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Samstag den fl. Februar o
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Das Witwenhaus.
Roman von Helene von Mühlau.
Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
„Wenn man es näher überlegt," sagte die alte Großmutter am Abend zu ihrer Tochter, „so hat das Mädchen gar nicht so dumm gehandelt. Nun behält sie das schöne Pflegegeld, das sonst die Fremde bekommen hätte, und wenn er sie schließlich doch noch heiratet. . ."
„Sprich keinen Unsinn, Mutter!" sagte die Natnsius hart, und sie strickte <an ihrer Maschine und zählte wie sonst: „Eins, zwei, drei, einmal abnehmen, dreimal glatt, vann abnehmen. — Wenn ich nur wüßte, woher sie das Geld zur Reise hat. — O, nun habe ich mich verzählt." Sie zog ein paar Runden auf, fügte die Maschine wieder ein, schob bett Eisenarm hin und her und zählte weiter. „Dreimal glatt stricken, dann abnehmen, dann fünfundzwanzig Runden glatt!"
Die Maschine klapperte, Und die alte Großmutter schlief am Ofen ein.
„Ja," sagte die Natusius halb träumerisch zu sich, „sie ist gar nicht so dumm. — Nun behält sie das Geld für sich und vielleicht. . . man kann ja nicht wissen . . . denn sie ist ja ein hübsches Mädchen und er hat sie ins Unglück gebracht — vielleicht heiratet er sie doch!"
Sie hatte sich schon wieder verzählt und mußte einen ganzen Brustteil vom Leibchen austrennen.
„Ich darf nicht so viel denken, die Maschine erfordert Aufmerksamkeit!" sagte sie und wurde stumpf und strickte bis tief in die Nacht, bis sie ihr Pensum für den Tag vollendet hatte. —
— In diesem Winter ging der Kosh alles viel besser Nach Wunsch, wie.in den vergangenen Jahren.
Jede Woche zahlte ihr der Doktor feine Rechnung und gab ihr zwei Mark extra für ihre Bedienung, und wenn sie sich sehr lebhaft bedankte, ftmes er sie wohl mit einem Scherzwort zurück.
Jede Woche zehn Mark bar Und noch einen kleinen Verdienst an Frühstück unb Abendbrot, das war aber ein Glück, bas ihre Frau eigentlich gar nicht genug würdigte, Und jedesmal, wenn die Kosh ihr das Gelb brachte, hielt sie ihr wieder eindringlich die traurige Sage vom vorigen Winter vor und redete so lange, bis ein Lächeln um Frau von Hilbachs Mund erschien.
„Und denken Sie mal, nun ist schon bald der erste November, pnd wir heizen erst feit acht Tagen, während rtr im vorigen Jahre schon im September zehn Briketts entlegen mußten. Erinnern Sie sich das noch?"
„Ja, Avsy, es geht bergauf mit uns!" sagte dann Brau von Hilbach, aber so redete sie nur der Kosh zuliebe, denn in ihr lebte eine große Angst und Bangigkeit für die Zukunft, von der sie bisher nichts gewußt hatte.
„Seit zwei Tagen will nun auch der Doktor Feuev, aber es null nicht so recht brennen," sagte die Kosh ein wenig sorgenvoll. „Ich werde mal mit einem Maurer sprechen müssen, damit wir zeitig abhelfen können, wenn etwas nicht stimmt."
„Hat er denn noch nichts vom Abreisen gesprochen?^ fragte Frau von Hilbach, und ihre Stimme klang beklommen.
„Ne, im Gegenteil, er hat mich gestern gefragt, ob wir ihm die Doppelfenster vor dem Winter einhängen könnten; nu, und daraus schließe ich, daß er ans Gehen fürs erste nicht denkt. Sie sind ein richtiger Glückspilz geworden, Frau von Hilbach. Sie wissen gar nicht, wie Sie beneidet werden, nicht nur hier im Haus, die ganze Stadt weiß schon, was für einen netten Fremden wir haben, und — passen Sie auf, der geht vor Neujahr nicht von uns weg."
Durch Frau von Hilbachs Herz zog es ivie ein warmer Sonnenstrahl.
„Wenn er doch bliebe, wenn er doch immer bliebe!" dachte sie und lauschte am Abend auf feine Schritte und schlief mit dem Gedanken an ihn, mit dem sie nie ein Wort geredet, ein.
Auf all die warmen Spätherbsttage war plötzlich ftarÄT Frost gekommen, so unvermittelt,, daß man zuerst ^ar nicht daran glauben wollte.
Die Kosh kniete verzweifelt vor des Loktors IDfen. Der war in Naumburg, und wenn er am ätzend durchfroren zurückkam, mußte er doch ein warmes jjimmer haben.
Sie hatte versäumt, den Maurer kommen zu lassen, und nun streikte dieser alte Ofen und -sandte dicke Rauchwolken ins Zimmer, so daß Kosh die Tränen in die. Augen tarnen.
Sie sperrte beide Fenster auf, lief zum Maurer Lehnert und hörte zu ihrem Schrecken haß neue Röhren eingesetzt werden müßten, und o! en pareu die Kacheln uicht mehr dicht, die müßten neu veiwlttet werden.
„Das nimmt zwei Tage in Anspruch, wenigstens können Sie vorher nicht heizen!" sc o st- der Maurer phlegmatisch und wußte nicht, daß er mist diesen Worten in der Kofy Innerem alles aufwühlte, V<va. augenblicklich aufzuwühlen war.
„Herr Gott, Herr C-■_ v* rief sie händeringend, lies zU ihrer Herrin und erzäb'st^, ihr von dem Mißgeschick.
„Man kennt iult'ja noch fo wenig!" jammerte sie, „wenn er nun bös jrtig wird und zieht, und so ein dummer Ofen trägi allein die Schuld, ach Gott, wenn ich nur wüßte, wie -m das beibringe!"
r ui von Hilbach war ängstlich geworden, sie V ragt, 2'n Untrer, wann er mit der Arbeit beginnen könne, da der Doktor immer schon früh morgens seine erfte ■'. ;ltberung antrat, versprach Lehnert fein Kommen für ^se Zeit, aber die Kofy lief mit verstörtem Gesicht ‘Der unb erwartete unruhig des Doktors Rückkehr^


