Ausgabe 
13.7.1911
 
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Ties erregte meine Neugier ttnb ich richtete deshalb den Mchsten Spaziergang, den ich mit dem Kleinen machte, so em, daß uh dabei die Fenster an diesem Teil des Hanfes im Auge hatte. Es waren vier in einer Reihe, drei davon ganz mit Staub überzogen, während an dem vierten der Laden geschlossen war. Offenbar waren die Räume, zu denen sic gehörten, sämtlrch unbewohnt. Während ich auf- und abschlenderte und dabei gelegentlich einen Blick nach den Fenstern warf, kam Herr Rucastle zu mir heraus; seine Züge zeigten jetzt wieder ganz den heiteren, gemutlichenj .Ausdruck wie immer." . r

Ach," redete er mich an,Sie müssen mich nicht.für rück­sichtslos halten, weil ich ohne ein Wort an Ihnen vorübergeeilt bin, mein liebes Fräulein. Ich hatte den Kopf voll Geschäftssachen."

Ich gab ihm die Versicherung, daß ich es ihm nicht übel genommen habe.Sie scheinen da oben eine ganze Reihe über­zähliger Zimurer zu haben," fuhr ich fort,und an einem ist her Laden geschlossen."

Er sah überrascht und, wie es mir vorkain, etwas verdutzt ans über meine Bemerkung.Ich bin Photograph aus Lieb­haberei," sagte er,und habe da oben meine Dunkelkammer eingerichtet. Aber du meine Güte, an was für eine Beobachterin wir geraten sind. Wer hätte das geglaubt; wer hätte das für möglich gehalten?" Seine Worte klangen scherzhaft, aber in dem Blick, den er dabei auf mich richtete, lag kein Scherz. Ich las darin wohl Argwohn und Äerger, aber nichts Spaßhaftes," (Schluß folgt.)

Gelkömg und Telephonistin.

Eine hübsche Geschichte wird dem »Tag" berichtet:

Viele Leute glauben, das Jahrhundert der Elektrizität und daS Land des Dollars sei jeder Romantik bar. DieseWeisen" sollten sich durch folgende Geschichte bekehren lassen, die aus St. Louis geineldet wird. War da in der Stadt amVater der Gewässer" ein liebliches Mädchen, Viola Kortkemp geheißen, die ihren Kau­gummi und ihre Humpelröcke als Telephonistin verdiente. War da auch ein Handelsherr namens Mac Alpin, der das Del der Erde in Gold zu verwandeln verstand. Denn er war Präsident derWaters Pience Oil Comp.", die mit dem Standard Dil Trrlst aufs engste verwandt ist. Einst trat der Handelsherr wütend an seinen Fernsprecher, um eine ganze Expedition von Delsnchern, die er i,n fernen Texas beschäftigte, auf der Stelle zu entlassen, weil sie Dollars des Trusts in die Erde hineingebuttelt* hatten, ohne daß auch nur ein Tropfen Del herausgekommen wäre.Nr. 3533 San 'Antonio Texas" donnerte der Gewaltige in den Apparat hinein. Im nächsten Angeirblick aber verschwanden die Zornfalten von feinem Gesicht und mit sehr sanfter Stimme bat er die Dame am anderen Ende des Drahtes, doch die Ntimmer noch einmal zu wiederholen, um zu sehen, ob sie ihn auch richtig verstanden hätte. Als er endlich Verbindung erlangte, war sein Zorn verraucht. Er klingelte sofort wieder ab und ließ die Deliucher weiterbohren. Vier- bis fünfmal per Tag beschäftigte sich Mac Alpin jetzt mit dem Telephon und versuchte immer und immer wieder die Tele­phonistin in eilt Gespräch zu verwickeln, denn ihre Stimme hatte es ihm angetan. Schließlich bat er sie um eine Unterredung von Angesicht zu Angesicht, aber Miß Kortkemp stellte einfach den Apparat ab, beklagte sich bei ihren Vorgesetzten und tat genau das, was die Heldin im Roman unter solchen Umständen getan hätte sie ließ sich versetzen.

Zwei Jahre suchte Mac Alpin in allen Telephonstationen nach demM ä d ch e n mit der süßen Stimm e", aber alle, die das sein wollten, bestanden die Probe nicht. Schon beim ersten »Hallo!" wußte der verliebte Handelsherr, daß man ihn betrügen wollte. Endlich, eines Tages, als er wieder mal an das Telephon trat, flötete es ihm entgegen:Hallo I welche Nummer?"Ge­sunden, gefunden!" jubelte Mac Alpin, und setzte schnell hinzu: Bitte, laufen Sie nicht weg, ich bin derDet-Vizekönig Mac Alpin" und bitte Sie, mir zu erlauben, Ihren Vater auszusuchen." DasPfädchen mit der süßen Stimme" fing an, in das Telephon zu stottern und wollte schon wieder abklingeln, aber Mac Alpin flehte so herzerweichend, daß sie schließlich nachgab und ihres Vaters Adresse nannte. Es versteht sich von selbst, daß zu der süßen Stimme auch ein süßes Mädel gehörte, das nun Frau Mac Alpin geworden ist. Ihr Mann ist zivar noch kein Multimillionär, aberwer den Standard Trust zum Vetter hat" usiv. . . .

wohnlichen Sportmütze die Aemperaktiv Noch höher als die in freier Lust war; sie betrug 53 Grad. In einem schwarzen steifen Hut herrschte eine Wärme von 51, in einem Zylinder eine solche von 50 Grad. In einem weichen Filzhut wurden 49, in einem Strohhut 45 Grad gemessen. Die niedrigste Temperatur wies ein Panama auf: in seinem Innern wurde eine Wärme von 43 Grad festgestellt,- er verdient also den Ruf, den er seit langem Hat.

* Ein« Mänuer-Berleih-Anstalt. Die letzt« Neuheit des Jahrhunderts, die uns Vorbehalten blieb, näm­lich eine Männer-WerleiH-Anstalt, ist, wie wir in denLeip­ziger Neuesten Nachrichten" lesen, durch die Bürgermeisterei von Nizza jetzt auf allgemeinen Wunsch eingerichtet wor­den. Die Munizipalität hält täglich im Rathause von elf bis ein Uhr einewohlassortierte Auswahl" bereit. Da nämlich anständige Frauen ohne Herrenbegleitung neuer­dings nicht mehr Mein in den Nizzaer Cafes geduldet werden, aber immerhin bei der allgemeinen Kuttrlr des europäischen und Reiselebens in Nizza doch einmal Kaffee trinken möchten, so hat sich Has Bedürfnis nach stunden­weis ausleihbaren B e g l e i t h e r r e n schreiend bemerkbar gemacht. Die Nizzaer Stadtverwaltung, immer bereit, die Wünsche der Fremden zu erfüllen und ihnen das für Nizza so' kostbare und wertvolle Behagen zu schaffen, hat nun diese modernst« aller Einrichtungen getroffen.

"Die Gesetze des Ehe Herrn. Auf eine wunderliche Form des Ehelebens wirst eine Gerichtsverhandlung Licht, die in diesen Tagen vor der vierten Pariser Zivilkammer stattfand imb mit der Verurteilung des Eheherrn seinen Abschluß fand. Der Herr Gemahl mar ein tüchtiger Beamter, der in feinem Bureau auf Drdnung hielt und dessen Bureankralenherz höher schlug, wenn die Aktenstöße sich häuften. Acht Jahre lang führte der würde­volle Alaun mit seiner stillen braven Gattin, die sich durch kunst­volle Handarbeiten allerlei Einnahmen zu verschaffen wußte, ein wortkarges, eintöniges Eheleben, bis der Gebieter des Haushaltes den Entschluß faßte, in der Drganisierung seines Haushaltes eine durchgreifende Aeudernng eiuzusühren. Er war kein Freund von mündlichen Auseinandersetzungen. 9ln einem schönen Dktober- morgen, als der Eheherr mit würdigem Schritt in seine Kanzlei gegangen war, fand die Gattin daheim den ersten kategorischen Er­laß tbre§ Mannes, sozusagen ein Ottobermanifeft, in dem der ehe­liche Gesetzgeber feierlich seine Reformen einleitete. Das merk­würdige Schriftstück begann mit der Erklärung:Aus Gründen, die ich nach Belieben barlegen werde, habe ich folgendes be­schlossen:" und nun begann eine Reihe der Paragraphen, die das Eheleben des Bureaukraten regeln sollten.Artikel 1. Jeder von uns wird künftig aus eigenen Mitteln leben. Artikel 2. Ich be­zahle die Hälfte der gemeinfamen Ausgaben, meine Frau die andere Hälfte. Mit dem Rest seiner Einkünfte kann jeder tun, was ihm beliebt. Artikel 3. Unter den gemeinsamen Ausgaben ver­stehe ich immer diejenigen, zu denen ich ausdrücklich meine Ein­willigung gegeben habe. Artikel 4. Um Schreibereien und Akten­überhäufungen zu vermeiden, werde ich künftig nur gegen Vorlage der Driginalrechnung zahlen." Artikel 8 bestimmt:Ich werde fast immer außer dem Hause essen; speise ich zu Hause, so taufe und koche ich meine Nahrung selbst." Ei» elfter Paragraph regelte bann noch die Bediemmgsfrage in klassischer Kürze:Tie Auf­wartefrau wird täglich (mit Ausnahme des Sonntags) in einer Stunde die Wohnung aufräumeit und sauber halten." Von diesem Tage an ward zwischen den Ehegatten kein Wort mehr gesprochen, desto mehr häuften sich aber die Erlasse und Verfügungen, die der hochmögende Herr Gemahl seiner Frauzur weitere» Veran­lassung" zurückließ. Tag für Tag sand die Gattin irgend ein neues Gesetz, eine Beschwerde über zu hohe Ausgaben usw. Die Erlasse füllen heute einige stattliche Aktenbände. Da findet man Ver­fügungen, in denen auf eine Zeit lang ausschließlich Gemüsekost vorgeschrieden ist, strenge Gesetze gegen den Empfang von Besuchen an Sonntagen, und in der letzten Zeit schlossen die Dekrete ge­wöhnlich mit dem Satze:Wenn diese Bestimmungen nicht sofort auf das Genaueste ausgeführt werden, gebe ich meinen Abschied." Der letzte Ukas stammt vom Januar dieses Jahres: der eheliche Gesetzgeber derlügt, daß er aus Gründen persönlicher Beguemlich- keit sein Heim wo anders aufschlage» wirb. Er verließ die Frau und das Ende dieser Tragikomödie war der Scheidungsprozeß, bei dem zur begreiflichen Verblüffung der Richter und der Zuhörer alle diese Erlasse bekannt wurden.

Logsgriph.

Wird es besucht mitB", Sieht man viel Glanz und Putz. Schreibt man stattB" einW", Gewährt es sichern Schutz.

(Auflösung in der nächsten Nummer.)

Auflösung de Bilderrätsels in voriger Nummer: .i r reu i st in e u s ch l i ch.

VeL'snjßcdtes.

* We scher Hut schützt am besten vor Hitze? Zur Zeit der größten Sommerhitze, in die mir jetzt einzutreten scheinen, M die Frage, welche Art von Hüten den heißen Sonnenstrahlen den besten Widerstand ztt leisten vermag, gewiß angebracht. In Paris sind denn auch wirklich praktische Versuche gemacht worden, um dies sestzustellen. Man hat ehte Reihe von Hüten einer Temperatur von 51 Grad yt der Sonne ausgesetzt und nach einer bestimmten Zeit die Warnte gemessen, die int Innern jedes ein» Seinen Hutes bestand. Es ergab sich, daß im Innern einer ge

«edaktion: R. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchm Universitäts-Buch- und Steindruckereh R. Lange. Gieße»