Ausgabe 
12.8.1911
 
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Das nette Mädel.

. Pfeife wieder an, setzte sich und versank in Sinnen. Er? überschlug sein Leben.

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Roman von Fedor von ZobeltiK

(Nachdruck Verbote)«,)

(Fortsetzung.)

Kruse nahrn ihre Hand. So ernst mochte ihn selten jemand gesehen haben. Es lag etwas Marmornes in seinen Minen: eine steinerne Ruhe, aus der Schwerkraft eines selsenharten Entschlusses geboren.

Er hielt die Hand Trautes fest, indes er langsamer weiter sprach:

Mein Freund von damals spielte sich gern auf den Eroberer auf. Nietzschesche Moral war ihm Evangelium. Von alle«« Stimmungen gab er nur der roher Größe Ge­währ: von allen Empfindungen nur der der Kraft. Jedes Bubenstück entschuldigte er, wenn es über de,r Augenblick hinaus ihm die Dauer amouröser Erinnerung vergönnte. Er hatte sich auch ein Schlagwort geschaffen für die Opfer keiner Eskapaden und prahlte gern damit: er nanute es das Beuterecht. Aber derzeit kam es ihm teuer zu stehen. Nicht im physischen Sinne. Meine Seele sprang auf die Wahlstatt und focht eineir Zweikampf aus mit der seinen, ilnd ich kann Ihnen sagen: die seine trug blutige Wunden davon. Es «vor eine heiße Empörung, die mir die Klinge führte . . . Darüber sind Jahre vergangen. Die Esche über dem Grabe Trudes es ist ein Doppelgrab sicht schon hoch; damals war sie noch jung. Und auch der Freund ist älter geworden. Aber als ich ihn letzthin lvieder- sah, glimmte etwas in seinem Ange, das mir nicht gefiel. Und nun sollen Sie auch den Namen des Freundes wissen: er heißt Eoerstedt."

Er fühlte «vohl das Zucke,: in der Hand Trautes, denn er drückte sie noch fester.

Ein Schlußwort," sagte er.Sie haben die Frage frei, warum ich Ihnen Dinge erzähle, über die Gras ge­wachsen ist; die vielleicht auch bereut sind. Es geschieht nicht aus Haß gegen den glücklicheren Nebenbuhler; gus keiner Niedrigkeit. Sondern nur aus Liebe zu Ihnen."

Jetzt trat wieder ein freundliches Licht in sein Auge. Er strich zärtlich über ihre Schulter, mit sanfter Bewegung. ?,Uttb nun addio. Traute. For ever."

Sie taumelte hinaus. Er sah ihr »ach, auch noch aus dem Fenster. Dann trat er vor sein Bild, das ihm ver­leidet war, und nahm auch von dem Bilde Abschied. Er griff nach dem Farbeumesfer und stieß es in die Leinewand und zerschlitzte sie. Die Fetzen schlugen nach rechts und links auseinander.

Aeh!" sagte er. Es ivar ein T'o«« unsäglichen Wider­willens.

Er schleuderte das Messer fort und warf ein grünes Much über die Staffelei. Daun zündete er die ausgegaugene

Trante wußte nicht recht, wie es gekommen war, daß ie plötzlich in der Dampfbahn saß. Aber des Nachher entsann sie sich. Sie ivar vom Stadtbahnhofe aus «icht gradenwegs nach Hause gegangen, sondern hatte sich ver­laufen. Das war ihr noch nie passiert. Sie war in eine« Stadtteil geraten, den sie gar nicht kannte: in dem, kleine Häuser schmale Gassen bildeten, deren Pflaster holprig und äusgefahren war, urid die von zahlreichen dünnen Kanälen gekreuzt wurden. Die Häuserchen «raren teilweise noch mit Schindeln gedeckt, in den niedrigen Fenstern schillerte das Glas in allen Farben. Traute irrte umher und sah sich mit Verwunderung in einer Straße, die überhaupt nicht gepflastert ivar. Kinder spielten int Sande, Federvieh trieb sich umher: es war wie in einem Dorfe. Endlich fragte sie eine alte rotäugige Frau, die einen Topf im Arme trug, wo sie sich befinde, und ein Schauer überlief sie, als sie hörte, sie sei in der Ostrauer Vorstadt.

Und nun war sie daheim und fand in der^ Eßstube eine Familienversammlung: Vater und Mutter, Friedrich und Klothilde. Es hatte den Anschein, als sei eine, große Beratung vorüber. Sie faße«« um den Speisetisch, und alle blickten auf, als Traute eintrat. Köhler sah sehr vergnüglich aus und nickte seiner Tochter mit einer Grimasse des Schmun­zelns zu. Auch über die Fettpolster im Gesicht der Mutter glitt eilt Licht freundlichen Wohlgefallens. Friedrich hatte sein Notizbuch vor sich: er mochte gerechnet haben, den Blei­stift hielt er noch in der Hand. Feindselig wie immer war der empfangende Blick Klothildes.

Die ist ja so blaß!" rief sie, ohne den Gruß Trautes zu erwidern.

Aber Köhler hatte sich schon erhoben. Warum sollte die Traute nicht blaß sein? Das ist die Farbe einer jungen Braut: aber gebt acht, gleich wird sie rot werden!

Na, Trautcheu," sagte der Alte und küßte sein Kind, Tonnen wir dir gratulieren?"

Nun errötete sie wirklich. Schivach nur, aber es kam doch Farbe in ihre Wangen.

Gratulieren?" wiederholte sie.Wozu?"

Am liebsten hätte sie auf der Stelle kehrt gemacht r«nd wäre wieder davougejagt. . r ,,

Traute, nun hab dick; ntan utclst/ rtcf die Mutter uitd wuchtete sich gleichfalls in die Höhe.Er wird dir za alles gesagt haben. Er hat ganz verftäudtg gesprochen: daß er dich auf Händen tragen «volle und der das Leben verschönern werde und so. Er ist ein recht gebildeter Mann und gefällt mir besser, als ich gedacht hätte."

Daß er Teilt Vermögen hat," sagte Friedrich,schadet tit diesem Falle weniger, da sein Gehalt nach vier, Jahren schon auf sechzehntauseUd Mark steigt. Das, i|t titel Geld für heutige Zeitverhältnisse. Und das Leben «n dem klemen russischen Neste stellt fcuie Ansprüche, Ich habe berechne^