Ausgabe 
12.6.1911
 
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iprincipes Ucümriae tnortale haben!, hie deponnnt lvn§ an den bayrischen Fürsten sterblich ist, liegt hier zur Ruhe gebettet. Das Unsterbliche aber umschließen die düsteren Wände nicht, und unsterblich wird der Name Ludwigs II. in der Geschichte fortleben.

Sollet? unsere Mnder Taschengeld crhalten?^

Soll daZ Kind überhaupt sparen? Ist nicht die Sorge um! den kommenden Tag .unkindlich? Muß das Kind nicht bei­zeiten den Wert des Geldes kennen lernen? Soll es nicht zum vernünftige» Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben angchalten werden? Kann ein Kind, dem jeder Groschen mit vorgeschriebener Reiseroute und Bestimmungsziveck eingehändigt wird, jemals zu. Selbständigkeit und wirtschaftlicher Disposition über seine Mittel gelangen? Ist nicht dies Betteln um die Pfennige für kleine Bedürfnisse erniedrigend für das Kind, ermüdend und lästig für die Eltern? Andererseits welcher Mutter sind die Gefahren des Taschengeldes unbekannt geblieben, das nun einmal unrett­bar dem Verhängnis der Zeitwörter mitHer»" verfallen zu sein scheint: verlieren und vernaschen, verschwenden und ver­borgen, verschenken und verposainentieren, von verrauchen, vertrinken, verspielen ganz ä» schweigen! Und kontrolliert man wieder welche Fülle von Unannehmlichkeiten,^Träneir, Aerger für Kind und Eltern! Lauert nicht hart neben dem Ausgabc- büchlein die Ungenauigkeit, ja die Unwahrheit und Lüge?

Und doch, wir dürfen unsere Kinder nicht aufwachsen lassen als Burger einer Welt, in derGeld keine Rolle spielt", sondern es ist höchste Elternpflicht, bem Kinde in dem Umgang mit dem gefährlichsten Feinde und Freunde des Kulturmenschen beizu- stehen und timt zum richtigen Verhältnis zu Gott Mammon zn helfen.

Betin Spiel einem rechten Kind ist nichts so ernst wie sein Spiel soll die Erziehung anfangen. Peinlichste Ehrlich­keit sei dabei Grundbedingung. Das Kind ist ein Fanatiker der Gerechtigkeit; es verzeiht Lieblosigkeit eher als Ungerechtigkeit. >,Nein, daS gilt nicht! Mit dir ist kein Spiel!" schallt es dem Unüberlegten Spaßmacher entgegen, der durch augenfälligesMo­geln" den Reiz des Gesellschaftsspiels erhöhen zu können wähnt. Zeige mir, iuie du mit deinen Spielmarken umgehst und ich will dir sagen, ob sch dich später zum Bankier haben möchte." Eine sorgsame Mutter erkennt an der Art, toie Gewinit und Verlust verschieden von den einzelnen Kindern getragen werden, die Gefahren und Klippen, die es zu umsteuern gelten tvird, weint es sich einmal nicht nur um Blech- oder Pappstückchen handeln wird.

Wirkliches Geld gehört nie ins Spiel. Weder als Tausch- initrel, noch gar als Einsatz!. Mit dein Satz:Geld ist geronnene Arbeit!" muß man die Ehrfurcht vor dem Geld bei denk Kinde begründen.Die Hand davon! Es klebt Schweiß daran!" mag als ethisch-äMetische Mahnung dienen. Nicht die Genüsse, die damit zu Saufen sind, sondern die Mühen und Eut- behrungen, die mit seinem Erwerb verbunden toareu, sollten zuerst in den kindlichen Gesichtskreis treten. Davon, >vie zuerst das Kind das Geld sah, hängt mehr ab, als man glaubt. Hier liegt eilte der Ursachen, warum der Sprößling armer Eltern in der Regel besser mit Geld wirtschaften lernt, als der im Ueberfluß Ausgewachsene. Das Mädchen das zuerst fragt: Was kann ich mir damit kaufen? wird schwerlich eine gute Hauswirtin, wohl über, wer sich erkundigt: Ist das viel? Muß man dazu langg (arbeiten?

Den konventionellen Münzwert, die Kaufkraft des Geldes, wird das Kind zumeist schon vor dem schulpflichtigen Alter an der Hand der Mutter bei ihren Einkäufen lernen. Es lernt aber noch mehr dabei, nämlich das Wie des Geldausgebens. Die ängst- liche Art, die um jeden Pfennig feilscht, ebenso wie das bequeme Aus-dem-Vollen-Wirtschaften, das Sich-schwer-Treunen wie die lustige Unbekümmertheit. Dergleicknm färbt ab.

Wenn nun. das Kind praktische Geldwirtschaft erlernen soll, so muß der Lehrer und selbst Vater und Mutter ausgeschlossen werden. Was kamt das Kind dabei lernen, wenn es seine Groschen seinem Bankier abliefert?

Ueberwachung und Kontrolle sollen ausgeschlossen sein, und doch soll die Selbstverwaltung des Kindes von den Erziehern im Auge behalten werden daß der Geleitete nicht die geheimen Fäden spürt, die ihn lenken, scheinbar nichts und doch alles sehen.

Ja, das sind wunderschöne Theorien," meint da vielleicht imamche (Mutter,aber wie fängt man das praktisch am?"

Ein jedes Kind, das regelmäßig wiederkehrende kleine Aus­gaben hat, sei es nun der Groschen für die elektrische Bahn, für Hefte nsw., ist reif für ein Taschengeld. Und sollten solche Aus­gaben wie z. B. auf den: Lande sich nicht ohne weiteres bieten, bann tut mau wohl, sie zu schaffen, indem man dem Kinde ein eigenes Ressort überträgt, etwa für Mädchen die Be­schaffung und Erneuerung der ewig verloren gegangenen Zopf- . minder oder Handschuhe, für Knaben die der Hosenträger oder Schuhsenkel, der Murmeln oder Bälle und dergleichen. Als Termin

*) Aus:Ernste Antworten auf Kinderfragen" von Rudolph Penztg. Verlag: F. Dümmler-Berlin.

empfiehlt sich der Monat; die Woche ist zu kurz. Das Fixum! sei nach der Erfahrung genügend bemessen, Nachtragsforderungen! werden mit eiserner Festigkeit abgelehnt. Extraeinnahmen, sowie Ersparnisse bleiben zu freier Verfügung.

Tas Einnahme- und Ausgabeheft werbe wie das Portemonnaie einfach ebenso selbstverständlich als notwendig hingestellt, und man erbiete sich zu freundlicher Hilfe, niemsals als Revisor und Kontrolleur. Das Kind wird gern, schon um der Neuheit des Gegenstandes und der Nachahmung der Erwachsenen willen, die Einrichtung eines Kassabuches begrüßen und nach wenigen Wochen oder Monaten vernachlässigen, es müßte denn ein ge­borener künftiger Rechniingsrat fein. Die Mutter sieht alles und sieht doch nichts bis zum nächsten Ersten. Da heißt es: O weh! deine Kasse hat ja ein Loch viele Löcher! Kornist rasch, wir wollen versuchen, aus dem' Gedächtnis zu flicken." Das wird sich ohne Zweifel noch manchmal wiederholen aber wenn die Mutter daran festhält, Helferin, nicht Richterin zu sein, dann müßte es doch wunderbar zugehen, sollte nicht endlich liebevolle Geduld über Leichtsinn und Zerfahrenheit den Sieg davvntvagen.

Endlich klappt der Mechanismus; die genaue Buchführung ist liebe Gewohnheit geworden; man schreibt an, wie man sich des Abeitds die Zähne.putzt; ein ganz gelegentlicher Seitenblick der Eltern genügt. Regieren aber heißt vorhersehen. Es kann eine Zeit kommen, wo das Kassabuch nicht mehr sorglos umherliegt, sondern eittgeschlossen wird, wo bedenkliche Verlegenheitsposten! auftauchen könnten. Schon früher war es nicht immer ganz leickst, diesen oder jenen Ausgabeposten so nackt Iinzuschreiben:für Bonbons, für Karussellfahren, einmal Kuchen mit Schlagsahne" undsoweiter. Kluge Eltern bauen also vor.

Möglichst früh schon wirft die Mutter einmal hin:Weißt du, solche Posten sehen eigentlich nicht.hübsch aus. Wir wollen dafür ein für allemal einen Sammelnamen schaffen; sagen wir für Unnüjjes" oder:verpulvert",verquackelt" usw. Ich weiß ja, daß ment liebes Kind ihn nicht allzuoft brauchen wird". Damit ist ein Ventil geöffnet. Vor allein wird die Versuchung zu klein­licher Lüge oder Unwahrheit gemindert. Der immerhin etwas! anstößige Titel wird ein normal empfindendes Kind vor der eigenen Beschämung bewahren, größere Ziffern hinter das ominöse Wort schreiben zu müssen. Ein Anschwellen dieses Postens aber würde auch den Eltern ein Warnungssignal fein, .unmerklich die Ver-e gnügungen der jungen Herrschaften etwas zu beobachten. Nur verlange man nicht das Unmögliche von einem simplen Kässabüch- lein, etwa daß feine Existenz allein ein vergnügungs- oder putz- süchtiges Mädchen, einen Knaben mit verfrühten Studentengewohn­heiten von Ausschreitungen zurückhalte! Wer duldet, daß sich seine Kinder an die verschiedensten Nerveurcizungen, nicht nur Tabak und Alkohol, sondern auchKiuderbülle", Theater- und Konzcrt- besuche, Toilettenluxus usw., gewöhnen, für den ist diese Haus­mittelpädagogik ungeschrieben.

humoristisches.

* B er schn ap Pt. Sie (bei Antritt einer Besuchs reise)t Lieber Adular, du wirst doch hoffentlich keinen Augenblick ver­gessen, daß du verheiratet bist?" Er:Aber Agathe, ich denke ja immer mit Schrecken daran!"

* Boshaft.Wie sind Sie beim eigentlich zu Ihrer Frau gekommen, Herr Lämmchen?"Sie fiel als Mädchen in dis Elbe; ich zog sie heraus und trug sie ans Ufer."Da waren! Sie sich jedenfalls der Tragweite Ihrer Handlung nicht bewußt!"

* Ein Gemütsmensch. Fräulein:Würden Sie je be$ Geldes wegen heiraten?" Herr:Wieviel haben Sie beim?"

* Schmeichelhaft.. Herr: ,.Gnädigste haben sich groß­artige konserviert, Sie sehen beinahe so jung aus wie Ihre Tochter!" Dame:Ich bin ja die Tochter!"

BUderratse!.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Tauschrctisels in voriger Nummert .lkagd Ajdje - Nüchel Eier Segen - Webet Ast Teilet Topi;

James Watt.

Redaktion : I. B.: E. Heß. Rotationsdruck und Vertag bet B t ii hl'scheu Universitäts-Buch- und Steindrucketei, R. Lange, Gießen.