Ausgabe 
13.3.1911
 
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Das Witwenhaus.

Slonton von Helene von Mühlau.

Dortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Ueberall, im ganzen Ort waren jetzt Balkons und Wartenzäune mit Federbetten, Steppdecken, Teppichen und Kissen belegt. Die Sonne schien so warm und prächtig um die Mittagszeit, und wenn das Wetter so anhielt, kamen die ersten Borsaisongäste gleich nach den Ostertagen; man mußte sich daranhalten, um seine Zimmer bereit zu haben.

Die Berliner hatten es jetzt auch oft an sich, die Ostertage selbst zu einem Ausflug zu benutzen und dabei gleich eine Wohnung für die großen Ferien festzumachen, besonders die, die auf drei Zimmer und Küche reflektierten.

Die Kosy war in einem Feuereifer; sie legte sich kaum noch für einige Stunden in der Nacht in ihr warmes Federbett. Es ging ihr soviel im Kopf herum, daß sie doch nicht recht zum Schlafen kam.

Bauunternehmers waren richtig am Dritten mit Sack und Pack angekommen; der kranke Herr war von der langen Reise etwas angegriffen und hatte für die ersten Tage im Hotel gewohnt, bis seine Frau mit der Ein- rrchtung fertig geworden. Die Kosy hatte ihr tapfer ge­holfen, und als alles fix und fertig war, hatte die Dame ihr ein Zehnmarkstück in die Hand gedrückt und hatte ihr gute Bezahlung versprochen, wenn sie die Reinigung ihrer Wohnung und das Holen des Essens aus dem Hotel weiter übernehmen wollte.

Die Kosy hatte mit etwas geteilten Gefühlen zugesagt, denn sie wußte noch nicht, wie das werden sollte mit ihrer eigenen Frau; bis jetzt hatte sie noch keine Aufwartung für die Zeit der Saison.

Nu, wo der liebe Gott uns bis jetzt immer geholfen hat, wird er uns auch in der Angelegenheit nicht im Stich lassen!" meinte sie vertrauensvoll und ging in den Flügel der Häuflein, wo Frau von Hilbach mit ihrem Annen Jungen mit dem Tapezieren der Balkonstube be- schaftigt war.

schön, Frau von Hilbach, ein herrliches Muster^ sagte sie bewundernd.Machen Sie auch genug Kleister auf? Damit darf man nicht sparen, sonst hält es nicht. Jungchen, du mußt deiner Mutter immer genau sagen, ob das mit dem Muster stimmt. Rose muß auf und Knospe auf Knospe. Hier zum Beispiel haben Sre sich ent bißchen versehen, Frau von Hilbach, aber das Macht nichts, so genau steht da keiner hin."

Frau voU Hilbach stand oben auf der Leiter und hielt »inen Streifen Tapete an die Wand, der kleine Erwin 8»8 nach unten, prüfte alle Muster, sagte zweimal:So, teodj ein bißchen nach oben," und dann,nun ist's richtig, Mütterchen r

Ist hoch ein Allerweltskerl, unser Jungchen!" ries die Kosy lachend,der kann mit fünf Jahren eine Stühe austapezieren, aus dem wird mal was! 9hl, Laug» mann, was bringen Sie denn Neues?" fragte sie den Brief­träger, ,der eingetreten war und erstaunt zu Frau von Hilbach hinaufsah.

Der sieht ja wichtig aus!" sagte sie dann und besah den unfrankierten Brief, den Langmann ihr gegeben.

,Mon der Bürgermeisterei! Wohl was von der Steuer/ Frau von Hilbach, kleben Sie mal ruhig fertig, der har keine Eile."

Frau von Hilbach war aber schon von der Leiter; herunter.

Nichts weiter?" fragte sie etwas enttäuscht und schnitt den Brief auf.

Nu?" drängte die Kosy ungeduldig, als sie sah, daß ihre Frau den Brief zum zweiten Male las.

Das versteh ich nicht!" meinte Frau von Hilbach end­lich, gab der Kosy den Brief und sah ängstlich zu ihr hin­über. Es war ihr plötzlich wie ein Schwindel durch den Kopf geflogen sie mußte sich setzen, und da der einzige Stuhl im Zimmer mit Tapetenstücken bedeckt war, ließ sie sich auf der untersten Sprosse der Leiter nieder.

Frau von Hilbach wird aufgefordert," las nun dis Kosy laut,innerhalb von acht Tagen auf der Bürger-, m elfter ei zu erscheinen. Es ist eine Klage der Frau Ober­lehrer Specht an die Baupolizei wegen unvorschriftsmäßigev Schornsteinanlagen in dem Hause Saaleufer fünf ssinge- gangen. Der Magistrat."

Die Kosy las den Brief auch zweimal, und ihr Kopf wurde dunkelrot.

Die Pastorin schwebte ins Zimmer, schlug die Hände zusammen und sagte ein paarmal:

Nein, wie entzückend! Ein himmlisches Muster! Dies zarte Rosa und das saftige Grün dazwischen wirklich reizend!"

Als niemand ihr antwortete, sah sie zu Frau von Hilbach, die mit aufgestütztem Kopf auf der Leitersprosse saß und zur Kosy, die noch auf den Brief starrte, hinüber.

Nun?" fragte sie neugierig,eine Nachricht?"

Sie erhielt noch keine Antwort und fragte noch einmal harmlos:Nun, eine Neuigkeit?"

Ja, Frau Pastern, eine Neuigkeit, eine pikfeine Neuig­keit! Hier lesen Eure gräflichen Gnaden einmal den Brief, und dann sagen Sie uns mal auf Ehr und Gewissen, oh das auch für Sie eine Neuigkeit ist?"

Die Pastorin wurde bleich im Gesicht und las den Brief.

Man sollte es nicht für---" Sie wollte sagen:

Man sollte es nicht für möglich halten!" aber die Kosh ließ sie nicht aussprechen

Frau Pastern, versündigen Sie sich nicht! Das hier ist ein Komplott gegen unsere .Frau, und das ist nicht von einer allein geschmiedet worden,, da nehm ich Gift'