Ausgabe 
10.7.1911
 
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Das nette Mädel.

Roman von Fedor von Zobeltitz<

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Den weißen, festgestampften Schlängolpfad hinab, der über die Heide sich wand, radelte ein Schwarm junger Leute. Das Metall der Räder gleißte. Drei Herren hatten die Führung. Dann kam ein Rudel von Mädchen: jhre Röcke flogen.

MoebinS lächelte.Die Goldene Horde," sagte er.

Und Everstedt hat die Tete," fügte Kruse hinzu.Ich liebe ihn nicht. Für den Subjektivismus in .Bügelfalten und Lackschuhen habe ich keine Neigung."

Es ist schade um ihn," meinte Moebius.Unter andern .Verhältnissen hätte er viel Tüchtigkeit und pro­duktive Kraft entwickeln können. Was er geworden, ist nur ein Typus für die Unruhe des modernen Lebens."

Eine Karikatur," sagte Niels.Ein Zerrbild auf Nietzsches Herrenmenschen."

Im Grunde genommen ist er eine weiche Natur. Daher das Zerrbild. Die Energie des Wollens geht ihm ab. An­läufe auf der einen Seite, .Verkümmerung auf der andern. Das Resultat: eine haltlose Unfertigkeit." i

Niels nickte.Schade nm ihn," wiederholte er.Er stand mir einmal näher. Mer dann kam etwas, was der Freundschaft den Knacks gab. Eine bewußte Gemeinheit, in seinen Augen ein erlaubtes Beuterecht. Ich weiß, auch in diesem Falle kam die Reue bei ihm nach. Er ist ein Spiel­ball seiner Stimmungen."

Moebius wurde aufmerksamer.Die kommen wahr- hafkig zu dir," sagte er.Ich sehe, auch Fred Dewa ist dabei und das Insepcirablespaar: Friederici und Ivedön. Und Eva Delbriick und Fräulein Henny sie nehmen am Gartentor Ausstellung, und es hat den Anschein, als wolle man zu einer regelrechten Belagerung schreiten."

Niels zog den Freund vom Fenster.Komm zurück!"

Es läutete schon an der Haustür: ein dumpfes, klagendes Muten, wie von einer Kuhglocke auf ferner Weide.

Als die Bierthalern öffnete, hatte die Goldene'Horde den ganzen kleinen Borgarten mit Beschlag belegt. Ever- stedt stand wieder vorn. Die Mädchen bildeten einen Kranz um die Beilchenrabatte. Die übrigen Herren hatten zwi­schen den Stockrosen des Mittelweges Aufstellung genom­men und zeigten militärische Haltung. Alle Räder standen draußen 'am Zaun und neigten sich rechtsseitig.

Everstedt zog vor der Bierthalern respektvoll den Hut. Im gleichen Augenblick entblößten auch die anderen Herren die Köpfe und die Damen machten ein tiefes Kom- Mment.

Unfern Gruß zuvor," sagte Everstedt.Ihr kennjt mich, Donna?"

Aber nu ja, Herr Everstedt," antwortete die Bier­thalern und grinste.Was werd fch denn nicht."

Ist der Meister daheim?"

Ja, das ist er. Aber er ist grade im Bade und dann muß er drei Stunden ruhen und darf den ganzen Tag nicht sprechen."

Das ahnten wir, doch wir glauben es nicht. Sagt dem Herrn Professor, eine ganze Deputation sei hier: die Blüte der Jugend unserer guten Stadt, das Beste an Anmut und Schönheit. Und es handle sich um etwas ungeheuer Wichtiges, das sich auch nicht aufschieben lasse. So sagt."

Die Bierthalern schwankte. Sie hatte nun auch die Bürgermeisterstochter erkannt und Herrn Konsul Friederici. Es war keine bloße Ulkprozession, sondern etwas Feines. Dennoch antwortete sie:

Es geht nicht, Herr Everstedt. Es ist so: der Herr Professor läßt keinen nicht vor."

Also schön. So vermeldet ihm, wir hielten aus. Wir warten die Beendigung des Bades ab, auch die Ruhe gönnen wir ihm. Dann fordern wir Borlaß. Er braucht nicht zu sprechen; das Sprechen besorgen wir selbst. Er braucht nur mit dem Kopfe zu nicken. Inzwischen bringen ivir den Garten in Ordnung."

Den Garten in Ordnung?" fragte die Bierthalern verwundert.

Jawohl. Wir reißen die Weilchen heraus, die passen nicht hierher. Auch drüben die Maiglöckchen machen sich nicht gut. Noch weniger die Pfingstrosen und die neue Beigelienhecke. Das reißen wir alles heraus und werfen es über den Zaun. Wir werden schon Ordnung schaffen."

Boll Entsetzen wich die Bierthalern zurück und ent­schwand hinter der Tür.

Indes war oben im Atelier Niels Kruse nochnrals hinter den Fenstervorhang getreten und äugte hinaus.

Was will die Kolonne?" fragte er.Hol mich der Geier, man weiß doch, daß ich mich nicht sprechen lasse! Glaubt Everstedt, daß mich der Schwarm seiner Gänschen weich stimmen wird?" . . . Nun lüftete er den Vor­hang etivas mehr. . .Arthur," sagte er,ich bitte dich, komm einmal her. Borsichtig--so siehst du

das Mädel mit dem Matrosenhüt und dem weißen Swea­ter? Die Sonne scheint ihr gerade ins Gesicht und sie zuckt nicht mit der Wimper. Das kann nur eine, die selber Sonne in sich hat. Kennst du die Kleine?"

Ja," entgegnete Moebius,die habe ich konfirmiert. Es ist Traute Köhler. Ein nettes Mädchen, lebt aber unter wenig erfreulichen häuslichen Verhältnissen."

Nun trat die Bierthalern wieder ein und war in starker Erregung. Doch Niels ließ sie nicht erst zu Worte kommen.

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