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lFn triefe raffinierte Naivität schlug die Entwicklung des' iersten Dutzend Films durch den Photographen eine grelle Bresche.
Freilich drei Bilder waren ganz vorzüglich- wie der Mann sagte. Tiefsckwarz die später Hellen Stellen und glasklar dre »Gegenstände und Figuren; in welcher Helligkeit ein zartes Geäst feiner Linien intimster Filigrauarheit zu entdecken war, an denen man sich nicht satt sehen konnte, wie an den Rippchen eures fleisch entledigten Blattes oder den ungeahnten Zusammensetzungen winziger Teilchen, vom Mikroskop enthüllt. Das war eine stille Freitde des Urhebers, die in Händen zu halten war Und von den verschiedensten Seiten neue Entdeckungen gab. Aber da waren auch schöne Hoffnungen zerstört. Eine Anzahl der Platten wies verschwommene Helligkeiten auf, die man eben noch deuten konnte, andere waren durchsichtig wie Glas, ohne irgend etwas zu zeigen, und gar eines, das war an allen Seiten wie angebrannt und in der Mitte gähnte ein schwarzer, Mchew- sicher Fleck aus ein paar angedeuteten Linien, wie eine Kraterlandschaft oder eine erloschene Sonne.
Es begann ein Grübeln in mir, das nach den einzelnen Ursachen forschte und mich in lange Gespräche zog mit anderen, die etwas verstehen sollten, und auf der Heimreise war, schon eine kühle Berechnung, die nach dem Erfolg strebte bei dem Knipsen. Aber es war Unvermögen da, eine Unberechenbarkert, die beschämte und schüchtern machte unt> nur wegzusuggerieren war durch ernsthafte Aufzeichnungen bei dem jeweiligen Bilde und dem Vertrösten auf die Zukunft.
Dann kam ein anderer Teil des Photographierens, wo ein paar Stunden mit dem Glanz der Neuheit in der Erinnerung stehen und freundlich herüberschauen: „Die Dunkelkammer!"
Ein Verkäufer hatte uns, meiner Frau und mir, eine neue Maschinerie empfohlen, damit konnte man am Hellen Tage gleich ein Dutzend Films wie an einer Drehorgel an der Kurbel eines Kastens drehend entwickeln. Ungeheuer praktisch, aber wir waren doch kein Fabrikbetrieb, wir wollten selbst entwickeln.
Wir hatten die hübschen Schalen mit dem Entwickler, dem Wasser und Fixierbad, die Flaschen und Fläschchen, Handtücher und Wasser auf unsermTisch im Wohnzimmer ausgebreitet, die Läden vor die Fenster geschlagen; und nun fasten wir vor der toten Lampe in der schwarzen, warmen Stube, fühlten uns einander nahe und sahen doch nichts als meine weißglimmende Zigarre und nach und nach die weißen Ovale unserer Gesichter. Die Uhr tickte lauter, die Kohlen im Ofen rieselten zischend tiefer Und das sonst so stille Haus fing gegenüber unserer Stille an laut zu sprechen. Eine Tür im Stockwerk tiefer sang eine gleich- taktige Arie, und über uns, wo Knechte und Mädchen wohnen, vernahm man auf einmal ein tiefes, flüsterndes Sprechen und ein zwitscherndes Kreischen einer Frauenstimme, das dicht neben dem Weinen lag.
Und dann begann unser geheimnisvolles Werk. Ich enthüllte eine Filmrolle, nahm sie kunstgerecht in die Finger und ließ sie nach der Vorschrift auf und nieder durch den Entwickler gleiten. Aber eine Nummer des Streifens färbte sich rapid schwarz, auf den andern tauchten aus dem Gelb der Films verworrene Tinge auf. Erschreckt warfen wir alles in die Wasch- schh,sel und zerschnitten den Streifen in die einzelnen Platten. Die rollten sich nun, klebten zusammen, unsere plumpen Finger rissen Stücke aus der weißen Ueberzeugmasse, am Ende blieb uns nicht anderes übrig, als ein paar verschwommene Buben mit aufgehobenen Händen, die meine Frau eifrig im Fixierbad schwenkte. Ach, es waren Bettelkinder aus Neapel, hoch über dem UnsterbUchen, schönen Meerbusen der Stadt, vom Wagen waren sie ausgenommen, rechts mußte ein Baum mit gelben Gold- ivrangen aus der Mauer des Weges lugen, nichts war zu sehen. Dahin! Tahin!
Es war eine Niederlage, aus der wir uns durch Kriegsrat zu neuem Mut und Entschluß durchrangen. Einzeln und vorsichtig mußten die Films entwickelt werden.
Tie nächste Platte erbleichte erst, hob dann aber ihr Bild immer klarer heraus; es wird „glashell", triumphierte meine Frau, ein Dampfer. Das größte Schiff der Welt, die „Maure- tania", da war sie: ein Gewind von Fleckchen und Linien, wie ein feiner Fliegenflügel, so glänzend hell. Das war im Hafen von Neuyork.
Es io ar die stillbescheidene Freude des kleinen Anfangserfolges, neu aufgetauchter Fragen, die erörtert wurden, die uns noch lange in der Küche, neben der plätschernden Wasserleitung, zusammenhielt, wo die Platten gewässert wurden. Es wurden Pläne geschmiedet von anzulegenden Büchern, zum Aufheben der Photographien, von Ausflügen, von regelmäßigen Aufnahmen der Familie.
Nun liegt der Kodak rechts von meinem Schreibtisch auf einem Schränkchen. Er gehört zur Familie; er bildet mit seinem Reih, das er symbolisch andeutet, ein Erforschungs- und Eroberungsgebiet, das uns das Leben ein Stückchen reicher macht.
Und wenn wir bei Tisch sitzen, trommelt unser Kind mit dem Löffel und hält uns zum Besten: „O o — ein Bild ist draußen, es wird danz swarz!", — und wenn wir fortgehen
zunl Spazierengehen, fragt sie, denn sie ist eine verfluchte kleinS Schwäbin: „Solle wer net de Faschine (sprich: Maschine) mit- nä—ahme?" L
Vernrischtes.
* Tie neuen Modefarben. Ein reiches Farbenfeff für das Auge wird die Mode dieses Herbstes vor unseren Augen aufglühen lassen. Die Tendenz zu einer starken Farbigkeit, die sich schon im Frühling bemerkbar machte und durch die schwarz- weißen Töne der Sommerkleidung nur mühsam zurückgehalteni wurde, tritt mehr und mehr hervor. Die lebhaft Hellen, lustig bunten Akkorde des Frühlings werden mit den-gesättigt reichen, schweren, vollen Tinten des Herbstes zu einer neuen Skala verschmelzen. So ist die Zusammenstellung eines Hellen leuchtenden Grüns mit Kirschrot eine besonders auffallende Neuheit der kommenden Saison, und diefe beiden Kontraste werden miteinander verbunden durch das warme Tunkelrot und das tiefe Braun, das die Untertöne dieser herbstlichen Harmonie abgeben. Ein neues „Apfelgrün' tarnt jedenfalls seinen Namen nur von sehr unreifen Aepfeln herschreiben, denn es ist ein ganz lichtes, zartes Grün. „Ver luisant", ein sehr kräftig leuchtendes Grün, ist eine andere Farbenneuhert, während Smaragdgrün ebenfalls eine wichtige Note in der Palette der Mode beansprtlcht. Ein „italienisches Blau" hat all dte tiefe Leuchtkraft eines südlichen Himmels, während „Lontre" eine neue Nuance in Braun ist, eine Zwischenschattierung zwischen Aprikosen- und Goldbraun. Sehr beliebt sind alle Variationen von Purpur, während das bisher beliebte Corise einer reichen Skala von hellroten Tönen weicht. Tie eine Zeitlang so beliebten Schattierungen des Grau sind ganz aus der Mode, während die int Sommer herrschenden Kombinationen von Schwarz-Weiß auch weiterhin eine gewisse Rolle spielen werden neben der herbstlichen Pracht der neuen Farben.
* Zimmergärtnerei. Man sehe sich jetzt nach Hyazinthen und anderen Zwiebelgewächsen um und beachte beim Einkauf, daß die größten Zwiebeln nicht die besten sind, sondern daß das Gewicht maßgebend ist. Mit einfach blühenden Hyaziiithenzwiebeln erzielt man gewöhnlich bessere Ergebnisse als mit gefüllten. Man gebe nicht zu viel Geld für neue Sorten aus: die alten sind meist nicht minder fchön und kosten weiiiger. Tie Hängekörbe und Hängelampen sind von den abgeblühten Pflanzen zu befreien und die freigewordenen Plätze mit Hyaztnlhen und Tulpenzwiebeln zu belegen. Aach Amarylliszwiebeln können jetzt eingevflanzt und ans Fenster gebracht werden. Tie zum Antreiben für die Wintermonate bestimmten Blmnenziviebeln setze man nach Empfang in nicht zu große Töpfe, gieße diese gut an, stelle sie im Kester oder in der Speisekanimer in eine Stifte und bringe so viel Saiid darauf, daß die Töpfe handhoch damit bedeckt sind. Wer im Besitze eines Gärtchens ist, der grabe die Töpfe ca. 30 Zentimeter unter den Boden und bedecke die Oberfläche bei eintretendem Frost mit Laub, Tünger oder Moos. wenn die Zwiebeln später als im Dezember angetrieben werden sollen. Während des „Dunkelstehens" (im Keller oder Speisekammer) sind die Töpfe em paarmal zu begießen.
* Auskunft. „Wie ist beim der neue Bürgermeister?" — „Dem trau i gar nix zu," — „Uub her Beigeordnete?" —i „Dem trau s alles zu!"
Rösselsprung.
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(Auflösung in der nächsten Nummer.)
Auflösung der Charade in voriger Nummer: Freudentränen.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrttckerei, R. Lang», Gießen-


