Donnerstag den 13. Juli
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Das nette Mädel.
Noman von Fedor von ZobelttG-
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Traute war purpurrot geworden. Me anderen beneideten sie heimlich. Aber sie ließen es sich nicht merken; sie gratulierten ihr und riefen ihr Scherzworte zu. Traute als Irrlicht — als lockendes Flämmchen in tiefer Nacht — die „mondäne" Verführung!
„Wenn man Mutter nicht schimpft," meinte Lili Mengens. An ihrem Herzen nagte die Eifersucht.
„Die Frau Mutter wird Nichts dagegen sagen," erwiderte Niels lächelnd. „Vermelden 'Sie ihr, selbst Seine Heiligkeit der Papst würde nichts wider diese Sitzungen ernzuwenden haben. Ich gebe die Versicherung ab, daß immer eine besondere Schutzwache dabei sein soll: sei es die Zwölfmark mit dem flammenden Schwert, sei es mein alter Freund Moebius — also die Tugend selbst."
„Ich kann keine Versprechungen abgeben," warf Moebius ein.
„Schadet auch nichts," entgegnete Traute. ■ Sie hätte ihre Kühle wiedergefunden. „Ich fürchte mich nicht. Es wäre eine Beleidigung, täte ich das . . ." Sie schürzte die Lippen. Innerlich triumphierte sie über ihren Sieg. Aber dann kam sehr rasch die Sorge, was wohl die Eltern dazu sagen würden. . . „Hoffentlich erlaubt es die Mama," weinte sie.
Niels gab ihr noch ein paar gute Lehren. Er sei auch gern bereit, selbst an die Frau Mutter zu schreiben. Herrgott, was sei jdenn schließlich dabei! Wäre er Porträtmaler, so verstände sich alles von selbst.
Nun wurden die Herren ungeduldig. Sie wollten Mich der Ehre teilhaftig werden, Modell zu dem Bilde zu sitzen. Sie stellten sich in schöne Positionen und zeigten freundliche Mienen. Doch es ging rasch mit der Auswahl.
„Dewa ist der einzige, der in Frage kommen könnte," sagte Niels. „Aber auch bei ihm muß ich erst probieren; muß mir seine Physiognomie sozusagen erst zurechtlegen. Wollen Sie es darauf ankommen lassen, schöner Jüngling?"
Fred Dewa antwortete, er fühle sich als Glücklichster unter den Sterblichen. Die anderen Herren murrten. Frie- d'erici schaute in den Spiegel und erklärte, er begreife den Meister nicht; schon in der lichten Bestrahlung seines Schädels läge etwas ungemein Malerisches. Mursinna meinte, Kruse werde doch noch auf ihn zurückgreifen. Wilm Noel- dechen rief, Dewa sei ein Blender; im Neglige versage er vollkommen.
Trotz aller Unzufriedenheit wurde aber eiligst das 9h) t» JwÄijje hasproMv., Newa, hatte W& MckMtey zu M-
men; die Pianinos des väterlichen Geschäfts verkauften sich auch ohne ihn; er stellte sich jederzeit zur Verfügung. Traute Köhler sollte mit den Eltern sprechen und Bescheid geben; erste Sitzung möglichst schon am Freitag vormittag. Für Samstag wurde eine Moste Konferenz anberaumt, um die Vorbereitungen für das Maifest zu beraten.
Niels war sehr lebhaft geworden. So vergnügt hatte ihn noch keiner gesehen. Im dunklen Samt seiner Augen blitzten lustige Lichter. Die gute Stimmung gab seinem Gesicht einen eigenen Ausdruck. Mit dem Christusbart, den er früher getragen, und dem gelockten Haar hatte man ihn für einen schönen Menschen gehalten. Wenigstens nach der Photographie; in Wirklichkeit paßten Bart- und Haartracht gar nicht zu dem Muskulösen seiner Erscheinung. Es war eine Maske des Widerspruchs. Wie Bezeichnung als „schöner Mann" ärgerte ihn außerdem: da ließ er sich denn scheren. Das glatte Gesicht und der Bürstenkopf standen ihm wieder nicht. Der eckige Friesenschädel vertrug diese kahle Nacktheit Nicht. Die Stirn sprang vor, und über ihre starke Wölbung schob sich die schwarze Spitze des kurzen Haares wie eine Witwenschnebbe. Aber es war doch ein prachtvoller Kopf: nichts Gewöhnliches daran, wie von großer Künstlerhand modelliert, ein RodinschesMeisterwerk. Ein trübes Kinderdascin und eine entbehrungsreiche Jugend hatten die ersten Linien über die Stirn gezogen; dann kam das Bewußtsein wachsender Kraft und gab dem Gesicht den Ausdruck stolzer Siegesfreude; die einsamen Stunden stillen Lernens fügten den Glanz des Gedankens hinzu. Aber im Auge blieb immer etwas Träumerisches; das haftete da in tiefem Grunde, wenn auch die Leidenschaften hinüberspülten: Leidenschaften, die zügellos werden konnten. Es lagen dann zwei feindliche Mächte im Ausdruck seines Blicks: ein treibendes Ungestüm und ein sinnendes Verweilen.
Plötzlich erklärte Eberstedt, es sei Zeit, auszubrechen. Er war stiller geworden, je lauter und nervöser Niels Kruse wurde. Er ging hin und her, mit dem Benehmen eines Zerstreuten und — wenn er wußte, daß er nicht beobachtet wurde — mit dem Gesicht eines Verärgerten. Irgend etwas paßte ihm nicht; es machte auch deu Eindruck, als langweile er sich.
Uebrigens war man allseitig zum Aufbruch bereit. Niels stülpte eine rote algerische Tschäschia auf den Kopf und hrachte seinen Besuch bis vor das Haus. Er blied bis zuletzt der liebenswürdige Mann. Am Gartentor brachte Fred Dewa noch ein Hoch auf ihn aus. Dann bestieg man die Räder, und es ging zurück über die Heide.
Die Lenzsonne meinte es noch immer gut. Sie war ein wenig blasser geworden, aber ihre Wärme spürte man doch. Anfänglich hielt man sich zu Gruppen beieinander, dann engte der Weg sich ein, und man mußte zu zweien weiterradeln. Zuerst hatte man auch noch lebhaft geplau- dert; Merzen iM KaMn flog heMer. ruck MMer« MM


