Ausgabe 
10.5.1911
 
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Roman von Georg Freiherrn von OmPtedL, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Fa, wir hatten nn§ ließ, lieb, wie nnr zwei Menschen sich haben können. Nie hatte ich geahnt, daß es so Ware, wenn zwei füreinander beben. Nie hatte ich für möglich gehalten solche Seligkeit, solches Genügen, solchen Frre- den. Und ich neigte mich von Tag zu Tag mehr Marias Wunsch zu, allein zu leben, fern von den anderen Menschen. , . . ,

In dieser seligen Zeit junger Liebe hatten toir so das Bedrüfnis, allein zu sein, daß wir unfern Plan, Herzelorden in der Schweiz zu besuchen, von Woche zu Woche verschoben. Wir trösteten uns immer mit der Redensart:Wir gehen später hin." Neber diesemspäter" aber verstrich der Som­mer, und der Herbst stand vor der Tür. Es war das ern- aetreten, was im Welteulauf, solange eine Tochter das Vaterhaus mit dem des geliebten Mannes vertauscht, noch je und je die Eltern gekränkt haben wird: in unserem Gluck hatten wir sie ein wenig vergessen. Wir schrieben wohl, aber der Gedanke ward nicht ausgesprochen, oder doch nicht greifbar, in einen Plan umzusetzen, daß wir sre sehen wollten. .

Das gab eine Verstimmung, und einmal kam Maria weinend mit einem Briefe ihrer Mutter zu mir. Ich fragte, was denn sei. Und ich erfuhr, wie die Eltern, traurig i darüber schienen, daß ihr Kind, fie über ihrem Manne ganz vergesse! Meine Frau aber kniete nieder an meiner Seite, öffnete ihre Arme, schlang sie mir um den Hals, blickte mich an und sprach: _ ,. ,

Das kommt daher, daß ich dich so heb habe.

Wie ich sie küßte, gestand sie mir, indem sie zum ersten Male über das sprach, was in nuferen Herzen

Ich habe dich so lieb, daß ich an keinen anderen Menschen mehr denke aus der ganzen Erde, llnd sieh, Fritz, es ist wahr, was meine Eltern schreiben. Aber soll ich lügen? 'Ich liebe doch nnr dich. Ich denke an oich den ganzen Tag. Was soll denn nur werden, wenn du wieder zum Dienst mußt. Ach, ich fürchte mich' so sehr düvor! , ,,r. , r

!Aber so glücklich ich auch war, ich redete ihr zu, daß wir ihre Eltern sehen wollten. Wir trafen uns mit ihnen acht Tage darauf, denn Maria lind ich hatten ihnen emen Brief geschrieben, offen und ehrlich von unserem alles ver- gesf enden Glück. Ich dankte ihnen tausendfach, weil sie Mir ihr Kind gegeben, das mich' so glücklich' gemacht, W ich nicht glaubte, es könne ein Lebender je so glücklich sem. Sie dankte den bdiden für ihre Einwilligung, dem Manne gnzngehö.reii, der sie täglich wie sie schrieb lehre.

daß auf der Erde alles schön und.herrlich M well Vitt selige Augen es erblickten, daß nur eines hiemeden Geltung hat:Darum liebet einander!" .

Sie gab das Gefühl wieder, d'as rn unseren Herzen zitterte, das einst ausgesprochen lener Sang aus fernen Rittertagen, dessen von der Vogelweid:Mmne ist zweier Herzen Wonne^ einst geboren

ward, von seinem Haus und Herd nicht wert, tnjöo^n, trafen wir mit den Eltern zusammen. Als |te dem Zuge entstiegen, hielt ich mich etwas zuruck,. daß sw allein mit ihrer Tochter wären. Doch der Geheimrat zog mich zu ihnen, und dann blickten wir uns alle vier an, ohne em Wort zu reden, als wollten wir feststellen: "Wir stnd doch noch die gleichen!" Ich ging mit. meinem Schwieger­vater Arm in Arm voraus. Die beiden Damen folgten.

^Lassen wir sie ein wenig für sich Mutter und Tochter werdeii sich manches zu erzählen haben.

Mit . keinem Wort war die Rede von emer Verstim­mung. Die Trennung ward nicht erwähnt. Mir schien es, als wären wir immer zusammen gewesen. Der^ Geheim­rat erzählte mir von den Bergfahrten, dre er dieses ^ahr gemacht, mit all der Begeisterung, mit der. Gegen andüch feit, mit der er immer redete, und nur gan zleise klang durch, wie ihnen die Tochter auf schritt und Tritt hätte. Dann, als in den nächsten Tagen einmal Kater und Tochter mitsammen gingen, sagte nur .Marias Mutter das Gleiche. Ich aber empsand unter buh en Menschen, mit denen ichi-nr Denken und Fühlen übereinstimmte wie mtt ' meiner Frau, das hohe Glück, sich eins zu suhlen in Rasse ; und Abstammung, in Lebensverhältnipen, Anschauungen

Es waren herrliche Tage im herbstlichen Bozen. Wir wohnten imGreiff", dem lieben, bewahrten Hause am Walterplatz, auf dem das marmorne Bild jenes seligen Sängers sich erhebt, der einst so fuß gesungen ha? von der Minne! Bor dem Hotel standen die Tifche und Stühle weit hinaus auf dem Platz, ein Viereck, umgeben von südländischen Bäumchen in Kubeln DaMs, Thuya, Evonymus, Juniperus Noch abends war es warm, wenn wir dort draußen unter stWiem H . mel saßen Ach, es waren köstliche Stunden! Rundum Tisch an Tisch besetzt: die Nachzügler ans den Ber­gen die hier den schweren Abschied nahmen vom fdiönen Land Tirol, ehe sie den Zug bestiegen, der sie schnaufend über den Brenner, der Heimat zusuhrte. Dder mrdme die nach dem Süden, na chJtalien reisend noch eiu- mal Halt machten in der letzten Stadt deutscher Zunge.

fhmrTmn es die in ihren weißen Kleidern oder dem Bunt ihrer Tracht hin^und her eilten, au Stelle des.Fracks der welschen Hotels, dem Gast die Gemütlichkeit der süddeutschen Art kündend. Die Leute, die dort faßen, nicht so elegam wie