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noch brauchte, die mich nährte, über die ich! verdienen Mißte durch meinen Schweiß.

Es wat mir, als hätten diese Höhen mit ihrer klare!: Lust beu£ Himmel näher, alle Dünste und Gedanken aus meiner Seele geweht, die gedroht, die Beruuuft zu er­sticken und ein unnützes Glied der Gesellschaft aus mir zu machen.

Die herbe Luft hatte mir Heilung gebracht. Ich wollte zurück zu der Erde, zu. den Tälern, unter dem milden Auge meines Weibes, das da meinen Weg verfolgend herab- blickte auf mich, wieder zurückkehren zur Arbeit.

Da ich nun herabgestiegeit war zu den Niederungen der Menschen, fand ich mich allmählich zum Leben zurück.

Ich war wieder eingetreten. Meine Bitte wurde berück­sichtigt, mich aus dem Regiment zu nehmen, dem ich aic- gchört hatte. Jschi wollte alles hinter mich werfen, frisch beginnen. So lieb die Kameraden waren, nichts sollte mich mehr mit der Vergangenheit verknüpfen. Da ich in- zwischen Major geworden Ivar, wurde auch mein Wirkungs- .kreis ein anderer.

Ich hatte gefürchtet, in dieser Zwitterstellung zwischen der Schwadron und dein Regiment nicht Arbeit genug zu finden. Der Zufall kam zu Hilfe. Der Kommandeur wurde krank, ich mußte ihn vertreten. Sein Leiden zog sich hin, und allmählich ruhte ans mir der ganze Dienst des Regi­ments. Als er dann gesund geworden war, schonte er sich noch, überließ mir viel und war mir dankbar, wie ich im stillen Herzen ihm.

In einem Greuzort lag unser Regiment. Belustigungen gab es nicht, wein Theater, keine Zerstreuung. Mir gerade recht. Ich lebte nun mit all den jungen Leuten im Kasino zusammen, mit gutgeartcten Menschen, die es mir zur Freude machten, über ihnen und zur Seite ihnen zu stehen.

In mir, der ich nun, Ivie mir schien, alt, sehr plt geworden war, erwuchsen wieder meine jungen Lcutnants- jahre, und mit der Jugend versuchte ich jung zu sein. Ich habe in jenen Zeiten wieder lachen gelernt, habe die Scherze erlebt, die die Jugend treibt, habe den Leichtsinn mit an­gesehen der zwanzig Jahre. Ich, der ich kein Philister ge­wesen, der ich einst selbst geglaubt hatte, die Welt auf den Kopf stellen zu sollen, habe mit diesen jungen Leuten ge­wirtschaftet und gearbeitet, habe manchen, der auf der 'Kippe stand, zu Vernunft und Ehre zurückgeführt, wenn beides drohte, au ihren Grenzen erreicht zu werden.

Ich weiß es heute und darf es von mir sagen, daß ich i» dieser Zeit ein guter Geist gewesen bin manchem jungen Blut. Ich habe nicht gefragt:Wie könnt ihr das tun?" wenn die Versuchung an sie hcrantrat. Ich habe ihnen gesagt:Lieben Freunde, auch ich war jung, auch mir standen mal die Sterne nicht hoch genug. Nach allen Planeten und Sonnen wollte ich greifen. Das kühlt sich mit der Zeit, und wir erkennen, daß der Himmel welten- iveit sich über uns wölbt, daß wir nur still im Abglanz feiner Lichter leben, daß die Berührung mit ihnen uns versengen würde und verbrennen."

Ich habe diesen jungen Menschen in Gefahr zur Seite gestanden. Ich habe gesagt: ,,Du brauchst zu viel. Ist das anständig, wenn du mehr änsgibst, als du hast? Auch ich habe mehr Geld vertrödelt, als ich besaß, ober ich bin auch zeitig genug erwacht. Erwache auch du."

Wenn einer drohte, in den Fesseln der Liebe hängen zu bleiben, dort, luo die Liebe lhine Liebe war, zn ihm habe ich gesprochen:Sieh, mein junger Freund, mein Herz, mein armes Herz hat einstmals täglich für eine andere geloht. Auch mein Herz wollte sich verlieren. Was kommt dabei heraus? Raffe dich ans, rette dich. Behalte den Kopf oben. Sieh! dich um nach einer braven, lieben Fran!"

Sie glaubten mir alle, diese jungen Leute, die von Hause gekommen waren, von der Schule, ans dem Korps, mit seinem Zwang und seiner Unselbständigkeit. Hinans- geschickt, mit einem Male frei, auf sich selbst gestellt. War es ein Wunder, wenn sie da nicht gleich feststanden?

Ich habe glückliche Zeiten verlebt mit diesen blonden, schlanken, großen deutschen Menschen meiner Abkunft, meiner Rasse, meines Volkes. Menschen, die alle gut geartet waren, die nur Lebenslust und heißes Blut manch­mal trieb, über die Stränge zn schlagen.

. Da waren welche aus dem fernen Osten, Gutssohne, ousgewachien mit den Pferden, unverdorben von der Stadt.

Da waren andere aus Berlin, die sich unglücklich fühlten in der Verbannung, hier in unserem kleinen elsässischen! Nest. Sie kämen zu uns, angekränkelt vom Hauch der Groß­stadt. Die meinten, hier sterben zn müssen, sprachen davon, den Abschied zu nehmen, waren bleich und müde und lässig. Sie kämen mit der Idee, dem Vorgesetzten, der ganzen Welt fluchen zn sollen, da man sie hierher gesetzt in diesen elenden Ort, wo kein anständiger Mensch leben könnte.

-Aber wir, die Aelteren, --- denn ein paar Rittmeister halfen mir dabei zeigten ihnen, daß man überall leben und überall glücklich sein kann, wenn man. nur eins hat Arbeit. Wir sagten ihnen in langen Stunden int Kasino, wenn nach Tisch die Zigarre brannte:Ihr seid hier auf eilten Ehrenposten gestellt, ihr sollt junge Volksgenossen, die aus den Fabriken kommen, ans Dunst und Qualm, die von niederen Berufen stammen, wo sie gearbeitet wie die Maschinen, ohne aufznblicken von utorgens früh bis in die Nacht, zn Menschen erziehen und zu menschenwürdigem Leben.

Ihr sollt ihnen zeigen, daß es das Höchste ist, seine Pflicht zn tun, daß man aber dabei - - und wenn man auch stramm steht ein freudiges Gesicht machen kann. Ihr sollt euren Stolz darein setzen, nach einem Jahr schon einen bleichen, verhungerten Menschen von der Landstraße, einen überarbeiteten Burschen ans der Fabrik, einen groben, ungeschlachten Jungen vom Lande, einen verkommenen! Städter untzriwandeln zum frohgesinnten Reiter. Zu einem Menschen, der seine Glieder gebrauchen lernt, der etwas hört und sieht und weiß von der Welt. Ihr sollt Erzieher sein. Und müßt ihr euch da nicht zuerst selbst erziehen?"

Dann haben wir Ritte zusammen gemacht und den jungen Offizieren beigebracht: die Freude am Pferde, am Material, das uns dienen muß, die Sorge für den Beruf, für den kommenden Krieg.

An den Abenden in jenem kleinen Nest haben wir ihnen gezeigt, daß es edlere Freuden gibt als Trunk intbi Spiel, das; man niedersteigen kann in die Schönheiten von guten Büchern, daß das, was man einmal gelesen und gelerut hat, uns Besitz bleibt, uns erhöht Und kräftigt und gesundet.

Und alle diese jungen Soldaten - - mein Gott, es gab auch Ausnahmen dabei, denen keiner von uns helfen konnte sie alle wandelten sich um. Sie saßen die Abende zu Haus; sie lernten, sie lasen. Sie unterhielten sich. Sie hörten von den älteren ein Gespräch über ihre Jahre hinaus, daß die Welt nicht nur steht zum Lachen und Scherzen, daß das Dasein, wenn man ihm auch mit festem, freudigem Auge ins Gesicht sehen kann, ernst ist, bitter ernst.

Diese jungen Leute lernten in jener Zeit im kleinen Kreise unserer Damen, daß esWeiber" gibt, an die sie nicht brauchten Hirn und Geld zu verlieren, die ihnen etwas mitgeben konnten, wenn sie nach Hans gingen: das Gefühl, in Berührung gewesen zu sein mit einer anständigen deut­schen Frau.

(Fortsetzung folgt.)

Gefangene Zranzosen in Eichen.

Bereits am 5. August 1870, unmittelbar nach der Schlacht bei Weißenburg", passierten die hiesige Eisenbahnstation die ersten ^gefangenen französischen Soldaten, unter denen sich auch viele Tn r kos befanden, die unter preußischer Bedeckung nach Norden befördert wurden. Viele von ihnen trugen noch Gewehre, Patronen und Seitengewehre bei sich und wurden hier erst ent­waffnet. Am 6. August kam die erste erbeutete französische Kanone über Station Gießen, die als Trophäe in die Ruhmeshalle nach Berlin gebracht wurde. Fast jeder Tag brachte Verwundete Und Gefangene, denen am Bahnhof, wo eine Verpflegnugsstation ein­gerichtet war, Nahrungsmittel und Erfrischungen gereicht wurden.. Sofort Nach der Kriegserklärung mit 15. Juli batte sich in Gießen ein ö ilf er ein z ii r P sieg e d er Kra n ke n u ndVer- mundeten gebildet, bei beut infolge eines Aufrufes an die Bürgerschaft schon am 26. Juli an freiwilligen Gaben für die Krankenpflege 2579 st. einliefen. Ein aus Bürgerssöhnen und «Indenten gebildetes frei w illiges Sanitäts T o r p s stellte dem Hilfsverein seine Kräfte zur Bersügmig. In den Kliniken und in der Turnhalle fhinter bet heutigen Rickerschen Buchhand­lung) entwickelte der Alic e- F r a u enverein eine rege Tätig­tet zur Herstellung von Verbandstoffen. Am Seltersberg, in der Nähe der heutigen neuen Kliniken wurden Vorkehrungen getroffen zur Errichtung von Baracken für die Ausnahme vost Krauten und Verwundeten. In den ersten Tagen des August trafen auch die ersten Verwundeten hier ein.