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Verdienst es, mein Kind! Bleibe fromm, gilt rmd fleiAg und auf baldiges Wiedersehen."

,,,, Tre Mädchen stiegen aus den Wagen. Hinter dem Sofa, über den Häuptern der Mädchen, war eine große Tafel angebracht: darauf stand nnt weithin leuchtenden Buchstaben geschrieben:

- »Hilf Herr Jesu, laß gelingen!"

Der zweite Wagen trug die Inschrift: Anfang, Mitt' und Ende, Herr Gott zum Guten wende."

^Msam,fuhren die Wagen ab. Kurz nach 2 Uhr trafen sie I? -nothenbuhl em. Neugierige Knaben waren ihnen eine Viertel-- MAick 1 entgegengelaufen; sie brachten die Botschaft schnell kommen I" schrien die vordersten den weiter zurück- Irtonir s c^ese riefen es weiter. Nach wenigen Minuten Ruf Ul Rothenbuhl:sie kommen!" in allen Gassen Und Gäßchen des Dorfes. Tie Leute eilten ans den Häusern, die Frauen und Mädchen, die am meisten voll den M R°^M?Sbgenstanden verstehen. Als die Wagen in dm großen Wallbottshvf Anfuhren, war dieser von Neugierigen angefüllt: Kopf an Kops stand dre Menge.

'Sulz wie eine Königin fährt das hübsche Weibsbild in den Mppe-Nickcchen '*C)U stunden im Umkreis," zischelte die r^"^nb/rt-^p trappele« wie eine Schwadron Schöfaux- W aus Butzbach," antwortete das weit-

gererste Zwrebelkathrrnchen.

. halten sie still: der Thöms hebt die Braut vom Wagen Und schmatzt fte ab."

. ließ ich mir auch gefallen, wenn ich noch jung war!" meinte eine andere.

... k°"'men die Alten heraus!" fuhr die Dippe-Nickelsen scht.Der alte Wallbott lacht mit denk ganzen Gesicht, schmatzt dre Braut auch ab und zeigt auf den Spruch, der in den Stein Wer der Haustiir erngcmeiselt ist: Ueb immer Treu' und Red- Ilchkeit!

."Die neidische Bürgermeisterin nimmt das schöne Weibsbild zu schnell mit ms Haus, daß mans nicht recht betrachten kann," bemerkte eine andere.

Tie ist nicht neidisch!" widersprach das Latwergen-Grittchen. "Wenn sre warten wollte, bis jeder Maulaffe genug hätte, könnte es Mertenstag werden."

. , 7®aft du dein Maul mit Bettelbutter geschmiert, weil es jo lncht auf und zu klappt!" versetzte die andere, dann schob sie srch schnell werter.

«» .,Um Latwergen-Grittchen sammelten sich noch einige Weiber: Besenbrnders Jette, Zunder-Amiche und Knoche-Justelsen.

Letzt geht es ans Abladen!" sprach Grittchen.Wir helfen, da schni wir etwas mehr als die anderen; auch können wir manches SÄck besser beschauen, oder befühlen. Was meint Ihr?"

Ich bin dabei!" antwortete Zunder-Amiche.Ms die >,Zweite Braut" hier war, hatte ich ein geschwollenes Gesicht: ich mußte zu Hause bleiben, sah gar nichts und hab geheult, daß man es über drei Häuser hörte."

,, »Jetzt vorwärts und airgepackt; seht Ihr! da steht puch schon ern ganzer Trupp Weibsleut!"

Denen gehts wie uns!" zischte die Dippe-Nickelsen7

Die Weiber halfen, beschauten, betasteten und bewunderten.

Der Bürgermeister stand aus der großen Freitreppe, er über­wachte das Abladen. Nichts entging seinem scharfen -Auge

Imes, meine Latwerge!" rief plötzlich das Grittchen, bann lief sie ohne Abschied zu nehmen, davon. Zn Hause angekommen, roch Grrttchen, daß der Obsthonig, wie die Latwerge auch genannt wird, langsam weiter gebrodelt hatte.Es ist nichts verdorben!" wrach Grittchen;nun muß meine Dose herbei. Wenn man Herz und Mund tut laben, muß die Nase auch was haben, soll der große Dichter Goethe in seinem Rinaldini gesagt haben."

Grittchen fand die Dose nicht. Als sie mehrere Stunden spater den großen Rührlöffel in den Kessel setzte, spürte sie etwas hartes darin: sie fischte es heraus unb fand--den Deckel

der Dose. Sie fischte weiter, da sand sie auch den Unterteil: der Tabak lag natürlich im Kessel und kochte mit der Latwerge. Grittchen verriet nichts.

Später sagte ihr Mann öfters: so gut wie der diesmalige Obsthontg geraten ist, haben wir noch keinen gehabt. Das macht, weil er am Wallbottstag gekocht worden ist.

Dein Zunder-Amiche widerfuhr auch ein Mißgeschick: es hatte einen kleinen Topf, halb mit Sahne gefüllt, auf der Anrichte stehen gelassen. Der Hauskater geriet an den Topf; er zwängte seinen Kopf hinein und leckte die Sahne aus, Über der Kopf des Näschers ging nicht mehr heraus, worüber das Vieh ein klägliches Miauen auhub. Zunder-Amiche prügelte den Kater, doch die Sahne und der Topf waren in die Binsen gegangen.

Am widerwärtigsten erging es der Besenbinders Jette. Sie hallte grade ihren Jungen gestillt, als der Ruf erscholl: sie rammen! Blitzschnell schob sie das wohlgesättigte Bübchen in die Wiege, deckte es zu und lief davon.

Nachhause gekommen, schaute sie nach dem Jungen: Die Wiege war leer.

Jette suchte unter Bett, Tisch, Stuhl Und Schrank: Der Lunge war nicht da?

m. Aüche, auf den Speicher, in den Stall, in die

Nachbarschaft: der Junge war nicht zu finden.

Dre Nachbarsleute halfen suchen: alles war vergeblich!

^""l lref ^ette zum Bürgermeister. Dieser kam sogleick mit. ' "JAt ihr alles sorgfaltrg durchsucht?" fragte Wallbott, c . §?r Lunge muß gestohlen oder versteckelt worden

lein! heulte Jette.

Solche Dummheiten macht man nicht," antwortete Wallbott, der alles genau prüfte.

,. zog er die Tischschublade auf; da lag der Junge und hielt lernen Veidauungsschlaf.

. her, Jette! Tu hast den Jungen gestillt. Als

der Ruf ericholl: sie kommen, hast du ihn in die Schublade, majt tu die Wiege gestopft, bist davon gelaufen und bast deine Neugierde bemedigt. Jette! Jette! beim Naschen und Gassen sind jne Weibsleut' gleich bei der Hand."

,. rLAw bedankte und entschuldigte sich. Von jenem Tage an mcht mehr Besenbinders- sondern Schubladen-Jette.

, Am folgenden Tage, dem Mittwoch, machte das Brautpaar Beiuche ber allen Freunden, Bekannten und Verwandten im Dorfe, ote noch einmal für den morgenden Hochzeitstag persönliche Eiu- ladungen erhielten. Die auswärtigen Gäste waren vorher schrift­lich etngeloben worden.

Dags darauf, ani letzten Donnerstag im Oktober, fand die Doppelhochzeit statt.

Matthes, der Großknecht, erschien zeitig bei seiner Schwieger­mutter, der Scholzehanjers Kathrine, die hier die Hochzeitsmutter sprelte Sre hatte eine zahlreiche Gesellschaft eingeladen, brauchte aber keinen Kreuzer auszugeben und keinen Finger krumm zu machen. Es war beabsichtigt, die Hochzeit des Großknechts auch ,m Wallbottshause abzuhalten, allein der Raum fehlte durchaus.

Das war der Schwiegermutter des Matthes viel lieber, weil ihr alle Reste verblieben; für diese wollte sie nach der Hochzeit sorgen. Sogar eine besondere Köchin hatte der Bürgermeister gesandt und ungeheure Vorräte an Speisen und Getränken waren m das kleine Haus gebracht worden. Drum sollte es hoch hergehen; die Leut' brauchten sich auch vor Wallbotts vornehmen Gasten nicht zu genieren.

(Fortsetzung folgt.)

Uachederblüten.

Unter dem TitelGoldene Jugend" ist soeben int Verlags von Hermann Sack in Berlin-Schöneberg eine Sammlung Anek­doten und Kuriositäten aus dem Schul- und Hochschulleben er­schienen, lustige Erlebnisse aus der Schul- und Studentenzeit bv- Aihmter Männer und Äehnliches, geschöpft aus schulgeschichtlichen Schriften, Memoirenwerken, Biographien usw. Wir entnehmen dem Buche als Probe vornehmlich einige Kathederblüten, die Gießener Schulmännern zugeschrieben werden.

Von einem Professor G. rühren her:

Nach der Schlacht bei Leipzig sah man Pferde, denen drei, vier und noch mehr Beine abgeschossen waren, herrenlos herum- laufen.

Es gibt in Paris Spiegel, die ohne Glas und Rahmen! 10000 Franken kosten.

Unter die vorzüglichsten Produkte von Aegypten gehört dasj Klima.

Die Nilquellen liegen noch viel weiter südlich, als wo Bruce sie entdeckte.

Wer über diesen Gegenstand etwas nadjkfett will, der findet es in einein Buche, dessen Titel ich vergessen habe; es ist aber das 42. Kapitel.

Ein Breslauer Gymnasialprofessor schilderte feilten Schülern! die in früheren Zeiten bestehende .Unsicherheit der Landstraßen mit den Worten:Man konnte nicht von Breslau nach Schweid­nitz reisen, ohne mehrere Male überfallen und totgeschlagen zu werden."

Warum lachen Sie?" fragte der Professor L. der Gelehrten- schule des Johanneums in Hamburg einst (1835) einen seiner Schüler, und auf die Antwort:Nicht über Sie, Herr 'Doktor!" meinte er:Was wäre denn sonst hier Lächerliches?"

Statt zu sagen:Die Araber wanderten nach Mekka," sagte Professor W. (Schulpforta) einst:Die Araber mekkerten nach Wanda."

*

Am Gießen e r Gymnasium wirkte um 1830 ein Lehrer Dr. Icker, ein kränklicher und überaus verweichlichter Manu, der in der Klasse oft entsetzliche Anfälle vott Krampfhusteu bekam' und dann Blut spuckte. Wenn Völcker einen Schüler strafte/ so ließ er ihm zumeist die Wahl zwischen einem Buckel voll Schläge und einer Stunde Karzer. Da nun für eine Stunde Karzer an den SchulPedellen eine Abgabe von drei Kreuzern ent­richtet werden mußte, so konnten sich vorwiegend nur die Aus­wärtigen, die ihr Taschengeld zur Verfügung hatten, diesen Luxus gestatten, während die Einheimischen, die zumeist keine Bar­mittel besaßen, sich erst zu Hause das Karzergeld hätten ausbitten müssen und daher so argumentierten: ninrmft du Karzer, so mußt du es zu Hause sagen und bekommst dort Wichse;^ bmtrt nimm sie nur lieber gleich hier und sparst so die Stunde Karzer!