Ausgabe 
12.8.1911
 
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tütfgäbe erfüllen könnten un8 lediglich einer gewissen /Ticke der Gehirnrinde es verdanken, daß sie hei den Hundertmaligen Wie­derholungen ihrer Rollen nicht verblöden, werden in der Presse litt einer Weise ausgezeichnet, wie kein anderer Künstler. Da kann inan sich freilich nicht wundern, wenn auch das Publikum hier vor tvirklichen Kunstosfenbarungen zn stehen glaubt.

Aber auch hier wird nicht die Kritik die bedeutsame Aen- derung herbeiführen, sondern das Schassen. Wir brauchen ehtc neue, echt volkstümliche Musik, die die Borzüge des heute beliebten Gassenliedes leichte Gangbarkeit und ohrenfällige Rhythmik in wirklich künstlerischer Form und in wahrhaft künstlerischem Geiste bietet. Dann wird die echte Kunst die heute herrschende Talmiware verdrängen, und unser Volk wird wieder ein echtes Volkslied besitzen; nicht historisch echt, was belanglos ist, sondern echt tu Dichtung und Musik nach Inhalt und Form.

vermischte».

* Eine Ne b e I nach t unter der M itt er nacht Z-- s o n n e. Von den prächtigen Naturschanspielen, Ivie sie die arktische Welt dem Beschauer in geradezu märchenhaften Farbenreizen bietet, gibt das vom Deutschen BerlagZhause Bong & Co. (Berlin W 57 tu 15 Lieferungen herausgegebcne reich illustrierte Prachtwerk M i t Z e p p e l i n nach S p i tz b e r g e n" ein klares Spiegel­bild. (soeben ist die 4. und 5. Lieferung erschienen, und wir greifen Geheimrat Miethes Schilderung einer Nebelnacht unter der Mitter­nachtssonne heraus, um dem Leser von dem Zauber der Arktis mit ihrem Glanz und der Tämmernis, die in schneller Folge wechseln, eine Vorstellung zu geben. Ten ganzen Nachmittag hatte dieMainz", da§ Schiff dieser Expedition, an deren Spitze Prinz Heinrich von Preußen stand und die Gras Zeppelin leitete, seinen Weg durch dichten Nebel nehmen müssen. Kaum konnte man den Schornstein des Dampfers erkennen, nur hier und da trieb ein weißlicher Eisblock im Strome vorbei, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Daum Mitternacht scheint es Heller zu werden. Im Norden leuchtet es auf und bald glänzt der Nebel dort in weißgelber, blendender Helle. Die Sonne müht sich, die niedrige Bank, die uns umlagert, zu durchbrechen; dann glänzt ihre Scheibe minutenweise wie ein silbernes Rund durch die weißglühenden Nebelmassen; Garben blendenden, glühenden Lichtes umfluten uns und ein bleichfarbiger Ncbclbogen spannt sich im Süden über die kompakten Dunstwände. Plötzlich aber reißt die Nebeldecke neben uns auf und eine sonuen'oeleiichteie Schueeflüche hoch oben taucht aus den wallenden Massen. Ebenso schnell schwindet alles, aber das Spiel wiederholt sich bald hier, bald da; die dichte Nebel­schicht über den Kingsgletscher setzt sich scharf gegen eine blaugrüne Lücke am Himmel ab und über der durchleuchteten, langsam ziehen­den Wand erscheint wie: ein Phantom die eine der drei Kronen, glühend angestrahlt. Feurig ruht das Sonnenlicht auf der schroffen Wand und blauviolette Schatten heben jede Falte, jede Kehle ihres stolzen Baues heraus. Bald deckt der Siebe! sie wieder, aber gibt da?ür eine der Nachbarschroffen im Süden frei, die umvahrschetn- lich hoch und drohend in der Luit zu schweben scheint, oder es S plötzlich ein Gletscher im Norden au?: wie eine zuckende

wihe glänzen die Eistafeln an seiner Stirn und spiegeln sich weit im ruhigen Wasser durch. Ein tvunderbares Spiel von lohen­der Glut und durchleuchteten Nebelballen, von märchenhaften Farben und blendendem Weiß, das atemraubend schnell wechselt und doch nicht mit einem dauernden Sieg der Mitternachtssoime endet." In diesem Prachtwerk, das zum ersten Male Photographien aus Spitzbergen und der Arktis in natürlichen Farben bietet, lernt der Leser die Welt des Nordens zugleich durch das Auge des wissen­schaftlichen Forschers, wie des Sportsmannes, des Jägers, wie des Natur- und Schönheitsfreundes kennen und überall findet er sein Jntereffe reich belohnt.

* Eine hübsche Rossini-Anekdote wird in italieni­schen Blättern erzählt. Rossini, der als Feinschmecker einen nicht minder großen Ruf genoß denn als Komponist, war ein Todfeind aller schlechten Köche. Eines Tages trat er in Bologna hungrig in ein Restaurant, wo er mit allen Zeichen der Ehrerbietung empfangen wurde. In die Freude über den Besuch des berühmten Gastes mischte sich freilich bei dem Wirt wie bei dem Koch ein tiefes Grauen; es war nicht leicht, Rossini zufrieden zu stellen. Guten Morgen, Freund, ich habe Hunger, also schnell." Es bauert nicht lange und der Meister sitzt bei seinem Frühstück. Er ißt, ohne ein Wort zu sagen, ohne einen Schluck zu trinken ein schlimmes, unheilverkündendes Zeichen! Bald ist er fertig und der Kellner eilt herbei, reicht ihm Hut und Stock.DankeUnd plötzlich bricht Rossini in ein verzweifeltes Schluchzen aus. Meister, tvas ist denn?!Komm her, teurer Freund, umarme mich!"Nie würde ich das wagen."Umarme mich, sage ich dir," wiederholt der Meister schluchzend.Ja, aber ivaS ist denn?" Wehe, wehe!"Ja. .. aber warum umarmen Sie mich denn?" Warum? Und das fragst du noch?! Wir beide werden uns nie" wiedersehen!"

* Gottesurteile in Afrika. Die Rechtspflege der Neger in Afrika kennt vielfach Einrichtungen, die durchaus'an die Gottesurteile des Mittelalters erinnern. Das wichtigste Beweis­mittel gegen einen Verdächtigen ist, wie dieRivista italiana di

Sociologia ausführt, die Anstellung einer Probe, die mit Gift, mit siedendem Wasser ober Oel vorgenommen wird, fe nach der Art des Verbrechens. In der Gegend von Atsara läßt der Zauberer, um einen Diebstahl zu entdecken, einen Wassereimer füllen, spricht darüber seine Veschwörungsformelit und zwingt alle Verdächtigen, nachdem er einen Pferdeschwanz in daS Wasser ge­worfen, sich damit zu waschen: den Unschuldigen wird fein Leid widerfahren, aber der Schuldige wird einen furchtbaren Schmerz an den Augen verspüren, die ihm dick anschwelleit ,verden. Ein ähnlicher Brauch ist bei den Eingeborenen der S k l a v e n k ü st e iit Uebung. Statt des Wassers tvird hier jedoch Gift verwendet. Wenn der Angeklagte den Trank tuieber von sich gibt, so ist er unschuldig; wirkt dagegen das Gift auf ihn, so hat er das Ver­brechen begangen. Handelt es sich um ein weniger schweres Ver­gehen, so braucht er das Gift nicht zu trinken, sondern es werden ihm damit die Augen eingeschmiert. Der Schuldige wird durch dieses Giftivasser blind tueröen, während es dem Unschuldige» nichts anhaben_ wird. In Poruba bereitet der Zauberer einen Kräuteraufguß, in den ein Pfefferkorn getan wird. Wieder tverbett die Augen mit der Flüssigkeit bestrichen,. und füllen sie sich mit Tränen, so ist der Schuldige entdeckt. In Benia streut man eine bestimmte Zahl Pfefferkörner auf die Erde und zivingt den An­geklagten, sie mit dem Munde auszulesen. Läßt er auch nur ein Korn liegen, so ist sein Urteil gesprochen.

. * Töttristendiät. In einem lehrreichen Aufsatz unter! dieser Ueberschrift in der HalbmonatsschriftDie Lebenskunst"' schreibt Ingenieur Bruno Lehmann in Wiesbaden u. a.:Noch verschieden sind die Ansichten über die Diät, welche, ans Wan- derungen am vorteilhaftesten ist. Soviel steht fest, daß der Tourist durch reichliche Zufuhr von Eiweiß ttitb Alkohol seine körperliche Leistnngsfähigkeit nicht steigertr kann. . . Unmist ist öfteres Trinken, weil man nur noch durstiger danach wird. Verwässerte, aufgeschwemmte Menschen sind nie ausdauernd, wohl aber trockene Körper. >,Corpora sicca durant" (Trockene Körper sind aus­dauernd) sagt schon ein altes medizinisches Sprichwort. Bei der von mir ans allen Touren bevorzugten Trockendiät erhalte ich über Wa Liter in den Speisen befindliche Flüssigkeit. Diese genügt mir, so daß ich während des Marsches nidjt mehr zu trtttfert brauche , Wer eventuell sich einstellendes Durstgefühl nicht überwinden kann, trinke etwas Milch oder frisches Wasser; aber kein Mineralwasser! Streng Hu meiden ist Alkohol in jedest Form. Denn diese von Sanerstosf völlig getrennte Kohlenwasser-, stoss-Verbindmtg bewirkt durch rasche Verbrennung int Körper Verlust an Sauerstoff und dementsprechend Verlust an M rast. Bei Pflanzenkost wird trotz reger Körperbewegung geringe Flüssig- keitszusuhv niemals schaden. Das beweisen uns die sehnigen! Araberstämme, deren einfache Mahlzeiten und geringes Bedürfnis ztl trinken bekannt sind. . . Außer durch reizlose Kost kann man noch durch Tragen poröser Leibwäsche und leichter, zweck­mäßiger Tourenkleidung das Durstgefühl bedeutend herabsetzen." Mag man auch nicht iit allen Einzelheiten mit dem Verfassest gehen, so verdienen diese, tvie er selbst bemerkt, auf etwa sechzehn­jährige praktische Erfahrung und gewissenhafte Beobachtung sich' stützenden Ausführungen doch für alle Fälle weitgehende Beachtung.!

, * Rat. Nachtschwarnker (singt lärmend). Gute Nacht, dst »teilt herziges Kind!" Nachtwächter:Na, Männeken, utt halten Sie aber hübsch Ruhe, damit dasherzige Kind" »ich "wieder ns sw acht."

* Berechtigter Zweifel. Besucher:Warum denn so aufgeregt, lieber Herr Förster?" Förster:Ach, ich habe, meinest Wirtschafterin einmal ordentlich die Wahrheit gesagt!" h- Be­sucher:Bringen Sie ja gar nicht fertig!"

DiamanttMse!.

Auflösung

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaaaaccc g h h h 1 in m p p r r r s s t u a derart einzutragen, daß die ivagerechteu Reihen folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben.

S. Geographische Bezeichnung.

3 Ein Hausgerät.

4, Dramatischen Dichter.

5. Ein Gewicht.

6. Ungarischen Ort.

7. Einen Buchstaben.

Die senkrechte und ivagerechte Mittel- reihe ergeben das Gleiche.

in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Tr-etecks in voriger Nummer-i

HOFER

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Redaktion.' K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der BrÄhk'schm UniversitStz-Buch- und Steinbr»ckrnf> R. Langh Meß«»