Ausgabe 
12.10.1911
 
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und verhungert auszusehen. Wie ich fertig kostümiert bin, frage ich: »Franz, wie iehe ich aus?"Aiisg'sressen Herr Kammersänger - bitte!" Die Stimmung für denFide­lio" war beim Teufel I Franz hat sich vor drei ober vier Jahren auf seine alten Tage verheiratet und bekommt einen Sohn. Tie Frau eines Kollegen hebt bas Kind aus bet Taufe. Er wird gefragt, was er sich für das Kind alsPaten- geschenk" wünsche.A Kinderwagerle!'Also such dir eine» aus, Franz I" Er nimmt einen Kinderwagen für 2öO Kronen. Den Kollegen trifft vor Schreck fast der Schlag, er bestellt den Wagen ab. Franz wartet daheim aufs Rtnberrongerle, das er seinem Sohne schon in den lebhaftesten Farben schildert. Statt des Kinderwagens kommt ein silbernes Eßbesteck. Nach Ostern roarS beim Anziehen merke ich, daß er verstimmt ist; ich er­kundige mich, was ihm fehlt.Also, gnä Herr, ich bin dos Opfer von einer sehr besartige Eniteiichung!"Erzähle, Franz!" Also, bei die heilige Taufe von meinen Klanen krieg ich, bitte, an Eßbesteck, Leffel, bitte, Messer, bitte, und (Sobel! Vor die Cfter- fetertage steigern sich die menfcbltdien Bebürfmsie ich nemm den Eßbesteck und trag ihm in Torotlieum ldas Pfandhaus!. Der Beamte sagtTalmi" und gibt mir den Besteck samt dos Etui (an Etui hat er auch gbabt) zurück! Und seht heißt dos Kind Erik und ich hab an Schmarrn davon!" Als ich von meinem Sommertirlaub nach Wien zurückkelirte. begrüßte mich Ficmz auf das herzlichste, nahm mich bei beiden Händen und sagte:Also nämlich, Herr Kammersänger, der liebe Gott soll Ihnen lange Ge­sundheit geben, und sollens noch viele Jahre mit diese lieblicheilrt und Weise bei uns an die Wiener iwwper leben, wachsen und was man also so sagt, bitte, nämlich gedeihen und viele Glick soll Ihnen btief)en nämlich immei während bitte." Da frage ich ihn:Was gratulierst du mir denn, für was beim ? Und da sagte er: Also Sie habens doch nämlich die zehnjährige Iubelium, das ist also, weil Sie, ivas man so sagt, ein erster Künstler an Wiener Hofoper sein tun." Ich bedanke mich, schüttelte ihm die Hände und ivir trennten uns. Ten nächsten Tag begegne ich ihm und er wiederholt dieselbe Litanei und in noch embrucksvollerer Weise. Ich dankte wieder und ging. Dies wiederholte sich noch zweimal. Beim fünften Male wurde ich fcbon ganz nervös und sagte ihm: Du Pferd, du blechernes, du loillft mich wohl zum Narren halten! Jetzt gratulierst du mir schon zum fünften Male!" Ta sagt er nur:Na, haben's mir vielleicht schon was geben ?' Jetzt ver­stand ich, gab ihm zehn Kronen und er sagte:So, jetzt gratulier' ich Ihne nicht mehr."

Vermischtes*

kf. Der Ehekrach in d i n Bereinigten Staaten. In Spring-Lake tagt augenblicklich ein Kongreß, der sich mit der Verbesserung der Ehegesetze in den Bereinigten Staaten be­saßt. Tie Verwirrung aus diesem Gebiete ist nach einem Worte des Gouverneurs von Kentucky so groß, daß die Amerikaner, wenn sie nicht bald durchdringende Verbesserungen durchführen, gut daran täten, das Heiraten überhaupt aufzuheben. Der letzte Gedanke ist nicht gerade neu, und ein Herr Smith hat in der Kammer von Kansas allen Ernstes den Vorschlag gemacht, die Ehen auf zehn Jahre zu beschränken. Indessen ist das Gesetz noch nicht durchgedrungen und man fährt drüben fort sich mit einer Schnelligkeit des Entschlusses trauen und scheiden zu lassen, als ob es sich etwa um eine Badereise handelte. In früheren Zeiten war die Kirche von Dakota durch die Geschwindigkeit, mit der sie die Paare verband, berühmt, in neuerer Zeit ist sie indessen durch die Kirche von Rhode-Island in den Schatten gestellt worden. Tie Angestellten dieser sogenannten kleinen Winkelkirche, haben sich vor dem Zulauf der Verliebten nicht mehr retten können, und einer von ihnen hat aus eigener Initiative heraus eine löbliche Anstrengung gemacht, um seine Konfratres von der neuen Plage wieder zu befreien. Neben der Kirche hat er ein Heim für Männer und Frauen eingerichtet und zwingt alle diejenigen, die den Wunsch haben, in dem Gotteshaus getraut zu werden, einige Stunden auf die Erfüllung ihrer Wünsche zu warten. Das einfache Mittel hat Wunder gewirkt. Schon nach wenigen Stunden soll die Mehrzahl aller derjenigen, die sich noch vor kurzer Zeit kaum zu beherrschen wußten, entschlossen gewesen sein auf die Ehe zu verzichten. Uebrigens hätte ihnen auch diese keinen großen Entschluß gekostet. Noch ist in aller Andenken die Geschichte jener Dame, die innerhalb von zwei Stunden geschieden Uno eine halbe Stunde darauf bereits wieder getraut war.

kf. Die Ausstattung eines Luxushündchens. Wie sich die Toilette eines Luxushündchens zusammenzusetzen hat, weiß der New Uork American zu erzählen. Sie umsaßt zunächst ein hübsches Halsband, dann eine niedliche Weste und einen ele­ganten Straßenrock; für das Haus ist ein einfacherer Anzug er­laubt. Ein Regenmantel, sowie ein Pelzröckchen für die Kälte sind erforderlich, und für den Sommer muß unbedingt ein kleinen Sonnenschirm angeschafft werden, der mit Hilse einer geistreichen Einrichtung an dem Halsband befestigt werden kann. Das Schirmchen kostet zwar allein schon etwa 60 Mark, aber von 1000 Mark aufwärts kann die Toilette eines Hündchens doch schon vollständig beschafft werden.

e Sardinenköder. Ohne reichliche Lockspeise läßt sich die silbern schimmernde Sardine nicht verleiten, in die lenchlend blaugrünen Netze der bretonischen Fischer zu gehen. Dies ist eine auffallende Erscheinung, beim bei der Netzfischerei wirb meist kein ober nur wenig Köber verroenbet. Bei der Sardinenfischerei aber hängt der Erfolg zum größten Teile mit davon ab, ob genügende, b. h. riesige Mengen von gesalzenen Fischeiern man hat Kabeljaurogen gewählt, weil dreier in enormen Quantitäten zu haben ist zur Verfügung steht ober nicht. Diese unentbehrliche Lockspeise beziehen bie Sardinen- fischer bet Bretagne von ausländischen, und zwar in der Hauptsache von norwegischen Fischern. In geringem Blaße beteilige« sich auch Neufundland, Holland und die Vereinigten Staaten an der Ver­sorgung der Bretagne mit diesemKaviar" für ihre Sardinen. Wie Mr. Hugh Bl. Smith, Kommissar des Fischei eibureaus zu Washington mitteilt, werben im Jahr durchschnittlich 40000 bis 50000 Fässer gesalzenen Rogens eingeführt, die den Bretonen ungefähr die Summe von 1 400 000 Mark kosten. Die Versuche, französische Kabeljaufischer zu bewegen, diesen unentbebrlidjen Köber für ihre Lanbsleute selbst zu beschaffen unb zu präparieren (j. B. in Neufunblanb, Island uitv.j sind mißlungen, obwohl die Regierung schon im Jahre 1816 solchen Fischern namhafte Prämien zugesichert hatte. So ist beim bie bretonische Sardinenfischerei vom Ausland nicht weniger abhängig als von bet Sarbine selbst, ihrem Er­scheinen ober Ausbleiben. Denn wenn es bet norwegischen Regie­rung einfiete, bie Ausfuhr von Kabeljaurogeii zu verbieten, so wäre bas für bie Bretagne ein furchtbarer Schlag. Daß in der Sarbinenfischerei ohne genügende passende Lockspeise auf einen wirk­lichen Erfolg nicht zu rechnen ist, das lehren jene Jahre, in denen wohl die Sardine in überreichen Blassen austritt, der Fischrogen dagegen knapp ist. In solchen Zeiten erzielt der Kabeljaurogen natürlich hohe Preise; es ist sogar schon vorgekommen, daß240 Mk. für ein Faß gezahlt wurden. Ter bretonische Sardinenfischer muß also jährlich em schönes Stück Geld ins Meer werfen, um des er­lesenen Leckerbissens habhaft zu iverden. in dessen Wertschätzung wohl alle Völker einig sind. Das Jnsmeerwerfen des Rogeiis besorgt übrigens immer der Kapitän des Fischerbootes selbst. Auf einer kleinen Plattform am Hinterteil des Schisses stehend, verfolgt er bie Bewegungen der Sardinen und lockt sie mit dem ausgestreuten Rogen geschickt in die Netze, bie nach feinen Befehlen birigiert werden. Tas Handhaben der Netze ist nicht leicht; geschieht es nicht kunstgerecht, b. h. möglichst unauffällig, so geht die Sardine nicht hinein. Um die Netze int Wasser unauffällig zu machen (auch um sie zu konservieren), hat man sie mit einer Aniluvarbe leuchend blaugrün gefärbt; werden bie in den Häfen zum Trocknen auf­gehangen, so gibt das einen malerischen Effekt, den die zahlreich nach der Bretagne strömenden Künstler immer wieder gern ausbeuten.

* Grob. Dichter:Was halten Sie von dem Buche, welches ich Ihnen neulich zurDurchsicht gab?" Redakteur z ,Zch halte das ganze Werk für einen großen Druckssehler."

* Scheiden tut weh! Zuchthausdirektor:Also morgen werden Sie entlassen, Huber!" Sträfling (sentimental):Ja, zum Schlüsse kommt das Voneinandergeh'n!"

Schachaufgabe.

Schwarz.

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Weiß.

Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Ergänzungsräriels in voriger Nummer 1 Proben gibt es zwei, darinnen Sich der Mann bewähren muß: Bei der Arbeit recht Beginnen, Beim Genießen rechter Schluß.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts-Buck- und Steindcuckerei. R. Lang«, Gieß«,