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Bride solle» daher, der Kürze halber, nur mit „M." und bezeichnet werden.
Die Führung des „M." hatte, wie beim ersten Aufstiege in Gießen, Herr Dr. Stuchteh aus Marburg, die des „H." Herr Dr. Elias-Berlin. Für ,L." waren die Herren Docler Und Schmidt aus Gießen, für „M." Herr Rechtsanwalt Röm- Held-Gießen und der Schreiber dieses als Passagiere vorgesehen.
Vor der Füllung der.Ballons suchte ich mich über die Befestigung der Reiß- und Ventilleinen, die durch den Gasrgumi der Ballons hindurchlaufen, zu orientieren, wär es nötig, durch die untere Ballonöfinuna hindurch in die Ballons hineinzukriechen, was, ..b^i erst nach einigen vergeblichen Ver- s'lchW'Mglich war. .,,
Die Füllung der Ballons ging dank der guten Einrichtungen der städtischen Gasanstalt rasch vorwärts und damit wuchs die Erwartung von Minute zu Minute. Zur Orientierung über die Richtung, die wir einschlagen würden, wurde ein Pilotenballon losgelassen, der entgegen der Voraussage der Wetterkarten, eine nördliche Richtung einnahm. Nun hieß es: einstcigen zur Abfahrt. Bei Feststellung der Auftriebsfähigkeit zeigte es sich, daß beide Ballons eine größer« Tragkraft hatten, als erwartet war, so daß in jedem Ballon noch ein Passagier Aufnahme fmden konnte. Rasch entschlossen meldete sich für „M." Herr Bankier Bang aus Marburg und für „H." Herr Ost aus Gießen. Herr Bang war als Vorstandsmitglied des Marburger Vereins nur als Zuschauer erschienen, aber ohne langes Besinnen tauschte er Hut und Stock gegen eine Sportinütze aus und stieg zu uns. Ruil folgte noch ein .Händedruck an Freunde und Bekannte, ein „Glückab" und auf das Kommando: los! entschwebte „M. sanft den Händen unserer Vaterlandsvertcidiger. Sogleich zeigt» es sich aber, daß der Auftrieb nicht groß genug war: wir mußten daher sofort Ballast geben, den leider die Zurückbleibenden als häßlichen Abschiedsgruß von oben her erhielten.
Man sollte meinen, daß man bei der Aufwärtsbewegung ein Ähnliches Gefühl wie in einem Aufzuge haben müßte. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Man merkt überhaupt kaum etwas. Man glaubt stille zu stehen und die Gegenstände der Erde bewegen sich. Dies erklärt sich durch die außerordentlich sanfte Bewegung, während ein Persolrenaufzug immer Erschütterungen ausgesetzt ist.
Wir bewegten uns zunächst noch in geringer Höhe über den Botanischen Garten, das alte Schloß und den Landgraf-Philipp- Platz, wo die Gemüsehändlerinnen in Hellen Aufruhr gerieten. Weiter fiel uns noch die Schuljugend auf, die auf den verschiedenen Spielplätzen ihrer Begeisterung für die Lustschiffahrt Ausdruck verlieh.
Allmählich erreichten wir über der Lahn eine größere Hohe (etwa 800 m), so daß wir Gießen nun ganz übersehen konnten. Es sah prächtig ans. Besonders trat der Festungscharakter der von der Anlage umgebenen Altstadt schön hervor und hob sich scharf vom neuen Stadtteil ab. Wir folgten nun der Lahn, ohne deren Krümmungen mitzumachen, vielmehr also der Lahn- linie, von wo das „taktvolle" Arbeiten der Streckenarbeiter deutlich zu »ns heraufklang. Wir übersahen nun das ganze schöne Landschaftsbild, das Gießen umgibt: die Ruinen Gleiberg und Vetzberg, den Dünsberg, den lieblichen Schiffenberg Und dahinter den hohen Vogelsberg, während in unserer Fahrt- richtung Marburg sichtbar war und sich weiterhin Berg an Berg reihte. An Einzelheiten fielen uns verschiedene Gärtnereien durch ihre scharf gegliederten, verschieden gefärbten Blumenbeete auf, sodann das Dorf Launsbach auf der anderen Seite der Lahn, das als rechtwinkliges Dreieck erschien. Bald hörten wir unter uns Wasser rauschen: es war die einsame Badenburg, deren Wasserfall sich gerade unter uns befand. Weiter überflogen wir, etwas nach Osten abweichend, den Hangelstein und kamen über Lollar, wo wir wiederum von der Schuljugend, die gerade Pause hatte, mit viel Geschrei und Tücherschwcnken begrüßt wurden. Die gesprengten Hochöfen waren zwar nicht mehr sichtbar, aber dennoch machten die Werke einen stattlichen Eindruck.
Unser Weg führte uns nun über den Staufenberg, wo uns ein Teich auffiel, der uns bis dahin unbekannt war, dann folgten wir ein Stück dem Laufe der Lumda aufwärts, überflogen den Oderwald und gelangten in der Richtung auf Amöneburg in die fruchtbare Ebene des Ebsdorfer Grundes, mit seinen vielen Dörfern, wo ein Zügle der Lokalbahn sich gerade mühsam vorwärts' schlängelte.
Die Richtung auf Amöneburg behielten wir bei und hatten das Glück, die so gern besuchte, schöne Bergstadt von oben fett schauen. Ein herrlicher Anblick! Auch den braven Bürgern muß das so vorgekommen sein, denn sie begrüßte» uns aufs Lebhafteste.
Wie die Lahn und Lumda uns durch die nach unten gerichtete Luftströmung etwas von unserer Richtung abgelenkt hatten, so wiederholte es sich bei der Ohm und Schwalm. Immerhin kamen wir tu die nordöstliche Richtung immer wieder zurück und gelangten über die altertümlichen Städte Neustadt und Treisa und über) die von der Schwalm in wundersamen Zirkeln umflossene, ehemalige Festung Ziegenhain nach Frielendorf, dessen zu Tage liegende Braunkohlenbergwerke uns wie wimutelnde Ameisenhaufen er
schienen. Den Eindruck der Höhe und Tiefe hab Man ja bekamrk- ltch von oben nicht. Ein Berg erscheint nur aus der Ferne gesehen als Erhebung.
Unser Führer hatte sich stets bemüht, möglichst in Höhe von etwa 1000 Meter zu bleiben, was durch die Höhenmeßinstrumente kontrolliert werden konnte. Jede Aufwärtsbewegung machte sich außerdem durch Gasgeruch, jede Abwärtsbewegung durch eine» schwachen Druck auf das Tromnielfell des einen unserer Fahrt- .-UKösien L«rrer!bar, ber dadurch als lebendes Barometer wirkte. Beim Fallen des Ballons wurde natürlich Sand ausgeworfen, um die Höhe beizubehalten. Häufig geschah es nun, daß wir schneller fielen als der Sand, so daß wir selbst davon überschüttet wurden, was beim Kvtelcttfrühstück unangenehm, beim Schreiben mit der Füllfeder aber ganz praktisch war.
Das Wetter war während der ganzen Zeit sehr schön gewesen, aber, .da totr im Sonnenschein fuhren, war auch das Gas stark ertoärmt worden und Gasverlust eingetreten. Wir hatten dadurch zuletzt eine Höhe von 3000 Meter erreicht. Leider sollte unsere schöne Fahrt damit aber auch bald zu Ende sein, denn nun kamen wir in den Schatten der Wolken, wodurch sich das Gas rasch abkühlte und uns trotz aller Ballastabgabe zu Boden zwang. Das Schleppseil chatten wir schon vorher ausgeworfen. Bald schleifte es auf der Erde. Die Bedingungen zur Landung ivaren sehr günstig. Wir befanden uns über freiem Felde, an der Bahnstrecke Treisa- Eschwege, ganz in der Nähe einer Fahrstraße, so daß wir nach kurzer Fahrt in geringer Höhe unter dem Staunen der herbei- eilenden Landbevölkerung über einem Kartoffelacker bei Wernswig die Reißleine zogen und landeten.
„H." war kurz nach uns anfgestiegen und während der ganze» Zeit in Sicht gewesen. Bei unserer Landung fuhr er über uns weg, mußte aber 15 Kilometer weiter ebenfalls niedergehen.
Das Abrüsten des Ballons ging mit Unterstützung hilfsbereiter! Hände rasch vor sich. Sehr zu statten kam uns die Mitwirkung eines ehemaligen Angehörigen der Liiftschifferabteilung. Die Flurschadenfrage war durch das Eingreifen unseres erfahrenen Bankiers schnell gelöst und ein Fuhrwerk zur Stelle, das Ballonhülle und Korb nach der Bahnstation Frielendorf brachte. Wir aber nahmen vor der Rückreise einen Abschiedstrunk, dankbar dem tüchtigctzi Führer und, in dem Bewußtsein, einen unvergeßlich schöne» Tag erlebt zu haben.
Dr. K. Feist- Gieße».
* Eine kühne Weltumsegelung. Vor einigen Tagen sah man im Newyorker Hafen einer kleinen gebrechlichen Segeljacht zwei sonnengebräunte Männer entsteigen, struppige, bärtige Gesellen, denen das Haupthaar bis weit über die Schultern hinabhing. Der eine der beiden Fremden war groß und stark und schien in der Mitte der Vierziger zu stehen, der ändere schien zwar nicht jünger, aber seine Gestalt ivar fast zart, klein und schn,regsam. Das ivaren die beiden k ü h u st e u W e l tu m s e g l e r der Gegenwart, der Große heißt Peter Arapaki, ein griechischer Seemann, der Kleine ist ein Engländer aus Coventry und heißt John B l y t h e. Sie können sich rühmen, eine der verwegensten Weltumsegelungen seit den Tagen des Kolumbtis hinter sich zu haben, denn in ihrem kaum 12 Meter langen, kleinen Segelboot haben sie am 3. Mai 1910 die Ausreise von B u n b u r y ans Australien angetreten und sind jetzt nach der Umsegelung des Kaps Horn glücklich in Newyork gelandet. Aus der kleinen Segeljacht „Pandora" haben sie auf den Weltmeeren 122 900 Seemeilen zurückgelegt.
* Im Restaurant. Gast (die Speisekarte studier end)l „Was können Sie mir besonders empfehlen?" — Kellner: „Essest Sie Sauerbraten; das ist dasj einzige, worüber sich heute »och keiner beschwert hat!"
ZitatenrStsel.
Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:
1 . Was nützt mich der Mantel, wenn er nicht gerollt ist l
2 . Nicht um Gnade will ich betteln, ich verlange nur mein Recht.
3 Und darum Räuber und Mörder!
4 Vergelten will ich's Euch, wenn Ihr mein Leben schont.
6. Schwer büßen soll der Frevler, der die Tat verübt.
6. Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn.
7. Mau hat Exempel, daß man denMord liebt und den Mörder straft. Auflösung in nächster! Nummer.
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Wem: ein Liebes dir der Tod Aus den Augen fortgerückt, ’ Such' es nicht im Morgenrot, Nicht im Stern, der abends blickt.
Such' es nirgends früh und spät, Als im Herzen immerfort; Was mau so geUebet, geht Nimmermehr aus diesem Ort.
Justinus Kerner.
Rebattion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange; Vietze»


