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Mann sie verhindert habe, die Bitte des Gefangenen zu er­füllen. Die Königin wurde von einer leidenschaftlichen Wut erfaßt. Sie schüttelte die sterbende Gräfin und schrie ihr zu, daß Gott ihr vielleicht verzeihen würde, sie aber, Elisabeth, niemals. Gebrochen eilte die Herrscherin dann aus dem Zimmer, Schmerz und Leid drückten sie nieder, sie machte vierzehn Tage lang, nahm keine Nahrung zu sich, lag den Tag über mit weit offenen Augen voll angekleidet im Bett, und irrte in den Nächten im Gemach umher. Dann aber starb sie an Hunger und Grain darüber, daß sie in die Hin­richtung des Geliebten cingewilligt hatte, der voll Vertrauen ihre Gnade anrief." Die Geschichte ist von manchen Historikern bekämpft und von anderen bestätigt worden. Ein zeitgenössischer Brief von London an den schottischen Hof berichtet von jenen letzten Lebenstagen Elisabeths:Unsere Königin wird von der Gicht im Arme geplagt und von der Neue, den Tod des Grafen Essex zugelassen zu haben. Sie schläft nicht mehr so viel wie früher und ruht auch nicht in der Nacht. Ihre Freude ist es, int Dunkel zu sitzen und dann unter bitteren Tränen Essex zu beweinen." Der Ring ging seinerzeit in den Besitz der Tochter des Grafen Essex über und vererbte sich dann im Laufe der Jahrhunderte bis auf den kürzlich verstorbenen Lord John Thynne, aus dessen Nachlaß das historische Kleinod nun den Weg ins Versteigerungslokal nehmen wird.

Vermischtes.

* Hessische Walpurgisnacht-Bräuche. Aus Kassel wird derVoss. Ztg." unter dem 30. April geschrieben: In Kurhessen, namentlich aber in der Gegend von Homberg, hat sich ein eigenartiger Brauch in der Walpurgisnacht (Nacht zum 1. Mai) noch heute vielfach erhalten. Mit Peitschengeknall ziehen nachts die Burschen durch die Ort­schaften, um die Hexen zn vertreiben. Dann trennt sich einer der Burschen von den übrigen, begibt sich auf eine vor dem Dorfe gelegene Anhöhe oder besteigt, in Ermangelung einer solchen, einen Baum und ruft von oben herunter das soge­nannteLehen" aus:

Hier steh' ich auf der Höhe Und rufe aus das Lehen! Daß cs die Herrn recht wohl verstehn, Wem soll das (Mädchen) sein?"

Ein Bursche und ein Mädchen werden mit Namen genannt, und man kann sicher darauf rechnen, daß in den meisten Fällen später aus den beiden ein Paar wird. Das heute frei geübteLehen" geht auf eine mittelalterliche Zwangsformel zurück, die oft mit großer Härte angewendet worden ist und den Mädchen arge Herzensnot bereitete. In dem Städtchen Zierenberg bestand bis zum Jahre 1489 die eigentümliche Berechtigung der Herren, junge Mädchen nach Belieben mit Männern der fürstlichen Gunst zu verehe­lichen, unbekümmert um den Willen der Mädchen. Diese Berechtigung wurde nicht selten auch von Kaisern ausgeübt und drückte neben Zierenberg auch noch andere hessische Städte. Der Fürst sandte seinen Marschall vor das Haus der Erwählten und ließ sie als Lehen mit dem oder jenem Manne aufbieten, wobei der Marschall sich folgender For­mel bediente:

Höret, ihren Herrn überall, Was gebietet der Kaiser und Marschall. Was er gebeut, und das muß sein: Hier ruf ich ans N. N. mit N. N., Heut' zu Lehen, morgen zur Ehen, lieber ein Jahr zu einem Paar."

Erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts sind die Töch­ter von Zierenberg vor dieser Machtbefugnis der Herren sicher, und nur die obenerwähnte Volkssitte desLehens" erinnert noch tm jene alte Einrichtung. Ein anderer Brauch in der Walpurgisnacht zeigt, daß in Hessen der mittelalter» liche Glaube an Hexen noch nicht überall geschwunden ist. Wer etwa als Tourist am Abend vor Walpurgis aus dem schönen hessischen Bergland zurückkehrend durch die Ortschaf­

ten kommt, der findet noch manche Türen von Wohnungen und Stallungen mit drei Kreuzen versehen, die abergläubische Bewohner zum Schutz vor Hexerei angemalt haben.

* M als ch ulpr a x is. Bankier (der für seine Tochter ein außergewöhnlich hohes Honorar bezahlt):Fortschritte in der Malerei sind immer noch gleich Null! Woran liegt das? Hat sie kein Talent?" Professor (der sich die einträgliche Schülerin gern erhalten mochte):O, Talent in Hülle und Fülle, Herr Kommerzienrat! Aber die Malerei muß erst empfunden undj innerlich verarbeitet werden, ehe sie vom Kopf durch den Arms auf die Leinwand projiziert wird, und Ihr Fräulein Tochter hat eben leider .... sehr lange Arme!"

* In den Flitterwochen. Bekannter (zum lungert Ehepaar):Eine großartige Idee von Ihnen, die Hochzeits-i reise auf dem Ozean zu machen! .... Haben Sie auch die! Seekrankheit gehabt?" Junge Frau:O, natürlich . . . . 6ribe| zu gleicher Zeit! (zärtlich zn ihrem Gatten) Nicht wahr, Felix,' es war herrlich!?" , , r

* Selbsterkenntnis.Aber, Bemmchen, da haben Sch sich ja wieder einmal verrechnet!"Ja, wissen Se, Herr Prinzipal, im Rechnen bin ich Sie nämlich ä Luder, aber. ä dummes." __________

Viichertrsch.

Au8 meinem 3)1 erfbild) von Karl Schönherr, Verlag von L. Staackrnaim in Leipzig. Karl wchönherr hat mit seinem packenden DramaGlaube und HM mal", ba3. im G. A. mehrfach besprochen wurde, einen Erfolg errungen, wie er nur wenigen Dichtern vor ihm beschieden gewesen ist. Mit halt­losen Verdächtigungen, die jeder tatsächlichen Grundlage entbehrten, hat man ihn des Plagiats beschuldigt und er hat kühn und mann­haft darauf geantwortet, als ein ganzer Mann und ein ganzer Menfch. Gerad, stark, ehrlick), kantig so steht er and) in seinem neuesten Werk, den Skizzen aus seinem Merkbuch vor uns, mit der warmen, verstehenden Liebe zu allem was Leben hat und Odem. Ob er uns von dem kleinen Schulmädchen erzählt, das im kindischen Spiel ein lebendiges Zeugnis für die Unarten seiner Lehrerin ist, ob von feinem alten, seelenguten Berg­pf a r r e r l, oder dem greifen Hirt, ob von dem tragischen Tod des treuen Schnauzt ober der lustigen Geschichte des Ehren­postens oder der e r st e n B e i ch t, in jeder Zeile spürt man das warme, feinfühlige Herz des Dichters, über dem ein gütiges Auge lächelt. Den größten Eindruck haben mir die Tiroler Bauern in ihrem Kampf auf dem Isenberg gemacht, einer Skizze voll verhaltener, blutvoller Kraft, die er meisterlich entwickelt hat; daun das kurze, wehe Erlebnis, als der Vater starb, die treffliche, in ihrer Schliehtheit überwältigende Geschichte Die Mütter. Für Schönherrs prächtigen Humor zeugen Die Reinigung, Die Hoffnung der Mutter, Die Be- gegnuug mit dem DichterAdolfPichler, die famose Geschichte von den Raufern und die bereits genannte erste B e i ch t. N-

Schachaufgabe.

b

ä

1

Schwarz.

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6

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4

3

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1

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7

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Weiß.

Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt.

Auflösung in nädjfter Nummer.

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer1 Großer Menschen Werke zu seh'n, Schlägt einen nieder, Doch erhebt es and) wieder, Daß so etwas durch 3)lenfd)en gescheh'».

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»