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Das nette Mädel.
Noman von Fedor von Zabeltitz, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
,Tini!" rief Traute.
„Nicht wahr? Dein Jonathan ist der John meines Herzens geworden. Er hat mich aufgesucht, um wenigstens die Freundin seiner hoffnungslos verlorenen Braut kennen zu lernen. Und kam häufig wieder. Beim dritten Besuch ge- | stand er mir seine Liebe, beim vierten wollte er mich her- I raten. Er möchte nicht gern ohne europäische Frau zu seinen Quesals zurückkehren."
„Und du hast ihm dein Jawort gegeben?"
„I Gott bewahre. Das geht nicht so schnell. Ich smoe ihn ja sehr originell — und auch recht hübsch. Er hat eine famose Figur und etwas Stolzes im Profil. Wer an die Bronzierung muß ich mich erst langsam gewöhnen. Er meint, das würde schon kommen. Na, und da hat er mach denn vorläufig nach Paris eingeladen und will mernen Reisemarschall spielen."
Tini, was bist du leichtsinnig!"
„Das ist noch die Frage. Ich finde, ich bin sehr vorsichtig. Liegt in dem Gedanken an einen Reisemarschall etwas Unerlaubtes? Er macht mir in allen Ehren den Hof und auch — trotz seiner Verwandtschaft mit Coopers letztem Mohikan —, das muß ich sagen: äußerst chevaleresk. Und sollte er einmal. . . aber lassen wir ihn! Für dich ist er nichts als eine Erinnerung von gestern — dem heute und morgen ist besser. Nun nimm nur deinen Wildfanggehörig an die Strippe. Anziehen und nachgeben, Mäuschen : wie bei der Dressur einer jungen Remonte. Und mast mal ein Sturm durch euer Haus: laß dir nicht bange sein. Sei nachsichtig gegen kleine Dummheiten und unbarmherzig gegen eine große. Da weiß ich ein probates Mittel, aber ich sage es dir nicht: jede Frau kommt von selbst darauf.
„Danke für deine guten Lehren, Tim. Ich hoffe, sie werden nicht nötig sein: wir lieben uns ja/'
„Selbstverständlich, ihr liebt euch. Ich, will dich auch nicht ängstlich machen. Ich freue mich uneigennützig! über euer Glück. Könnte mich höchstens ärgern, daß ich so blind gewesen bin. Alle Welt behauptet, sie hätte längst gewußt, haß sich zwischen euch etwas anbändelte."
„Alle Welt lügt. Wer ein paar waren da, die etwas ahnen mochten. Und woher? so hab ich mich zuweilen gefragt. Nun weiß ich es. Weil ihnen die Eifersucht die Augen geöffnet hat. Ach du, mein Herzenstinichen, ich hätte nur zuzugreifen brauchen! Ich armes, kleines Hühnchen wurde auf einmal von allen Seiten umflattert/
„Infektion, Traute. Nichts wirkt so ansteckend als die Liebe. Außerdem, du warst auf einmal in die Mode gekommen. O ja, man glaubt gar nicht, von welchen Strö
mungen die Männerherzen beeinflußt werden! Sieh mal: al« ich zur Bühne kam, war ich etn harmloses Dingelchen. Anfangs beachtete mich kein Mensch. Wer da wurde eines schönen Tages eine neue Operette gegeben: „Die Launen der Marquise" Ich spielte die Marquise und hatte mich rm Laufe des Abends achtmal umzuziehen^ Zuletzt war es des Umziehens kaum uoch wert, denn die Schlußszenen spielteii in einer Badekabine. Von da ab war die Meute hinter mir her. . ." Sie zuckte mit den runden Schultern. . . „wei dem einen macht es die Badekabine, bei dem andern das je ne sais quoi der lieben Unschuld, Bei dem erneu das Deshabille, bei dem andern der stählerne Panzer Aber das Lockzeichen ruft — und in uns meldet sich das erste War- nungsfignal „Nimm dich in Acht!" Manchmal überhört man es, und manchmal. . Sre stand aus, und chre Lippen berührten das Haar der Freundin . . - „Kleine, ich bin keine Priesterin der Vesta. Aber ich kann nur nicht helfen' ich freite mich doch, daß du dich aus den Gefahren des Ewig-Männlichen so tapfer auf festes Land gerettet hast. . . Und nun lebe wohl, mein Schatz. Uebermorgen ahre ich mit meinem Sir John nach Paris. Wir werden uns kaum Wiedersehen — aber wir schreiben uns, nicht wahr?"
Sie umarmten sich herzlich. Traute wurde der W- schied schwer. Sie hatte die leichtsinnige Freundin sehr ieb gehabt. Es war merkwürdig: sie hatte sich auch an ihr gebildet, ohne an ihrer moralischen Vorurteilslosigkeit Schaden zu erleiden. Denn jenseitsmhres Guten und Bösen hatte die Sandratt sich immer Ke Anständigkeit ihrer Gesinnung bewahrt. So sag Traute die Freundin ungern scheiden. Aber mit dem aufrichtigen Schmerzgefühl, sie verlieren zu müssen, verband sich doch, auch em erlösendes Bewußtsein: aus die kluge Tini hätte sie immer noch eifersüchtig werden können. *
Das war nun das Verlobungsfest Traute Köhlers.
Aller Glanz des Patriziats wurde im Hause Eberstedt entfaltet Es war etn stattliches Haus, und viel Schones und Wertvolles hatte sich im Laufe Jenen angesammelt. Di? aroüen Männer erwarben den Besitz, und die t lernen trauen brachten den Geschmack hinzu. Der war gut. Der 8a?e sich in d!n Gobelins des Treppenhauses und m der bronzenen Atalante, die den Mittelschmuck der Diele> Wj bete in dem Potpourri aus Lunoges auf dem GesiMÄ des Kamins im großen Salon; in den wuchtigen Schnitz e- reien des Herreiizimmers; in der BücherauÄvahl der Bibliothek- in allen Kostbarkeiten und in allem Kleinen. E» war ein Haus, das man lieb gewinnen mußte, und das doch auch Resvekt erweckte. Es waltete hier der Geist tüchtigen Kaufmannssinnes und die künstlerische Anmut sein empfindender Frauen. Nur das JunggeMenzinnner Pa^ Festabend verschlossen. Da herrschte noch das Chaos sprung haiter Verwilderung. Die Mutter lud hier klugerweise ab,


