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Wenn laber zu viele Missetäter in Ker Masse waren, so Wurde ohne Wahl auf Prügel erkannt. Da der kränkliche Lehrer Aber wohl nicht alle einzeln durchprügeln konnte, so wurde bte Mprügelung systematisch in -er Weise vorgenommen,, daß alle Straffälligen, mit Haselstöcken bewaffnet, rittlings hinter em- iartber in gewissem Abstande auf eine Bank gesetzt wurden und Mm auf Kommando jeder auf seinen Vordermann losschlagen! mußte. Den Rücken des letzten bearbeitete Völker eigenhändig/ meist unter beständigem Husten. 'Dabei kam es denn wohl vor, daß. der kranke Mann einen Anfall von Bluthusten bekam. Er warf dann den Stock weg und ging mit den Worten:wetzt muß ich zum Medizinalrat Balser!" fort. Die Schüler waren aber in Erfüllung ihrer Mittelpflichten so eifrig, daß sie dennoch nicht mit der Abprügelung aufhörten, sondern diese vielmehr jetzt mit besonderer Verve u,nd zu eigenem Pläsir fortsetzten.,

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Dem Gießener Theologieprofessor, Superintendenten und Oberfchulinfpektor Palmer (t 1838) wurden allerlei seltsame Examensfragen, teilweise wohl zu Unrecht, nachgesagt, die geradezu sprichwörtlich waren. So wurde auch ihm die bekannte Frage: Wer lacht über Griechenland?"Ein ewig heiterer Himmel!" zugeschrieben. Andere Fragen waren:Was tun die Fürsten von Renß?" (Sie teilen sich in drei Linien.")Wann wurde Christus geboren?" (Gerade zur rechten Zeit, wie es der Wille war seines Vaters im Himmel.")

Einmal sagte Palmer:Herr Kandidat, ich werde Ihnen zeigen, wie man katechisiereu muß. Sage, mein Kind, was war Christus?" Das Kind stockte.Nun geben Sie acht, Herr Kandidat, wie man auf Umwegen zu der richtigen Antwort gelangen muß. Sage, mein Kind, wie sieht der Schnee aus?"

Weiß!"Ganz richtig, mein Kind, fahre so fort! Und nun die Mette Frage:Was mar also Christus?"Gin Schneemann!"Nein doch, ein weiser Mann!"

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>Zn Marburg bestand in der kurhessischen Zeit vdn altersher die Einrichtung, daß die Kollegienhonorare nicht bei Annahme der Vorlesungen entrichtet, sondern nur im Laufe des Semesters irgend einmal gezahlt weichen mußten. Geschah dies jedoch bis zum Schluß des Semesters nicht, so erhielt der Betreffende Stadt­arrest, d. h. er durfte sich nicht weiter als zwei Stunden von Mar­burg entfernen. Die Folge dieser Einrichtung war natürlich, daß manche leichtsinnige Studenten den vom Vater zu Semester- beginn für Kolleggelder erhaltenen Mammon anderweitig ver­brauchten und die Vater dann beim Semesterschluß, um die Herren Söhne für die Ferien loszueisen, abermals in den Säckel greifen mußten.

War gegen einen Studenten anderer Schulden wegen bei der akademischen Behörde Anzeige erstattet und war der Studio auch nach zweimaligem Zahlungsbefehl der Behörde seinen Ver­pflichtungen nicht nachgerommen, so wurde gleichfalls Stadtarrest gegen ihn verfügt. Den Gläubigern stand es auch zu, das Universitätsabgangszeugnis des Betreffenden mit Arrest zu be­legen. Ein Student, dem dies Mißgeschick passiert war und der laus Marburg fortgehen wollte, wußte sich, wie man erzählt, auf ingeniöse Weise aus der Zwangslage zu befreien: Er lud feine sämtlichen Gläubiger zum Essen ein und ließ dabei den Wein reichlich fließen. Als alle sich dann eine fröhliche Stim- mnng angetrunken hatten, wurde ihnen ein Reviers vorgelegt, der die Freigabe des Zeugnisses zusicherte. In der Weinlaune Unterschrieben sie natürlich alle. Später sollen sie übrigens Mch alle ihr Geld bekommen haben.

Daß jemand Schulden halber das Karzer beziehen mußte, kam verhältnismäßig selten vor: Jedoch hat ein Student, der es später bis zum kurhessischen Bundestagsgesandten brachte, auf dem Schuldenkarzer seine Examensstudien gemacht: Ein Onkel von ihm hatte zur Aufmunterung seines Fleißes einige Schuld­scheine von ihm aufgekauft und ihn auf Grund dieser $u seinem eigenen Wohle einsperren lassen.

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Professor Klein, erster Lehrer des Gießener Gymnasiums etwa 1830, von feinen Schülernder alte Dachs" ge­wannt, hatte die Marotte, alle Schüler nach dem Namen der Mutter zu nennen, da die lyrische Ordnung, wie er behauptete, die einzig richtige fki. So nannte er Karl Vogt, den nachmals berühmten Naturforscher, der sein Schüler war und der dies erzählt,Follenius" und war wütend, wenn Vogt auf diese Anrede nicht sofort reagierte. Unglücklicherweife war in dieser Klasse ein Schüler Krug, dessen Mutter eine geborene Heß war, Und außerdem ein Vetter dieses, namens Heß, dessen Mutter eine geborene Krug war. Dader alte Dachs" nun nach seinem System HeßKrug" und KrugHeß" nannte, so kann man sich denken, welche Verwirrungen hierbei ost entstanden.

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Der Professor C. Eduard Bresemer (1802 bis 1874) am Friedrich-Wilhelin-Gynruasium in Berlin war ein tüchtiger und ob seiner Strenge sehr gefürchteter Lehrer. Periodenweise trat bei ihm jedoch hochgradige Zerstreutheit auf, und in solchen Perioden, die oft nur in wochenlangen Abständen vorkalmen.

machte Bresemer die ergötzlichsten Unfreiwilligsten Witze:Bre- Raben", wie die Schüler sagten. So fragte er einst zwei Schüler/ die »Brüder waren:Sie sind Zwillinge?"Ja."Wo sind Sie geboren?"In Berlin."Und Sie?" , wandt'« er sich nun zu dem anderen Zwilling.>Auch in Berlin, Herr! Professor", (allgemeines Gekicher).

Einen anderen Schüler fragte Br.1Was ist Ihr Baker?" Der ist tot; er war Besitzer einer Mineralwasseranstalt."s So schreiben Sie," sagte Br. zu dem Primus, der die Schüler- liste führte,unterStand des Vaters": Witwe einer Mineral­wasseranstalt".

In der bekannten Weinstube von Lutter und Wegner (Char­lottenstraße) pflegte Sh-efemer feinen AbLndtrulnk zu tun totb so sprach er einst im Geschichtsunterricht beim dreißigjährigen Krregs von derSchlacht bei Lutter und Wegner"; er meinte natürlich, die Schlacht bei Sutter am Barenberge.

Viichertisch.

Deutsche Stilkunst von Eduard En g e l. Ver­lag von G. Frehtag in Leipzig und F. Ternpsky in Wien.; 31V- Bogen und 18 Handschriften. Das meiste dessen, was sich bei uns Stilistik nennt, ist entweder gelehrte Stilgeschtcht« oder es ist schülermäßige Grammatik, nicht wirkliche Ltillehre. Mit der einzigen Ausnahme des Kapitelslieber Schriftstelleret und Stil" in Schopenhauers Parerga und Paralipomena besitzen wir tatsächlich nichts Zusammenhängendes über Stilkunst von einem künstlerischen deutschen Schreiber. Eduard Engels Deutsche Stilkunst, ein stattliches Buch von 500 Großoktavletten, sucht diese von zahllosen gebildeten Deutschen längst schmerzlich emp­fundene Lücke endlich auszufüllen. Nicht ums gelehrte Wissen vom Sttl ist es Engel in erster Reihe zu tun, obgleich auch der gelehrteste Stilforscher in diesem ans allen klassischen Quellen schöpfenden Buche überraschend reiche Belehrung finden wird. Engels Deutsche Stilkunst zielt aufs Große und Ganze des Gegenstandes: auf die jedem gebildeten Leser in faßlichsterWeise zu vermittelnde Fähigkeit, in gutem, reinem, klarem Deutsch seine Gedanken gefällig und wirksam auszusprechen. Engels Todfeindschaft gegen bloße Gelehrttuerei in Worten, bte ereine gar leichte Fingerfertigkeit" nennt, ist ans seiner Deutschen Lite­raturgeschichte bekannt. Er macht fein hohles Gerede, das, tetnent Schreibenden im mindesten nützt, sondern er lehrt zunächst tn einigen wuchtigen Kapiteln, die er Grundfragen nennt, die Haupt­sache: so wahr, so natürlich, so persönlich im Schreiben rote möglich zu fein. Dann folgen acht Kapitel über stretttge und schwierige Fragen der deutschen Sprache; sieben Kapitel über die Waht>d-es Ausdruckes; ein sehr großer Abschnitt mtt un­widerstehlicher Ueberzeugungskraft gegen die Frenwtvörteret, deren unheilvolle Wirkung auf den deutschen Stil Engel an Einer für die Betroffenen vernichtenden Fülle von Beispielen, nachweist. Ein ganzes Buch von acht Kapiteln ist dem Satzbau, em anderes von fünf Kapiteln dem Ausbau, also der Anordnung, gewidmet. In fzwei Büchern mit zusammen elf Kapiteln lehrt Engels Deutsche Stilkunst 'den Ton und die Schönheit der schriftlichen Dar­stellung. Ein zehntes Buch behandelt zum Schlüsse bte ver­schiedenen Stilgattungen. Wie außerordentlich groß bas Be­dürfnis nach einem Werke dieser Art war, geht daraus hervor, daß, wie uns die Verlagshandlung soeben mitteilt, in den ersten zwei Wochen nach dem Erscheinen nicht weniger als fünf stark« Auflagen notwendig wurden.

ZttatenrStsel.

Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:

1. Blut ist ein ganz besonderer Saft.

2. Ein jeder lernt nur, was er kann.

3. Es gibt im Menschenleben Augenblicke ....

4. Den stolzen Sieger stürzt sein eignes Glück.

5. Nichts ist höher zu schätzen, als der Wert deS TageS.

6. Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an.

7. Wenn die Rose selbst sich schmückt.

Schmückt sie auch den Garten.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer»

H G N e e e i 1 u Heilbronn Gelbsucht Neuruppin o c p n h i n t n

In unserer Schachaufgabe vom 4. i>. M. ist leider ein Druckfehler unterlaufen, der die schöne Lösung unmöglich machte. Anstatt der schwarze Bauer auf c7 steht, muß er auf b 7 stehen, und dann ist die angegebene Lösung richtig.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen-