Ausgabe 
11.5.1911
 
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Lebenssystem vernünftig geregelt ist." Dabei gab der be­rühmte Erfinder zugleich einen Einblick in sein Rezept der Langlebigkeit. Man soll vernünftig essen, man soll ver­nünftig schlafen und man soll sich vernünftig kleiden. Warum grübelte Mr. Harriman des Nachts, wenn er im Bette lag? Weil er zu viel gegessen hatte. Alle unsere großen Geschäftsleute essen zu viel und dabei nicht so ratio­nell wie ein Lastträger, der körperliche Anstrengungen über­windet. Man überhäuft die menschliche Maschine mit zu viel Kohle. Ich esse nur soviel, als ich zur Ernährung ge­brauche, und das ist sehr wenig: bei jeder Mahlzeit kaum eine Handvoll fester Speisen. Aber das Ergebnis ist auch, daß ich 30 Sekunden, nachdem mein Kopf das Kissen berührt hat, fest schlafe. Harriman verbrachte von acht Stunden, die er im Bette lag, vier mit Nachdenken. Ich liege sechs Stunden im Bett und schlafe diese Zeit durch, einen gesunden, tiefen Schlaf. Nie in meinem Leben habe ich geträumt. Heute bin ich 64 und kann besser als je arbeiten und denken. Dieses Gerede von der Notwendigkeit, in einem gewissen Alter der Arbeit zu entsagen, ist Unsinn. Ich begann zu arbeiten, als ich 12 Jahre zählte, und ich hoffe weiter zu arbeiten, bis ich 150 Jahre alt bin. Mein Paradies liegt auf dieser Erde. Mein körperlicher Zustand ist ausgezeichnet, und das auch nicht zum wenigsten dank dem Umstande, daß ich mich vernünftig kleide." Dabei zog er den Schuh vom Fuße und zeigte, daß seine Fußbekleidung zwei Nummern zu groß ist.Sehen Sie, genau so halte ich's mit den Beinkleidern, mit den Hemden, jeder Ader und jeder Sehne wird damit die Möglichkeit gegeben, ungestört die Arbeit zu verrichten, um derentwillen sie da ist. Keine von ihnen wird je eingeengt. Mein Körpersystem hungert Bakterien aus, und sie haben es auch aufgegeben, mich mit Krankheiten oder Leiden zu bedenken.

Mein Laster? Ja, ich kaue Tabak. Meine Frau erhob früher geharnischten Einspruch dagegen; aber seitdem sie weiß, daß der Oberrichter der Vereinigten Staaten auch kaut, hat sie ihren Widerstand aufgegeben und hält die An­gewohnheit für höchst respektwürdig..."

Vermischtes.

* Wie groß i st ein Am eisen st aat? So mancher, der dem Gewimmel der Ameisen zusah, hat sich gefragt, wie­viel solcher winzigen Geschöpfe ein Ameisenhaufen beherbergen mag. Dieses Problem versuchte der Genfer Professor E. Pemg zu lösen. Zunächst untersuchte er einen 60 Zentimeter hohen Haufen der roten Waldameise, indem er Schwefelkohlenstoff­dämpfe einströmen, den Haufen abtragen, in einen Sack packen und die getöteten Ameisen in einer Scheune auszählen ließ. Es zeigte sich, daß in diesem Falle dem menschlichen Wissens­durst 22 580 Ameisen und 13 500 Larven zum Opfer gefallen waren. Diese Methode der Zählung ward jedoch nicht bei­behalten, denn sie berücksichtigte ja nicht die große Schar der Arbeiterinnen, die auf der Nahrungssuche gewesen waren, während über die Zurückgebliebenen die Katastrophe herein­brach. Darum wandte man sich einem anderen Verfahren zu. Man brachte einen Holzspaten von 10 Quadratzentimeter Fläche an den Ameisenhaufen heran, und im Nu bedeckte sich das Holz mit Ameisen, die man sofort mit einer feinen Bürste in ein mit Spiritus gefülltes Gefäß hinabfegte. So verfuhr man mehrere Tage hintereinander jedesmal ungefähr zwei Stunden lang, bis der Haufen völlig entvölkert war. Auf diese Weise untersuchte Pemg im Hochsommer fünf Ameisen­haufen. DieEinwohnerzahlen" waren in runden Ziffern ausgedrückt die folgenden: 20 000, 48 000, 53 000, 67 500 und einmal sogar 93 700 Individuen (die Larven kommen hierbei nicht in Betracht). Keiner der untersuchten Haufen überschritt die Höhe von 70 Zentimetern. Für Ameisen­haufen dieser Größe dürfte man also vielleicht die Zahl von 100 000 Einwohnern als Maximum annehmen.

Kf. Der geschlitzte Rock. Der Hosenrock war ein voll­kommener Mißerfolg. Trotzdem scheint es, als ob er nicht ganz spurlos in dem Meere der Vergessenheit versinken soll: die

Pariser Modekünstler haben mit Erfolg verfrüht, zrvar nicht ihn, wohl aber eine hübsche Wirkung beizubehalten, die er ermöglichte. So unästhetisch die vollständige Spaltung des Rockes zum Hosen­rock wirkte, so gab dies viel verlästerte Kleidungsstück doch wegen seiner Fußireiheit Gelegenheit, ein zierliches und zierlich bestrumpftes und beschuhtes Füßchen zu zeigen. Das Gleiche ermöglicht die jupe fendue, der geschlitzte Rock. Früher endete der Rock meistens einfach in seinem Saume, der zuweilen durch Besatz betont war, und gewöhnlich eine ununterbrochene Linie wenn man von Falten absieht am Boden bildete, je nach der wechselnden Mode bald Höher oder tiefer lag rind so mehr oder weniger vom Fuße sehen ließ. Bei dein geschlitzten Rocke ist diese Linie an einer Stelle oder an nrehreren durch tiefe Schlitze unterbrochen, die seiner Trägerin die größte Bewegungsfreiheit geben und den Fuß sehen lassen; bei einer Abart sind iricht Schlitze vorhanden, soirdern der untere Rand des Rockes bildet flache Bogen. Auch bei dem streng- linigen Schneiderkleid möglich; hier verlängert sich die Schlußlinie des Jacketts am der linken Vorderseite des Rockes abwärts. Zu­nächst ist der Spalt nur scheinbar, am unteren Ende aber ist daS Kleid wirklich ein Stück offen, und knopsähnlicher Besatz rüst eine Wirkung hervor, wie etwa ein bis auf den Boden reichender, dabei sehr enger Mantel, dessen unterste Knöpfe offen gelassen sind. Auf diese Weise gearbeitet, kann das Schneiderkleid ganz eng anliegen und behindert dabei doch nicht im Gehen. Bei anderen solchen geschlitzten Röcken, die nicht nach dem Vorbilde des Schneiderkleides gearbeitet fiiib, sind vorne, hinten und an den Seiten kurze Schlitze mit einer einfachen Einfassung oder auch etwas mehr Besatz zu sehen. Bei Gesellschaftskleidern aus leichten Stoffen ivird nur ein Schlitz gewählt, dieser aber kann mit Hilfe von Spitzeuvolants zu einer völligen Draperie ausgestaltet werden. Die Volants laufen zunächst in gewöhnlicher Weise um den Rock herum, steigen dann an der linkeü Vorderseite, ivo sie dem Schlitze nähern, in die Höhe und kreuzen sich zum Teil. Eine etwas orientalische Wirkung, die ja auch der Hosenrock haben sollte, ist alleii diesen geschlitzen Röcken gemeinsam, wenn man vom Schneiderkleide absieht. Tie Wirkiing der Fnßfreiheit läßt sich auch durch ohne wesentliche Kürziing des Rockes dadurch erreichen, daß man ihn nicht schlitzt, sondern den unteren Rand an ein paar Stellen emporzieht, so daß der Saiun sanfte Bogen bildet. Diese Art des Rockes haben die Londoner Schneiderkünstler nach bent französischen Vorbilde des geschlitzten Rockes gebildet. Gewöhnlich bildet der Rocksaum nur zivei solche Bogen und die hochgezogenen Stellen liegen vorn und hinten. Die Art des Rockes verträgt am unteren Rande keine starke Betonung der Umrißlinie durch Besatz, sondern es kann nur eine ganz ein­fache Einfassung des Bogens gewählt iverden. Sollte diese Art des geschlitzten Rockes und seine englische Abart eine Zukunft haben, so wird die Neuheit wohl nicht ohne Einfluß auf die Schuh- und Strumpfmode bleiben.

* Es hatte den ganzen Tag in Strömen gegossen. Der Regen Hatte aber Dr. Pillmeier nicht abhalten können, seinen üblichen Rnndgang zu machen, aber sein Sohn und dessen Gast waren genötigt, sich nach Möglichkeit im Hause zu vergnügen.Sag mal, Fritz, willst du mal etwas Ulkiges setzen?" sagte Plötzlich der Doktorsjunge. Fritz nickte. Sie schlichen sich in das Sprech­zimmer und als sie da loareit, ging der Doktorssstinge auf deit Zehen an einen Schrasnk, steckte einen Schlussel in die Tür und warf sie offen.Guck!" rief er. Fritz fuhr zurück, denn aus der dunklen Höhlung starrte ihm ein Skelett entgegen.Bist du bange?" höhnte der Doktorsjuuge.Nnein," antwortete Fritz.Wwas für 'n Ulk! Wwer ist das?"WM ich nicht genau. Der Alte hat es schon lange," sagte der Doktors!-' junge ganz stolz.Ich denke mir, es wird sein erster P.atiM sein." ______________

Silbenrätsel.

an, et, der, du, dy, ec, il, ka, ka, lo, nach, ni, o, ta, ins.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines außereuropäischen Hafenplatzes er­geben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Ausländischen Ziervogel.

2. Figur aus Schiller'sWallenstein".

3. Stadt in der Rheinprovinz.

4. Slavischen Dichter.

5. Römischen Geschichtsschreiber.

Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer r

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nuntmer: Weiß. Schwarz.

1. T c 4 e 4 X 45 e 4:

2. Dalf6 K e 4 - e 3 ob. d 5.

3. Df6 f 4 ob. L f 1 g 2 f unb Sflatt.

A.

1..... Kd5 c6

2. Te4e7 Kc6 b 6,d6-db ob.Kcß d5.

3. Dal a6ob. Lfl g 2 f und Matt.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Langes Gies