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eud) zur Diele auf," befahl er, „ich will die Herrschaften empfanden." r . , . ..
Die Bierthalern knixtc. „Gott fei baut," sagte |te, „sie hatten sonst alte Veilchen tut Garten ausgerissen und auch die Maiglöckchen und auch die Veigelien."
Niels stutzte. „I schau! Haben sie bannt gedroht? Er nickte. „Das ist eine Erpressung in optima forma. Das ist hübsch. Energie des Wollens, Moebius, die Pir bei Eberstedt zu fehlen schien. Beinahe ein Banditenstreich. Das freut mich."
„Willst du die Leute wirklich heremlassen, Niets?
„Ei ja - wegen der Traute. Das ist das Jrrlichtmodeli, das ich Huben möchte."
„Sie wird sich hüten." • , .. . ,
„Immerhin meine Sache. Geh, zieh dich um! Odor willst du Johannes bleiben?" .
„Dazu fehlt mir die Hochstimmung. Zagtest du nicht, mein Gesicht gefiele dir nicht?"
„Ganz und gar nicht. Zu viel Schlagsahne, zii wenig! ehrliches Brot." , ,
Moebius nahm stillschweigend einen Pinsel mit Kremser Weiß und fuhr damit über das Gesicht des durch den Wald schreitenden Mannes auf dem Bilde. Dies Gesicht wurde zu einem Hellen Flecken, der allmählich! grau verlies.
„Gut so," sagte Mels, und während Moebius ging, zog er den Vorhang zurück und klinkte das Fenster auf.
Es klang hell. Unten im Garten hoben sich aller Köpfe. . . ....
„Ich habe die Ehre," rief Niels hinaus und winkte. „Eberstedt, bist du der Sprecher für die erlauchte Ge- meiiibe?"
„Meister, ich bin es," erwiderte Eberstedts „Aber wir wollten dich nicht stören, weil du im Bade bist. Oder bist du schon abgetrockuet und hast du bereits zu ruhen geruht?"
„Erledigt," sagte Niels. „Was hast du mir mitzit- teilen?" ,
„Vieles und Interessantes, Aber es laßt sich Nicht durch das Fenster rufen."
„Ist auch nicht nötig. Ich bitte einzutreten. Jllustre Gäste heiße ich gern willkommen. Ich habe eine neue Sendung Chianti da, die bitte ich zu proben. Und für die Damen getrocknete Datteln aus den Oasen Algeriens, Feigen aus Chios und in Zucker getauchte Veilchenblätter von den Bazaren in Bagdad."
Er machte noch eine einladende Bewegung mit den Armen und schloß wieder das Fenster.
Unten war man sehr erstaunt.
„Was habe ich euch gesagt?" sagte Eberstedt triumphierend. Er tat so, als habe schon sein Anblick den Löwen gezähmt. Die Mädchen umringten ihn; sie waren begeistert. Auch die Herren hatten eine so rasche Abwicklung nicht erwartet. Mursinna schüttelte den Kopf. „Mich hat er neulich abgewiesen," murmelte er. . . . „Du bist auch nur du," sagte Noeidechen..... „Meine Damen," rief Friederiei,
„ich bitte Vorsicht walten zu lassen. Das Unerwartete macht mich stutzig. Es kann Falltüren geben und automatische Fesseln."
Ellen Meier wurde ganz blaß. Sie entsann sich eines schrecklichen englischen Romans, in dem ein Bahnhofsvorsteher seine Geliebte sechs Wochenlang gefangen gehalten hatte.
„Er ivird doch nicht," wisperte sie Traute zu.
Traute amüsierte sich. Sie hatte heute ihren rosen- farbenen Tag. „Man kann nie wissen," entgegnete sie. „Er soll ein Blaubart sein. Aber wenn man ihm fest in die .Augen guckt, ist man gefeit."
„Nein," sagte Eva Delbrück, „sowie er die Hand erhebt, um einen nmzubringen, muß mau drauf spucken. Das lähmt seine Kraft."
Nvcdvn benutzte die Gelegenheit, die rundlichen Arme von Suse Appelmann unter die feinen zu ziehen.
„Halten Sie sich nur immer an mich," flüsterte er ihr zu. Suse tat es. Sie toäre für ihr Leben gern Fran Marquise geworden.
Inzwischen ivar die Bierthalern wieder erschienen und hatte gebeten, näher zu treten. Es ging durch das Dreppen- häus; das war vollgestopft mit alten Bauernmöbeln. Es ging eine schmale Treppe hinauf; das Geländer war rot Md gelb gestrichen, M ging durch das Eßzimmer; dg
hing ein schöner Gobelin. Der wandhbhe Kaminmantek gegenüber war mit Ziegeln eingedeckt.
„Stillos, stillos, stillos," murmelte Mursinna und zuckte mit den Nasenflügeln.
Nun wurde die Türe zu der großen Diele geöffnet. Sie lag int Hellen Sonnenlichte. Das Sonnenlicht glftt iveiter' durch die Wohnstube, die zugleich Bibliothek war, und durch das Atelier. Es waren schöne Räume. „Stillos," murmelte Mursinna verächtlich.
Niels Kruse trat seinen Besuchern entgegen und entschuldigte zunächst sein Kostüm. „Ich war bei der Arbeit," sagte er, „da liebt man die Bequemlichkeit. Beachten Sie weniger mein Ich als die umliegende Welt. Sie ist be- zeichnend für das Ganze meiner Lebensführung: sie ist ohne System."
Die Mädchen reckten unwillkürlich die Hälse und inach- ten große Augen. Die meisten hätten Niels Kruse nie gesehen. Aber sie kaunten Porträts von ihm. Aus denen hatte er einen bewundernswerten Christuskopf: mit schönem, sanft fließendem Vollbart und gewelltem Haar. Jetzt ivar der Mann glatt rasiert und sein Schädel geschoren wie der eines Galeerensklaven.
Aber wenn man gedacht hatte, Niels Kruse sei ein ungeschlachter Bär, so irrte man sich. Er ivar ungemein liebenswürdig. Er ließ sich durch Eberstedt Vörstetten, wen er noch nicht kannte. Er hatte auch für die Damen ein paar nette Worte. Er sagte zu Eva, er freue sich, die Tochter des einzigen Senators der Freien und Hanse-Stadt kennen zu lernen, der beit Mut gehabt habe, allgemeiner Ansicht ber hohen Herren vom Rat zu trotzen, die nackten Putten am Fries des neuen Seeamts verletzten das Fein- empfinden. Und vor der Tochter des Oberbürgermeisters verneigte er sich besonders tief und nannte sie Priuzessiu; dann machte er Lili Men lens ein Kompliment wegen ihrer reizenden Nixenaugen. „Ja," sagte er, „Nixenangen. Stellen Sie sich einmal, in die Sonne, Gnädigste. Jetzt ist das Auge ganz tief und grün, und bei kleiner Wendung schimmert es bläulich, und fällt ein Schatten daraus, so wird es zusehends dunkel. Eine Transformation, die nur wenigen Glücklichen eigen ist. Ich möchte gern Ihre Augen geborgt haben . . ."
(Fortsetzung folgt.)
Das Landhaus in Hampshire.
Eine Detektivgeschichte von Conan Doyle. (Fortsetzung.)
„Hampshire — Copper Beeches; reizender Landsitz sünf Meilen hinter Winchester. Sie können sich feine anmutigere Gegend, keine heimlichere Behausung denken, mein liebes Fräulein."
„Und meine Obliegenheiten?, Darüber möchte ich doch auch' gerne etwas erfahren."
„Ein einziges Kind, ein kleiner, lieber Bengel von genau sechs Jahren. Wenn Sie sehen könnten, wie er Schwaben und andere Käfer mit dem Pantoffel totschlägt! Klatsch, klatsch! geht es, und im Nu sind sie kaput." Dabei lehnte er sich in den Stuhl zurück und lachte wieder, daß seine Augen völlig verschwanden,
„Ich war nicht wenig verdutzt über den eigentümlichen Zeitvertreib des Kindes, allein da dessen Vater so darüber lachte/ dachte ich, er mache vielleicht Scherz."
„Meine einzige Obliegenheit wäre also," fragte ich weiter, „für das eine Kind zn sorgen?" -
„Nein, nein, das ist nicht alles!" rief er, „Sie wären! außerdem verpflichtet, was Sie ja gewiß als selbstverständlich betrachten würden, den Weisungen: von feiten meiner Frau nach- zukommen, vorausgesetzt, daß deren Befolgung für eine gebildete Dame keinerlei Anstand böte. Dagegen haben: Sie doch kein Bedeuten, wie?"
„Es wird mir ein Vergnügen sein, mich nützlich machen zn' können." ivvi,
„Nun, ja, z. B. was die Kleidung betrifft. Wir sind wunderliche Leute, wissen Sic, — wunderlich aber gutmütig. Falls wirs von Ihnen verlangen, ein Kleid von uns anzuziehen, so würden Sie teilten Einwand gegen diesen kleinen Wunsch erheben, nicht!
„Nein," erwiderte ich, ziemlich erstaunt über diese Aeußerung.)
„Oder sich dahin und dorthin zn setzen, —■ daran würden Sie doch feilten Anstoß nehmen?"
„O nein."
„Oder vor Ihrem Eintritt bei uns Ihr Haar ganz kurz abzuschueideu?" .
„Ich traute meinen Ohren kaum. Wie Sie vielleicht be- Merten, Herr Holmes, ist mein Haar ziemlich üppig und hat eine ganz besonders kastanienbraune Färbung, die schon von MBlr


