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Perasib, ent AusgestjalteU der Dinge, Mag sie nicht nur eben Iwch Ire Dienste tun, sondern daß sie! diese zu leisten imstande sind, (in einer dem EmPfäMer wohlsiwnden Weise). Auch die Hygiene will solch ein Mehr, sie geht nicht darauf aus, das MWimnnt der Lebensbcdingnngen zur Norm zu erheben, sondern das .OMmnm, b. i. jener Punkt, unter dem am sichersten allen Schädigungen getrotzt wird. Das Charakteristische' an jeder Hygiene w,ltc ni?X. fordert, als notwendig erscheint. Ein gewisser Wohlstand an anßercn und inneren Gütern, eine .gewisse materielle und geistige Kultur, ist dazu Vorbedingung. Solange,diese fehlen, wird mau _ut der Wiste predigen nnb selbst die Gewalt der Polizei versagen sehen.
«v bemcisteuswert, iuie die jetzige Ausstellung entstaub. Nicht gus dem Bedürfnis, nach 28 arbcits- und erfolgreiches Zähren —- denn soviel sind seit der Internationalen Berliner Hygiene-Ausstellung im Jahre 1883 verflossen —. wiederum ein weltumspamiendes Bild der Errmigeuschafteu der Hygiene zu keimte der Ausst.elluugsgedanke, sondern aus einem ©eilen» KEiiig der Hygiene. Die Kosmetik, ihrem Namen wie ihrem Wesen nach durchaus eine junge Lnxusbranche, nicht von allen bis- her als ebenbürtiger Zweig der Gesundheitspflege betrachtet, sollte in einer Ausstellung der Oeffentlichkeit gezeigt werden. Der Vater dieser ^dee aber glaubte mit Recht, seinem Kinde nicht pesser nutzen zu Wunen, als wenn es ihm als dienendes Glied in einer umfassenden Hygiene-Ausstellung einen Platz anwiese. Printe Initiative also war es, die den Grundstock legte. Bald erivachte auch in deii Behörden das Interesse an dem linternehmen. Zahlreiche fremde --Staaten sagten offiziell ihre Beteiligung zu. ltuter den Pavillpns, die zu beiden Seiten der Herkulesallee liegen, Vlen auch die Exoten nicht, (China und Japan). Südamerika, W vertreten. ^Rußland will feine: Hygiene (in einem' von slavischem Sarbenprunk strahlenden Ban) um das riesige Abbild seiner großen Zarin gruppieren.
. > F'?’ Mle ein Buch über Hygieiie aiifschlagk,-
ivuudert sich über die Vielgestaltigkeit des Stoffes. Nicht immer ist ohne weiteres erkennbar, was der verbindende Gedanke ist So wird es wohl auch Manchem Besucher der Ausstellung gehen. Aber wenn er sich vergegenwärtigt, daß es überall darauf au- lommt, durch wissenschaftliche Methodik Maßnahmen ausfindig zu machen, die geeignet sind, den Menschen vor Gefahren zu schlitzen oder diese auf ein Mindestmaß zu beschränken, so wird er verstehen, warum Luft und Licht, Kleidung und Körperpflege, Nah- und Gcnußmittel, Ansiedlung, Wohnung und Gefängnis, Tuberkulose und Krüppelfürsorge, Alkoholismus und Prostitution Und vieles andere hier ihre Stätte gefunden haben. Eine ethno- graphisch-hlstvrische Abteilung läßt interessante Rückblicke und Ber- emie zu. Reichhaltiges, bisher nie in biefent Umfange an die Oeffentlichlcit gekommenes Material über die neueren Theorien der Vererbung, über Rassenhygiene und Degeneration wird an semer anderen Stelle zur Schau gestellt. Eine große Arena am Ende der Ausstellung soll Sportkämpfen dienen. In einem daran grenzenden Laboratorium werden Untersuchungen über den Einfluß des Sports auf den menschlicheii Organismus auaestellt werden.
Die Furcht, in eine Fachausstellung zu geraten, ist unbegründet, obwohl auch der Hygieniker von Fach großen Nutzen iind reiche Anregung aus den Schätzen schöpfen wird. Anordnung und Auswahl aber sind so getroffen, daß jeder Gebildete unmittelbar niteressiert wird. Aber wäre selbst dies nicht der Fall, so bliebe noch mn Letztes übrig, um dessentwilleu sich allein der Besuch der Ausstellung lohnte. Das ist das Haus des Menschen. Eine vollständige Hygiene-Ausstellung in populärem Gewände wird es mit seinen unzähligen Präparaten, Modellen, Moulagen, Zahlen und Diagrammen vielen Tausenden ein Führer W Hygiene werden. Jahrelanger Fleiß hat hier Unerhörtes und Niedagewesenes geschaffen. Bon ihm wird noch eingehender zu berichten sein. Seine Entstehung verdankt das Srains des Menschen dem Privatmauue, dessen Geist der Ausstellungsgedanke -entsprungen ist, dem Dresdener Großindustriellen Geh. Kvmmer- zieiirat Lingner.
Noch ist die Ausstellung nicht ganz fertig. Aber eines fleht nach den Stichproben, die Mau machen fumtte, schon heute fest: Die Internationale Hygiench-Ausstellung zu Dresden wird die deutsche Ausstellung des Jahres 1911 fein.
Das ideale Weib.
Von Ailglist S t r i ii d b e r g?)
, Äch,.hnbe in diesem Buch von einem Bildhauer erzählt, der eine garstige Iran hatte, die zu der verheiraieten Halbwelt ge- horte. ~ie Professorin führte die Unterhaltung einer Kokette, wollte wie eine lliiiurheiratete leben, obwohl sie verheiratet war und Kinder besaß, ^.er Mann schliig sie zuweilen, denn er ivußte genau, iuer sie war.
Dann starb sie und der Bildhauer schuf eine Statue aus Marmor in ganzer Figur — das sollte sie sein — und ließ sie auf dem öffentlicheii Platz eines Badeortes aufstellen. Ich glaubte erst,
*) Wir entnehmen diesen Aiissatz einem in wenigen Tagen im Verlag von Georg Müller-München neu erscheinenden eigenartigen Werk von Sirindberg „Das Buch der Liebe".
er habe etwas Schönes bei der Fran gesehen, das mir anderen nicht sehen konnten; ich glaubte dann, er habe seine schönen Gedanken und Gefühle in Marmor dargestellt und dabei ivollte ich für den Augenblick bleiben.
Alles, Modell uiid Statue, war sein Werk. Als er dieses Weib zu lieben^ anfiiig, begann sein Schöpsungsiverk, Aus ihrer ungeordneten Seelenmaterie machte er mit seinen schönen Gefühlen und Gedanken eine Gedankenform, die das Weib zuerst be- ivuuderte und verehrte und der es gleichen ivollte. Aber sie konnte nicht mitkommen; zu Hause strengte sie sich ivohl an, die Pose und die Gebärde für eine Weile einzunehmen; kam sie aber nur in Gesellschaft, so wars sie Maske und Kostüm ab, fiel aus der Rolle.
Liber der Man» arbeitete an seiner Gedankensorm; litt, wenn er ihr keine Form zu geben vermochte; verzweifelte, wenn sich das widerstrebende Material seinen schönen Absichten nicht unterwerfen wollte. Litt am meisten, wenn er sah, wie sie von anderen unfähigen Händen berührt und modelliert wurde. Die Gesellschaft, bereit Essen, Kleider, Wagen sie in Feuilletons schilderte, hatte ihr eigenes Bild von diesem Kind der Welt, und das war das ivirkliche. Der Bildhauer trug sein Bild, das er schließlich in Marmor sah.
Ich war nur erstaunt, daß sein Marmor dem wirklichen Bild so genau glich. Doch merkte ich, daß er retuschiert hatte. Die Verhältnisse der Brust und des Rumpfes waren geändert, die Arme ausgesüllt, der Fuß war schön gemacht, obwohl er es in Wirklichkeit nicht war: das Oval des Gesichtes war fixiert, obwohl es etwas hexenartig war. Aber auch die Pose selber war vor allem sein Eigentum: über ein Buch in Nachdenken versunken. Er hatte sie wohl in einem solchen Augenblick gesehen, da sie am meisten Seele und am wenigsten Erdgeist war und am besten seinem schönen Gedanken entsprach.
Die Gattin des Dichters ist ja etwas Apartes, aber auch von ähnlicher Art. Die Menschen machen weite Reisen, um die Muse des Dichters zu sehen. Besitzt sie Selbstbeherrschung, so gibt sie die Rolle; ost aber wird sie müde und man bekommt etwas ganz anderes zu scheu.
Im allgemeinen bewundert sie ihren Dichter nicht, obwohl sie sich so stellt. Daß er sie verehren kann, versteht sie nicht, obwohl sie ihren Vorteil dabei findet. Und sie ist sehr geneigt, ihn Humbug zu nennen, weil er sie verehrt. Sie möchte sagen, daß er sich selber in ihr verehrt, aber das tut er nicht.
— Warum möchtest du nicht so schön werden, wie ich dich machen will? fragte er sie.
— Wie bist du beim selber?
— Ich? Du sollst besser als ich sein, damit ich zu dir hinaussehen kann. Du sollst vollkommen sein, denn du bist ja mein Ideal.
Ideal nannten wir in den sechziger Jahren das geliebte Weib. Wir ivußten wohl, daß Dantes Beatrice sich mit andern verheiratete, daß Stagnelius' Amanda vielleicht nicht so liebenswürdig war, daß Malmströms Angelika kein Engel war, aber wir emp- fandeit, daß in des Mannes subjektiver Auffassung der Liebe eine schassende Krast liegt, die zuerst ein Jdealweib schafft und dann durch das ein Kinds Das ist wohl das Göttliche bei dem sonst an die Erde gebundenen Alaun, daß er schaffen kann, und int schlimmsten Fall ans dem bloßen Nichts l
Dabei kann man wohl stehen bleiben. Sonst ist die Sache unerklärlich! _______________
Mrbesprjjchlein zum hessischen Vlumentag
sür die Blumenmägdlein zu Nidda; mit den Blumen verkauft.
Zum Blumentag in Nidda wirb uns noch geschrieben:
Reben Blumen und Postkarten wurden auch vom Ober-Amtsrichter Reinhold verfaßte Verse verkauft, die allseitig Anklang sanden.
Am 9lbenb des Nerkaufstages trug Beigeordneter Menge! die Sprüche unter lebhaftem Beifall vor. Wir geben hiermit eine Anzahl der originellen und humorvollen Verse wieder.
1. Hast du ein Herz im Leib — a guts! — Tann tu ivas für den Süuglingsschutz.
2. Heist' hat der Nickel freien Laus, Das Feldgeschrei heißt: „Taschen aus!"
3. Für klaane Kearn do soll nur gern berappe, Woarn nur doch all' entöl su klaane „Krabbe".
4, Hoch stehn int Lande weit und breit Die Aktien der Barmherzigkeit Und jeder wahrhaft kluge Mann Legt heut' nur „Liebeswerk" an.
6. Ob liber-, sozi-, national, Heut sei »ter hessisch all' egal.
6. Hie Helf' eiitol mit deine „Trümpp" De Hessenkinner us de Strümpp.
7. Nur, bitte, keine falsche Scham Du hast »och „Möbbs" genug „dehaam".
8. Besinn dich tut — greis in dein Tasch Und spend was für e Säuglingsflajch.
9. Verborrn iß die Knauserei, Uff, Hannes, mach' 'n Nickel frei.


