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stisches hatte, daß sie mich heftiger erschütterte, als der gewaltigste Wutausbrach getan staben würde. Ich brauche noch einen Augenblick für meine eignen Gedanken, wenn Sie ihn mir erlauben wollen. Erraten Sie, woran sch denke?
Vielleicht.
Ich denke daran, sagte er mit großer Rüste, ob ich die Unordnung in diesem Zimmer noch dadurch vermehren soll, daß ich Ihr Gehirn iiber den Kamin spritze. —
Ich sah es seinem Gesichte an, daß, falls ich mich ::: diesen: Augenblicke rührte, er es tun würde.
Ich rate .Ihnen, ehe Sie sich über diese Frage entschließen, zwei geschriebene Zeilen zu lesen, die ich bei mir trage, entgegnete ich.
" Dieser Vorschlag schien seine Neugierde zu erregen. Er nickte mit dem Kopfe. Ich nahm Pescas Bescheinigung über den Empfang meines /Briefes aus meinen: Taschenbuche und hielt sie ihm auf Armlänge hin; dann kehrte ich zu meinem Platze vor dem Kamine zurück.
Er las die Zeile:: laut vor: „Ich habe deinen Brief erhalten. Wenn ich dich vor der genannten Zeit nicht sehe, werde ich mit dem Glockenschlage das Siegel brechen."
Für einen anderen Mann in seiner Lage hätten diese Worte einer Erklärung bedurft — bei dem Grafen war sie unnötig. Ein einmaliges Durcküesen des Billetts zeigte ihn: so deutlich, als wenn er in dem Augenblicke, wo ich sie traf, zugegen gewesen, durch welche Vorsichtsmaßregel ich mich geschlitzt hatte. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich und seine Hand zog sich leer aus der Schublade zurück.
Ich verschließe meine Schublade nicht, Mr. Hartrigstt, und ich sage nicht, daß ich nicht doch-noch Jstr Gehirn über den Kamin spritzen werde, sagte er. Aber ich bin selbst gegen meinen Feind gerecht — und will vorläufig bekennen, daß sein Gehirn klüger ist, als ich es geglaubt hätte. Kommen Sie zur Sache, Sir! Sie verlangen etwas von mir?
Ja, und ich beabsichtige, es zu erhalten
Unter Bedingungen?
Ohne Bedingungen. —
Seine Hand fiel wieder in die Schublade.
Bast, sagte er, wir mache:: Umwege, und Ihr kluges Gehirn ist schon wieder in Gefahr. Der Ton, den Sie annehmen, ist von einer beklagenswerten Unvorsichtigkeit, Sir — mäßigen Sie ihn auf der Stelle! Das Risiko, Sie an der Stelle, wo Sie stehen, zu erschießen, ist geringer für mich, als das, Sie lebend aus diesem Hause zu lassen — ausgenommen unter Bedingungen, die ich selbst vorschreiben werde. Sie haben es jetzt nicht mit meinem verstorbenen Freunde zu tun, sondern stehen Fosco gegenüber! Und wenn die Leben von zwanzig Mr. Hartrights als Stufensteine zu meiner Sicherheit nötig wären, so würde ich, aus meine erhabene Gleichgültigkeit und meine undurchdringliche Ruhe gestiitzt, über sie hinwegschreite::. Achten Sie mich, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist! Ich fordere ®te auf, mir drei Fragen zu beantivorten, ehe Sie wieder Ihre Lippen öffnen. .Höre:: Sie sie an — sie sind zu dieser Unterredung notwendig. Beantworten Sie sie!
Er hielt einen Finger seiner rechten Hand empor. Erste Frage! sagte er. Sie kommen hier im Besitze einer Mitteilung, welche wahr oder falsch sein mag — woher haben Sie sie?
Ich schlage es aus, die Frage zu beantworten.
Einerlei, ich werde es schon erfahren. Wenn diese Mitteilung wahr ist — bemerken Sie wohl, daß ich mit der ganzen Kraft meiner Entschlossenheit sage, w e:: n — so treiben Sie hier, entweder durch Ihren eignen Verrat oder den Verrat eines anderen Mannes, Ihren Handel damit. Ich mache mir aus diesem Umstaude eine Anmer- kung in meinem Gedächtnisse, welches nichts vergißt, für künftigen Gebrauch, und jetzt weiter! Er hielt einen zweiten Finger empor. Zweite Frage! Jene Zeilen, die Sie mir zu lesen gäbe::, sind ohne Unterschrift. Wer hat sie geschrieben?
Ein Mann, auf den ich alle Ursache habe mich zu verlassen, den aber Sie alle Ursache staben zu fürchten, —
Meine Antwort traf ihn diesmal ziemlich hart. Seine linke Hand zitterte störbar in der Schublade.
Wie lange geben Sie mir Zeit, frag er, indem er seine dritte Frage in ruhigerem Tone tat, ehe das Siegel mit dem Glockenschlage gebrochen wird?
Zeit genug für Sie, um auf meine Bedingungen eilG zugehen, entgegnete ich.
Geben Sie mir eine deutlichere Antwort, Mr. Har- trigyt. Welches ist die Stunde, die der .Glockenschlag angeben soll?
Neun Uhr, nwrgen früh.
Neun Uhr, morgen früh? Ja, ja — Sie haben Ihre Falle wohl angelegt — ehe ich meinen Paß visiert bekommen! und London verlassen kann. Ich nehme an, daß es nicht schon früher ist. Doch werden wir darauf sogleich zurück- kommen — ich kann Sie als Geisel hier behalten und einen Handel mit Ihnen treffen, daß Sie den Bries holen lassen, ehe ich Sie fort lasse. Iowischen haben Sie jetzt die Güte, Ihre Bedingungen zu nenne::.
Die sollen Sie stören. Sie sind einfach und bald erklärt. Sie wissen, wessen Interessen ich repräsentiere, indem ich hierher komme? —
Er lächelte mit erhabenster Gelassenheit und machte eine nachlässige Bewegung mit der rechten Hand.
Ich will es zu erraten wagen, sagte er spöttisch. Die Interessen einer Dame natürlich!
Tie Interesse:: meiner Frau. —
Er blickte mir mit dem ersten ehrlichen Ausdrucke, den ich noch nie bei ihm gesehen, ins Gesicht — einen: Ausdrucke des größten Erstaunens. Ich konnte sehen, daß ich in meiner Eigenschaft als gefährlicher Mann von diesen» Augenblicke an in seiner Achtung sank. Er schloß sofort die Schublade, faltete die Arme iiber seine Brust und hörte mich mit einem Lächeln sarkastischer Aufmerksamkeit an.
Sie sind hinlänglich von dem Fortgängemeiner Nuch- forschungen während der letzten Monate unterrichtet, sagte ich, um zu wissen, daß jeder Versuch, die einfachen Tntl- sachen zu leugnen, in meiner Gegenwart vollkommen nutzlos ist. Sie haben sich eines schändlichen Anschlages schuldig gemacht und der Gewinn eines Vermögens von zehntausendi Pfund war der Zweck.
Er sagte nichts. Aber über sein Gesicht zog sich eine Wolke finsterer Besorgnis.
(Fortsetzung folgt.
Thomas Wallbotts Kamwenleben, Brautfahrt und Hochzeit.
Bon Gg. Schäfer.
(Fortsetzung aus Nr. 192.)
4. Kapitel. ,
Eine große Landhochzeit.
In raschem Flug verging die Zeit: schneller als man dachte/ kam der letzte Dienstag im Monat Oktober heran.
Der Brautwagen stand gerüstet in: Stockshof.
An den Leitern des mit vier schön geschmückten Rossen bespannten Wagens hingen die Kleider der Braut, damit, sie von jedermann betrachtet werden konnten. So ist es Brauch bis heute, also keine Prahlerei.
Auf den Wagen wurde eine Masse von Bettwerk, Leinen', Tischen, Stühlen, Vorhängen, Küchengeschirr intb was sonst zst einen: neuen Haushalt gehört, verpackt. Ganz vorneu stand ein neues Sofa, auf den: die Braut nut den beiden Brautjungfer^ Platz nahmen. Hinter den: Sofa war eine Wiege postiert, in der eine Waschschüssel, ein Kinderschwämmchen, ein Stück Seife und ein Rasselchen untergebracht! waren. So verlangt es die Sitte. Hoch oben lag eine große! Anzahl von Säcken mit Flachs gefüllt. Darauf halten die Gebirgsbewohner große Stücke. Den Abschluß nach oben bildete ein neues, kunstvoll gearbeitetes Spinnrad.
Der vierspännige Wagen konnte nickst alles fassen. Ein Zweispänner mußte noch herbei, der kann: hinreichte. Au die Leitern' dieses Wagens kamen Hand- und Tischtücher mit eingestickten,' Namenszügen und Sinnsprüchen zu hängen. Truhen, Körbe und anderer Hausrat füllten das Fuhrwerk bis weit über die Leitern.
Das Viergespann wurde vom Sattel geleitet; je zwei Ehren- reitcr folgten auf beiden Seiten, deren Rosse, Zügel und Hüte mit bunten Bändern geschmückt waren. Der Zweispänner war ist ähnlicher Weise geziert.
Run erschien die Braut mit ihren BrautMrerinnen, von ddr Familie Stock MM Wagen geleitet.
„Zieh hin mein Kind, Gott sei mit dir auf deinem Wege und sein Engel geleite dich!" sprach Frau Stock, die die laut! weinende Brant unrarnrte und küßte.
„Heißen Dan? sage ich für alles, Gott Vergelts Ihnen mA ewig bleibe ich Eure Schuldnerin. Kaum das Nötige hatte ich, als ich Euer Haus betrat; jetzt zieh ich mit diesen: Reichtum hinaus./


