Montag den 15. November
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Die weiße Frau.
Roman von $8. Collins.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
II.
Ich brach meine Erzählung in den stillen Schatten der Kirche zn Limmeridge ab, eine Woche später nehme ich sre in dem Gewoge und Getümmel einer Londoner Straße wieder auf.
Es ist eine Straße in einem armen, bevölkerten Stadtteile. Das .Erdgeschoß eines der Häuser -wird von einent Zeitungshändler bewohnt, .und der erste und Werte Stock werden als möblierte Wohnungen der anspruchslosesten 2lrt vermietet. . , ,
Ich habe diese beiden -Stöcke unter einem angenommenen Namen gemietet. In dem oberen wohne icher besteht aus einem Schlafzimmer und einem Arbertszrmmer. In dem unteren Stocke wohnen — wie ich unter angenommenen Namen (— zwei Frauen, welche für meine Schwestern gelten. Ich erwerbe mir meinen Lebensunterhalt, indem ich für eine der billigen Zeitschriften Zeichnungen rrnd Holzschnitte anfertige. Meine Schwestern helfen mir, tote es heißt, durch.Handarbeit. Unser ärmlicher Wohnort unsere bescheidene Beschäftigung, unsere vorgebliche Verwandtschaft und angenommenen Namen dienen uns allen als JJctttel, uns in dem Hauserwalde zu verstecken.
Vor allem muß ich jetzt erzählen, wie wir in dieses Versteck gekommen sind. 1
Es war einige Tage, nachdem Lady Glyde das Haus ihres Gemahls verlassen (Mrs. Michelson war leider nicht imstande zu sagen, wieviele Tage es waren), als em Bries von der Gräfin Fosco eintraf, welcher Lady Glydes Tod, der plötzlich im Hause des Grafen Fosco erfolgt, aiikundigte. Der Brief enthielt keine Data und überließ es Mrs. Michelsons Ermessen, Miß Halcombe diese Nachricht sogleich mit- zuteilen, oder sie zu verschieben, bis sich erst die Gesundheit der Dame werde befestigt haben.
Nachdem sie hierüber Doktor Dawson zurate gezogen, teilte Mrs. Michelson der Kranken die Nachricht tn des Doktors Gegenwart und auf sein Anraten am Tage darauf mit. .,
Es ist unnötig, hier bei der Wirkung zu verweilen, welche die Nachricht von Lady Glydes plötzlichem Tode auf ihre Schwester hatte. Für unseren gegenwärtigen Zweck ist es nur notwendig, zu sagen, daß. sie auf drei Wochen nicht imstande war, zu reisen. Nach deren Verlauf begab sie sich in Wegleitung der Haushälterin nach London.
Sobald Miß Halcombe von der Haushälterin Abschied genommen, ging sie nach dem Geschästsbureau der Herren Gilmore und Kyrle, um Kyrle in Mr. Gilmores Abwesen- h-eit zu konsultieren. Sie sprach gegen Mr. Kyrle aus, was
sie allen anderen zu verbergen ratsam erachtet: ihren Argwohn in bezug auf die Umstünde, unter welchen Lady Glyde ihren Tod gefunden haben sollte. Mr. Kyrle unterzog! sich sofort der Aufgabe, solche Nachforschungen anzustellen, wie die gefährliche Natur der ihm vorgeschlagenen Unter» uchung sie zuließ.
Um mit diesem Teile der Sache abzuschließen, ehe ich weiter gehe, kann ich gleich hier bemerken, daß Gras Fosco Mr. Kyrle allen gewünschten Beistand leistete, als dieser ihm sagte, er sei von Miß Halcombe abgesandt, um über Lady Glydes Ableben alle Einzelheiten für sie zu sammeln, über die sie bisher in Unwissenheit geblieben. Mr. Kyrle wurde an den Arzt, Mr. Goodricke, und an die beiden Dienerinnen, die Köchin und das Stubenmädchen, verwiesen. In Ermangelung aller Mittel, genau das Datum von Lady Glydes Abreise aus Blackwater Park zu erfahren, erschienen das Zeugnis des Arztes und der beiden Mägde, sowie Graf Foscos Auskünfte — und die seiner Frau — Mr. Kyrle als entscheidend. Er konnte nur amiehmen, daß Miß Hal- combes tiefer Schmerz über den Verlust ihrer Schwester auf beklagenswerte Weise ihre Urteile irre geleitet hatte, und er schrieb ihr in diesem Sinne und fügte noch hinzu, daß der schreckliche Verdacht, dessen sie gegen ihn erwähnt, feiner Ansicht nach auch nicht im entferntesten begründet sei. Sv begannen und endeten die Nachforschungen von Mr. Gilmores Kompagnon.
Unterdessen war Miß Halcombe nach Limmeridge House zurückgekehrt und hatte dort alle ferneren Erkundigungen eingezogen, die sie noch erhalten konnte.
Mr Fairlie hatte die ersten Nachrichten vom Tode seiner Nichte durch seine Schwester, die Gräsin Fosco, erhalten, bereit Brief jedoch auch kein einziges Datum, enthielt. Er hatte in den Vorschlag seiner Schwester, daß die Verstorbene in das Grab ihrer Mutter int Friedhöfe zu Limmeridge gelegt werde, eingewilligt. Graf Fosco hatte die Leiche nach Cumberland begleitet und der Beerdigung in Sintmeribge, welche am 22. August stattgefunden, beigewohnt. Am folgenden Tage wurde die Grabschrift ;auf ber einen Seite bes Marmors über der Gruft angebracht.
Zu jener Zeit war Graf Fosco in Limmeridge House als Gast ausgenommen worben, aber Mr. Fairttes Wunsche zufolge waren bie beiben Herren nicht zusammen getommen. Sie hatten sich schriftlich unterhalten, uno Graf Fosco hatte Mr. Fairlie auf biesem Wege mit den Einzelheiten des Todes seiner Nichte bekannt gemacht. Der Brief, welcher diese enthielt, fügte keine neuen Auskünfte zu denen, welche bereits bekannt waren; nur das Postskriptum enthielt eine bemerkenswerte Stelle; sie bezog sich aus Anna Cathcrick und lief auf folgendes hinaus:
Er begann damit, Mr. Fairlie zu benachrichtigen, daß Anna Catherick (über bie er von Miß Halcombe näheres erfahren werde, sobald sie in Limuieridge House emttafe) in der Umgegend von Blackwater Park wieder aufgesunden


