dem Detachement bis Ouzouer a. L zurückgehen könne, wo er weit gesicherter hätte stehen können. Allein die Antwort lautete:Briare nicht ohne zwingenden Grund räumen."

Daß die Aufgabe des Detachements eine sehr wichtige war, läßt sich daraus ersehen, daß vom Großen Hauptquartier in Ver­sailles ein Telegramm ankam:Sie haben täglich hierher d i r e k t zu melden, rekognoszieren sie südwärts." gez. von Moltke.

Trotz diesen auf jedem drückend lastenden Zuständen, trotzdem sich selbst hei unseren harten Vogelsbergern eine bisher ganz un­denkbare Nervosität bemerkbar machte, blieben unsere braven Sol­daten willig und ausdauernd; ich habe während dieser ganzen harten Zeft über keinen Mann meines Zuges zu klagen gehabt und am 14. Januar haben sie tapfer im Feuer gestanden.

Zur Schilderung der Zustände ist auch noch weiter zu er­innern, daß im Januar der Abgang an Offizieren durch Ver­wundung und namentlich Krankheit, ein recht beträchtlicher mar. Von Stabsoffizieren war nur noch der Regimentskommandeur Oberst Kraus vorhandeii, die beiden Bataillone wurden von den Hauptleuten Leist und Kröll geführt; außerdem war nur noch ein Hauptmann, Buff-Leibkompagnie, dienstfähig; Zwei Kom- tzagmen, 6. und 7., standen unter Oberleutnants Hehdacker und Metzler, die anderen fünf Kompagnieführerstellen waren mit Leut­nants besetzt, welche znm Teil erst bei Ausbruch des Krieges Offiziere geworden waren. Mehr wie zwei Offiziersdiensttuende außer dem Kompagniechef zählten nur einzelne Kompagnien, viele Züge wurden durch Unteroffiziere geführt. Tie Erkenntnis jedoch, daß unter solchen Verhältnissen jeder umso eifriger und strenger feiner Pflicht genügen müsse, spornte uns alle an, mit verdoppeltem Eifer und Aufmerksamkeit unseren Dienst zu tun Es lag wie Ahnung in der Lust, daß schwere Ereignisse sich um Nus zusammenzögen, so daß, roemt auch im Scherz so mancher Kamerad erzählte, er habe sich bereits einen Pfahl zurechtgeschnitzt als Wanderstab, wenn er demnächst nach Afrika in Gefangenschaft pilgern müsse. Einzelne Offiziere gingen nur noch im Helm ans, um sofort bereit zu sein, wenn allarmiert würde. Lastete auf Unä allen diese immerhin drückende Stimmung so hat in diesen, c Tagen doch unser tapferer Oberst Kraus sein allzeft ttohttches Gemüt bewahrt, wenn das gesamte Ofsizierkorps abends im Hotel de la Poste zusammenkam, so floh vor dem urwüchsig derben acht hessischen Humor unseres Obersten bald die gedrückte Stimmung und manch herzliches Lachen klang in die kalteWinter- jtaait, ein Zeichen, daß trotz aller Widerwärtigkeiten unserer gefahrvollen Lage wir die Köpfe doch nicht Ijängen ließen. . Unter strengem Dienst, die Zahl der Feldwachen war ver­wehrt worden, ging eine Woche hin. Ter 12. Januar brachte tot eher ein kleines Gefecht bei Ouzouer sur Trozöc. An diesem waren 4. und 5. Kompagnie beteiligt. Am 13., mittags, lag icb bereits wieder mit meinem Zug der 5. Kompagnie auf Feldwache auf der Straße nach Montargis. An diesem Tage