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AmerikanischeAerziebildung".

Die Beschwerden über die an gewissen amerikanischen Uni­versitäten herrschenden Praktiken, die ihren Studenten ein ärzt­liches Diplom ausstellen, ohne daß die jungen Lenke auch nur in den untersten Fächern der Heilkunde ousrerchende llnteriver- fungen empfangen haben, wachsen sich immer mehr zu eurem Skandal aus,, der die öffentliche Meinung lerdeuschastüch erregp

Es gibt in den Vereinigten Staaten eine ganze Reche von medizinischen Schulen"/ die ihre Zöglinge nach kurzem Kursus Md nach einer oberflächlichen Prüfung, dre nur bte Karrkatuch einer Prüfung ist, als völlig misgebildete Aerzte entlassen. In diesen Schulen oder Privatuniversitäten wird mit eurer Sorg­losigkeit gearbeitet, von der Außenstehende sich kanut einen Begrrff machen können, und das Ergebnis ist nicht nur eine Ueberproduktiorr von Aerzten in Amerika, sondern vor allem eine Züchtung eurer Armee von Heilkünstlern, die in ihrem Fache weder Kennturssü noch Erfahrungen besitzen. Schorr mehrfach ist auf diese Mißstände hiugewiesen worden: nun aber hat ein angesehener Gelehrter von Unbestreitbarer Sachkenntnis, der Pathologieprofessor Flexner von der Universität in Philadelphia, unter dem Titel »Medrcal Chaos" ein Werk veröffentlicht, das in der Tat dem amerikanischen Universitätsbetrieb und dieser Züchtung schlechter Aerzte ein ver­nichtendes Zeugnis ausstellt. Prof. Flexner muß zugeben, daß die amerikanischen Aerzte im allgemeinen den Vergleich mit ihren ausländischen Berufsgenossen nicht aufnehmen können, ja,jeder Vergleich muß uns erröten lassen". Diese Minderwertigkeit der amerikanischen Heilkünstler wird ohne weiteres begreiflich, wenn Mair näheres über die Verhältnisse in den typischen amerikanischen Aerzteschulen erfährt. In deutJenner Medical College" von Chicago beschränkt sich z. B. der Kurs in Anatomie auf einige kurze Vorträge, in bmn vor einem meist halb leeren Hörsaal irgend eine Theorie vorgesprochen und dann von den Schülern wieder­holt wird. Das ganze College ist nichts anderes als ein reines jGeschäftsunternehmen, das davon lebt, ärztliche Diplome zu ver­kaufen. Das chemische Laboratorium desGeorgia College" in Atlanta besteht aus einigen alten Tischen, morschen Stühlen und einigen Dutzend stets sorgsam verschlossener Flaschen: dieses be­rühmteLaboratorium" hat nicht einmal Kanalisation, ja sogar keine Wasserleitung. Die Versuchsanstalt für Gewebelehre und Pathologie besitzt alles in allem drei alte, kaum noch brauchbare Vergrößerungsgläser, und im Saale für Geburtshilfeoperiert" man an alten, aus Lumpen gefertigten Puppen. Diese wenigen Beispiele erfahren eine Ergänzung durch den Bericht des be­kannten Chirurgen Prof. Dr. Arthur Revan von der Universität Chicago, der infolge der vielen Beschwerden den amtlichen Auf- trag erhielt, einen wahrheitsgetreuen Bericht über die medizinischen Schulen der Vereinigten Staaten auszuarbeiten. Der Gelehrte jurteilt wörtlich:Ich möchte, daß alle Zeugen würden jene« Unwürdigen Komödie, die man anstelle des Lehrens und Stirdie- reus betreibt: keine Schüler, die arbeiten, keine Lehrer, die Umstände wären, anderen Unterweisungen zu geben: Vorträge, die zum Lachen reizen und nur völlig ungebildeten Schülern genügen können." Aber das Schlimme ist, daß das Sündeir- register des privaten amerikanischen Universitätenbetriebes keines­wegs Mit der Mißwirtschaft in einigen ärztlichen Schulen er­schöpft ist: auch an den großen Universitäten Amerikas leidet das medizinische Studium an erstaunlichen und in ihrer Folgenschwere kaum übersehbaren Mängeln. In Darmouth gibt es z. Ä. kein Laboratorium, ja die berühmte Harvard-Universität weist dieselbe Lüche auf, in Syvacuse, wo 1800 angehende Mediziner studieren, besitzt man überhaupt kein gynäkologischjeZ Material, und in anderen Universitäten sind alle Hilfsmittel für das medizinische Studium desorganisiert, ja es fehlen sogar Bibliotheken.

Wie wenig Systent in der Gestaltung des medizinischen Stu­diums in Amerika liegt, zeigt ein Vergleich zwischen der Arbeits­zeit, die an verschiedenen medizinischen Lehranstalten den einzelnen Fächern gewidmet ist. Während an der einen Universität der allgemeinen Chirurgie 2221 Stunden gewidmet sind, begnügt sich eine andere mit 70; hier mutet eine Universität ihren Zöglingen 6116 Stunden pathologischen Studiums zu, eine andere bescheidet sich mit 48. Die der Physiologie gewidmete Zeit schwankt zwischen .750 und 46 Stunden, die Chemie zwischen 756 und 78, die Bakteriologie zwischen 660 und 30 und die medizinische Rechts­wissenschaft sogar zwischen 775 und 0.

VeNMßschtes.

* Seltsame Schlafzimmer. Mit dem Wandel der Mode in der Ausstattung unserer Süstafgemächer beschäftigt sich ein fesselnder Aussatz einer englischen Zeitschrift, der zugleich von einigen Schlafzimmern erzählt, in denen manche gewöhnliche Sterbliche wohl nur ungern Ruhe und Schlummer suchen würden. In Liverpool lebt eine fromme alte Dame, ein Fräulein, das sich daS seltsame Vergnügen gemacht hat, die Wände ihres Schlas- gemaches über und über mit den Todesanzeigen ihrer Freundinnen und Verwandten zu tapezieren. Gegenüber dem Bette steht auf einer Kommode eine kuriose alte Uhr nebenbei ein Meisterwerk der Mechanik ans der bei Abschluß jeder Stunde ein Leichenzug

hervortritt, langsam und stumm das Gehäuse umkreist und dann wieder im Innern der Uhr verschwindet. Zu gleicher Zeit ertönt das helle Läuten eines kleinen, schrillen Glöckleins, das an den Ton einer Armensünderglocke gemahnt. Weniger düster ist die Phantasie eines wohlhabenden'Schotten, eines Sonderlings, der fein altmodisches Bett mit holzgeschnitzten Engelsfignren geschmückt hat. Die Wände des Schlafgemaches sind mit fettgedruckten großen Bibelsprüchen bekleidet und dem Bette gegenüber hängen eine Reihe phantastischer Gemälde, die angeblich das Schauspiel des jüngsten Gerichts veranschaulichen. Am unheimlichsten aber sind wohl die Stätten, an denen die Angehörigen des Klosters vom heiligen Gesicht in Montreal Schlummer suchen. Das Kloster zählt 14 Nonnen, die in kleinen, getrennten Zellen schlafen. Das einzige Mobiliar dieser Zellen besteht aus einem leeren schwarzen Sarg. Zur Schlafenszeit hüllt sich jede Nonne in ein Nachtgewand, dessen Vorderteil blutrot gefärbt ist; in der Brnstgegend ist auf das Ge­wand das Antlitz des Heilands gemalt. Ein großer, ebenfalls blut­roter Schleier vervollständigt diese merkwürdige nächtliche Toilette, in der die frommen Schwestern dann im Sarge Schlaf suchen, ohne Kissen und ohne Decke, auf dem nackten Holze des Toten­schreines ruhend.

* Der Harem füllt sich. Vor einigen Monaten gingen durch die Straßen in der Nähe des kaiserlichen Winterpalastes zu Peking vierzig bis fünfzig chinesische zweiräderige Karren, die mit etwa hundert kleinen chinesischen Mädchen angefüllt waren. Das war eine Auswahlsendung vonDienerinnen" für den kaiser­lichen Hof. Die Kleinen stammen durchweg aus den Familien der Wai-Pa-chi, der in Peking wohnenden Bannerleute der acht äußeren Banner, lieber ihr Schicksal entwirft der Pekinger Korrespondent desOstasiatischen Lloyd" eine interessante Schilderung. In jedem Frühjahre kommt ungefähr dieselbe Zahl kleiner Dienerinnen vor dem Winterpalast an. Die Auswahl geht bann so vor sich, baß die Schar der niedlich anfgeputzten Kleinen zunächst vor das Forum der Kaiserin-Witwe Lung-M, der Adoptivmutter des jetzigen Kaisers, gebrackst wird und diese dann fünf der hübschesten und besten für ihr Haus und ihre Hofhaltung aussucht. Vor ihr auf dem Tische liegen Täfelchen mit dem Namen und Stand des Vaters der Kleinen. Tie Kaiserin-Witwe suchte dann ans diesen Täfelchen eins nach dem anderen aus und die Kleine wird auf- gerben. Entspricht ihr Aussehen nicht der Erwartung, so wird sie ausgeschieden und die nächste kommt heran, bis die Zahl fünf er­reicht ist. Diese Geduldsprobe müssen die kleinen Mädchen nun fünf» bis sechsmal durchmachen vor der Kaiserin-Witwe, den Neben- srauen des Kaisers Tung-Chih und denen des Kaisers Kuang-Hsü; die Mädchen, die vor den Augen ihrer hohen Herrinnen Gnade gefunden haben, von denen manche in ihrer Jugend diese Prozedur selbst hat durchmachen müssen, bleiben verschüchtert und ängstlich zurück, die häßlichen, froh, daß die Natur sie so geschaffen hat, ziehen heim, vergnügt, daß sie demgoldenen Käsig" entgangen sind. An sich ist das Los der Zurückbleibenden gar nicht so übel. Sie bekommen zwar für die Zeit der zehn Jahre, die sie altem Herkommen gemäß alsPalastdienerimien" in der Verbotenen Stadt verbringen müssen, kein Gehalt; aber sie werden nach 21b- lans der Zeit in der Regel mit einer so reichlichen Aussteuer und so kostbaren Geschenken versehen, daß ihre Eltern sie bann sehr leicht au den Mann bringen können. Manche haben vielleicht auch einmal das Glück, kaiserliche Nedenfrau zu werden, wenn sich auch die Aussichten in dieser Hinsicht sehr verschlechtert haben. Im Großen und Ganzen schützen die Eltern der armen Kleinen, beson­ders in der jetzigen Zeit, die Ehre nicht allzu hoch ein, ihre Kinder alsPalastdienerinnen" herzugeben, und in letzter Zeit hat sich die Sitte von selbst ergeben, daß heimlich Stellvertreterinnen zu diesem Zwecke gemietet werden, die für Entgelt dann gerne über sich er­gehen lassen, wozu sich ehrliche Mädchen nicht gerne hergeben. Es wäre an der Zeit, daß mit dem Eunuchen- auch das Palastdirnen- wesen in der Verbotenen Stabt lieber heute als morgen endlich aufgeräumt würde.

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Auflösung in nächster Nummer,

Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Wenn Gnade Ai ö r d e r s ch o n t, verübt sie Mord.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langs, Gieße»