70ö

namhaft gemacht worden, gestorben, zu tun, was recht i urtb notwendig war. Ich fand die Leiche in der ^bhut der Köchin, -Hefter Pinhorn. Ich blieb bei der Toten und be­reitete sie zur gehörigen Zeit für das Grab vor; spater war ich anwesend, als man den Sarg, ehe er fortgefahren wurde, zuschraubte. Nachdem dies geschehen, und kernen Augen­blick früher, erhielt ich meine Gebühren und verließ dann das .Haus.

IV. Noch eine Aussage.

Zur Erinnerung an Laura Lady Glyde, Gemahlin des Sir Percival Glyde, Baronet, zu Mackwater Park, Hamp­shire, und Töchter des weiland Philipp Fairlie Esqrezu | Limmeridae, in diesem Kirchspiel. Geboren, den 27. Marz 1829. Vermählt, den 23. Dezember 1849. Gestorben, den 25. Juli 1850.

Walter Hartrights Aussage.

2. Teil.

Im Frühsommer des Jahres 1850 verließen ich und die noch überlebenden meiner Gefährten die Wüsten und Wälder von Zentralamerika und traten unsere Heimkehr an. An der Küste angelangt, schifften wir uns nach Europa ein. Das Schiff scheiterte im Golf von Mexiko, und ich war einer der wenigen Geretteten. Es war dies me ne brit e Rettung aus Todesgefahr. Tod durch Krankheit, Tod durch die Wilden, Tod durch Ertrinken allen breien war ich Uah gewesen, und allen dreien entgangen.

Die aus dem Schiffbruch Geretteten wurden von einem amerikanischen Schiffe ausgenommen, das nach L verpool bestimmt war. Es erreichte den Hasen am 3 Oktober im Jahre 1850. Wir stiegen spät am Nachmittage ans Land, und ich kam noch selbigen Abends in London an.

Laura Fairlie war mein einziger Gedanke, als das Schiff mich davontrug und meine letzten Blicke auf Eng­land fielen und als ich heimkehrte und das Morgenlicht mir die befreundeten Gestade zeigte, war mein einziger Gedanke wiederum Laura Fairlie.

Ist es da ein Wunder, wenn ich bedauerte, nichtben Gefahren der Wildnis unterlegen zu fein, als ich bei meiner Rückkehr erfuhr, daß Laura nicht mehr unter den Lebenden weile?

An einem stillen .Herbstnachmittag, am_ dritten Tage nach meiner Ankunst in London, stieg ich aus der einsamen Station in Cumberland aus und wanderte allein den wohl­bekannten Weg hinab. Der Frieden der einsamen Land­schaft erhielt einen traurigen Schatten durch den Einfluß des schwindenden Jahres.

Ich erreichte die Heide; ich stand wieder auf dem Gipfel des Hügels; ich schaute hinaus den Pfad hinab, und da, in der Entfernung standen die bekannten Garten­bäume, der deutliche, gewundene Halbzirkel des Fahrweges, die hohen, weißen Mauern von Limmeridge House. Die Unfälle und Wechsel, die Wanderschaften und Gefahren vieler Monate schwanden plötzlich aus meinem Geiste, als ob sie nie gewesen. Mir war, als ob erst gestern menie Füße über diesen duftigen Heideboden gewandert!

Ich wandte mich um und pilgerte dem Friedhöfe zu. Leise trat ich ein. Da endlich stand das Marmorkreuz, hoch und weiß am Hauptende des Grabes des Grabes, das jetzt sowohl Mutter als Tochter bedeckte.

Ich stand 'vor dem Postamente stille, aus dem sich das Kreuz erhob. Auf der einen Seite auf der Seite, die mir ab nächsten begegnete die neu gravierte Inschrift meinen Micken: die harten, deutlichen, grausamen Buch­staben, welche die Geschichte ihres Lebens und ihres Todes

Die Zeit verging, und über sie hin hatten sich Stille dichte Nacht gezogen.

Der erste Laut, welcher der himmlischen Ruhe folgte, war ein leichtes Rauschen, wie von eknem vorüberziehen­den Lüftchen, int Grase des Begräbnisplatzes. Ich hörte es mir langsam näher kommen, bis es meinem Ohre ver­ändert schien wie Fußtritte, welche näher kamen bann stille standen.

Ich blickte auf.

Es war nahe Sonnenuntergang. Die Wolken hatten sich zerteilt; die schrägen Strahlen der scheidenden Sonne ergossen sich mit einem milden Lichte über die Hügel. Das

Ende des Tages wär kalt und klar uub ruhevoll in diesem stillen Tale der Toten.

Weiter abwärts in dem Friedhöfe sah ich zwet Frauen- gestalteu in der kalten Klarheit des letzten Lichtes stehen. Ihre Blicke waren aus das Grab auf mich gerichtet.

Sie kamen ein wenig näher und standen wieder stille. Ihre Schleier verbargen mir ihre Züge. Als sie stille standen, erhob die eine ihren Schleier. In dem sttllen Abendlichte erkannte ich Marianne Halcombe.

Verändert war sie, als ob viele Jahre indessen ver­gangen gewesen! Die Augen waren groß und wilb ttnd blickten mit einem seltsamen Entsetzen auf mich hin. Das Gesicht war bleich und eingefallen. Schmerz, Angst und Kummer standen dariit geschrieben.

Ich tat einen Schritt vom Grabe näher zu thr Hut. Sie rührte sich nicht sie sprach nicht Die verschleierte Frauengestalt neben ihr stieß einen matten Schret aus. Ich stand stile. Mein Lebensquell schien zu erstarren; und ein Schaudern wie von unsäglicher Furcht durchrieselte mrch vom Kopf bis zu den Füßen. L e v

Die Verschleierte verließ ihre Gefährtin und kam lang­sam auf mich zu, kam näher langsam und schweigend immer näher. Ich sah sie an und von diesem ckugen- .licke an nur sie und nichts weiter. .

Da rief Marianne Halcombe mir ängstlich zu, ich solle Weggehen.

Aber die Verschleierte hielt mich an Letb und Seele gefesselt. Sie war auf der einen Seite des Grabes ange­langt Wir standen einander gegenüber, und zwischen uns der Grabstein. Sie stand dicht an der Inschrift auf dem Postamente; ihr Kleid berührte die schwarzen Buchstaben.

Die Stimme tam näher uitb erhob sich immer leiden- schastlicher. Bedecken Sie Ihr Gesicht! Sehen Sie ste ntcgt an' O, um Gottes willen, schone ihn!

Die Gestalt lüstete ihren Schleier:

Laura, Lady Myde, stand neben der Inschrift und blickte über das Grab zu mir herüber!

(Fortsetzung folgt.)

Eine Nachtfahrt im Freiballon.

Von L. Noernheld.

,Nachdruck vv.....,i.)

Neun Uhr abends. Nach einem schwülen Julitage, der mit Gewitterbildung drohte, völlige Aufklärung. Nur dünne Dunst­schleier umsäumen den Himmel, zart und durchsichtig wie ichim- mernder Gazemusselin auf alabasternen SäMltern. Schon senkt sich die Dämmerung langsam zur Erde hernieder, da erhebt sich, von den zahlreichen Zuschauern freudig umjubelt, der dreibemannte Ballon in majestätischer Ruhe, nicht ohne seine Abschiedvgrutze in Gestalt feinkörnigen Sandes den Bewohnern von Ak ar bürg hinab zu senden. Wie ein breites silbernes Band stießt er hinunter und verbindet uns noch ein Weilchen mit der Heimatstadt des Ballons, dem es offenbar schwer, ja zu schwer fällt, sich von ihr zu trennen.

Wein ginge es nicht so, der das reizende Städtchen kennt. Von den Fluten der Lahn umspült, wächst es terrassenförmig an dem mit dem wuchtigen Schlosse gekrönten Hügel empor und bietet dem Auge wundervoll abwechslungsreiche Bilder dar. Ge­spenstig steigt jetzt das Schloß vor uns auf und drohend nahe zugleich, denn wir haben seine Höhe noch nicht erreicht- und müssen hinüber. So will es unser Meister, der Wind, dessen; Führung wir uns blindlings anvertraut haben und der uns ganz weich in seine oft so rauhen Arme genommen hat. Schnell also noch einen letzten. Wschiedsgruß aus sandigem Sacke und geräusch­los und sicher gleiten wir darüber hinweg, von neuem überzeugt, daß er eine Gefahr für den besonnenen Luftschisfer überhaupt nicht 9i6t $3ie herrlich war es', die bekannten Plätze und Gebäude so nahe von oben zu sehen und die Blicke in die prächtigen mittet alt erlichen Straßen und Gäßchen zu werfen, erfüllt von tausend­stimmigem Jubel und nicht eudentvollendem Tücherschwenken, das wir kräftig erwiderten. So hatten uns die altdeutschen Stämme, vertreten durch die buntbemützten StudentengruPPen, und gar manche fröhliche Mädchenschar, aus den Gärten ihrer Pensionen das Luftgeleite gegeben und ihre guten Wünsche mögen M dem; Gelingen unserer Fahrt wohl beigetragen haben.

Ein herzlicher, stimmungsvoller Abschied, dessen Wehmut von der bald herniedersinkenden Nacht eingehüllt und von der Arbeit ausgelöscht wurde. Tenn jetzt hieß es arbeiten. Während. der Führer die zahlreich mitgenommenen Apparate bediente und feinem Stolz, den feingesiebten Sand, in den prall gefüllten Säcken so ängstlich bewahrte und so spärlich verwandte, wie der Geizhals fein Gold, blieb für die Mitfahrer das wichtige und bei Nacht besonders schwere Kartenlesen und die Führung des Bordbuches«