Ausgabe 
13.12.1911
 
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M - Nr. 195

Mittwoch den Dezember

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I*

Die weiße Frau.

Roman von W. Collins.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Behalten Sie Ihre Bente, sagte ich. (Sein Gesicht er­hellte sich augenblicklich n< itnb seine Augen öffneten sich in immer größerem Uq...tuten.) Ich bin nicht her­gekommen, um mit Ihnen um Geld zu feilschen, das durch Ihre Hände gegangen und der Preis eines schändlichen Verbrechens gewesen

Sachte, Mr. Hartrighi. Ihre moralischen Gemeinplätze sind bei Ihren Landsleuten von vorzüglicher Wirkung behalten Sie dieselben gefälligst für sich und für sie! Die zehntausend Pfund waren ein Legat, welches der verstorbene Mr. Fairlie meiner Frau vermacht hatte. Nehmen wir die Sache aus diesem Gesichtspunkte, und ich habe nichts dawider, sie zu besprechen. Für einen Mann von meinen Gefühlen jedoch ist der Gegenstand ein sehr erbärmlicher. Ich ziehe vor, ihn fallen zu lassen und fordere Sie auf, die Nennung Ihrer Bedingungen wieder aufzunehmen. Was fordern Sie?

Ich verlange erstens ein volles Bekenntnis des be­gangenen Verrates, von Ihnen selbst in meiner Gegenwart geschrieben und unterzeichnet.

Er erhob den Finger. Eins! sagte er.

Zweitens einen klaren Beweis von dem Datum, an welchem meine Frau Blackwater Park verließ und nach London reifte.

So! so! Ich sehe. Sie find imstande, die schwache Stelle herauszufühlen, bemerkte er mit Gelassenheit. Sonst noch etwas?

Wir jetzt nichts.

Gut! Sie haben Ihre Bedingungen genannt, jetzt hören Sie die meinigen. Die Angabe, welche Sie von mir ver­langen, soll geschrieben, der klare Beweis des Datums ge­liefert werden. Vermutlich werden Sie einen Brief von meinem verstorbenen Frennde, von ihm selbst geschrieben, datiert und unterzeichnet, wodurch er mich von dem Tag und der Stunde der Ankunft seiner Frau unterrichtet, einen Beweis nennen? Diesen kann ich Anen geben. Ich kann Sie außerdem zu dem Manne schicken, von welchem ich den Wagen mietete, in dem ich meinen Besuch am Tage ihrer Ankunft von der Eisenbahnstation abholte sein Be­stellungsbuch mag Ihnen vielleicht zu dem Datum ver­helfen "können, selbst wenn der Kutscher, welcher mich fuhr, Ihnen nicht von Nutzen sein kann. Dies kann ich und will ich tun unter Bedingungen. Diese sind folgende: Erste Bedingung! Die Gräfin und ich verlassen dieses Haus, wann und wie wir wollen, ohne jegliches Hindernis von Ihrer Seite. Zweite Bedingung! Sie warten hier in meiner Gesellschaft, um meinen Agenten zu sehen, welcher

morgen früh um sieben Uhr herkonnnt, um meine Geschäfte zu ordnen. Sie geben meinem Agenten einen geschriebenen Befehl an den Mann, welcher Ihren versiegelten Brief hat, daß er ihn ausliefere. Sie warten hier, bis der Agent jenen Brief ungeöffnet in meine Hände gegeben hat, und dann geben Sie mir eine gemessene halbe Stunde, um das Haus zu verlassen worauf Sie dann Ihre Freiheit wieder er­halten und gehen mögen, wohin Sie wollen. Dritte Be­dingung! Sie geben mir die Genugtuung eines Gentleman für die Sprache, die Sie sich während dieser Unterredung gegen mich erlaubt haben. Zeit und Ort für das Zusammen- treffen sollen Ihnen, sobald ich sicher auf dem Festlande an­gelangt sein werde, in einem Briefe von meiner Hand mitgeteilt werden. Dies sind meine Bedingungen. Sagen Sie mir, ob Sie dieselben eingehen ja oder rein!

Die merkwürdige Mischung von der schnellen Ent­schlossenheit, schlauen Berechnung und dem komödiantischen Bombast dieser Rede machte mich einen Augenblick förm­lich stutzig aber nur auf einen Augenblick. Die eine Frage, welche ich zu bedenken hatte, war die, ob ich berechtigt sei, mir die Mittel zu Lauras Identifikation auf Kosten des ungestraften Entkommens des Schurken zu verschafft n, welcher sie derselben beraubt hatte.

Ich kämpfte einen Augenblick, daun beschloß ich, mich durch den einen höheren Beweggrund leiten zu lassen, dessen ich gewiß war, den nämlich, Äuras Sache und der Sach», der Wahrheit zu dienen.

Ich nehme Ihre Bedingungen an, sagte ich, doch mir einem Vorbehalte auf meiner Seite.

Welcher Vorbehalt ist das? frug er.

Er betrifft den versiegelten Brief, entgegnete ich Ich verlange, daß Sie ihn ungeöffnet in meiner Gegen­wart vernichten, sobald er in Ihre Hände gegeben sein wird.

Der Zweck dieser meiner Bedingung war einfach ber,; ihn zu verhindern, geschriebenes Zeugnis von der Beschaffen­heit meiner Mitteilungen an Pesca mit sich zu nehmen. Das Faktum mußte er notwendigerweise am nächsten Morgen erfahren, wo ich dem Agenten die Adresse geben würde. Doch konnte er auf seine alleinige Angabe keinen Gebrauch davon machen selbst wenn er das Experiment zu machen wagte welcher mir für Pesca die geringsten Befürchtungen zu verursachen geeignet gewesen wäre.

Ich lasse Ihren Vorbehalt gelten, entgegnete er, nach­dem er ungefähr eine Minute lang ernstlich überlegt. Dre Sache ist keines Streites wert der Brief soll vernichtet werden, soivie er meinen Händen übergeben wird.

Während er noch sprach, erhob er sich von dem Platze, den er mir gegenüber bis zu diesem Augenblicke angenom­men hatte. Mit einer einzigen Anstrengung schien er den Druck, welcher während unserer Lanzen Unterredung auf seinem Geiste gelastet, von sich abzuwülzen. Puh! rief | er, indem er voll Behagen die Arme streckte, das Schar- 1'itzel war heiß, so lauge es währte. Nehmen Sie Platz,