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Wrieg da! Det nicht eher endet, als bis di« MDrnier der einen Partei ermordet sind. Oder bis ein öffentliches Friedensfest die Wegner vereint eine Heirat vielleicht den Bund- besiegelt.
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Am nächsten Tage sollten wir die alte Brigantenstraße hinauf- reile». Kam das Gespräch auf die Sicherheit, so erfolgten ausweichende Redensarten. Ein ehemaliger Karabiner, der vor mehreren Jahren dort stationiert gewesen war, zuckte die Achseln. Er erzählte, damals hätten die Räuber die Gegend unsicher gemacht, aber ohne den ritterlichen Sinn, der dem hartherzigen Reichen nimmt, um den Armeir zu geben. Ein Dorf wurde plötzlich von einer Bande überfallen, die Kärabiuierkäserue umstellt, ein Haus geplündert, jeder, der sich in den Weg stellte, niedergemacht. Die Räuber waren stets maskiert oder hatten ihre Gesichter geschwärzt. Der Karabinier rühmte aber die Organisation dieser seiner geschworenen Feinde und die Schnelligkeit, mit der sie's verstanden hätten, sich vor dem Ueberfall zu vereinigen und nachher in ihre. Verschiedenen, meist sehr entfernt gelegenen Heimatsorts znrückzngaloppieren, um jeden Verdacht von sich abzulenken. Ja, einer habe sich, zu Hause angekommen, sofort zic Bett gelegt Und deck Arzt rufeir lassen. Jetzt sei es sicherer geworden. Vor allem hätten Fremde zn wenig zu befürchten. Immerhin — 'chi lo sa! Verwegene Bnrschen — was ist denen ein Büchsenschuß! Uübrigens bekäme mau auf Verlangen zwei Karabiniers zur Begleitung, gegen zehn Lire von Station zu Station.
Unser alter Kutscher brummte verdrießlich vor sich hin: „Vergangene Zeiten!" Fügte aber hinzu: „Wenn man die Aüf- tuerksamkeit nicht auf sich lenkt! Besonders aber — wenn man all’ improviso kommt!
Und dann — ist's ein Bandit, ein „bravo huomine“, dä braucht’-) keine Angst zn haben!
Kurz und gut, nach mancherlei Unterhaltungen hierüber blieh Man zum Schlüsse ebenso klug wie zuvor.
Als wir auf unserem Saltafossa — man könnte diese Wagenart mit „Grabenhüpfer" übersetzen — int Dorf angekommen waren, wo Ivir den anderen Morgen zn Pferde steigen tvollten, lernten wir einen liebenswürdigen Karabinier-Leutnant kennen. Ungefragt erklär!« er alle Geschichten über die Unsicherheit der Gegend für Märchen. „Es war einmal!" Jetzt käme es nur daraus an, daß das Mailänder Kapital sich des Landes annähme, nm' bie moderne Zivilisation voll und ganz zu verbreiten: Piazza, Kaffee, Musik, schöne Damen . . . Indem er dies Phantasiebild entrollte, spuckte er in so elegantem Bogen durchs Zimmer, daß ich ibn um seine Kunstfertigkeit fast beneidete:
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Wir ritten in den Morgen hinein. Vorbei an einem Doppelposten Karabiniers.
■ Zn großen Serpentinen wand sich bie Straße vom Granitplateau zu Tal. Zurück blieb die Zwingburg der Gegend, der Kerker, in Fornt eines gewaltigen Turmes gebaut. Rechts und links wellige Weideflächen, mit Riesenblöcken übersät. Vor uns die zerrissene Schlucht eines stark gekrümmten Flusses. Auf der andern, Seite wildes Gebirge. Jit der Ferne die großen Formen der Landschaft ।— waldbedeckte Wölbungen, voll spitzen Granit- klippen durchbrochen, sich türmend zum schneebedeckten Scheitel der Insel.
Meines, laughörniges Hornvieh begegnete uns, Karren ziehend Mit speichenlosen, unbeweglichen Rädern, die mich an die Wagen Bosniens erinnerten. Auch dort drehen sich kreischend Rad und Achse zusammen, in einer Art von Gabel, nie mit Teer geschmiert — das antike Plaustrüm. Schon die Eimbern mögen so durch's Land gezogen sein. Auf einigen Karren lag hochanfrageudes Strauchwerk. Andere tarn eit weither, vom Süden der Insel; unter einem Plan ans Schilfgeflecht leuchteten die goldenen Früchte der Hesperidengärten von Mills.
Vereinzelte Reiter tauchten auf, die Flinte quer überm Sattelknopf. Scharfgeschnittene Gesichter unter rabenschwarzem Haar. Verwegen und scheu blicken sie uns an.
Dann wieder eine Patrouille der Karabiniers.
Wir überschritten den träge fließenden Fluß. Der Weg teilte sich. Der unsrige wand sich steiler bergan. Die Zwingburg entschwand den Blicken. Aus baumartiger Erika starrten Granitfelsen entgegen.
Es war entfallt.
Die Sonne bräunte. Selten gab das dunkle Laub einer Steineiche Schatten.
Um einen kürzeren Saumpfad zu reiten, bogen wir von der Straße ab.
Emsig kletterten unsere kleinen Pferde, die Ohren gespitzt. Wie geschickt und sicher setzten sie die Füße zwischen den rollenden Steinen.
Jetzt senkte sich der Pfad.
Wir bogen tun eine Felsecke. Scharfkantiger Porphyr. Daneben groß und gelb die Blüten des Aentnaginsters.
Tiefe Stille.
Rur ab und zu der schrille Schrei eines Raubvogels.
Plötzlich staud, wie aus der Erde gewachsen, ein famoser^Kerl vor uns. Die Doppelflinte auf der Schulter, die schwarze Mütze keck »ach vorn gerollt, ein Schaffell umgehängt, darunter die slanyurote Jacke, ' ' '
Er war allein.
Ein düsterer Blicks
Eitt kurzer Gruß.
Wir ritten weiter. ■ ■ " • . v
Er stand oben ulid sah Uns nach. Die Flinke blitzte iM Sonnenschein.
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Machen Karabiniers im Gebirge Jagd auf einen Banditen und haben ihn gestellt, so rufen sie ihm zu:
— Abarra! su Rei! Halt! im Namen des Königs!
Beim Namen des Königs, beit' er hoch achtet, bleibt der Bandit stehen, nimmt zum Zeichen der Ehrerbietung die Sack- tnütze vom Kopf und wirft sein langes, geflochtenes Haar über die Schultern. Dann ruft er zurück:
■— Den respecto su Rei! Sa conca tua a su Rei! Ich ehre den König! Dein Haupt dem König!
Tritt hinter einen Panin, schlägt an und — ein Karabinier! liegt auf der Strecke.
Der Ring der Königin Elisabeth von England.
So manche Jungfrau hat einst bei der traurigen Geschichte Tränen vergossen, die davon zu berichten wußte, wie ein schlichter Ning, der berühmte Reif der Königin Elisabeth, zwei liebende Herzen ins Unglück trieb und zwei Menschen ihr Leben verlieren ließ. Die Königin hatte dem Grafen Essex das Kleinod in glücklicher Stunde an den Finger gestreift und seine Rückgabe hätte das tragische Ende des Grafen Essex vermieden und auch Elisabeth länger leben lassen. Mehr als drei Jahrhunderte lang hat sich dieses von dem Schimmer der Romantik umstrahlte Kleinod als ein kostbarer Besitz von einem englischen Geschlecht zum andern fortgeerbt, bis jetzt die rauhe Wirklichkeit seinen Frieden stört. Am 19. Mai wird das Schlußkapitel von dem Ringe der Königin Elisabeth enden, den Schauplatz wird der Versteigerungssaal bei Christie bilden, und wer den größten Beutel hat, mag die legendcnnmwobene Reliquie Heimtragen. Der berühmte Reif ist aus Gold und mit schwarzen Blätterornamenten geziert, die sich von einem blau-emaillierten Grunde abheben. Den eigentlichen Stein bildet eine alte Kamee mit der Seitenansicht der Königin. Der Steinschneider, der das kleine Meisterwerk ausgeführt hat, ist nach Stil und Arbeitsweise derselbe unbekannte Italiener, der das berühmte Porträt Heinrichs VIII. geschnitten hat, das heute ein Schmuck der königlichen Sammlungen von Windsor bildet. Sir Dudley Carleton, der spätere Lord Dorchester, hat die rührende Geschichte dieses Kleinods der Liebe dem Prinzen Moritz erzählt, als er noch englischer Botschafter in Holland war. „Auf der Höhe ihres Liebesglückes gab die Königin Elisabeth dem Grafen Essex einen Ring, auf daß er ihn hüten möge, und sie sagte dabei, daß, was immer er auch tun möge, sie würde ihm verzeihen, wenn er ihr dies güldene Pfand zurückgäbe. Es nahte die Zeit, da die Feinde und Widersacher des Grafen bei der Königin Ohr fanden und ihn verdächtigten. Sie aber war zornig auf den Geliebten, weil er ihre entschwindende Schönheit gering zu schätzen schien." (Mau hatte ihr zugeslüstert, daß der Graf die Aeußerung getan habe: „Ihre Seele ist so mißgestaltet wie ihr Körper.") „Als er dann zum Tode verurteilt war, erwartete sic den Reif von ihm zurückzuempfangen, und sie wollte ihm verzeihen, wie sie ihm einst gelobt hatte. Der Graf wandte sich in seiner höchsten Rot an die Gattin des Admirals Howard, die Gräfin von Nottingham, die er kannte. Seine Bitte war, durch eine zuverlässige Person den Ring der Königin persönlich übergeben zu lassen. Aber der Gatte der Gräfin, der einer der größten Feinde von Essex war, machte seiner Frau, die ihm unklug die Bitte des Gefangenen verraten hatte, die Uebergabe des Ringes unmöglich. Tie Königin ober setzte ihren Namenszug unter das Todesurteil, denn sie war empört über den Hochmut und den Stolz eines Mannes, der lieber sterben zu wollen schien als ihre Gnade anzurufen. Einige Zeit später erkrankte die Gattin des Admirals, und als sie von ihren Aerzten aufgegcben ward, bat sie die Königin, ans Sterbebett zu kommen, denn sie habe ihr ein wichtiges Geheimnis anzuvertrauen. Die Königin kam, die Diener mußten den Raum verlassen, und dann gab die Gräfin — zu spät — der Königin den Ring des Grafen Essex. Sie gestand, daß ihr


