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Samstag den ll- November

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Die weiße Frau.

Roman von W. Collins.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Meine gnädige Frau fand sich ruhiger in diese schlimme Nachricht als der Herr. Er war ein dicker, großer, sonder­barer ältlicher Mann, der sich Vögel und weiße Mäuse hielt und mit ihnen schwatzte, als ob es Kinder wären. Er schien furchtbar ergriffen. Ach! die arme Lady Glyde! Die arme, liebe Lady Glyde! schrie er immer los, indem pr in der Stube umhermarschierte und seine fetten Hände rang und sich mehr wie ein Komödiant als wie ein Gentle­man gebärdete.

Gegen Nachtzeit erholte sich die Dame ein wenig. Ich ging bloß einmal hinein, ehe ich zu Bette ging, um zu fragen, ob ich noch etwas tun könne, und hörte, daß sie auf unruhige, verwirrte Weise mit sich selber sprach. Sie schien so gern mit jemand sprechen zu wollen, der irgendwo fern von ihr war. Das erste Mal konnte ich den Namen nicht verstehen, und als sie ihn zum zweiten Mal aussprach, rief gerade die gnädige Frau nach mir.

Als ich am folgenden Morgen hineinging, war die Dame abermals völlig erschöpft und lag in einer Art matten Schlafes da. Als der Arzt dagewesen, erholte sie sich plötzlich und war dem Anscheine nach viel wohler. Ich wurde nicht wieder zu ihr hineingelassen noch das Stubenmädchen, damit sie nicht, wie sie sagten, durch fremde Gesichter beunruhigt würde.

Der Doktor kam nachmittags wieder und sah selbst, daß die Dame Wohler aufgewacht war. Er verbot uns mit ihr zu sprechen, oder sie mit uns sprechen zu lassen, falls sie sich dazu aufgelegt zeigen sollte, weil sie möglichst ruhig bleiben und möglichst viel schlafen müsse. Sie schien übrigens nie besonders zum Sprechen geneigt, wenn ich sie sah, ausgenommen in der Nacht, wo ich aber nicht ver­stehen konnte, was sie sagte, sie schien zu sehr erschöpft, um ^deutlich zu sprechen/ Mr. Goodricke war lange nicht so beruhigt ihretwegen, als mein Herr. Er sagte nichts, als er herunterkam, außer daß er gegen fünf Uhr wieder vorsprechen werde. Ungefähr um die Zeit (ehe noch mein Herr wieder nach Hause gekommen war), wurde heftig in der Schlafstube geklingelt; meine gnädige Frau kam auf den Borsaäl herausgelaufen und rief mir zu, schnell zu Mr. Goodricke zu laufen und ihm zu sagen, daß die Dame ohnmächtig geworden sei.

Ich hatte kaum meinen Hut aufgesetzt und mein Tuch umgebunden, als der Doktor glücklicherweise schon, wie er versprochen hatte, selbst ankam.

Ich öffnete ihm die Haustür und begleitete ihn die Treppe hinauf. Lady Glyde schien sich ganz wie gewöhn­lich zu befinden, sagte die gnädige Frau zu ihm an der

Tür; sie wachte und blickte auf eine sonderbare verwirrte Weise um sich, als ich sie plötzlich etwas wie eine Art kleinen Schrei ausstoßen hörte, worauf sie augenblicklich ohnmächtig wurde. Der Doktor trat ans Bett und beugte sich zu der kranken Dame herab. Er wurde plötzlich sehr ernst, als er sie anblickte, uno legte seine Hand auf ihr Herz.

Die gnädige Frau sah ihm gespannt ins Gesicht. Doch nicht tot? ! sagte sie flüsternd, und indem sie vom Kopf bis zu Füßen zu zittern anfing.

Doch, sagte der Doktor sehr ernst und ruhig. Tot. Ich fürchtete schon gestern, als ich ihr Herz untersuchte, daß es sehr plötzlich kommen würde. Die gnädige Frau trat, während er sprach, vom Bette zurück und zitterte immer mehr. Töt! flüsterte fie vor sich hin, tot! so plötzlich! so bald schon tot! Was wird der Graf sagen! Ich muß hinaus, um ihn vorzubereiten!

Wie mein Herr die Nachricht ertrug, als er zuerst von dem Tode der Dame hörte, ist mehr, als ich sagen kann, denn ich war nicht anwesend. Als ich ihn aber wiedersah, hatte er wirklich eilt furchtbar ergriffenes Aussehen. Er saß ruhig in einem Winkel, seine fetten Hände hingen auf seine dicken Knie herab, sein Kopf tief auf der Brust, und seine Augen stierten ins Leere. Er schien nicht so sehr betrübt über das, was sich zugetragen, als erschrocken und verblüfft.

Meine gnädige Frau besorgte alles, was zur Beerdigung notwendig war. Es muß eine Masse Geld gekostet haben, so schön ist das Begräbnis gewesen!

Zum Schluffe muß ich als Antwort auf mir vorgelegte Fragen hinzufügen:

1. Daß weder ich noch das Stubenmädchen je gesehen haben, daß mein Herr selbst Lady Glyde Medizin gegeben hätte.

2. Daß er meines Wissens nie allein bei Lady Glyde int Zimmer war.

3. Daß ich nicht imstande bin, zu sagen, was der Dame, wie meine gnädige Frau mir gesagt, bei ihrer Ankunft int Hause den plötzlichen Schrecken verursacht hat. Weder mir noch dem Stubenmädcheit ist die Ursache hiervon je erklärt worden.

II. Aussage des Arztes.

An den Registrator des engeren Distrikts, in welchem der untengenannte Tod stattfand.

Ich bezeuge hiermit, daß ich Lady Glyde, welche att ihrem letzten Geburtstage einundzwanzig Jahre alt wurde, in ihrer Krankheit behandelte, daß ich sie am 25. Juli 1850 zuletzt gesehen, daß sie an selbigem Tage zu Nr. 5 Forest Road, St. Johns Wood starb, und daß die Ursache ihres Todes Aneurisma war.

Alfred Goodricke, St. Johns Wood.

III. Aussage der Leichenfrau.

Ich bin die Leichenfrau, welche von Mr. Goodricke ge­schickt wurde, um an den irdischen Ueberreften einer Dame, welche in dem Hause, das in der vorstehenden Bescheinigung